Donnerstag, 13.April

Heute haben
Roda Roda * 1972
Samuel Beckett * 1906
Stephan Hermlin * 1915
Seamus Heaney * 1939
G.Le Clezio * 1940
Zeruya Shalev * 1959
Geburtstag
und es ist der Todestag von
Giorgio Bassani, Eduardo Galeano und Günter Grass
__________________________________

Winfried Hermann Bauer
Hoffnung

Irgendwann
wenn wir Farben riechen
Und Töne schmecken
Wenn wir Raum und Zeit
Begreifen
Werden wir bereit sein
Vielleicht
Und frei genug
Für den nächsten Schritt
Auf dem Weg
Hinauf
In die Tiefe
Zu den Sternen
In uns
Um Wurzeln zu schlagen
Zwischen den Zeilen der Unendlichkeit…
____________________________________

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse stellt Annette Knoch
am Donnerstag, den 20. April ab 19 Uhr
ihren Droschl Verlag bei uns in der Buchhandlung vor.
Mit dabei Bodo Hell und Carolina Schutti mit ihrem Buch: „Meeresbrise“

Foto: Simon Rainer

Unsere Besprechung auf dem Jastramblog vom 18.März:

In diesem schmalen Roman von Carolina Schutti steckt die ganze Welt. Sie erzählt darin das Aufwachsen zweier Mädchen, deren alleinerziehende Mutter sie mit Geschichten, mit Manipulation, mit Strenge, vor der Aussenwelt schützen will. Für sie sind ihre Töchter zwei Prinzessinnen, für die Dorfbewohner zwei Hurenkinder. Der Vater der einen Tochter stürzte sich von einer Brücke, die andere Tochter wurde gewaltsam gezeugt.
Das alles wird jedoch aus der kindlichen Sicht erzählt. Die beiden Mädchen hängen sehr aneinander und tauschen sich immer wieder ihre unbekannten Väter, so dass sie oft nicht wissen, wer denn nun der richtige ist. Carolina Schutti begibt sich ganz nah und auf Augenhöhe mit den beiden, schildert deren Erfahrungen in der Schule und mit Freundinnen, aber auch das undurchsichtige Verhalten der Mutter.
Das kindlichen Spiel, das den Alltag verdrängen soll, bekommt Risse, als das ältere Mädchen in die Pubertät kommt und sie ihre Situation hinterfragt, neugierig wird und sie endlich das Meer in Wirklichkeit sehen will und nicht nur aus dem Kinderatlas, dem einzigen Buch das es im Haushalt gibt und mit dem sie sich die Welt erklärt haben.

Mit „Meeresbrise“ ist der Autorin ein Sprachkunststück gelungen. So unaufgeregt sie erzählt, so eindringlich sind ihre Bilder geworden.


Presse

»Ein Schweben und nur die Ahnung eines Abgrunds erzeugen eine unglaubliche und mitunter unheimliche Sogwirkung. Literatur, die berührt, weil sie die Finger auf die Fragilität des Lebens legt.« (Bernd Melichar, Kleine Zeitung)

»Mit dem aktuellen Roman Meeresbrise gelingt der Autorin auf schmalem Platz ein Meisterstück.« (Sylvia Treidl, Buchkultur)

»Ein schmales Buch, aber eines, das eine ganze Welt in sich birgt, eine Welt aus Lügen und Märchen, mit denen eine etwas seltsame Mutter ihre zwei Töchter eingesponnen hat.« (Martin Sailer, ORF Tirol)

»Kurze Kapitel und Sätze, die nachhallen. Eine Empfehlung.« (Hans Rouven, ekz)

»Schutti verknüpft grundlegende Themen wie familiäre Gewalt, daraus entstandene Traumata und das Errichten einer imaginären Schutz-Welt mit dem schlussendlichen Versuch, aus diesem Leben auszubrechen. Ein zeitgemäßer und wichtiger Roman.« (Hubert Berger, Kronen Zeitung)

»Die Macht der Sprache kann helfen, Lügengebäude zum Einsturz zu bringen: Im Roman Meeresbrise erzählt die Tiroler Autorin Carolina Schutti von einer Selbstbefreiung.« (Anton Thuswaldner, Salzburger Nachrichten)

»Nur 120 Seiten braucht Carolina Schutti, um die bittersüße Geschichte aus unverblümter und doch poetischer Kindersicht zu erzählen.« (Ines Garherr, APA)

»Carolina Schuttis Meeresbrise lässt sich auf vielerlei Weise lesen: als sozialkritischer Roman, der die Ausgrenzung einer Alleinerziehenden und ihrer beiden Töchter in einem Dorf sowie deren Armutsgefährdung darstellt; als Coming-of-Age-Roman, der die Befreiung eines Mädchens aus der engen Familienwelt darstellt, als Sprachkunstwerk, das den Grad des Erzählens aus der Wir-Perspektive zu einer Ich-Erzählung bravourös meistert. Das Grandiose dieses Textes besteht darin, dass er in der Überwindung der Genregrenzen alles zugleich ist.« (Anna Rottensteiner, Literatur in Tirol)

»Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Besonders, wenn sie so eingesetzt wird wie in Meeresbrise von Carolina Schutti.« (Michael Pick, Literatüren)

»Die Lektüre ist eine Freude und regt zum Nachdenken an – was will man mehr?« (Joachim Schwend, Kreuzer)

»Verführerisch schön ist die Poetik, die in diesen Text eingewoben ist, sie macht das Schwere der Erzählung leicht und bekömmlich.« (Gudrun Braunsperger, Ö1 Ex Libris)

»Wie langwierig die Prozesse der Erkenntnis sind, wie mühsam das Herauslösen von missbräuchlichen familiären Beziehungsverhältnissen, wird in diesem Roman brillant zur Sprache gebracht. Und die akribische Sprachkünstlerin Carolina Schutti hat darüber hinaus einen zeitgemäßen Roman über das Hinsehen geschrieben, der auch davon erzählt, dass selbst kleinste Gesten der Außenwelt dazu imstande sind, die inneren Kräfte von Betroffenen zu mobilisieren.« (Gerlinde Tamerl, Der Standard)

_____________________________________


Start in Ulm ist der 1.Mai.
Anmelden können Sie sich hier.
Kommune angeben und einem Team beitreten. Z.B. dem Team „Buchhandlung Jastram“
Mit der kostenlosen App sind Sie immer live dabei und sehen Ihre Radelstrecken.
Viel Spaß jetzt schon mal.

