Samstag

Heute haben
Jasper Fforde * 1961
Katharina Hacker * 1967
und Wolfgang, Sidi und Andrea
Geburtstag.
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Wilhelm Müller
Erstarrung

Ich such‘ im Schnee vergebens
Nach ihrer Tritte Spur,
Hier, wo wir oft gewandelt
Selbander durch die Flur.

Ich will den Boden küssen,
Durchdringen Eis und Schnee
Mit meinen heißen Tränen,
Bis ich die Erde seh‘.

Wo find‘ ich eine Blüte,
Wo sind‘ ich grünes Gras?
Die Blumen sind erstorben,
Der Rasen sieht so blass.

Soll denn kein Angedenken
Ich nehmen mit von hier?
Wenn meine Schmerzen schweigen,
Wer sagt mir dann von ihr?

Mein Herz ist wie erfroren,
Kalt starrt ihr Bild darin:
Schmilzt je das Herz mir wieder,
Fließt auch das Bild dahin.

Gefunden im Gedichtebändchen:Januar“ aus dem Reclam Verlag.
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Wie man in unserer kleinen Buchhandlung an mir vorbei ein Buch bestellen, es als Geschenk verpacken und dann noch eines findet, von dem ich noch nie etwas gehört habe, das ist schon beachtlich. So geschehen vor und zu meinem Geburtstag.

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Charles Lewinsky: „Der Teufel in der Weihnachtsnacht
dtv € 7,95
Hier bestellen

Somit war die Freude natürlich groß, dieses Büchle auspacken zu dürfen. Noch dazu im buchhandelseigenen Geschenkpapier.
Schuld an allem war Schwester Innocentia, die den Papst, seit sie in Rom ist, kulinarisch verwöhnt. Und als alter Bayer kann er diesen Köstlichkeiten nicht entsagen. So lässt er auch heute Nacht keinen Krümel verkommen, obwohl er weiss, dass sein Körper nicht gut darauf reagiert. Eine Totsünde muss der Mensch ja begehen. Als der Papst jedoch sagt, dass der Teufel Schwester Innocentia holen solle, taucht der auch plötzlich mit seinem roten Ferrari auf. Und dass es der Teufel persönlich ist, erkennt seine Heiligkeit sofort. Wer schafft es schon in der Nacht vor Weihnachten mitten auf dem Petersplatz zu parken. Der Sportwagen ist natürlich rot, was denn sonst. „Ferrarirot ist die Lieblingsfarbe aller infernalischen Geschöpfe. Sie werden gerne daran erinnert, dass sie über ein Feuer verfügen, das auch der modernste Spritzenwagen nicht löschen kann. Aber warum gerade ein Ferrari? Warum auch nicht? Auch der Papst ist ja meistens ein italienisches Modell.“ Nun haben Teufel heutzutage keine Bocksfüsse und keinen Ringelschwanz. Sie kommen da schon im Maßanzug und Aktenköfferchen und erinnern sehr an Versicherungsvertreter. Warum auch nicht, bei Berufe sind darauf spezialisiert, „Policen für das Paradies auszustellen und das feurige Schwert ins Kleingedruckte wegzumogeln„.
Der Teufelkommt auch gleich zur Sache und gibt dem Papst Nachhilfe in Sachen Betriebswirtschaft und innovativer Personalführung. Um die Kirche ist es, wie wir wissen, nicht gut bestellt. (Jetzt haben sie sogar Weltbild hängen lassen und in die Insolvenz getrieben. Echt teuflisch!) Der Teufel schlägt vor, neue Marketingideen zu entwickeln, über Fusionen nachzudenken und endlich die Produktpalette zu überarbeiten. Und schon erlebt der Papst eine Musicalpremiere mit, ist Gast in einer Talkshow und gerät in die Fänge eines Kirchenmobiliarvertreters, der einen vollelektronischen Beichtstuhl präsentiert. Auch können gerne kleine Werbeblogs während der Messe eingebaut und statt Halleluja Coca Cola gerufen werden.
Ein Weckerklingeln weckt den Papst aus seinem Schlaf und er denkt: „Gottseidank nur ein Traum. Echt teuflisch“. Schwester Innocenti steht lächelnd vor ihm mit einem Tablett, auf dem eine Tasse Kaffee duftet. „Halleluja!“ sagt der Papst und die gute Schwester antwortet mit: „Coca Cola“.
Sie merken schon, ein netter Spaß auf 60 Seiten, von einem Autoren, der bekannt ist für seine dicken, guten Romane. Und: Sie können das Buch auch außerhalb der Weihnachtszeit lesen und verschenken. Das Verhältnis Papst und, Versicherunsgvertreter und wir bleibt das ganze Jahr das gleiche.
Und wie es mit Weltbild weitergeht, bleibt spannend. Wobei mir da ein teuflischer Gedanke kommt: Wenn Weltbild insolvent ist und mit 50% bei Hugendubel drinsteckt, ja dann, ja dann könnte diese Kette doch gleich mit verschwinden. Echt teuflisch. Ha!
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Nicht vergessen: Am kommenden Freitag, den 17.1. liest Clemens Grote zu ehren von Arno Schmidts 100.Geburtstag die Erzählung: „Kühe in Halbtrauer“.
Beginn 19 Uhr. Eintritt frei.
Eine einmalige Gelegenheit.