Mittwoch, 17.April


Heute haben
Anton Wildgans * 1881
KP Kavafis * 1863
Tania Blixen * 1885
Thornton Wilder * 1897
Cynthia Ozick * 1928
Rolf Schneider * 1932
Nick Hornby * 1957
Geburtstag
und es ist der Todestag von Gabriel Garcia Márquez.
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Wolfgang Borchert
Das graurotgrüne Großstadtlied

Rote Münder, die aus grauen Schatten glühn,
girren einen süßen Schwindel.
Und der Mond grinst goldiggrün
durch das Nebelbündel.

Graue Straßen, rote Dächer,
mittendrin mal grün ein Licht.
Heimwärts gröhlt ein später Zecher
mit verknittertem Gesicht.

Grauer Stein und rotes Blut –
morgen früh ist alles gut.
Morgen weht ein grünes Blatt
über einer grauen Stadt.
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Wenn schon die Erwachsenen so verliebt in Italien sind, sollen Kinder auch ein Buch bekommen über das Land, wo die Zitronen blühen:


Mayya Sultan (Illustrationen) und Annette Maas (Texte): „Italien
Das Land, wo die Zitronen blühen
arsedition € 22,00
Sachbilderbuch ab 10 Jahren

Dieses Buch zeigt Kindern ab 10 Jahren und der ganzen Familie mit wunderschönen Illustrationen, wie vielfältig, spannend und besonders die italienische Kultur, der Alltag der Menschen, die Geschichte des Landes sowie die Landschaften dort sind.
Der Strand, die Seen, zwei Bergketten, über die Rettung der Tintenfische, Neapel, Matera, Venedig, die Ewige Stadt, die Renaissance, Friedrich II, die Oper, Pasta, Obst und Genüse, Sprichwörter, besondere Frauen heißen nur ein paar der vielen Überschriften, die zeigen, wie vielfältig und interessant dieses Italien, auch für Kinder und Jugendliche, ist.

Schauen Sie doch bitte in die Leseprobe und machen sich selbst ein Bild über dieses großformatige Sachbilderbuch, in dem es nur so sprudelt von Fakten, eingebettet in großformatige Illustrationen
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Haus der Nachhaltigkeit eröffnet die „LeihBar“

Unter dem Motto „leihen statt kaufen“ startet das Haus der Nachhaltigkeit (HdN) ein weiteres Projekt: die „LeihBar“. Interessierte können dort unkompliziert nützliche, aber kaum benötigte Gegenstände wie Werkzeuge, Cateringutensilien oder Bürozubehör ausleihen. Spart CO2, Geld und Platz.

Am Donnerstag, 18. April 2024 um 19 Uhr wird die „LeihBar“ bei einer kleinen Feier eröffnet. Öffnungszeiten sind dann regelmäßig:
dienstags, 18:30-20:30 Uhr und mittwochs, 11-13 Uhr (außerhalb der Schulferien)

Infos: https://www.h-d-n.org/leihladen

Mail: leihbar@h-d-n.org

Montag, 8.April

Berlin


Heute haben
Johann Christian Günther * 1695
Emile Cioran * 1911
Christoph Hein * 1944
Eva Heller * 1948
Geburtstag.
Aber auch Jacques Brel, Kofi Annan, Vivienne Westwood.
Heute vor 50 Jahren starb Pablo Picasso.
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Heinrich Heine
Kluge Sterne

Die Blumen erreicht der Fuß so leicht,
Auch werden zertreten die meisten;
Man geht vorbei und tritt entzwei
Die blöden wie die dreisten.

Die Perlen ruhn in Meerestruhn,
Doch weiß man sie aufzuspüren;
Man bohrt ein Loch und spannt sie ins Joch,
Ins Joch von seidenen Schnüren.

Die Sterne sind klug, sie halten mit Fug
Von unserer Erde sich ferne;
Am Himmelszelt, als Lichter der Welt,
Stehn ewig sicher die Sterne.
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Im April haben wir zwei Veranstaltungen.

Am Dienstag, den 16.April besucht uns um 19 Uhr der Ulmer Tommy Nube.
Mal schauen, wer dann wen küsst.