Mittwoch, 12.April

Heute haben
Alexander Ostrowski * 1823
Gustav Lübbe * 1918
Tom Clancy * 1947
Antje Rávic Strubel * 1974
Geburtstag
_________________________________

Heinrich Heine
Kluge Sterne

Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.

Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.

Die Sterne sind klug, sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.
___________________________________

Rätseln für die ganze Familie:


Christina Braun Redaktion/Texte), Meike Töpperwien (Illustrationen):
133 spannende Quizfragen für schlaue Grundschulkinder

Welchen Doppellaut kannst du auch essen? Wie viele Sprachen gibt es? Welche beiden Zahlen versteht ein Computer? Warum sind Apfelmännchen kein Obst? Mit welcher Redewendung sparst du zu Hause Energie? Warum entstehen die Jahreszeiten? Welches kleine Tier zeichnete Albrecht Dürer? Wieviele Zeitzonen gibt es auf der Erde? Die fünf olympischen Ringe symbolisieren …?, und und und.

Mathe, Deutsch, Sport, Kunst und Musik sind die einzelnen Kapitel überschrieben und die spannenden Antworten regen zum Knobeln und Nachdenken an. Genialer Rästelspaß, an dem nicht nur allein, sondern auch zu zweit, mit Freunden, Geschwistern, Eltern oder Großeltern getüftelt werden kann!
Natürlich gibt im Anhang die Lösungen, die zusätzlich mit erklärenden Informationen gefüttert sind.
______________________________________

Unsere nächsten Veranstaltungen:

Mittwoch, 19.April, 19 Uhr
Janina Hecht: „In diesen Sommern“

Sparkasse Ulm, Neue Mitte
Eintritt € 17, inkl. Buffet.
Der Erlös geht an das Kinderschutzzentrum des Kinderschutzbundes Ulm/Neu-Ulm
_______________________________________

Mittwoch, 19. April, 19.00 Uhr
Ayala Goldmann:Schabbatkind
Das Leben des Ulmer Transplantationsmediziners Shraga Felix Goldmann
In Ihrem Buch  „Schabbatkind“ schreibt Ayala Goldmannüber ihren Vater Shraga Felix Goldmann.
Er hat als Professor für Transplantationsmedizin an der Universität Ulm das Zentrale Knochenmarksspenderregister (ZKRD) mitbegründet und war auch im jüdisch-christlichen Dialog aktiv.  Die Geschichte einer christlich-jüdischen Familie in Deutschland und in Israel.

Die Autorin ist in Ulm aufgewachsen und heute Journalistin der „Jüdischen Allgemeinen“ in Berlin.
Haus der Begegnung Ulm, Grüner Hof 1
Eintritt 6,00 EUR/erm. 4,00 EUR
________________________________________

Österreich auf der Leipziger Buchmesse

Donnerstag, 20.April, 19 Uhr
Der Droschl Verlag stellt sich vor.

Die Verlagsleiterin Annette Knoch hat
Carolina Schutti und Bodo Hell mit im Gepäck.
Zusätzlich noch ein paar Flaschen Steirischen Wein.
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 6,00
Bitte rechtzeitig Plätze reservieren
_______________________________________

Österreich auf der Leipziger Buchmesse

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 10,00
Bitte rechtzeitig Plätze reservieren

Dienstag, 28.März


Heute haben
Maxim Gorki * 1868
Bohumil Hrabal * 1914
Gerhard Fritsch * 1924
Marianne Fredrikssen * 1927
Mario Vargas Llosa * 1936
Jürgen Lodemann * 1936
Tilman Röhrig * 1945
Geburtstag
______________________________________

„Kein Frühling weiß so traut und wohl zu klingen,
Als wenn zum Herzen Freundesworte dringen;
So tönt kein Lied in kummervollen Stunden,
Wie wenn der Freund das rechte Wort gefunden.“
Nikolaus Lenau
_______________________________________

Unser Jugendbuchtipp:


Véronique Petit: „Sechs Leben
Aus dem Französischen von Anne-Kathrin Häfner
Mixtvision Verlag € 9,00
Jugendbuch ab 12 Jahren

Was machen mit sechs Leben? Die Autorin Véronique Petit spielt in ihren Romanen immer wieder mit Fantasy-Elementen. So auch hier. Es ist klar, dass Menschen mehrere Leben bekommen können. Sechs ist die Höchstzahl und der 15-jährige Gabriel hat sie bekommen. Er bekommt sofort psychologische Betreuung, wie alle, denen es auch so ergeht. Aber was jetzt machen mit diesen unverhofften Möglichkeiten? Wie gehen seine Mitschüler:innen mit ihren Leben um, wie gehen sie mit ihm um, der den Höchstpreis bekommen hat?
Véronique Petit erzählt rasant von Abenteuer zu Abenteuer und wir lesen mit wachsender Spannung. Entstanden ist dabei kein Thriller, kein Fantasy-Roman, sondern ein Stück im Leben Gabriels vom Kind zum Erwachsenwerden.

Leseprobe
_________________________________________

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse und dem Schwerpunktland Österreich
haben wir den Droschl Verlag und Milena Michiko Flašar zu uns eingeladen.

Donnerstag, 20.April, 19 Uhr. Der Literaturverlag Droschl stellt sich vor.

