Donnerstag

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Heute haben
Joris-Karl Huysmans * 1848
George Saiko * 1892
Henriette Hardenberg * 1894
William S. Burroughs * 1914
Richard Yates * 1926
Inka Parei * 1967
Terézia Mora * 1971
Geburtstag
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Endlich mal nicht vorlesen müssen. Endlich mal ein Bilderbuch ohne Worte.
Aber halt! Sie lesen zwar die Geschichte nicht vor, aber es gibt so viel zu erzählen, dass das Durchblättern des Bilderbuches sicherlich länger dauert, wie wenn Sie jeweils zwei Zeilen Text unter den Illustrationen hätten.

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Ronan Badel: „Der faule Freund“
Hammer Verlag € 9,90
Bilderbuch ohne Worte ab drei Jahren

Und was für ein Held in dieser Geschichte! Ein Faultier! Es kämpft nicht, es streitet nicht, spielt nicht mit seinen Freunden, es will auch nicht ins Bett, weil es eh die ganz Zeit schläft. Aber nicht nur das. Schlafen heisst ja auch, sich von einer auf die andere Seite zu wälzen. Nein, unser Faultier bleibt regungslos an einem Ast und später an der Schlange hängen. Ach! Hätten wir Alten auch nur so einen guten Schlaf.

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Aber zur Geschichte:
Während Schlange, Papagei und Frosch auf einem großen Baum beim Kartenspielen sind, hängt über ihnen das Faultier und pennt. Es schläft so tief und fest, dass es gar nicht merkt, wie der Baum, an dem es hängt, umkippt. Die anderen Tiere können sich gerade noch auf einen anderen Baum retten, müssen von dort aber erkennen, dass die Waldarbeiter mit den großen Motorsägen, den Baum kleinschneiden und auf einen großen Laster packen. Mitsamt ihrem Freund! Was tun?

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Die Schlange gibt sich furchtlos und versucht das Faultier zuretten. Sie schafft es zwar mit auf den Laster zu kommen. Mehr aber auch nicht, da der kurz danach losbraust. Es wird eine wilde Fahrt und nicht immer lustig für die Schlange. Als dann der Baumstamm mit Faultier und Schlange auch noch vom Laster in einen Fluss mit Krokodilen kippt, als sie dann auch noch von denen verfolgt werden und als dann auch noch ein Wasserfall droht, …. Spannung pur für die kleinen ZuhörerInnen. Aber: Die Schlange ist zwar schwer erschöpft und kann aber das Faultier retten. Das merkt allerdings gar nichts davon, hängt sich an die Schlange, die ganz müde zwischen den hohen Bäume des Urwaldes erschöpft eingeschlafen ist, während die Freunde wieder am Zocken sind.
Herrlich!

Mittwoch

Heute haben
Joris-Karl Huysmans * 1848
George Saiko * 1892
Henriette Hardenberg * 1894
William S. Burroughs * 1914
Richard Yates * 1926
Inka Parei * 1967
Terézia Mora * 1971
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Wal

Selja Ahava: „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm
mare Verlag € 20,00
Aus dem Finnischen von Stefan Moster, der selbst ausgezeichnete Romane schreibt.

Es ist eines dieser Bücher, in das wir uns sofort verlieben. Der Titel lässt einige Fragezeichen aufkommen, das Bild vielleicht auf etwas Japanisches schließen und der Autorenname Selja Ahava bringt uns auch nicht viel weiter. Sie wurde 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehserien sowie Hörbücher, bevor sie diesen Roman veröffentlichte. Selja Ahava hat fünf Jahre in London verbracht und lebt seit ihrer Rückkehr nach Finnland mit ihrer Familie in Porvo. So kommen wir der Sache schon etwas näher und können erahnen, was es mit dem Titel auf sich hat.
In 45 Kapiteln auf ca. 220 Seiten, erzählt uns die Autorin aus dem Leben von Anna, die hochbetagt in einem Londoner Altenheim lebt und so langsam die Erinnerungen durcheinanderbringt, oder auch ganz verliert.
Aufgewachsen ist sie in Finnland, gelebt hat sie im Sommer auf einer kleinen Insel, einer Schäre. Das Holzhaus, in dem sie wohnten, war sehr karg eingerichtet und gerade dieses Einfache war es, was ihr und ihrem Mann Antti gefallen hat. Nach einem tragischen Unfall verliert sie den Boden unter den Füßen und beginnt wieder sich ein neues Leben zu gestalten. Anna Lehtonen fischt in ihrem Gedankenmeer, bringt viel durcheinander, sieht manche Dinge anders, als sie vielleicht wirklich waren. Erinnert sich an den selben Vorfall jedesmal etwas anders. Die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch sortiert, sondern purzeln bunt gemischt durcheinander. Als LeserIn stolpern wir das eine oder andere Mal über Passagen, die wir schon kennen, aber etwas anders wiedergegeben werden. Es entstehen Gedächtnislücken, die Anna mit viel Phantasie selber ausfüllt. Oft mit Wunschgedanken, wie es hätte sein können. Aber sie erinnert sich natürlich noch an den Wal, der seinerzeit die Themse hochgeschwommen ist, da er sich verirrt hatte, da er verwirrt war. Selja Ahava erzählt dies in einer einfachen poetischen, ruhigen Sprache, nimmt uns mit auf eine Zeitreise, die mich sehr gefesselt hat. Alles in allem ein gelungenes Buch, sowohl vom Inhalt, als auch von der Ausstattung.
Finnland ist Messeschwerpunktland auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und ich wünsche diesem Buch und seiner Autorin einen großen Sack voll Anerkennung, Lob und einen riesigen Umsatz.

