Freitag, 15.Juni

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Heute haben
Trygve Gulbransson * 1894
und Silke Scheuermann * 1973
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender.
Hier auf dem Blog jedoch die ganze Version.

Paul Fleming (1609-1640)
Tanzlied

Laßt uns tanzen, laßt uns springen,
denn die wollustvolle Heerde
tanzt zum Klange der Schalmeien!
Hirt‘ und Heerde muß sich freuen,
wenn im Tanz‘ auf grüner Erde
Böck‘ und Lämmer lieblich ringen.

Laßt uns tanzen, laßt uns springen,
denn die Sternen, gleich den Freiern,
prangen in den lichten Schleiern!
Was die lauten Zirkel klingen,
nach dem tanzen sie am Himmel
mit unsäglichem Getümmel.

Laßt uns tanzen, laßt uns springen,
denn der Wolken schneller Lauf
steht mit dunkeln Morgen auf!
Ob sie gleich sind schwarz und trübe,
dennoch tanzen sie mit Liebe
nach der Regenwinde Singen.

Laßt uns tanzen, laßt uns springen,
denn die Wellen, so die Winde
lieblich in einander schlingen,
die verwirren sich geschwinde!
Wenn die bulerische Luft
sie verschläget an die Kluft,
tanzt der Fluten Fuß zu Sprunge,
wie der Nymphen glatte Zunge.

Laßt uns tanzen, laßt uns springen,
denn der bunten Blumen Schaar,
wenn auf ihr betautes Haar
die verlebten Weste dringen,
geben einen lieben Schein,
gleich als soltens Tänze sein!

Laßt uns tanzen, laßt uns springen,
laßt uns laufen für und für,
denn durch Tanzen lernen wir
eine Kunst von schönen Dingen!

Passt zum Ulmer Tanzfestival Ulm moves.
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Gestern abend habe ich einen grandiosen Abend mit dem phänomenalen Teju Cole erlebt. Der us-amerikanische Autor mit nigerianischen Wurzeln machte auf seiner Deutschland-Tour nur in Berlin, Köln und Stuttgart Halt.
Mit „Open City“ wurde er berühmt. Es war plötzlich eine andere Art des Erzählens da. Cole arbeit als Kunstkritiker und schreibt für die New York Times. Es folgten Bände u.a. mit Essays und jetzt ein Buch mit eigenen Fotos, zu denen er kleine Texte verfasste. Er sagte selbst, dass diese Zeilen jede Menge Fußnoten benötigten. Diese Bemerkungen trug er gestern zu ein paar ausgewählten Bildern vor. Cole ist ein glänzender, witzige Erzähler. Klug, schlau, belesen mäandert er durch die Literaturgeschichte, zitiert hier und da und kommt von der Bibel und Homer plötzlich auf sein Lieblingsthema: Fußball.
Ja, er hat in den Jahren zuvor für Weltmeisterschaften gelebt. Diese Wochen nahm er sich frei und entwickelte sich zu einem Fachmann, dessen Witter-Einträge von Tausenden verfolgt wurden. Leider hat sich das Phänomen Twitter für ihn verändert, nachdem mit diesen wenigen Zeilen Weltpolitik gemacht wird. Gleichzeitig ist bei ihm die Korruption im Weltfußballverband immer mehr in den Vordergrund gerückt. Jetzt Rußland, dann Katar. Ein Unding so sagt er.
Und schon erging es ihm wie mir …. wir kommen vom eigentlichen Thema, der Bilder, ab. Aber genau darum geht es ihm auch. Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten. Dinge neu zu sehen und zwei verschiedene Texte zu einem Foto zu verfassen, ohne, dass sich dies widerspricht.
Ein unvergesslicher Abend.

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Donnerstag, 14.Juni

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Heute haben
Arthur Schnitzler *1862
Katherine Anne Porter * 1890
Max Frisch * 1911
Michael Lentz * 1964
Judith Hermann * 1970
Geburtstag
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Weltgeschichte ist eine Verschwörung der Diplomaten gegen den gesunden Menschenverstand.

Arthur Schnitzler
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Peter Stangel & Cornelia von Seidlein:
Was macht das Horn im Wald?
Die Instrumente stellen sich vor
Midas Verlag € 18,90

»Was macht das Horn im Wald?« ist Bilderbuch, Hörbuch und (Vor-)Lesebuch in einem; und das für alle Altersstufen. Schon im Kindergarten kann damit gearbeitet werden und wer selbst reinspickeln, können wir auch noch etwas lernen. Peter Stangel, Autor und Dirigent aus München, stellt die zwanzig wichtigsten Instrumente eines Sinfonie-orchesters vor und Cornelia von Seidlein illustriert brav aber treffend Spieler und Instrumente.
So erfahren wir, dass Trompeten bei Soldaten für Kommados benutzt worden sind und aus Mundstück, Rohr, Ventilen und Schallbecher bestehen. Es wird uns auch erklärt, warum das Horn Horn heisst, wo es doch aus Metall hergestellt ist. Früher bestand das Intrument tatsächlich aus Stierhörnern und wurde u.a. bei der Jagd benutzt, um den Jägern u.a. mitzuteilen, wo ein Fuchs gesehen worden ist und ob der Hirsch erlegt ist.
Bei der Geige gibt es eine Schnecke und Wirbel. Wo? Na, das steht im Buch. Auch wird erklärt, warum die Öffnungen in der Geige, F-Löcher heissen.
Pizzicato heisst kneifen. Aber was bedeutet das bei der Geige, oder den anderen Streichinstrumenten?
Und welches Orchesterinstrument hat eine Säule? Natürlich das, das auch über Pedale verfügt. Erraten? Lösung auf Seite 48.
Der Dirigent darf nicht fehlen. Zusätzlich gibt es alle Instrumente mit ihren Spielern als Poster zum Aufhängen und eine CD, auf der wir jedes vorgestellte Instrument hören können. Verbunden mit einem Ausschnitt aus einem bekannten Musikstück, wie zum Beispiel „Der Elefant“ aus dem „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens.