Kurz bevor Österreich Gastland auf der Leipziger Buchmesse ist, präsentiert sich Österreichs feine Adresse für Literatur: Verlegerin Annette Knoch stellt ihren Verlag vor, erzählt zu Programm, Idee und Geschichte des Hauses. Danach werden zwei druckfrische Neuerscheinungen präsentiert:

Die Tirolerin Carolina Schutti, Droschl-Autorin seit 2021, liest aus ihrem Roman „Meeresbrise„.
„Ein schmales Buch, aber eines, das eine ganze Welt in sich birgt, eine Welt aus Lügen und Märchen, mit denen eine etwas seltsame Mutter ihre zwei Töchter eingesponnen hat.“ (Martin Sailer, ORF)

Anschließend tritt Bodo Hell auf, Droschl-Autor der ersten Stunde, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat und nach wie vor jeden Sommer als Senner im Dachsteingebirge arbeitet. In seinem neuen Buch „Begabte Bäume“ gibt er vom Ahorn bis hin zur Zirbe Botanisches, Historisches, Kulturgeschichtliches, Erstaunliches, Listiges und Listen zum Besten und führt uns durch Österreichs Vergangenheit und Gegenwart.
Nach der Veranstaltung lädt der Verlag zu einem Glas steirischen Wein.

Literaturverlag Droschl Stenggstraße 33 A-8043 Graz
_______________________________________

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flašar: „Oben Erde, unten Himmel“

„Alleinstehend. Mit Hamster“, so beschreibt sie sich selbst. Suzu lebt in einer japanischen Großstadt. Unscheinbar. Durchscheinend fast. Der neue Job aber verändert alles. Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung.
Herr Ono ist unbemerkt verstorben. Allein. Es gibt viele wie ihn, immer mehr. Erst wenn es wärmer wird, rufen die Nachbarn die Polizei. Und dann Herrn Sakai mit dem Putztrupp, zu dem Suzu nun gehört. Sie sind spezialisiert auf solche Kodokushi-Fälle. „Fräulein Suzu“, wie der Chef sie nennt, fügt sich widerstrebend in die neuen Aufgaben. Es braucht dafür viel Geduld, Ehrfurcht und Sorgfalt, außerdem einen robusten Magen. Die Städte wachsen, zugleich entfernt man sich voneinander, und häufig verschwimmt die Grenze zwischen Desinteresse und Diskretion.
Suzu lernt schnell. Und sie lernt schnell Menschen kennen. Tote wie Lebendige, mit ganz unterschiedlichen Daseinswegen. Sie sieht Fassaden bröckeln und ihre eigene porös werden. Und obwohl ihr Goldhamster sich neuerdings vor ihr versteckt, ist sie mit einem Mal viel weniger allein.
Milena Michiko Flašar hat eine frische, oft heitere Sprache für ein großes Thema unserer Zeit gefunden. Und sie hat liebenswert verschusselte Figuren erschaffen, die man gern begleitet. Ein unvergesslicher, hellwacher Roman über die ›letzten Dinge‹.
__________________________________

Bitte reservieren Sie sich rechtzeitig Plätze, damit Sie sie bei den besonderen Veranstaltungen dabei sein können.


Montag, 27.März


Heute haben Geburtstag:
Heinrich Mann * 1871
Francis Ponge * 1899
Golo Mann * 1909
Hansjörg Schneider * 1938
Harry Rowohlt * 1945
Dubravka Ugresic * 1949
Patrick McCabe * 1955
__________________________

Selma Meerbaum-Eisinger
Frühling

Sonne. Und noch ein bißchen aufgetauter Schnee
und Wasser, das von allen Dächern tropft,
und dann ein bloßer Absatz, welcher klopft,
und Straßen, die in nasser Glattheit glänzen,
und Gräser, welche hinter hohen Fenzen
dastehen, wie ein halbverscheuchtes Reh …

Himmel. Und milder, warmer Regen, welcher fällt,
und dann ein Hund, der sinn- und grundlos bellt,
ein Mantel, welcher offen weht,
ein dünnes Kleid, das wie ein Lachen steht,
in einer Kinderhand ein bißchen nasser Schnee
und in den Augen Warten auf den ersten Klee …

Frühling. Die Bäume sind erst jetzt ganz kahl
und jeder Strauch ist wie ein weicher Schall
als erste Nachricht von dem neuen Glück.
Und morgen kehren Schwalben auch zurück.
___________________________________

Wiederentdeckt:


Tarjei Vesaas: „Der Keim
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel
Guggolz Verlag € 24,00

Das ist der dritte Roman des norwegischen Autoren, den Sebastian Guggloz in seinem Verlag herausbringt. Der dritte und gleichzeitig auch der älteste von den dreien. 1940 erschienen, im Jahr der Besatzung Norwegens durch die deutsche Armee. Treffender könnte der Inhalt des Buches kaum sein. In seiner verknappten Sprache spielt Tarje Vesaas mit den Gefühlen der Personen in seinem Buch und auch mit unseren Beziehungen zu ihnen.
Auf einer kleinen norwegischen Insel, auf der jeder jede kennt, geschieht aus heiterem Himmel ein Mord aus dem Affekt heraus, der nicht nachvollziehbar ist. Sofort macht sich die Insel-Dorf-Gemeinschaft zu einer Hetzjagd auf, um den fremden Menschen und Mörder, der erst kurz vorher mit dem Schiff angekommen ist, zu finden, ihn zur Rede zu stellen und ihn hinzurichten. Rolv Li der Bruder der toten jungen Frau und Sohn des Großbauern befindet sich inmitten der Meute und ersticht den Täter, nachdem dieser von allen umringt worden ist. Alle machen sich bei diesem zweiten Lynchmord schuldig, aber sie zeigen mit ihren Fingern auf Rolv.
Das sich an diesem Sommertag etwas tragisches geschehen wird, bahnt sich an, da Tarjei Vesaas zu Beginn des Romanes mit einer sehr merkwürdigen Szene aus dem Schweinestalls des Bauern beginnt, in dem zwei Schweine komplett durchdrehen und versuchen sich zu zerfleischen.
Im Roman spielen Schuld und Sühne, sinnlose Gewalt, Familienbande und Ausbrechen aus der Inselgemeinschaft wichtige Rollen und zeigen hier schon das außergewöhnliche schriftstellerische Können des Autoren, wie wir es aus „Die Vögel“ und „Das Eisschloß“ kennen.
_________________________________________


Im Rahmen der Leipziger Buchmesse und dem Schwerpunktland Österreich
haben wir den Droschl Verlag und Milena Michiko Flasar zu uns eingeladen.

