Samstag

Heute haben
Thomas Morus * 1477
Charles Dickens * 1812
und Sinclair Lewis * 1885
Geburtstag
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1

Die Caldecott Preise 2015 für die besten Illustrationen auf dem us-amerikanischen Bilderbuchmarkt sind vergeben worden.
Der Sieger ist in diesem Jahr Dan Santat für sein Buch: „The Adventures of Beekle: The Unimaginary Friend“.
Mit Ehren-Medaillen wurden Lauren Castillo für „Nana in the City und Jon Klassen für sein Buch „Sam & Dave graben ein Loch“ ausgezeichnet. Diese drei Bücher haben wir im Laden. Die ersten beiden in englisch, das dritte Buch ist gestern auf deutsch erschienen. Demnächst erscheint ein weiteres Buch auf deutsch, das mit einen Ehrenpreis ausgezeichnet wurde. „This One Summer“ illustriert von Jillian Tamaki.
Alle Gewinner können Sie hier nachlesen.
„Beekle“ und „Nana in the City“ haben wir auf dem Blog schon vorgestellt.
Am 5.Mai 2014 „Beekle“
Am 12.November 2014 „Nana in the City“

2

Mac Barnett und John Klassen: „Sam und Dave graben ein Loch“
NordSüd Verlag € 14,99
Bilderbuch ab 4 Jahren

In der Hoffnung, einen Schatz zu finden, graben die beiden Freunde Sam und Dave an einem Montag ein tiefes Loch. Sie wollen solange graben, bis sie etwas Besonderes gefunden haben. Mit dabei der treue kleine Hund, während die kluge, stille Katze auf der Veranda sitzt und sich das Spektakel in stoischer Ruhe anschaut. Wie Katzen halt so sind. Sie graben und graben und graben. Immer knapp an einem Schatz vorbei. Der kleine Hund erschnüffelt die Richtung zu den immer größer werdenden Edelsteinen, die sich knapp neben den Jungs in der Erde versteckt halten, aber knapp vorbei ist auch daneben. Und so graben sie mal nach links, mal nach rechts und immer tiefer. Die versteckten Schätze werden immer größer und die Jungs werden immer schmutziger. Aber auch hungriger und durstiger, da ihre Vorräte aufgebraucht sind. Schokomilch gibt es wieder daheim und das letzte Tierkekschen ist auch aufgegessen. Müde schlafen sie neben einem riesigen Diamanten ein, der ne Handbreit von ihnen entfernt in der Erde schlummert. Als der kleine Hund einen Knochen ausgräbt, der auch in der Erde versteckt war, passiert plötzlich etwas Unglaubliches und alle drei purzeln auf die Stelle zurück, an der sie angefangen haben zu graben. Die Jungs gehen müde, hungrig und durstig ins Haus. Der Hund verbuddelt wahrscheinlich seinen Knochen und die Katze beobachtet dies alles sehr genau von ihrem Platz auf der Veranda.
Ein fast schon philosophisches Bilderbuch für die Kleinen, in dem wir sehen können, wie Kinder in ihren Arbeiten sich komplett vertiefen („vertiefen“ ist in diesem Fall gut) und wie aus Bauklötzen und Stoffresten Burgen und Prinzessinen entstehen, bis sie wieder in die Wirklichkeit purzeln, wenn sie Hunger und Durst haben.
Wir lieben die Bücher von Jon Klassen.

Auf dem sehr lustigen Trailer, erfahren wir zwar nicht viel über das Bilderbuch, aber umso mehr, wie wichtig es ist, immer wieder mit einem guten Freund ein Loch zu graben.

In der Leseprobe können Sie fast das ganze Bilderbuch anschauen. Bis auf den ganz besonderen Schluss.

Viel Vergnügen.

Freitag

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Heute haben
Herman Melville * 1819
Ernst Jandl * 1925
Bernward Vesper * 1938
Geburtstag
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Heute haben wir wieder eines dieser Bücher, die wir uns als Erwachsene sicherlich mehrfach anschauen, das wir aber auch mit Kindern durchblättern können und da es ganz wenig Text hat, ist es ideal zum Geschichten erfinden und Dinge entdecken.