In der Rolle eines französischen Professors leistet Tommy Nube alias Monsieur Embrasse speziell für die “plumpen Deutschen” kussologische Entwicklungshilfe. Wer schon immer wissen wollte, wie man mit Hilfe eines Holzpodestes Küsse von wildfremden Frauen ergattert, ist bei Nube an der richtigen Adresse. Für ihn gilt der Goethesche Wahlspruch: »Küsse mich, sonst küß ich dich.« Einerseits bedient er perfekt das Klischee des französischen, oberflächlichen Charmeurs, andererseits wird genau dieses mit nebensächlich Daherkommenden hinterfragt. Nube ist Spieler. Er spielt um des Spieles willen. Was auch immer er sagt, er tut es im Plauderton und schwindelerregender Leichtigkeit.


Stefi Rösch entführt uns am Montag, den 29.4. zu Glücksorte in und um Ulm herum.
Zu Fuß mit dem Rad, oder auch nur mit dem Kopf.
Lassen wir uns überraschen und treten danach glücklicher in die Welt hinaus.

Samstag, 17.Februar

Heute haben
Friedrich Maximilian von Klinger * 1792
Georg Weerth * 1822
Isabelle Eberhardt * 1877
Chaim Potok * 1929
Ruth Rendell / Barbara Vine * 1930
Frederik Hetman * 1934
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Im Februar

Es ist kalt! –
Nebel hängt zwischen den Bäumen
Und zerreißt meinen Blick auf die Welt
Frostbraune Blätter zittern
Neben Knospen, von Reif umhüllt
Sie lassen nicht los
Nur das Moos leuchtet grün
Zwischen den Eiszungen
Ein Schauer läuft mir über den Rücken –
Von den Zweigen tropft die Zeit…
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Unser Buchtipp:


Terhi Tokkonen: „Arctic Mirage
Aus dem Finnischen von Elina Kritzokat
Hanser Berlin Verlag € 23,00

Stichworte, wie Krimi, Ehedrama, Gaslightning finden sich in den ersten Besprechungen des finnischen Romans, der zum besten Debüt in Finnland gewählt worden ist.
Dass im Buch gleich zu Beginn erwähnt wird, dass sie ihn umgebracht hat und er mit offenem Blick im Schnee liegt, ist schon mal ein guter Start. Dass wir jedoch am Ende des Buches doch noch erstaunt sind, dass das passiert, ist schon sehr raffiniert von der Autorin eingefädelt. Sie nähert sich sehr geschickt der Tat, bringt ein paar wenige Personen mit ins Spiel, die alle nicht eindeutig zuzuordnen sind.
Mittelpunkt der Handlung ist das Luxus Hotel „Arctic Mirage“. Dort im Schnee, in Lappland, hat sich das Endvierziger-Pärchen für ein paar Tage einquartiert, nachdem sie eine Autounfall auf eisglatter Fahrbahn hatten. So richtig sympatisch sind fast alle Personen im Hotel nicht. Naja, der pensonierte Hausarzt vielleicht. Ansonsten zeigen sie eine große Portion Undurchsichtigkeit.
So langsam kommen wir dann auch zum Stichwort: Gaslightning. Also der Vorgang, wenn eine Person eine nahestehende Person so verunsichert, dass sie nicht mehr weiss, was die Wirklichkeit ist.
Ab diesem Moment nimmt die Geschichte noch mehr Fahrt auf.
Eine winterliches Leseabenteuer aus dem Hohen Norden. Kein Thriller, kein Krimi und doch hochdramatisch und spannend bis zum Ende.
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Am 19. Februar 2024 jährt sich zum 4. Mal der extrem rechte und rassistische Anschlag in Hanau, bei dem neun Menschen aus rassistischen Gründen getötet und unzählig weitere Menschen traumatisiert wurden. Die Angehörigen sind neben ihrer Trauer seit dem 19. Februar 2020 damit beschäftigt, die brutalen Morde und die „Kette des Versagens“ an ihren Liebsten aufzuklären, weil zu viele Fragen noch ungeklärt sind.

