Dienstag, 5.März

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Eduard Mörike
In der Frühe

Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir,
Dort gehet schon der Tag herfür
An meinem Kammerfenster.
Es wühlet mein verstörter Sinn
Noch zwischen Zweifeln her und hin
Und schaffet Nachtgespenster.
– Ängste, quäle
Dich nicht länger, meine Seele!
Freu dich! schon sind da und dorten
Morgenglocken wach geworden.
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Dacia Maraini: „Tage im August
Aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
Folio Verlag € 25,00

Diese Neuübersetzung wurde im Deutschen mehrfach neu entdeckt. Zuletzt vor fast 20 Jahren im Piper Verlag. Das Buch spielt 1943 am Meer bei Rom, kam im Original unter dem Titel „La vacanza“ Anfang der 60er Jahre heraus und hat nichts von seiner Aktualität verloren. „La vacanza“ bedeutet natürlich die großen Sommerferien, aber auch eine Leerstelle. Und diesen leeren Fleck möchte die Protagonistin Anna füllen.
Dacia Maraini wurde 1936 geboren, verbrachte einige Jahre ihrer Kindheit in Japan, eine Zeit in einem Konzentrationslager und entwickelte sich, nicht nur in der Literatur, zu einer der wichtigsten Stimmen zur Gleichberechtigung von Frauen in Italien. Diese Erfahrungen spiegeln sich in ihren Romanen wieder
Hier nun ist es die 14 jährige Anna, die mit ihrem jüngeren Bruder in einem Nonneninternat zur Schule geht. Ihr Vater holt sie mit dem Motorrad ab, um sie mit ans Meer zu nehmen und ihnen ihre neue Mama vorzustellen, da ihre leibliche Mutter schon gestorben ist. Was und wie und mit wem ihr Vater arbeitet bleibt undurchsichtig und ist auch nicht ganz ungefährlich, wenn man im Krieg mit den falschen Menschen Kontakte hält.
Am Meer ist es heiss und schwül. Diese Stimmung spiegelt sich auch in den Personen wieder, die keinen festen Boden unter den Füßen haben und nicht wissen, wie das Leben nach dem Krieg weitergehen wird. Während über Rom die Bomben herunterfliegen, ist Anna hunrig nach der Welt. Sie will wissen, wie Liebe wirklich geht. Doch was sie erlebt ist nicht Zuneigung und Nähe, sondern die Gier der jungen und alten Männer. Anna lässt sich darauf ein und sammelt Eindrücke, die sie nach dem Sommer wieder mit in ihr Internat nimmt.
Dacia Mariani hat diesen Roman mit 17 Jahren geschrieben und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Veröffentlichung ohne Reibereien vonstatten gegangen ist. Dieser unterschwellige Angriff auf die archaische, patriarchale Welt der 60er Jahre in Italien war sicherlich nicht mit der Einstellung der Autorin einverstanden.
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Heute Abend liest Clemens Grote ab 19 Uhr aus vier neuen Romanen.
Vielleicht haben Sie Zeit.
Wir freuen uns.
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Mittwoch

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Heute haben
Bernhard Kellermann * 1879
Giorgio Bassani * 1916
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
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Unser gestriges „Shortlistlesen“ ergab nach der Abstimmung ein Siegerbuch. Auch wenn es knapp herging und Clemens Grote zwei Gedichte von Jan Wagner als Zugabe wiederholen musste, schaffte es „Zeiden, im Januar“ von Ursula Ackrill aus dem Wagenbach Verlag bei uns auf Platz eins.

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Ich gebe dieses Ergebnis nach Leipzig weiter und wir schauen, was die daraus machen.
Dank an alle, die mitgemacht haben und natürlich einen extra Dank an Clemens Grote, der uns die Texte wieder einmal gekonnt nahegebracht hat.
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Es gibt Neues von Britta Teckentrup und es wird immer kniffliger.
Da müssen sich die Erwachsenen aber ordentlich anstrengen, um vor den Kleinen die Lösung zu finden.

Britta Teckentrup:“Wir gehören zusammen!“
Ein Such-Buch
Originaltitel: Where’s the pair?
Ab 4 Jahren
Prestel Verlag € 12,99

Es ist wirklich nicht leicht die Paare aus diesen Wimmelbilder herauszufinden.
War es im ersten Band noch so, dass wir aus einem Schwarm Fledermäusen, einer Gruppe von Schildkröten, einer Kolonie von Pinguinen, … ein Tier herauszufinden, das anders war, dreht sie nun die Spieß um. Paare finden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Britta Teckentrup, die im englischen Raum viele Bilderbücher herausgebracht hat, zeigt sich hier wieder als einzigartige Grafikerin und Illustratorin und hebt sich ab von allen anderen Wimmelbüchern, die auf dem Markt sind.

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Ein Rudel Hunde im Park
schnuppert an den schönsten Stellen,
bis ein Hund beginnt,
lauthals zu bellen.

Sie kläffen und heulen
und rennen blitzschnell.
Findest du die Geschwister
mit genau gleichem Fell?

Na dann mal los, liebe LeserInnen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

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Und auch hier wird es nicht einfacher.
An diesen wenigen Beispielen merken Sie schon die künstlerische Qualität von Britta Teckentrup. Stimmig dazu ist das Papier ausgewählt worden und das kleine Kunstwerk liegt schön in der Hand.
So wünsche ich Ihnen noch viel Erfolg bei der Suche nach den zwei Bären mit den Schals im Partnerlook, den Vögeln mit dem gleichen Federkleid, den Fische, die gegen den Strom schwimmen, …

Britta Teckentrup wurde in Hamburg geboren und hat am Saint Martins College of Art und am Royal College of Art in London Kunst und Illustration studiert. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher und ihre Arbeiten werden häufig in Ausstellungen gezeigt. Heute lebt sie zusammen mit ihrem schottischen Ehemann, ihrem Sohn Vincent und ihrem Kater Oskar in Berlin.
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Unsere nächste Veranstaltung ist Ende des Monats:

Freitag, 27.März um 19 Uhr
Thomas Thiel: Als Militärpfarrer in Afghanistan

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Gefolgt von einer zweiten Ausgabe von „Literalotto
am Dienstag, den 31.März um 19 Uhr
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Mehr aus der Welt der Bücher finden Sie auch auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
und
Wiebuecherleben.tumblr.com
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