Montag, 25.September


Heute haben
Lu Xun * 1878
Elsa Tiolet * 1896
William Faulkner * 1897
Ernst von Salomon * 1902
Maj Sjöwall * 1935
Andrzej Stasiuk * 1960
Carlos Ruiz Zafón * 1964
Rebecca Gablé * 1964
Tanja Dückers * 1968
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Ludwig Fulda (1862-1939)

Sei, wills du unter Menschen gehn,
Mit geist´gem Kleingeld vorgesehn.
Gedanken tief und groß und stark
Laß lieber ganz zu Haus:
Auf einen Schein von tausend Mark
Gibt niemand gern heraus.
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Claudia Wiltschek empfieht:

Nikola Huppertz: „Fürs Leben zu lang
Tulipan Verlag € 16,00
Jugendbuch ab 13 Jahren

Magali Weill ist sehr groß für eine Dreizehnjährige. Viel zu groß findet sie und viel zu groß, um von irgend jemanden geküsst zu werden. Ihre Sorgen und Nöte schreibt sie in ihr Tagebuch. Von Freundinnen, die nur dann Freundinnen sind, wenn Magali nützlich ist, von der Schwester, die schön ist und die tollsten Freunde hat, von den Eltern, die alles gut und richtig machen wollen und es doch nicht tun.
Alles ist eben so, wie sie es nicht haben möchte. Aber wie geht eigentlich Leben, sowie sie es haben will?
Ausgerechnet der uralte Herr Krekerler, der Nachbar von unten, zeigt ihr worauf es ankommt. Der alte, immer korrekt gekleidete Herr, immer höflich und aufmerksam, von den meisten aber gar nicht wahrgenommen. Herr Kerkeler hat nicht nur bemerkenswerte Ansichten über das Leben und den Tod, er hat auch einen seltsamen Enkel.
Selten habe ich ein so gutes Jugendbuch über die Frage nach dem Sinn, dem Tod, der Liebe, dem Leben und den Sorgen einer Dreizehnjährigen gelesen und mich dabei so amüsiert.
Schenkt es euern Kindern und schnappt es euch dann!

Hier geht es zur Leseprobe.
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Wir waren sechzehn. Jungs nur zwei. Thorsten und David. Heute bitte kein Gezicke, sagte die Betzler und klappte die Tafel auf. Wir säen und ernten für das sozialistische Wohl, stand dort in ordentlicher Schreibschrift. Die Betzler richtete ihre Dauerwelle und sagte, heute wollen wir uns mit der Aussaat von Weißkohl beschäftigen. Anna meldete sich, kann ich mal aufs Klo. Babsi sagte, die schon wieder. Die hat doch Geheimnisse auf dem Klo vergraben. Anna drehte sich, nee, meine Tage. Will keiner wissen, rief Kerstin, doch die Tür war schon zugefallen. Ruhe jetzt. Die Betzler klopfte mit Kreide gegen die Tafel. In welchen Gerichten verwendet man Weißkohl. Eintopf, Auflauf, Tote Oma, antwortete Marlene.
Würdest du dich bitte melden, fragte die Betzler. Marie schrieb in mein Heft: Wie nervig alle sind. Ich schrieb darunter: Du erst. Lass mein Heft in Ruhe. Draußen lief eine Katze über den aufgerissenen Beton. Marie malte einen Strich: Lass mein Heft in Ruhe. Dann beugte sie sich zu mir hinüber und flüsterte, wie läuft es mit Paul.

Das ist der Beginn des ersten Kapitels aus „Gittersee“ von Charlotte Gneuß, die morgen, Dienstag, 16.September, bei uns in der Buchhandlung liest.