Die Initiative 19. Februar Hanau lädt dieses Jahr erneut zu bundesweiten Gedenkveranstaltungen ein.
Hiermit laden wir euch am Sonntag, 18.02.24 um 18 Uhr auf den Marktplatz Ulm ein, um gemeinsam an die Toten von Hanau und die unzählig weiteren Opfer extrem rechter Gewalttaten zu gedenken.

Wir freuen uns, wenn ihr uns in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt, indem ihr unseren Aufruf und das Sharepic teilt. Darüber hinaus freuen wir uns über Organisationen und Einzelpersonen, die uns bei der Kundgebung unterstützen wollen. Das könnt ihr z.B. tun, wenn ihr Plakate verteilt, auf der Kundgebung selbst Ordner*innen seid oder neben uns einen weiteren Redebeitrag haltet. Meldet euch dafür gerne bei uns. Bringt gerne Kerzen mit, wir werden auch welche zur Verfügung stellen. Parteiflaggen sind nicht willkommen. Im Anhang findet ihr das Sharepic und das Plakat. Falls ihr fertig gedruckte Plakte von uns haben wollt, meldet euch gerne bei uns. Hanau ist überall!

fclr Ulm
Festival contre le racisme Ulm
www.fclr-ulm.de
Facebook: Festival contre le racisme Ulm
Instagram: fclr.ulm

Freitag, 9.Februar


Heute haben
Felix Dahn * 1834
Amy Lowell * 1874
Brendan Behan * 1923
Thomas Bernhard * 1931
John Maxwell Coetzee * 1940
Alice Walker * 1944
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Perlen

Rot
Glühen die Narben
Im Schmelzofen der Zeit
Der Druck steigt
Innen wie außen
Im Bann
Ewigen Wachstums
Auf der endlosen Suche
Nach dem verlorenen Schatz
Werden Zahlen geschwärzt
Und Einäugige geblendet
Doch zwischen tausend Steinen
Findet sich kein Gold
Im Rhein
Nur brauner Schlamm
Und krümmender Schmerz
Vielleicht noch
Muscheln …
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Wytsge Versteeg: „Die goldene Stunde
Aus dem Niederländischen von Christiane Burkhardt
Wagenbach Verlag € 26,00

Langsam tastet sich die niederländische Autorin an ihr Thema heran, obwohl gleich mitten in den verwobenen Geschichten sind.
Wie kann ich ein richtiges Leben im falschen führen? Wo sind meine Wurzeln, wo sind meine Grenzen? Gibt es ein wahres Leben jenseits dieser Grenzen? Wie geht ein Leben, das den jeweiligen Erwartungen widerspricht und wieviel Mut gehört dazu, um ein Mensch zu sein? Und wenn nicht, was dann?
Mari , Ahmad und Tarik sind auf der Suche nach Lösungen zu diesen Fragen.
Ahmad ist vor dem Krieg in seiner Heimat geflohen, stieß in den Niederlanden jedoch auf neue Hindernisse. Mari wollte ihn beschützen und lieben, aber es gelang ihr nicht. Und der ehemalige Soldat Tarik hat sich in ein abgelegenes Grenzgebiet zurückgezogen, doch sein Gewissen nagt an ihm. Dort trifft er nun auf Mari, die mittlerweile ihr Zuhause hinter sich gelassen hat, nachdem ihr idealistisches Projekt katastrophal gescheitert ist.
Voller Empathie erzählt Wytske Versteeg aus dem Leben dieser drei Menschen und schafft es mit eindrücklichen Bildern einen prallen, vielschichtigen, aktuellen Roman zu schreiben.
Eine literarische Entdeckung des Frühjahrs 2024.
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Auf tagesschau.de gefunden

Daten des EU-Klimadienstes
Erderwärmung erstmals durchschnittlich über 1,5 Grad

Erstmals lag laut Daten des EU-Klimadienstes Copernicus die Erderwärmung durchschnittlich zwölf Monate lang 1,5 Grad über dem Referenzzeitraum. Experten sprechen von einer „Warnung an die Menschheit“. Auch das Jahr 2024 fängt rekordverdächtig an.
Die globale Durchschnittstemperatur hat erstmals zwölf Monate lang über 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter gelegen. Das teilte der EU-Klimadienst Copernicus mit. Von Februar 2023 bis Januar 2024 war die Durchschnittstemperatur demnach so hoch wie nie zuvor und lag um 0,64 Grad über der des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020 – und insgesamt 1,52 Grad über dem vorindustriellen Referenzwert.
Damit ist die im Pariser Klimaabkommen von 2015 vereinbarte Marke überschritten worden. Damals hatte sich die Staatengemeinschaft darauf geeinigt, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius zu beschränken. …

Hier geht es zum Artikel.