Leseprobe
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Am 22. März 2014 ist Indiebookday!
Was ist der Indiebookday?
Sie lieben schöne Bücher?
Am Indiebookday können Sie das allen zeigen.
Es geht ganz einfach: Hier klicken.

Dienstag

Heute haben
J.C.Powys * 1872
M.Zwetajewa * 1892
H.J.Schädlich * 1935
Geburtstag
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Terézia Mora erhält den Deutschen Buchpreis 2013
für ihren Roman „Das Ungeheuer“.

Gratulation!

Die Begründung der Jury:
„Ein schwarzer Strich zieht sich durch den Buchtext von Terézia Moras Roman ,Das Ungeheuer‘. Er teilt die Geschichte von Darius Kopp und Flora. Sie waren ein Ehepaar, er ein Jedermann, der seine Frau mehr als alles, aber heillos liebte und überfordert war von ihrer Krankheit, ihren Depressionen. Flora hat Selbstmord begangen. Kopp bleibt zurück mit ihrer Asche in einer Urne und einer Datei, in der die Ungarin Flora Tagebuch über ihre Krankheit führte. Er macht sich auf den Weg durch Osteuropa von Ungarn nach Kroatien, nach Albanien und immer weiter bis er schließlich in Griechenland strandet, auf der Suche nach einer Heimat für die Asche und seine Verzweiflung. ,Das Ungeheuer‘ ist ein stilistisch virtuoser, perspektivenreicher Nekrolog und eine lebendige Road-Novel aus dem heutigen Osteuropa. Terézia Mora findet eine radikale Form, der verstorbenen Flora und ihrem Leiden, das sie Darius nicht mitteilen konnte, eine Stimme zu geben. Ihre Tagebuchdatei ist parallel zur Reiseerzählung von Darius unter dem schwarzen Strich zu lesen, ein Mosaik autobiografischer und medizinischer Skizzen zur Depression. Als Schriftstellerin gelingt es Mora, zwei Charaktere, die sich im Leben verfehlten, und zwei Textformen miteinander in Verbindung zu setzen. Terézia Mora vereint hohes literarisches Formbewusstsein mit Einfühlungskraft. ,Das Ungeheuer‘ ist ein tief bewegender und zeitdiagnostischer Roman.“

WebsiteDeutscher Buchpreis

Das Ungeheuer von Terezia Mora

Terézia Mora:Das Ungeheuer
Luchterhand Verlag € 22,99
als eBook € 18,99

Nun wird über Frau Mora und ihr Buch überall berichtet, so dass ich Ihnen nichts über den Inhalt des Buches erzählen brauche. Es ist ein harter Stoff, der mich ordentlich runtergezogen hat. Zwei Leben, die es sehr viele gibt, werden in diesem Roman vorgestellt und ausgebreitet. Terézia Mora, von der vor vier Jahren schon einmal ein Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stand, macht es uns nicht leicht. Ihre Personen haben keine Chance und das bekommen wir zu spüren. Dass sie schreiben (und übersetzen) kann steht ausser Frage. Das Buch passt jedoch genau in meine Aufforderung, der Kälte zu entkommen und zu den Sätzen, die ich gestern abend, vor dem Carla Bley-Konzert , das übrigens grossartig war) schon formuliert habe.

Kampf dem Nebelwetter!
Das Internet meldet: Erster Schnee am Freitag.
Keine Lust auf kalte Finger auf dem Rad.
Nur gut, dass es Musik gibt, die uns so richtig einheizt.

Shorty

Trombone Shorty: „Say That To Say This“
Verve CD € 19,99

Die Meinungen gehen auseinander. Die einen sagen, dass seine ersten beiden Alben besser waren, die andere sprechen von zehn Volltreffern auf der neuen Scheibe. Auf jeden Fall knackige Beats und gute Rhythmen.

Auf der website von Universal Musik können Sie in alle Lieder reinhören.

Und hier gibt es ein Konzert in Jazzfestival Montreux 2011