Donnerstag, 20.April, 19 Uhr. Der Literaturverlag Droschl stellt sich vor.

Kurz bevor Österreich Gastland auf der Leipziger Buchmesse ist, präsentiert sich Österreichs feine Adresse für Literatur: Verlegerin Annette Knoch stellt ihren Verlag vor, erzählt zu Programm, Idee und Geschichte des Hauses. Danach werden zwei druckfrische Neuerscheinungen präsentiert:

Die Tirolerin Carolina Schutti, Droschl-Autorin seit 2021, liest aus ihrem Roman „Meeresbrise„.
„Ein schmales Buch, aber eines, das eine ganze Welt in sich birgt, eine Welt aus Lügen und Märchen, mit denen eine etwas seltsame Mutter ihre zwei Töchter eingesponnen hat.“ (Martin Sailer, ORF)

Anschließend tritt Bodo Hell auf, Droschl-Autor der ersten Stunde, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat und nach wie vor jeden Sommer als Senner im Dachsteingebirge arbeitet. In seinem neuen Buch „Begabte Bäume“ gibt er vom Ahorn bis hin zur Zirbe Botanisches, Historisches, Kulturgeschichtliches, Erstaunliches, Listiges und Listen zum Besten und führt uns durch Österreichs Vergangenheit und Gegenwart.
Nach der Veranstaltung lädt der Verlag zu einem Glas steirischen Wein.

Literaturverlag Droschl Stenggstraße 33 A-8043 Graz
_______________________________________

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

»Alleinstehend. Mit Hamster«, so beschreibt sie sich selbst. Suzu lebt in einer japanischen Großstadt. Unscheinbar. Durchscheinend fast. Der neue Job aber verändert alles. Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung.
Herr Ono ist unbemerkt verstorben. Allein. Es gibt viele wie ihn, immer mehr. Erst wenn es wärmer wird, rufen die Nachbarn die Polizei. Und dann Herrn Sakai mit dem Putztrupp, zu dem Suzu nun gehört. Sie sind spezialisiert auf solche Kodokushi-Fälle. »Fräulein Suzu«, wie der Chef sie nennt, fügt sich widerstrebend in die neuen Aufgaben. Es braucht dafür viel Geduld, Ehrfurcht und Sorgfalt, außerdem einen robusten Magen. Die Städte wachsen, zugleich entfernt man sich voneinander, und häufig verschwimmt die Grenze zwischen Desinteresse und Diskretion.
Suzu lernt schnell. Und sie lernt schnell Menschen kennen. Tote wie Lebendige, mit ganz unterschiedlichen Daseinswegen. Sie sieht Fassaden bröckeln und ihre eigene porös werden. Und obwohl ihr Goldhamster sich neuerdings vor ihr versteckt, ist sie mit einem Mal viel weniger allein.
Milena Michiko Flašar hat eine frische, oft heitere Sprache für ein großes Thema unserer Zeit gefunden. Und sie hat liebenswert verschusselte Figuren erschaffen, die man gern begleitet. Ein unvergesslicher, hellwacher Roman über die ›letzten Dinge‹.
__________________________________

Bitte reservieren Sie sich rechtzeitig Plätze, damit Sie sie bei den besonderen Veranstaltungen dabei sein können.


Samstag, 18.März

Heute haben
Stéphane Mallarmé * 1842
Christa Wolf * 1929
John Updike * 1932
Sergio Pitol * 1933
Joy Fielding * 1945
Geburtstag
__________________________________

„Laß durch nichts in der Welt dich binden als durch deine höchste innere Wahrheit.“
Emma Herwegh (1817 – 1904),
verheiratet mit dem Dichter Georg Herwegh, deutsche Revolutionärin, Vorkämpferin der Frauenrechtsbewegung.
___________________________________

Carolina Schutti kommt zu uns in die Buchhandlung.


Carolina Schutti: „Meeresbrise
Droschl Verlag € 21,00

In diesem schmalen Roman von Carolina Schutti steckt die ganze Welt. Sie erzählt darin das Aufwachsen zweier Mädchen, deren alleinerziehende Mutter sie mit Geschichten, mit Manipulation, mit Strenge, vor der Aussenwelt schützen will. Für sie sind ihre Töchter zwei Prinzessinnen, für die Dorfbewohner zwei Hurenkinder. Der Vater der einen Tochter stürzte sich von einer Brücke, die andere Tochter wurde gewaltsam gezeugt.
Das alles wird jedoch aus der kindlichen Sicht erzählt. Die beiden Mädchen hängen sehr aneinander und tauschen sich immer wieder ihre unbekannten Väter, so dass sie oft nicht wissen, wer denn nun der richtige ist. Carolina Schutti begibt sich ganz nah und auf Augenhöhe mit den beiden, schildert deren Erfahrungen in der Schule und mit Freundinnen, aber auch das undurchsichtige Verhalten der Mutter.
Das kindlichen Spiel, das den Alltag verdrängen soll, bekommt Risse, als das ältere Mädchen in die Pubertät kommt und sie ihre Situation hinterfragt, neugierig wird und sie endlich das Meer in Wirklichkeit sehen will und nicht nur aus dem Kinderatlas, dem einzigen Buch das es im Haushalt gibt und mit dem sie sich die Welt erklärt haben.

Mit „Meeresbrise“ ist der Autorin ein Sprachkunststück gelungen. So unaufgeregt sie erzählt, so eindringlich sind ihre Bilder geworden.