Freitag, 2.Februar

Heute haben
Johann Christoph Gottsched * 1700
James Joyce * 1882
Aldo Palazzeschi * 1885
Ayn Rand * 1905
Hella Haasse * 1918
Joanna Bator * 1968
Geburtstag
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„Letzten Herbst habe ich mir in einem niederschlesischen Dorf ein hundert Jahre altes Haus gekauft. Zu dem Haus gehört auch ein Hund; sein Kopf sieht nach Wolf aus, sein Körper wie ein angestaubter Eisbär. Ein Ohr schwarz, das andere weiß, beide spitz und wachsam. Außer dem Hund haben die Vorbesitzer mir ein paar Sachen hinterlassen, eine Küchenkredenz, ein Himmelbett mit Säulen und einen Eichentisch; in die Platte sind unzählige Schnitte ein gegraben – Schriftzeichen, die ich jeden Tag aufs Neue zu entziffern versuche.“
So beginnt der großartige Roman „Bitternis“ von Joanna Bator
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes
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Unser Buchtipp:


Dilek Güngör: „A wie Ada

Verbrecher Verlag € 20,00

Inder
Sind deine Eltern beide Türken?, fragt die Mutter der Freundin.
Ist deine Mutter Deutsche?
Eine andere Mutter sagt, dein Vater sieht nicht aus wie ein Türke. Sie kann Ada nicht sagen, wie der Vater aussieht. Er sieht nicht aus wie ein Deutscher, er sieht nicht aus wie ein Türke. Ist dein Vater Inder?, fragt jemand. Ada könnte antworten, ja, er ist Inder. Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater ist Inder.
Ich bin die einzige Türkin in der Familie.

Dilek Güngör erkundet mit ihren kurzen, humorvollen Texte die Identität von Ada. Wer ist sie? Wo sind ihre Wurzeln? (Über die sie tatsächlich in einem Text stolpert). Wie haben sich ihre Eltern an das Deutschland gewöhnt?
Die Texte umfassen Adas ganzes Leben. Vom Kindergarten, über die Schule, zum Studium, bis zum Leben als Mutter, an der ihre Kinder am Rockzipfel hängen, oder den ganzen Tag schmusen wollen.
Dies geht jedoch nicht chronologisch. Ada fragt sich auch, wo kommt ihr Sprache her? Gibt es doch Unterschiede auch innerhalb Deutschlands, wo aus dem Schwäbischen heben, dann im Studium ein halten wird. Ohne ihre beste Freundinnen wäre vielleicht alles noch komplizierter. Aber warum sagt ihre Mutter nie, dass Ada ihre Freundin, ihre beste Freundin ist. Mutter selbst hat keine. Nur Familie, mit der dann aber auch ausführlich telefoniert wird.
Dilek Güngör, die bekannt für ihre Glossen in der Berliner Zeitung ist, hat hier ein feines Buch veröffentlicht, in dem wir Ada näher kommen und uns selbst immer wieder genauso wiederfinden.

Was los ist
Alle Dinge, die Ada muss, muss Ada nicht. Sie müsste sie bloß. Mit dem Vater reden. Richtig Türkisch lernen. Sich bei der Freundin entschuldigen. Sich bei der Cousine entschuldigen. Die Cousine überhaupt erst einmal anrufen. Langsamer sprechen. Die Gründe kennen. Sich weniger entschuldigen. Es endlich begreifen. Mal locker bleiben. Wissen, was los ist. Sich zusammenreißen. Es einsehen. Es selber wissen. Es besser machen oder es gleich sein lassen. Sie muss ja gar nix, nicht einmal sterben, das ergibt sich ganz von selbst.

