Mittwoch, 3.Mai

Heute haben
Novalis * 1772
Gottfried Benn * 1886
Georges-Arthur Goldschmidt * 1928
Gisela Elsner * 1937
Franz Innerhofer * 1944
Angela Krauß * 1950
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Georg Heym
Printemps

Ein Feldweg, der in weißen Bäumen träumt,
In Kirschenblüten, zieht fern über Feld.
Die hellen Zweige, feierlich erhellt,
Zittern im Abend, wo die Wolke säumt,

Ein düstrer Berg, den Tag mit goldnem Grat,
Ganz hinten, wo ein kleiner Kirchturm blinkt.
Das Glöckchen sanft im lichten Winde klingt
Herüber goldnen Tons auf grüner Saat.

Ein Ackerer geht groß am Himmelsrand.
Davor, wie Riesen schwarz, der Stiere Paar,
Ein Dämon vor des Himmels tiefer Glut.

Und eine Mühle faßt der Sonne Haar
Und wirbelt ihren Kopf von Hand zu Hand
Auf schwarze Au, der langsam sinkt, voll Blut.
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Unser Bilderbuchtipp:

Susanne Straßer:So müde und hellwach
Hammer Verlag € 14,00
Pappbilderbuch an 2 Jahren

Oh, wer kennst das nicht. Eigentlich sollten die kleinen Lieben schon lange schlafen. Sie sind müde und quengelig, aber ins Bett? Nie! Ihnen fällt immer noch etwas ganz Wichtiges ein.
Hier schlafen die Tiere schon. Alle in einem großen Bett. Eng aneinandergekuschelt liegen sie da. Nicht alle. Denn der Seebär hat die Augen weit aufgerissen. Er muß noch mal aufs Klo. Na klar. Also raus. „Pitsch, patsch. Pitsch, patsch. Tür auf- Tür zu.
Auf dem nächsten Bild schaut das Krokodil ganz verängstigt, weil ihm eingefallen ist, daß es noch Zähneputzen muß. „Schluurf, schluurf, schluurf. Tür auf – Tür zu.“ Wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir einen verschmitzten Blick im Gesicht, in den Augen des Krokodils. Irgendwie scheint das Zähneputzen nur ein Vorwand zu sein.
Nach und nach verlassen alle das Bett. Ganz zum Schluß geht auch noch der verpennte Igel und trippelt … Ja wohin eigentlich? Na klar! Ins Bett des Kindes, denn sie wollen alle noch einen Gutenacht-Kuß. Danach sind die Tiere plötzlich sooo müde, daß sie dort auf dem, jetzt hellwachen, Kind eingeschlafen sind.
Wie es dann weitergeht, wie das Kind die Tiere wieder loswird und warum plötzlich sein Schlafhase nicht mehr unter dem Kopfkissen ist, müssen Sie schon selber schauen.
Ein Pappbilderbuch für putzmuntere Kinder. Und eines sei schon mal vorneweggestellt. Mit einmal Vorlesen kommen mit diesem bunten Buch nicht durch.
Viel Vergnügen. Gäääähn.

Mittwoch, 20.Juli

Heute haben
Francesco Petrarca * 1304
Cormac McCarthy * 1933
Uwe Johnson * 1934
Geburtstag

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Johann Gottfried Herder
Der Mond

Und grämt dich, Edler, noch ein Wort
Der kleinen Neidgesellen?
Der hohe Mond, er leuchtet dort,
Und lässt die Hunde bellen
Und schweigt und wandelt ruhig fort,
Was Nacht ist, aufzuhellen.

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August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Der Mond

Der Mond zieht durch die Wolken,
Er kommt so hell heran.
Ihr Kinder, eilt ins Freie!
0 seht den Mond euch an!

Da streckt das kleinste Knäbchen
Die Arm’ hinaus gar weit,
Den Mond, den Mond will’s haben,
Nach ihm es weint und schreit.

