Mittwoch

Heute haben
Wilkie Collins * 1824
Paul Scheerbart * 1863
Leonardo Sciascia * 1921
Juan Marsé * 1933
Stephen W.Hawking * 1942
Gudrun Mebs * 1944
Geburtstag
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Zu Wilkie Collins passt sehr gut der Hinweis auf
Freitag, den 17.1. und Samstag, den 18.1.2014.

Am Samstag wird der Schriftsteller Arno Schmidt 100 Jahre alte und einen Tag zuvor, am Freitag liest Clemens Grote bei uns in der Buchhandlung die Erzählung: „Kühe in Halbtrauer“.
Beginn: 19 Uhr. Eintritt frei.
Ich würde mich freuen, wenn Sie den Weg zu uns finden und diese einmalige Gelegenheit nutzen.
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Auf den jetzigen Filmtipp bin ich über eine Kundenbestellung gekommen. Ich wusste zuerst mit dem Bild und dem Titel: „The Artist Is Present“ nichts anzufangen. Bis mir klar wurde, dass ich einen Ausschnitt aus dieser Dokumentation auf einem youtube-Ausschnitt mehrfach angeschaut habe, der mir über zwei Ecken zugespielt worden ist.

artist

Marina Abramovic: „The Artist Is Present
Das Schwierigste ist, etwas zu tun, das dem Nichts tun nahe kommt
Regie: Matthew Akers/Jeff Dupre
USA 2012
DVD bei uns im Laden für € 17,99

„Der Künstler ist anwesend“, oder hier besser: die Künstlerin. Anwesend an drei Monaten von März Mai 2010 in ihrer großen Retroperspektive in der New Yorker MoMA. Täglich sieben Stunden sitzt sie auf einem Stuhl und schaut wechselnden Menschen gegenüber, die sich dafür angemeldet haben. Marina Abramovic spricht nicht, bewegt sich nicht, isst und trinkt nichts während dieser Zeit. Sieben Stunden am Tag, sechs Tage die Woche, 100 Tage lang. Ja ist das Kunst?, wurde sie so oft gefragt und genau das ist das Thema dieser Dokumentation. Matthew Akers verfolgt sie während des Aufbaus der Ausstellung und bringt uns im ersten Teil das Gesamtkunstwerk Abramovic näher. Seit über 40 Jahren ist sie Performancekünstlerin, ging immer bis an die Grenzen und oft darüber hinaus. Jahrzehntelang hat sie dafür gekämpft, dass diese Art von Darstellung als Kunst anerkannt wird. Sie hat sich verletzt, ist gegen Wände gelaufen, hat sich in Feuerkreise gelegt, bis sie wegen Sauerstoffmangel bewusstlos wurde, hat mit ihrem Partner Ulay Extremsituationen ausgelotet. Ihre letzte gemeinsame Aktion war ein Marsch auf der Chinesichen Mauer. Sie kam von Osten, er von Westen. Auf halber Strecke (2.500 km!) trafen sie sich und gingen dann im wahren Leben ihre eigenen Wege. Nun kann ich nicht genauer auf ihre Arbeiten eingehen, da ich dafür nicht der Fachmann bin, und Sie sicherlich Genaueres über ihr Leben und Werk finden werden. Mir ging es so, dass mir während des Anschauens der DVD immer wieder Dinge aufgefallen sind, die ich schon gesehen hatte, aber nicht mit Marina Abramovic in Verbindung gebracht habe.
Ging sie zu Beginn ihrer Karriere mit vollem Körpereinsatz in ihre Aktionen, so hat sie sich in den letzten Jahren der Verlangsamung gewidmet. Still zu sitzen, sich nicht zu bewegen – eine enorme Herausforderung an Körper und Geist. In einem Workshop hat sie eine Gruppe von jungen Menschen eingeladen und ihnen ihre Ideen nahegelegt und mit ihnen geübt, denn sie sollen während der Ausstellung in der MoMA in fünf Räumen ihre verschiedenen Performances nachstellen, während sie in einem großen offenen Raum auf ihrem Stuhl sitzt. So langsam nimmt die Spannung bei ihr zu, der Tag der Eröffnung naht, sie begeht die einzelnen Räume. Sie bricht in Tränen aus, als der alte Citroen ausgestellt wird, in dem sie mit Ulay fünf Jahre gelebt hat. Sie packt ihren Stuhl und den Tisch aus, der ihre Heimat für die nächsten 100 Tage sein wird. Es beginnt mit einem run auf die begehrten Nummern, um ihr gegenübersitzen zu dürfen. Und dann herrscht erst einmal Ruhe. Am ersten Tag der Ausstellung setzt sich dann Ulay ihr gegenüber und sie verliert zum ersten und einzigen Mal ihre stoische, eingefroren Haltung, beugt sich zu ihm hin und berührt seine Hände. Was mit tosendem Beifall gutiert wird. Nun geht es über die lange Zeit der drei Monate während die Ausstellung läuft, bis zum letzten Tag. Während dieser Zeit hat sich die Aktion weltweit herumgesprochen, MoMA-Besucher übernachten vor dem Gebäude, um an die begehrten Karten zu kommen, TV-Nachrichten berichten über die Aktionen und können nichts damit anfangen. „Ist das Kunst?“ ist immer noch die Frage. Der Regisseur hat hier keine sehr kritische Dokumentation gedreht, sondern ist dem Charme der Künstlerin erlegen. Ihrer äusseren und inneren Schönheit. Wir bekommen jedoch einen sehr guten Einblick in das Lebenswerk einer aussergewöhnlichen Künstlerin. Und wenn wir uns immer noch wundern, was das soll mit dem Indieaugenschauen und warum 750.000 Menschen diese Ausstellung angeschaut haben und was es mit der Hysterie auf sich hat, bietet dieses DVD einen kleinen Einblick, einen kleinen Eindruck davon. Und wir können erahnen, was in den Menschen passiert ist, die Marina Abramovic gegenübergesessen sind.

Wikipedia-Eintrag der Künstlerin

Homepage der Künstlerin

Marina Abramovic trifft Ulay

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=OS0Tg0IjCp4]

Schön zu sehen,  wienoch wenige Menschen um die beiden stehen. Gegen Ende der Ausstellung drängeln sich dann hunderte von Zuschauern.

Trailer zur Dokumentation

http://www.youtube.com/watch?v=2oM4l7PEZUo