Dilek Güngör, geboren 1972 in Schwäbisch Gmünd, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre gesammelten Zeitungskolumnen erschienen in den Bänden „Unter uns“ und „Ganz schön deutsch“. 2007 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“.
2019 erschien ihr zweiter Roman, „Ich bin Özlem“, im Verbrecher Verlag. Ihr dritter Roman, „Vater und ich“, stand auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021.
Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.
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Auf tagesschau.de gesehen

Anhaltende Dürre
Katalonien ruft Wassernotstand aus

Wegen anhaltender Dürre hat die spanische Urlaubsregion Katalonien den Notstand ausgerufen. Der Wasserverbrauch wird drastisch begrenzt, was vor allem Landwirte hart trifft. Seit Jahren fällt in der Region zu wenig Regen.
Seit mehr als drei Jahren regnet es im spanischen Katalonien zu wenig. Nun hat der damit einhergehende Wassermangel ein so drastisches Ausmaß erreicht, dass die Regierung der Region den Notstand ausgerufen hat. Die damit einhergehenden Einschränkungen gelten ab morgen in der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona und 201 weiteren Gemeinden. Von den insgesamt etwa acht Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der Region sind sechs Millionen betroffen. Mehr als 30 Gemeinden hatten bereits vor der Anordnung der Regierung den Notstand ausgerufen, in anderen Gemeinden galt ein sogenannter Vornotstand.

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Dienstag, 16.Januar

Heute haben
Aleksandar Tisma * 1924
Susan Sontag * 1933
Inger Christensen * 1935
Reinhard Jirgl * 1953
Geburtstag
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Mascha Kaleko
Langschläfers Morgenlied


Der Wecker surrt. Das alberne Geknatter
Reißt mir das schönste Stück des Traums entzwei.
Ein fleißig Radio übt schon sein Geschnatter.
Pitt äußert, daß es Zeit zum Aufstehn sei.

Mir ist vor Frühaufstehern immer bange.
… Das können keine wackern Männer sein:
Ein guter Mensch schläft meistens gern und lange.
– Ich bild mir diesbezüglich etwas ein …

Das mit der goldgeschmückten Morgenstunde
Hat sicher nur das Lesebuch erdacht.
Ich ruhe sanft. – Aus einem kühlen Grunde:
Ich hab mir niemals was aus Gold gemacht.

Der Wecker surrt. Pitt malt in düstern Sätzen
Der Faulheit Wirkung auf den Lebenslauf.
Durchs Fenster hört man schon die Autos hetzen.
– Ein warmes Bett ist nicht zu unterschätzen.
… Und dennoch steht man alle Morgen auf.

aus: Das lyrische Stenogrammheft

Gestern, während unserer Inventur, waren wir am Lyrikregal, um dort alle Bücher aufzunehmen und kamen auf Mascha Kaleko zu sprechen. Ihre Großstadtlyrik haben oft einen leicht ironischen, aber doch liebevollen Ton. Eine gewisse Melancholie schwebt über ihren Zeilen und wenn wir ihre Biografie anschauen, dann ist das nicht verwunderlich.
Es sind „Die paar leuchtenden Jahre“, die uns bleiben und oft geht es mir genau so, wenn ein Buchtitel bei ihr heisst: „In meinen Träumen läutet es Sturm“.
Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit und schauen Sie in eines ihrer Bücher. Trotz des leichten Tons haben ihre Gedichte eine unglaubliche Tiefe. Kein Wunder, dass ihr Werk immer noch präsent ist und die Berliner Sängerin Dota zwei Musikalben mit ihren Texten aufgenommen hat.