Ich kann ihn dir nicht geben,
Auch wenn du größer bist,
Kann ich kein Glück dir geben,
Das nicht auf Erden ist. –

Denk’ bei dem goldnen Monde,
Der hoch am Himmel schwebt,
Dass niemand hier auf Erden
Unmögliches erstrebt.
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Unser heutiger Buchtipp:

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Will Gmehling & Wiebke Oeser (Illustrationen):
Gott, der Hund und ich
Hammer Verlag  € 14,90
Bilderbuch ab 5 Jahren

Das mit Gott ist so eine Sache. Gibt es ihn, ist er einfach nur da, sitzt er auf seiner Wolke? Warum schreitet er nicht ein, bei all dem Durcheinander auf der Erde? Gibt es nur ihn, oder mehrere? Sind die verschiedenen Religionsoberhaupter die gleichen?
In diesem Bilderbuch von Will Gmehling und Wiebke Oeser ist er ein Typ unter vielen. Einer, dem man auf der Straße begegnet und nicht beachtet. Einer, der an einem vorbeiläuft und in der Menge verschwindet.
Der Junge erkennt ihn jedoch sofort und fasst augenblicklich uneingeschränktes (Gott)vertrauen in ihn. Aus diesem stinknormalen Tag in einer stinknormalen Stadt auf einem stinknormalen Spielplatz wird plötzlich etwas Besonderes. Der Junge geht mit dem Fremden in der alten Jacke spazieren, weg von seiner Schaukel, auf der er alleine gesessen ist. Seine Ängste verfliegen auf der Stelle. Sie fahren ohne Fahrkarte in den Supermarkt, holen sich Eis ohne zu bezahlen und reden mit der Mutter des Jungen, die dort an der Kasse sitzt und Geld für die Familie verdient. Sie sieht ganz anders aus, als zuhause und versucht konzentriert alles richtig zu machen. Auch als es Ärger mit einer Kundin gibt, hat sie alles unter Kontrolle, so meint es der Junge. Am Ende legt ihr Gott die Hände auf den Kopf  „Und ich schwöre, für einen Moment fing Mama an zu leuchten, in tausend Farben„.
Sie besuchen den Papa des Jungen, der mit zwei anderen Arbeitslosen dem Training der örtlichen Fußballmannschft zuschaut. Auch mit ihnen kommt Gott ins Gespräch, verteilt Zigarren und hört zu. Ja, er hört nur zu und lässt sie von ihren Sorgen reden. „Gott sah sie an, nur sie. Nichts anderes zählte in diesem Moment. Er war nur für sie da. Ich werde es nie vergessen, wie er sie ansah. Und wie gut es ihnen danach ging. Sogar auf dem Platz konnten die das spüren.Danach sagt Papa, dass er jetzt aber schnell heim müsse, um seinem Sohn Mittagessen zu kochen, mit einem tollen Nachtisch.
Der Junge und Gott gehen weiter, befreien einen angeleinten Hund und Gott zieht weiter.
„Dann gingen sie los,Gott und der Hund. Sie verschwanden hinter den Büschen und sahen aus wie alle, die immer unterwegs sind.“
Eine Geschichte, die mich bei jedem Durchblättern sehr bewegt hat und nicht mehr loslässt. Ein Bilderbuch, dem hoffentlich viele Preise zufliegen. Es sei ihm und seinen Machern zu wünschen. Aber vielleicht genügt es ihnen auch, wenn möglichst viele diese Buch erwerben. Und jetzt sind sie an der Reihe.
P.s. Am Ende gibt es eine kurze Widmung: „Für Neil Young“.

Leseprobe

Rosenmontag, 8.Februar

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Heute haben
Jules Vernes * 1828
Theodor Lessing * 1872
Martin Buber * 1878
Heinrich Spoerl * 1887
Siegfried Kracauer * 1889
Ludwig Marcuse * 1894
Eva Strittmatter * 1930
Gert Jonke * 1946
John Grisham * 1955
Geburtstag.
Aber auch Paula Modersohn-Becker und James Dean.
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Unser Buchtipp passt nicht nur zum Rosenmontag.