Am Donnerstag, 20.April, 19 Uhr, kommt der Droschl Verlag zu uns.
Im Rahmen der Leipziger Buchmesse und Österreich als Messeschwerpunktland stellt die Verlagsleiterin Annette Knoch ihren Verlag vor und hat Carolina Schutti und Bodo Hell mit im Gepäck.

Also: Termin vormerken und Plätze reservieren.
_______________________________________


Für die Sterne
Ein musikalischer Abend zum Wesen der Wünsche

Sonntag, 19.März, 17:00 Uhr Pfleghof Langenau

https://heyoka-theater.de/

Ein Anderssein, das die Normalität in Frage stellt.
Der Begriff „Heyoka“ stammt aus der Sprache der nordamerikanischen Lakota. In der Kultur der Plainsindianer hatten die Heyoka die Aufgabe, die gewohnte Form des Zusammenlebens immer wieder in Frage zu stellen.
Auch „Contraries“ genannt, stellten sie zum Beispiel den Arbeitsrhythmus auf den Kopf, spielten verrückt und brachten eine heilsame Unordnung in den Alltag. Die Bedingung für diese ­wichtige Aufgabe war die grundsätzliche Bereitschaft, anders zu sein als die anderen.

Im HEYOKA-Theater spielen Menschen mit Behinderungen, Menschen mit psychischen Krankheiten, engagierte ­Laienschauspieler und Profis zusammen.

Grundvoraussetzung und ­Potential unserer Arbeit sind gegenseitiger Respekt, ­Akzeptanz und Vertrauen in jeden einzelnen Teilnehmer und das daraus entstehende Ensemble als Ganzes. Auf ­dieser Basis können wir die unterschiedlichsten Begabungen entdecken, zusammenführen und auf die Bühne bringen.

Freitag, 16.April


Heute haben
Anatole France * 1844
Peter Ustinov * 1921
Sarah Kirsch * 1935
Rolf Dieter Brinkmann * 1940
Geburtstag
____________________________________________

Ein Gedicht mit fast schon einer coronartige Vorahnung:

Barthold Heinrich Brockes
Frühlings-Seufzer

Grosser Gott, in dieser Pracht
Seh‘ ich Deine Wunder-Macht
Aus vergnüg’ter Seelen an.
Es gereiche dir zu Ehren,
Dass ich sehen, dass ich hören,
Fühlen, schmecken, riechen kann!
____________________________________________

Die Nominierungen sind raus:

Belletristik:

Iris Hanika: „Echos Kammern
Literaturverlag Droschl

Judith Hermann: „Daheim
S.Fischer Verlag

Christian Kracht: „Eurotrash
Kiepenheuer&Witsch Verlag

Friedrike Mayröcker: „da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete
Suhrkamp Verlag

Helga Schubert: „Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten.
dtv

________________________________________________

Sachbuch/Essayistik:

Heike Behrend: „Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung
Matthes & Seitz Verlag

Dan Diner: „Ein anderer Krieg. Das jüdische Palästina und der Zweite Weltkrieg 1935 – 1942
DVA

Michael Hagner: „“Foucaults Pendel und wir. Anlässlich einer Installation von Gerhard Richter
Verlag Walther König

Christoph Möllers: „Freiheitsgrade. Elemente einer liberalen politischen Mechanik
Suhrkamp Verlag

Uta Ruge: „Bauern, Land: Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang
Verlag Antje Kunstmann
__________________________________________________________

Übersetzung

Ann Cotten übersetzte aus dem Englischen „Pippins Tochters Taschentuch“ von Rosmarie Waldrop
Suhrkamp Verlag

Sonja Finck und Frank Heibert übersetzten aus dem Französischen (Québec) „Der große Absturz. Stories aus Kitchike“ von Louis-Karl Picard-Sioui
Secession Verlag für Literatur

Hinrich Schmidt-Henkel übersetzte aus dem Norwegischen „Die Vögel“ von Tarjei Vesaas
Guggolz Verlag

Nikolaus Stingl und Dirk van Gunsteren übersetzten aus dem Englischen „USA-Trilogie. Der 42. Breitengrad / 1919 / Das große Geld“ von John Dos Passos
Rowohlt Verlag

Timea Tankó übersetzte aus dem Ungarischen „Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus“ von Miklós Szentkuthy
Die Andere Bibliothek
__________________________________________________________

Hier geht es zu den Leseproben.


Donnerstag

IMG_3201

Heute hat
Pier Paolo Pasolini * 1922
Geburtstag
_________________________

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird nächste Woche verliehen, wir haben uns aus den fünf nominierten Bücher vorlesen lassen. Gestern kam in der FAZ ein großer Artikel über Norbert Scheuers: „Die Sprache der Vögel“ und dass die Literatur von der Wirklichkeit eingeholt wird. Es gibt tatsächlich einen deutschen Soldaten, der in Afghanistan Vögel beobachtet und aufgezeichnet hat, wie es im Roman geschildert wird. Norbert Scheuer erfuhr erst davon, als das Manuskript abgegeben worden war. In der Süddeutschen wird Ursulas Ackrills nominierter Buch: „Zeiden, im Januar“ hochgelobt. Und heute hat Pasolini Geburtstag, der in Michael Wildenhains Buch: „Das Lächeln der Alligatoren“ vorkommt. Im zweiten Teil des Buch kommt die Hauptperson Matthias in Kontakt mit einer linken WG, die die Filme von Pasolini verehren.
Das also neues zum Leipziger Buchpreis.
Es bleibt spannend.
___________________________

Heute ist Lehmriesentag!

IMG_3208

Anke Kuhl: „Lehmriese lebt!“
Reprodukt Verlag € 8,00
ab 6 Jahren

So beginnt die Graphic Novel für Kinder.