Rezept

Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
Wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
Und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
Wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
Geht es um dich oder ihn.
Den eignen Schatten nimm
Zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
Und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
Unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

aus: Die paar leuchtenden Jahre


Mascha Kaléko (1907-1975) fand in den Zwanzigerjahren in Berlin Anschluss an die intellektuellen Kreise des Romanischen Cafés. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem „Lyrischen Stenogrammheft“ ihren ersten großen Erfolg feiern konnte. 1938 emigrierte sie in die USA, 1959 siedelte sie von dort nach Israel über. Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.
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Petition: „Höcke stoppen“
Vielleicht haben Sie auch Interesse diese Petion zu unterschreiben.

https://weact.campact.de/petitions/wehrhafte-demokratie-hocke-stoppen

Mittwoch, 3.Januar

Heute haben
J.R.R.Tolkien * 1892
Maxie Wander * 1933
Geburtstag
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„Viele Menschen haben nicht die Kraft, anderen etwas zu geben, sie bauen Kälte um sich und leiden schrecklich unter ihrer Isolation.“
Maxie Wander (1933 – 1977) aus: „Guten Morgen, du Schöne“
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Eine wichtige Wiederentdeckung, auch in Zeiten der Kriege in der Ukraine und in Israel/Gaza:


Peter Flamm: „Ich?
S.Fischer Verlag € 22,00

„Schriftsteller oder nicht, jeder ist verdammt – oder gesegnet –, die spukhaften Blasen, die aus den dunkel brodelnden Wassern seines Unbewussten steigen, zu bekämpfen.“
Peter Flamm

Sebastian Guggolz, der in seinem gleichnamigen Verlag, alte literarische Schätze hebt, hat vom S.Fischer Verlag den Auftrag bekommen, sich um Romane zu kümmern, die der Verlag einst veröffentlichte, die großen Erfolg hatten, mittlerweile aber vergessen sind.
Das ist ihm mit „Ich?“ von Peter Flamm mehr als gelungen.
1926 erschien dieser expressionistische Roman und wurde begeistert besprochen.
Am letzten Tag des Ersten Weltkrieges begibt sich Hans aus seinem Schützengraben, stolpert über einen toten Kameraden und nimmt dessen Ausweis an sich. Aus Hans wird Wilhelm.
Zuhause angekommen wird er freudig begrüßt, seine Frau und seine Freunde erkennen ihn als Wilhelm wieder, nur der Hund wittert Verdacht.
In einem langen Selbstgespräch, voller Selbstzweifel, wissen Hans/Wilhelm und wir nicht genau, erkennt sein Umfeld wirklich den wahren Heimkehrer? Hat der Krieg Hans vielleicht so verändert, dass er meint ein anderer zu sein?
Peter Flamms schmales Romandebüt bleibt verwirrend und lässt einem beim Lesen nicht mehr los.
Fast hundert Jahre alt und doch hochaktuell, auch was die benutzte Sprache anbelangt, gehört dieser Roman zu den Entdeckungen des letzten Jahres und hat hoffentlich noch länger die Möglichkeit oft gelesen zu werden.

Leseprobe

Peter Flamm, bürgerlich Erich Mosse, 1891 in Berlin geboren, begann schon während seines Medizinstudiums, in den Zeitungen seines Onkels Rudolf Mosse Feuilletons und kleinere Erzählungen zu veröffentlichen. 1926 sorgte sein psychologischer Debütroman »Ich?« bei S. Fischer für Furore. In den folgenden Jahren verfasste er neben seiner medizinischen Praxis drei weitere Romane, bis er als Jude 1933 mit seiner Frau Marianne aus Deutschland nach Paris und 1934 nach New York emigrieren musste. Dort ließ er sich als Psychiater nieder; sein berühmtester Patient war der Literaturnobelpreisträger William Faulkner, Berühmtheiten wie Albert Einstein und Charlie Chaplin gingen in seinem Haus ein und aus. 1963 starb er in New York.
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Mittwoch, 13.Dezember


Heinrich Heine * 1797
Laurens van der Post * 1906
Ross Macdonald * 1915
Robert Gernhardt * 1937
Howard Brenton * 1942
haben heute Geburtstag
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Von der Katze lernen heißt liegen lernen.
Robert Gernhardt
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Heute ziehen wir wieder ein Buch aus dem Regal.
Dieses Mal ein sehr bewegender Roman darüber, wenn ein Kind plötzlich bei einem Unfall verstirbt.
Das Buch war nicht leicht zu verkaufen, obwohl es so warmherzig und nicht wehmütig geschrieben ist.
Vielleicht entdecken Sie ihn jetzt. Es würde mich freuen.