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Nadia Budde: „Vor meiner Tür auf einer Matte
Hammer Verlag
Bilderbuch ab 4 Jahren

Vor meiner Tür auf einer Matte
steht jeden Tag die blonde Ratte.

Selten lade ich sie ein,
meistens quetscht sie sich mit rein.

Schneller als ich denken kann
hat sie meine Latschen an.

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Da steht sie nun, die übergroße Ratte und macht sich häuslich. Nicht nur die Puschen des Wohnungsbesitzers hat sie an. Sie setzt sich auf seinen Stuhl, liegt in seinem Bett, frisst ihm den Kühlschrank leer, telefoniert ohne Ende, pfeift laut und falsch zur Musik aus dem Radio, lässt Teekannen fallen und schlürft in der Badewanne das Wasser weg. Die Augenringe des langmütigen Helden werden immer größer und es platzt ihm der Kragen.
Am nächsten Tag ist das blonde Tier weg. Nirgends zu finden. Nicht auf dem Kanapee, nicht in der Wanne, noch im Kühlschrank, oder im Spiegel. Niemand schnieft beim Vorlesen von Büchern und niemand benutzt den superlauten Föhn im Bad.
Ach, irgendwie triste und öde.
Unser Mann macht sich auf die Suche nach dem liebgewonnenen, lästigen Freund. Und da steht die Ratte auch plötzlich wieder an der Türe. Sie essen gemeinsam und die Ratte erzählt, was sie erlebt hat. Mit Fliege am Hals und den Latschen an den Füßen. Aber so einfach gestaltet sich das gemeinsame Leben dann doch nicht.

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Nadia Budde ist und bleibt die Königin. Sie reimt, wie eine Weltmeisterin und ihre Bildern sind einzigartig treffend, witzig zeigen die Schwierigkeiten dieser kleinen Wohngemeinschaft.
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Werner Färbers Ungereimntheit der Woche

Der Jaguar

Ein Jagu- und ein Fegruar,
eröffneten das neue Jahr.
Und erst im Monat März
bemerkte man den Scherz.

XY … ungelöst

Dunkel ist’s schon lang im Garten.
Ein Fremder nähert sich dem Haus,
um geduldig drauf zu warten,
dass er ein Leben lösche aus.

Geräuschlos dringt der Fremde ein,
nachdem im Hause alles döst.
Keiner hört das Opfer schrei’n.
Auch dieser Fall bleibt ungelöst.
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Stadthaus Ulm
17. Dezember 2015 bis 13. März 2016
Nadja Wollinsky: Am Rand
Fotografien aus Ulm, Neu-Ulm und Umgebung

“Ich würde nie etwas fotografieren, das ich hässlich finde.”
Diese Fotos soll man sich genau anschauen. Man soll sich Zeit für sie nehmen, denn hier kann es aufs ganz kleine Detail ankommen. “Im Idealfall”, sagt sie stattdessen, “funktionieren die Bilder auf drei Ebenen: Farbe, Form und Inhalt. Klappt leider nicht immer.”
In Ulm und Neu-Ulm entdeckt Nadja Wollinsky Randerscheinungen, doch bildet sie keine Tristesse ab. Ihre Settings sind meist menschenleer, doch nicht vereinsamt. Nicht selten erzählen die Bilder von einem Scheitern, doch immer sind sie tröstlich. Sie sind leise lustig, doch nie sich lustig machend. Sie sind subtil und niemals platt. Und ein Saurier vor einer Neu-Ulmer Bahntrasse-und-Parkhaus-Kulisse ist irgendwie “menschlich”.

Nadja Wollinsky, Jahrgang 1967, wurde Mitte der 90er Jahre am Stadtarchiv Ulm zur Fotografin ausgebildet und leitet seit 2006 die Bilddokumentation der Stadt Ulm. Dazwischen absolvierte sie ein Studium “Digitale Medien” und war zuständig für Grafik und Fotografie in der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Ulm.

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Nicht vergessen:

Donnerstag , 18.Februar um 19 Uhr
Zora del Buono liest aus:
„Gotthard“ und „Das Leben der Mächtigen“
Bei uns in der Buchhandlung € 10,00

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