Loch

Der rote Pfeil ist von mir hineingefügt und ist auf dem Buchumschlag nicht zu finden.

Øyvind Torseter: „Das Loch“
64 Seiten, ab 4 Jahren
Gerstenberg Verlag € 19,95

Die Wohnung ist noch leer und ein junger Mann mit Kapuzenjacke stellt seine Umzugskartons in die Küche. Müde und schlapp haut er sich dann ein Ei in die Pfanne. Beim Essen entdeckt er ein Loch in der Wand neben der Tür. Wir haben es natürlich schon längst entdeckt, aber er ist mehr als erstaunt und fragt sich: „Was ist das denn?“ Woher nur kommt das Loch, das er Held in seiner neuen Wohnung mit den Händen abfühlt? Und seltsamer noch – das Loch scheint seinen Platz zu wechseln, findet sich mal auf dem Boden, mal im Kleidersack, mal mitten in der Wand … ja, es scheint geradezu Versteck zu spielen!
Es gelingt unserem jungen Mann jedoch das Loch einzufangen und zur Untersuchung in ein Labor zu schicken. Doch es gibt Dinge im Leben, die lassen sich nicht erklären … Auf der Heimfahrt mit dem Taxi hängt das Loch als Mond am dunklen Himmel und verfolgt ihn bis zur Wohnungstür und noch auf dem Balkon hängt es dort oben und wird  von niemanden beachtet. Als er dann müde ins Bett geht, seine Tasse auf die Spüle stellt und seinen Schlafsack auspackt, ist dasLoch wieder da, wo es schon zu Beginn der Geschichte war. Links neben der Tür.
Alles nur erfunden, meinen Sie? das Loch gibt es gar nicht, oder?
Deshalb habe ich den roten Pfeil dem Titelbild hinzugefügt. Es wurde tatsächlich durch die Mitte des Buches ein Loch gebohrt. Ich will ja gar nicht fragen, wer diese vielen Löcher der Buchauflage bohren musste. Und rund um dieses feste Loch hat Øyvind Torseter seine Geschichte entwickelt.
Was ist es nun: Ein Bilderbuch, ein Geschichten- ein Vorlesebuch, oder stelle ich es in die Philosophieecke? Ach egal, es ist eine pfiffige Idee die zu neuen Gedanken anregt. Nicht alles ist so, wie es sein sollte und manchmal gibt es auch keine Erklärung dafür. Zumindest für ein kleines Hirn, wie meines.
Viel Vergnügen damit.

Øyvind Torseter, geb. 1972 in Hamar, lebt in Oslo. Er hat am Kent Institute of Art and Design und an der Osloer School of Graphic Designs studiert. Für sein umfangreiches künstlerisches Werk ist er mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. mit dem Bologna Ragazzi Award 2008.

Auf dem Filmchen wird einmal durch das Buch geblättert:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Gv6KSEPerI4]

Das schickte mir gerade Werner Färber als Antwort auf das Löcher-Buch:

EIN LOCH

So inhaltslos und völlig leer,
fiel einem Loch das Leben schwer.
„Es ist in mir rein gar nichts drin,
ich finde keinen Lebenssinn.”

Es suchte seinen dunklen Schlund
nach etwas ab bis auf den Grund.
Alles was es drinnen fand,
war des Loches eigner Rand.

Es setzte sich ganz unten nieder
die Dunkelheit war ihm zuwider.
So saß es in sich selbst versunken
und hatte einen Geistesfunken.

„Voller Nichts kann man nicht sein,
ich lass die Sonne in mich rein.
Luft und Licht und Sonnenstrahlen,
ich beende meine Qualen!”

Nun war’s erfüllt mit hellem Licht.
War’s jetzt noch Loch? Oder war’s nicht?
Ich sag’, es blieb ein Nichts mit Rand
und so uns Menschen eng verwandt.

© Werner Färber