Sarah Kuttner: „Kurt“
S.Fischer Verlag € 12,00
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Gestern gab es im Donaubüro eine sehr interessante Buchpräsentation.
Wie tickt die russische Gesellschaft?
Vorgestellt von zwei Journalisten, die seit Jahrzehnten das Land besucht haben.


Gesine Dornblüth und Thomas Franke: „Jenseits von Putin
Russlands toxische Gesellschaft
Herder Verlag € 20,00

Sie berichteten über ihre Reisen, über Bekannte und Freunde, die sie über die Jahre befragt haben. Über die schleichenden Veränderungen seit 2002, seit 2014 und seit dem Krieg gegen die Ukraine.
Sie wissen auch keine Lösung, wie es wieder zu einer Annäherung zwischen Deutschland und Russland kommen kann, zeigen aber in einzelnen Themenblöcke, was heute anders, als vor zehn, zwanzig Jahren ist und es damals noch möglich gewesen wäre, auf die Straße zu gehen, um zu demonstrieren. Heute jedoch nicht mehr. Und das aus verschiedenen Gründen.

Thomas Franke hat dann noch auf das folgende Buch hingewiesen:


Gesine Dornblüthund Thomas Franke: „Ruhnlose Helden

Ein Flugzeugabsturz und die Tücken deutsch-russischer Verständigung
be.bra Verlag € 20,00

Am 6. April 1966 stürzte ein sowjetischer Jagdbomber in den West-Berliner Stößensee. Obwohl die beiden Piloten womöglich ihr Leben opferten, um Hunderte Menschenleben zu retten, wurden sie später in Ost und West nur halbherzig geehrt. Dieses Buch rekonstruiert die dramatischen Ereignisse, die damals die Weltöffentlichkeit in Atem hielten, und es zeigt, wie die Erinnerung daran bis heute nachwirkt.

Thomas Franke verwies dann noch auf sein neues Buch, das in einer kleinen Auflage gedruckt worden ist und bei dem man auch gut einschlafen kann.
Ein Buch mit humorvollen Erzählungen aus dem Kaukasus, aus Georgien.


Thomas Franke: „An den Kaukasus gekettet“
Moloko Print € 17,00

Alle Bücher finden Sie bei uns in der Buchhandlung.

Montag, 6.November

Heute haben
Robert Musil * 1880
Michael Cunningham * 1952
Karin Fossum * 1954
Geburtstag
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Conrad Ferdinand Meyer
Novembersonne

In den ächzenden Gewinden
Hat die Kelter sich gedreht,
Unter meinen alten Linden
Liegt das Laub hoch aufgeweht.

Dieser Erde Werke rasten,
Schon beginnt die Winterruh –
Sonne, noch mit unverblassten,
Goldnen Strahlen wanderst du!

Ehe sich das Jahr entlaubte,
Gingen, traun, sie müßig nie,
Nun an deinem lichten Haupte
Flammen unbeschäftigt sie.

Erst ein Ackerknecht, ein Schnitter,
Und ein Traubenkoch zuletzt
Bist du nun der freie Ritter,
Der sich auf der Fahrt ergetzt.

Und die Schüler, zu den Bänken
Kehrend, grüßen jubelvoll,
Hingelagert vor den Schenken,
Dich als Musengott Apoll.
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Unser Sachbuchtipp:


Alice Hasters: „Identitätskrise
Hanser Verlag € 20,00

Mit großer Begeisterung habe ich das neue Buch von Alice Hasters gelesen. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch die Geschichte Deutschlands, der BRD, den Kolonialismus, die Globalisierung und schreibt in vielen Schleifen über Nebensächlichkeiten in den Zeitläuften, die sich für das Verständnis unserer Krisen als sehr wichtig herausstellen.
Zuerst definiert sie das Wort „Identität“ und sieht es als eine lange Erzählung über uns selbst, die sich auch noch Jahren und Jahrzehnten nicht verändert hat. Wenn nun aber verschiedene Erzählungen aufeinanderprallen und das System des kapitalistischen, freien Westens über alles gestülpt wird, heisst es immer wieder seine eigene Erzählung zu überprüfen.
Hasters schreibt in einem nicht wissenschaftlichen Ton, berichtet aus ihrer Kindheit und verknüpft die damaligen Erinnerungen an die Weltgeschichte. So entsteht ein sehr klares Bild unserer diversen Krisen, angefangen mit der Klimakrise, die sich aus unserem Wirtschaftssystem entwickelt hat. Ihre Lösungsvorschläge sind radikal, die Wirklichkeit, die Vergangenheit war jedoch deutlich brutaler und hat sehr viele Menschenleben gekostet und Leid und Elend auf die Welt gebracht.

Leseprobe

Auf NDR finden Sie eine Buchbesprechung und ein Interview mit der Autorin:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Alice-Hasters-Wir-koennen-nicht-so-weitermachen,audio1501704.html
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Morgen Abend stellen wir wieder vier neue Romane vor.
Um 19 Uhr geht es los.
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Freitag, 27.Oktober

Heute haben
Rudolf Leonhard * 1889
Dylan Thomas * 1916
Kasimierz Brandys * 1916
Sylvia Plath * 1932
Gerd Brandenberg * 1941
Zadie Smith * 1975
Geburtstag
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„Das einzige Mittel, das Leben zu ertragen, ist: es schön zu finden.“
Rudolf Leonhard
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Unser Buchtipp:

Adam Soboczynski: „Traumland
Der Westen, der Osten und ich
Klett-Cotta Verlag € 20,00

Nach „Niemcy“ zieht 1981 der kleine Adam Soboczynski. In’s Paradies, wie sich das Wort erklären lässt, reist die Familie von Polen nach Deutschland, nach Koblenz. Hier ist also der goldene Westen. Es gibt alles zu kaufen und keine Schlangen zum Anstehen. Aber ist die Stadt am Rhein wirklich die Traumstadt? Soboczynski schreibt in sieben Kapiteln über das Hineinwachsen in diese westliche Gesellschaft, die noch sehr von Häkeldeckchen und dem Denken aus der Zeit des Nationalsozialismus geprägt ist, und dem Zurücklassen der dörflichen Welt mit seinen alteingewachsenen Familienstruklturen. Er schreibt über seine Schulzeit, über Hierachien Deutsche-Polen-Türken, die durch das westliche System gefördert werden.
Acht Jahre später fällt die Mauer und alles wird gut. Alles? Naja, Helmut Kohl wird kurz darauf mit Eiern beworfen und gleichzeitig kommt zu einer Angleichung zwischen Ost und West, zwischen Polen und Deutschland, was u.a. das Konsumverhalten anbelangt.
Adam Soboczynski erzählt mit viel Humor aus seinem Leben und verquickt dies mit den Zeitläuften der beiden Länder, über Veränderungen, die auch an den Familienverhältnissen nicht Halt machen und kommt bis zum Überfall Russlands auf die Ukraine.
Eine Biographie, ein Geschichtsbuch, an Band mit Essays und das alles kurz zusammengefasst und bestens geeignet für ein paar Leseabende.

Adam Soboczynski, geboren 1975 im polnischen Torun, lebt in Berlin und Hamburg und leitet das Ressort Literatur im Feuilleton der ZEIT.

Leseprobe
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Wer jetzt schon mal in den Roman „Mattanza“ schauen will, … wir haben Exemplare im Laden.

Ein Requiem auf eine untergegangene Welt“
NDR

Fabianos Figuren eint die Tatkraft und Energie, mit denen sie sich weit größeren Mächten entgegenstellen. Eine fesselnde Lektüre.
La Repubblica

Germana Fabiano hat einen ganz schönen Erzählton
Deutschlanddfunk Kultur

‚Mattanza‘ ist ein Geschichtsbuch voller längst vergessener Traditionen
Freie Presse

In einem einzigartigen epischen Ton, der wie der Nachhall uralter Erzählungen wirkt, lässt die Sizilianerin Germana Fabiano die Geschichte einer Insel lebendig werden, die gegen ihr Verschwinden ankämpft.
Brigitte