1

Und was zuerst als Spiel gedacht ist, wird Wirklichkeit.
Olli und Ulla finden am Fluss richtig schön viel Lehm. Damit bauen die beiden auf der Wiese einen wunderbaren Lehmriesen. Womit die beiden Kinder allerdings nicht gerechnet haben – ihr Riese erwacht über nacht, steht auf und läuft in Richtung Stadt. In dieser Welt kennt er sich natürlich überhaupt nicht aus und stiftet großes Chaos und eine Strecke von kleinen Verwüstungen. Allerdings muss ich hinzufügen, dass uns Anke Kuhl auch nicht eine stink normale Welt gezeichnet hat. Irgendwie ist auch dort nicht alles so, wie wir es kennen. Da verkauft ne Kuh Eis. Und zwar Sorten, die wir gar nicht kennen. Aber Anke Kuhl hilft uns hier weiter und malt uns die Eistafel ab, damit wir wissen wie das Eis „Schokker“, oder „Coole Gurke“, „Fruchtiger Fuß“, oder auch „Wölkchen“ aussieht.
Dort, auf dem Marktplatz,treffen sie auch zum ersten Mal auf den Lehmriesen, der zuvor Stress mit dem Förster hatte, der in als Gehilfen einstellen wollte, er aber statt des „Unkrautes“, richtige Bäume aus der Erde rupfte.
Lehmriese findet seinen Platz in dieser Gesellschaft nicht. Was soll er bloß mit der Eiswaffel in der Hand machen? Wie kann er beim Frisör helfen, wenn ihm doch die Finger unter dem warmen Wasser davonlaufen. So wird er immer zorniger, da die Menschen ihn nicht verstehen, und er sie nicht. Als sich dann noch ein cooler Kriminalbeamter einschaltet, nimmt die Geschichte so richtig an Fahrt auf. Die Feuerwehr kommt, Lehmriese sitzt wie King Kong auf dem Dach, alle brüllen und schreien, bis die beiden Kinder sich durchsetzen können und Lehmriese wieder herunterkommt und den dödeligen Feuerwehrleuten hilt, die ihre Drehleiter nicht richtig bedienen können.
Lehmriese ist nämlich ein Guter und im Nachklapp sehen wir ihn mit Olli und Ulla spielen. Was nicht immer einfach ist. Wenn er im Tor steht, gibt es keinen Platz mehr, um den Ball über die Linie zu schiessen.
Sie merken: Ein verdrehte Geschichte. Aber sollen Geschichten nicht ein wenig überdreht sein, die Phantasie anregen? Anke Kuhl schreibt im Nachwort, dass es solche Lehmriesen in der Literatur öfters gegeben hat und dass diese Golems allermeist sehr freundliche Wesen waren, die aber von uns nicht als solche gesehen worden sind.
Anke Kuhl hat hier ein ein Comicbuch gestaltet, das wahnsinnig viel Spaß macht, unserer Wirklichkeit sehr nahe kommt und uns Erwachsenen ordentlich den Spiegel vorhält.

Hier kommen noch ein paar Bilder, die der Verlag veröffentlichte, als das Buch noch gar nicht ganz fertig war und nur als digitaler Vorabdruck kursierte.

23567
_________________________

Mehr aus der Welt der Bücher finden Sie auch auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
und
Wiebuecherleben.tumblr.com

Mittwoch

IMG_3193

Heute haben
Bernhard Kellermann * 1879
Giorgio Bassani * 1916
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
___________________________

LBM15_LeipzigLiest_Presse_rgb_R202X0_R220X0

Unser gestriges „Shortlistlesen“ ergab nach der Abstimmung ein Siegerbuch. Auch wenn es knapp herging und Clemens Grote zwei Gedichte von Jan Wagner als Zugabe wiederholen musste, schaffte es „Zeiden, im Januar“ von Ursula Ackrill aus dem Wagenbach Verlag bei uns auf Platz eins.

zeiden

Ich gebe dieses Ergebnis nach Leipzig weiter und wir schauen, was die daraus machen.
Dank an alle, die mitgemacht haben und natürlich einen extra Dank an Clemens Grote, der uns die Texte wieder einmal gekonnt nahegebracht hat.
____________________________

IMG_3205IMG_3206

Es gibt Neues von Britta Teckentrup und es wird immer kniffliger.
Da müssen sich die Erwachsenen aber ordentlich anstrengen, um vor den Kleinen die Lösung zu finden.

Britta Teckentrup:“Wir gehören zusammen!“
Ein Such-Buch
Originaltitel: Where’s the pair?
Ab 4 Jahren
Prestel Verlag € 12,99

Es ist wirklich nicht leicht die Paare aus diesen Wimmelbilder herauszufinden.
War es im ersten Band noch so, dass wir aus einem Schwarm Fledermäusen, einer Gruppe von Schildkröten, einer Kolonie von Pinguinen, … ein Tier herauszufinden, das anders war, dreht sie nun die Spieß um. Paare finden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Britta Teckentrup, die im englischen Raum viele Bilderbücher herausgebracht hat, zeigt sich hier wieder als einzigartige Grafikerin und Illustratorin und hebt sich ab von allen anderen Wimmelbüchern, die auf dem Markt sind.

1

Ein Rudel Hunde im Park
schnuppert an den schönsten Stellen,
bis ein Hund beginnt,
lauthals zu bellen.

Sie kläffen und heulen
und rennen blitzschnell.
Findest du die Geschwister
mit genau gleichem Fell?

