Montag

Heute hat der Mond wohl das Sagen. Im Arche Kinderkalender kommt ein spanisches Mondgedicht, im Italienischkalender heisst es „Poesia alla luna“ von Giacomo Leopardi und im Gedichtekalender schreibt Babette Wert u.a. „… Einbrecher, der Mond steigt uns allen aufs Dach.“ Und wie es der Zufall so will, kommt in meinem Buchtipp ein Schiff namens „Moonlight“ vor.
Und das kam gerade auf einem Blog hereingetrudelt:

“I’m staring right at the fucking moon and I don’t care who knows it.“
Nicholson Baker, Traveling Sprinkler.

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Heute haben
Guillaume Apollinaire * 1880
Jules Romains * 1885
Christopher Isherwood * 1904
Julio Cortazar * 1914
Geburtstag
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Mein Buchtipp für den Tag erschien im amerikanischen original unter dem Titel „The Slave Dancer“, kam 1979 als „Sklavenfracht für New Orleans“ im Ravensburger Verlag heraus und wurde dieses Jahr neuübersetzt und verlegt unter: „Jessies Melodie“ im Boje Verlag.

9783414822499

Paula Fox: „Jessies Melodie
Boje Verlag € 12,99
als eBook € 9,99
Übersetzt von Kai Kilian
Jugendbuch ab 12
Leseprobe

Wir befinden uns am Ende des 19.Jahrhunderts in New Orleans. Jessie ist 13 Jahre und wohnt mit Schwester und Mutter sehr ärmlich. Das Nähen von schönen Kleidern für die feine Gesellschaft ist die einzige Einnahmequelle der kleinen Familie. Jessie wundert sich oft, was so eine kleine Nähnadel für Auswirkungen hat. Jessies Lieblingsbeschäftigung ist das Flötenspiel. Er verdient sich ein paar Groschen dazu, in dem er im Hafen für die Matrosen spielt. An diesem Tag schickt ihn seine Mutter los, um Kerzen zu kaufen. Sie hat einen großen Auftrag zu nähen und muss die Nacht durcharbeiten. Jessie zieht los, leiht sich von seiner ungeliebten Tante noch etwas Geld, kommt aber gar nicht dazu seinen Auftrag auszuführen, weil er von Unbekannten in einen Sack gesteckt und verschleppt wird. Im Laufe der nächsten Stunden wird ihm klar, dass er auf einen Schiff kommen soll. Ihm wird allerdings nicht warum. Er merkt jedoch schnell, dass er keine Chance hat zu fliehen. Zu brutal sind die Männer, die ihn umgeben. Einer der Matrosen scheint dennoch ein Ansprechpartner zu sein und durch ihn erfährt Jessie dass die „Moonlight“ nach Afrika ausläuft und dass er in vier Monaten wieder bei seiner Mutter sein wird. Jessie kann es nicht fassen. Es wird jedoch noch verwirrender für ihn, als er erfährt, dass es sich um ein Sklavenschiff handelt, das illegal unterwegs ist. Sie fragen sich nun sicherlich, warum diese Matrosen Jessie entführt haben. Der Kapitän der „Monnlight“ hat von Jessies Flötenspiel erfahren und weiss um den Wert seiner Fracht, die er in Afrika an Bord nehmen wird. Sklaven, die nur eingesperrt unter Deck liegen, sterben ihm weg wie die Fliegen. Während der Wochen der Überfahrt sollen sie immer wieder zu Jessies Flötenspiel tanzen und sich bewegen und vielleicht ihr Leid vergessen. Das dient jedoch nicht zur Unterhaltung der Sklaven, sondern nur der Werterhaltung der Ladung. Jessie sieht viel, lernt viel, sieht Dinge, von denen er noch nicht einmal gehört hat. Die Brutalität auf dem Schiff ist eigentlich nichts für den 13jährigen Jungen. Aber er kann sich ihr nicht entziehen und kommt einmal auch unter die Räder. Nachdem die Sklaven an Bord sind, ändert sich auch Jessies Alltag und seine Aufgaben auf dem Schiff.
Wie das Buch nun ausgeht und dass alles doch noch ne andere Wendung einschlägt, verrate ich hier nicht.
Paula Fox, die alte Dame der amerikanischen Literatur (geboren 1923), lebt immer noch in Brooklyn, hat viele Preise für ihre Bücher für Erwachsene und Kinder/Jugendliche erhalten und war auch immer wieder für den Nobelpreis im Gespräch. Dieses Buch ist jetzt schon 30 Jahre alt und in einem Stil geschrieben, der nicht der lauten, schnellen Art entspricht, wie heute Jugendbücher geschrieben werden. Paula Fox schreibt ruhig, betrachtend und wir merken sehr bald von wen ihr Herz schlägt. Sie hat hier ein gelungenes Abenteuerbuch gegen die Sklavenhaltung in den USA geschrieben und ich kann mir denken, dass dieses Buch in vielen Schulen der USA Thema war. Ich könnte mir vorstellen, dass auch wir hier in Europa mit dem Buch viele Parallelen finden können, mit all den Flüchtlingen aus Afrika, die täglich in Italien und Spanien landen.
Obwohl es nicht sehr umfangreich ist und groß gedruckt, empfehle ich dieses Buch erst für Jugendliche ab 12. Nicht weil es brutal ist, sondern weil das Thema vielleicht für 10jährige etwas zu früh ist.