Na dann mal los, liebe LeserInnen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

23

Und auch hier wird es nicht einfacher.
An diesen wenigen Beispielen merken Sie schon die künstlerische Qualität von Britta Teckentrup. Stimmig dazu ist das Papier ausgewählt worden und das kleine Kunstwerk liegt schön in der Hand.
So wünsche ich Ihnen noch viel Erfolg bei der Suche nach den zwei Bären mit den Schals im Partnerlook, den Vögeln mit dem gleichen Federkleid, den Fische, die gegen den Strom schwimmen, …

Britta Teckentrup wurde in Hamburg geboren und hat am Saint Martins College of Art und am Royal College of Art in London Kunst und Illustration studiert. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher und ihre Arbeiten werden häufig in Ausstellungen gezeigt. Heute lebt sie zusammen mit ihrem schottischen Ehemann, ihrem Sohn Vincent und ihrem Kater Oskar in Berlin.
_________________________

Unsere nächste Veranstaltung ist Ende des Monats:

Freitag, 27.März um 19 Uhr
Thomas Thiel: Als Militärpfarrer in Afghanistan

i37

Gefolgt von einer zweiten Ausgabe von „Literalotto
am Dienstag, den 31.März um 19 Uhr
__________________________

Mehr aus der Welt der Bücher finden Sie auch auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
und
Wiebuecherleben.tumblr.com
___________________________

Dienstag

Heute haben
Guiseppe Ungaretti * 1888
Bertolt Brecht * 1898
Jakov Lind * 1927
Helga Schütz * 1937
Asne Seierstad * 1970
Geburtstag
_________________________

Guiseppe Ungaretti
O notte

Dall’ampia ansia dell’alba
Svelata alberatura.

Dolorosi risvegli.

Foglie, sorelle foglie,
Vi ascolto nel lamento.

Autunni,
Moribonde dolcezze.

O gioventù,
Passata è appena l’ora del distacco.

Cieli alti della gioventù,
Libero slancio.

E già sono deserto.

Preso in questa curva malinconia.

Ma la notte sperde le lontananze.

Oceanici silenzi,
Astrali nidi d’illusione,

O notte.
______________________

Cole_24772_MR1.indd

Teju Cole: „Jeder Tag gehört dem Dieb“
Übersetzt von Christine Richter-Nilsson
Hanser Berlin € 18,90

Der Titel des Buches ist ein Teil eines nigerianischen Sprichwortes und Gauner und Betrüger gibt es in diesem Buch, in diesem Reisebericht zuhauf. Eigentlich ist der Roman schon Jahre vor Coles „Open City“ erschienen, kam aber tatsächlich auch in den USA erst letztes Jahr heraus und jetzt in deutscher Übersetzung. 2007 kehrte Cole nach Nigeria zurück und die Beschreibungen beinhalten noch keinen aktuellen Religionskrieg und die bürgerkriegsänlichen Zustände.
Seine Aufzeichnungen, die mit eigenen Schwarzweiss-Fotos gespickt sind, beginnen in New York. Er braucht ein Visum, einen Pass. Es steht zwar im Internet, dass dies nur eine Woche dauert. Was er allerdings nicht weiss, ist, dass die Woche nur mit Schmiergeld zu bekommen ist. Ohne Extrazahlung wartet man locker drei bis vier Wochen. Barzahlungen gehen auch nicht, was ja eigentlich ein Zeichen gegen Korruption ist. Allerdings gibt es zwei Konten. Ein offizielles und ein nicht so bekanntes.  Dann klappt das. Cole sieht sich im Warteraum des Konsulats um und entdeckt ein Plakat, auf dem auf die Schädlichkeit von Korruption hingewiesen wird und man solle sich bitte direkt an den Konsul wenden, wenn einem etwas auffallen würde. Allerdings findet sich auf dem Plakat keinerlei Adresse, Telefonnummer, Fax, oder Mailadresse. So ginge der Weg nur über den Beamten, der einem gerade das Geld abgeknöpft hat.
Dies als Einstimmung zu seiner Rückkehr in das Land seiner Kindheit, seiner Vorfahren. Was ihn dort erwartet, übertrifft bei weitem das, was er sich an Korruption vorgestellt hat. Alles, aber auch gar alles funktioniert nur mit einer Extrazahlung. Polizei, Gerichte, Geschäfte jeglicher Art bedienen sich dieser Extrazahlungen.
Als er endlich bei seiner Tante und seinem Onkel untergekommen ist, bemerkt er sehr schnell, wie das normale Leben hier funktioniert. Das Benutzen eines normalen Busses ist für die Familie unter ihrer Würde. Es kommt darauf an, seinen Status zu zeigen und sich lieber von einem Freund, einem Verwandten irgendwo hinfahren zu lassen. Cole will dies nicht wahrhaben und begibt sich auf eine Reise mit einem dieser kleinen Gefährte. Und uns hat er im Gepäck.Für ihn ist dieses Land fremd geworden. Fremd in jeder Hinsicht. Er versteht nicht, dass die Menschen sich nicht um ihre Vergangenheit, um ihre Wurzeln kümmern. Das Historische Museum in Lagos ist verstaubt, sieht aus, wie ausgeraubt. Aber fotografieren ist verboten. Die meisten Sklavenschiffe gingen von Lagos aus, aber keinen scheint dies noch zu kümmern. Korruption gibt es überall, aber die Gehälter sind so niedrig, dass niemand ohne diese Sondereinkünfte auskommt. Zwei Polizisten beschimpfen sich, weil der eine zu nahe an das Revier des anderen kommt. Dort wo er steht, kommen nämlich deutlich mehr Fahrzeuge, bei denen er die Hand aufhalten kann. Cole ist einen anderen Standard gewohnt, scheint verweichlicht in den Augen der Tante, die ihm im neuen Alltag immer zur Seite stehen und ihm helfen will. Und manchmal scheint er ihre Unterstützung bitter nötig zu haben. Die Reichen sind superreich, das Land hatte damals viele Einnahmen durch Erdöl. Aber ein funktionierendes Schulsystem scheint es nicht zu geben. Als er endlich einen Plattenladen finden, voll mit toller Musik auf Vinyl und CD, ist er bass erstaunt, als der Verkäufer ihm sagt, dass diese Tonträger nicht zu kaufen sind (ausser für einen horrenden Preis). Aber: für sehr wenig Geld brennen die Verkäufer das Gewünschte. Illegal, versteht sich.
Am Ende des schmalen Bandes liegt Teju Cole vom Fieber geschwächt im Bett. Der Heimflug naht. Ein Schulfreund sagt zu ihm, dass er das Wort „Malarie“ nicht aussprechen dürfe, sonst bekäme er sie auch. Cole glaubt nicht an solchen Aberglaube und versucht etwas in Richtung Stechfliege zu erklären. Sein Freund schaut ihn ungläubig an und Cole wird klar, dass sein Freund mit Aberglaube gesund, er mit seinem westlichen Denken und Handeln fiebrig darniederliegt.
„Jeder Tag gehört dem Dieb“ ist ein interessantes Buch. Mit Abstand betrachtet erscheint es fast etwas skurill, witzig. Wenn es nicht so ernst wäre. Es ist kein politisches Buch, aber Coles private Betrachtungen und Schlussfolgerungen zeigen ein Bild eines Landes, das uns Seite um Seite fremder wird. Und wenn Cole jetzt einen Bericht über Lagos schreiben würde, bekämen wir noch ganz andere Dinge zu lesen.
Chimamanda Ngozi Adichie hat mit „Americanah“ einen dicken Roman über „ihre“ Rückkehr nach Nigeria geschrieben und Coles kleiner Bericht können wir als informative Beigabe dazulegen.

Leseprobe

Die Situation in den USA ist abscheulich
Ein Interview mit Fokke Joel (Die Zeit, 12.Juni 2013)
_______________________

Mittlerweile sind die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 bekannt.
In drei Kategorien werden am 12.März die Gewinner ermittelt.
Vielleicht schaffen wir kurz davor, am Dienstag, den 10.März ein „Shortlistlesen“ und schauen mal, wie weit wir dieses Mal daneben liegen mit unseren Stimmen.

Belletristik

Ursula Ackrill: „Zeiden, im Januar“
Teresa Präauer: „Johnny und Jean“
Norbert Scheuer: „Die Sprache der Vögel“
Jan Wagner: „Regentonnenvariationen“
Michael Wildenhain: „Das Lächeln der Alligatoren“

Sachbuch/Essayistik

Philipp Felsch: „Der lange Sommer der Theorie. Geschichte einer Revolte. 1960 bis 1990“
Karl-Heinz Göttert: „Mythos Redemacht. Eine andere Geschichte der Rhetorik“
Reiner Stach: „Kafka. Die frühen Jahre“
Philipp Ther: „Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa“
Joseph Vogl: „Der Souveränitätseffekt“

Übersetzung

Klaus Binder: übersetzte aus dem Lateinischen: „Lukrez: Über die Natur der Dinge“
Elisabeth Edl: übersetzte aus dem Französischen: „Patrick Modiano: Gräser der Nacht“
Moshe Kahn: übersetzte aus dem Italienischen: „Stefano D’Arrigo: Horcynus Orca“
Mirjam Pressler: übersetzte aus dem Hebräischen: „Amos Oz: Judas“
Thomas Steinfeld: übersetzte aus dem Schwedischen: „Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden“

Samstag

Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heiner Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag.
Neben diesen Autoren feiert heute auch noch die Choreographin Sasha Waltz (*1963).
Hier gibt es einen kleinen Ausschnitt aus dem Beginn ihrer „Dido und Aeneas“-Produktion von Purcell mit der schönen Wasserszene.

http://www.youtube.com/watch?v=K5KlgvD22UE
_______________________

Sibylle Lewitscharoff sorgte in Dresden für einen Eklat, von dem sich der Veranstalter und der Suhrkamp Verlag, der ihre Bücher verlegt, sofort distanziert haben. Es ging in ihre Tirade um künstliche Befruchtung und ihre eigene, sehr verschwurbelte Meinung dazu.
Da alle Zeitungen darüber schreiben (werden), hier der Originaltext.

Dresdner Reden 2014
2. März 2014
Sibylle Lewitscharoff
Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche
Bestimmung über Geburt und Tod

Die Bloggerin „Literaturen“ hat einen interessanten Bericht darüber geschrieben.
Lesen Sie
hier.
____________________

Ein Nachtrag zum Geburtstagskind vom 6.März 1806

Elizabeth Barrett Browning
„Aurora Leigh“

Books, books, books!
I had found the secret of a garret room
Piled high with cases in my father’s name;
Piled high, packed large,—where, creeping in and out
Among the giant fossils of my past,
Like some small nimble mouse between the ribs
Of a mastodon, I nibbled here and there
At this or that box, pulling through the gap,
In heats of terror, haste, victorious joy,
The first book first. And how I felt it beat
Under my pillow, in the morning’s dark,
An hour before the sun would let me read!
My books!
_____________________

Preis der Leipziger Buchmesse
Fabian Hischmann gewinnt Online-Voting
Bei unserer Abstimmung ist er, gemeinsam mit Per Leo auch auf Platz 1 gelandet.
Hier geht es zum Artikel des Börsenblatts.
_____________________

Eines der besten deutschsprachigen Bücher ist wieder verfügbar. Gerade rechtzeitig für die ersten Wanderungen in die Berge.

Hohl

Ludwig Hohl: „Bergfahrt
Bibliothek Suhrkamp € 14,95

Zwei junge Männer planen eine Bergbesteigung, der eine, tüchtige, blickt auf zum Ziel, dem Gipfel. Der andere, unentschlossen, ist nur Mitgänger. Diese Bergwanderung ist ein Spiegelbild dieser beiden unterschiedlichen Charaktere. Einmal langsam und behäbig, einmal dynamisch und schnell. Dies soll aber nicht bedeuten, dass der dynamische Typ eher zum Ziel kommt. Jeder auf seine Weise ist eher das Motto. So wie im wahren Leben halt auch. Und Gevatter Tod wartet auf uns alle. „Ob arm, ob reich, am Ende sind wir alle gleich“, sang schon Klaus Hofmann. So auch in diesem schmalen Buch, in dieser hervorragenden Novelle. Ich denke, dass Sie dieses Buch nach der Lektüre nie mehr vergessen werden.
Ludwig Hohl war ein ganz armer Tropf und hätte ohne die Hilfe von Max Frisch und anderen nicht überleben können. Dank des Suhrkamp Verlages kommen wir immer wieder in den Genuss von Neuauflagen seines schmales Werkes.
__________________