Wer ein solches Plakat haben will, kann sich melden. Wir haben ein paar vom Verlag dazugelegt bekommen.
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Anja Kampmann liest am Montag, den 18.Juni ab 19 Uhr bei uns in der Buchhandlung. Hinter dem untenstehenden Link versteckt sich ein Interview mit der Autorin auf der Leipziger Buchmesse zu ihrem Buch: „Wie hoch die Wasser steigen„, das auf der Shortlist zum Leipziger Buchpreis stand.

https://www.zdf.de/kultur/filme-dokus-kabarett/anja-kampmann-am-3sat-stand-100.html

Mittwoch, 13.Juni

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Heute haben
Heinrich Hoffmann * 1809
William Butler Yeats * 1865
Fernando Pessoa * 1888
Dorothy Sayers * 1893
Anna Maria Ortese * 1914
Irvin Yalom * 1931
Geburtstag
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William Butler Yeats
A Drinking Song

WINE comes in at the mouth
And love comes in at the eye;
That’s all we shall know for truth
Before we grow old and die.
I lift the glass to my mouth,
I look at you, and I sigh.
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Michael Hammerschmid (Autor) / Rotraut Susanne Berner (Illustrator):
Schlaraffenbauch
Die Tollen Hefte Nr. 49
Herausgegeben von Rotraut Susanne Berner.
Original-Flachdruck mit fünf Sonderfarben und einer Beilage (Poster), Fadenknotenheftung mit Schutzumschlag, limitierte Auflage.
Edition Büchergilde € 18,00

Was für eine Meisterleistung und was für eine Ausdauer. Diese „Tollen Hefte“ sind mehr als toll. Sie sind jedes Mal etwas ganz Besonderes, ein kleines Geschenk an die Käufer und Leser und Betrachter. Angefangen hat das mit Armin Abmeier, einem Buchverrückten und dem Drucker und Verleger Benno Käsmayr vom Maro Verlag. Er hat mir vor Jahren erzählt, wie an den Wochenenden der Herstellung gedruckt, verworfen, nochmals gedruckt, versucht, abgewogen worden ist. Die Vorstellungen des Herausgebers waren oft drucktechnisch sehr schwer umsetzbar.
Dieses Spiel betreibt Rotraut Susanne Berner nach dem Tod von Armin Abmeier weiter.
Ich bin ein großer Vertreter des Handicaps und der Einschränkung. Und es ist eine Einschränkung. Ich kann nicht sehen, wie es am Ende aussieht. Ich stehe an der Druckmaschine und hab Herzklopfen bis zum Hals, weil ich einfach nicht weiß, wie sieht das aus. Und der Charme, der darin liegt, ist eben, dass das eine gewisse Nichtperfektion hat. Nichtperfektion nicht im Sinne von weniger schön, sondern im Sinne von: Es ist nicht so glatt.“, sagt sie. Und was dann dabei herauskommt, können wir hier mit dem 49.Heft in den Händen halten.
Michael Hammerschmids Gedichte sind eine Steilvorlage für die Illustratorin Berner. Dieses Zusammenspiel gelingt ausgezeichnet. Wortassoziationen, Andeutungen, Gedankensplitter, Gefühlswelten, nimmt die Künstlerin auf und wandelt sie in ihrer eigenen, bekannten Weise um, deutet neu und benutzt dazu eine große Anzahl von Blumen, Monden, Tieren, Monster, …

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„…
ganz ohne Fleiß
und in der Luft
fliegt alles, genau
in den Mund und
von dort beim Sprechen
und Sich-denken-allein schon
heraus …“

Und mit diesen Zeilen schließe ich diese heutige Buchvorstellung.
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Hartmut Bögel unterwegs zur Fußball-WM. Mit dem Rad!
https://hardy-radelt-2018.tumblr.com/

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75 km vor Rostov am Don

Mein bislang längster Radtag mit 223 km geht neben dem Zelt vor der Tankstelle bei einem Bierchen langsam zu Ende….müde und geschafft, aber auch sehr zufrieden dass es so gut rollt und ich mächtig vorwärts komme. Will jetzt einfach zu sehn sobald wie es eben geht an’s Schwarze Meer zu kommen und mich am und im Wasser dann ausgiebig von der Radlerei zu erholen und mich voll auf die WM vorbereiten und einstimmen. Bislang nahezu null WM Anzeichen, von Atmosphäre ganz zu schweigen; fast nichts hab ich bisher gesehen dass auf das bevorstehende Fußballfest hindeutet; das war in Südafrika und Brasilien vollkommen anders. Wenn ich freudig “Futbol…Sotschi…Ticket…Germania…” kauderwelsche ernte ich freudige und vor allem ungläubige Reaktionen, aber ich hab nicht das Gefühl es herrsche besondere Vorfreude oder Erwartung. Naja, vielleicht ändert sich das übermorgen schlagartig wenn die Russen ihr Auftaktmatch gewinnen…..

Mein Radtag heute war lang und lange recht unspektakulär auf dem guten und sicheren Seitenstreifen der Autobahn M 4; nach wie vor welliges Terrain und nach jedem Anstieg die Hoffnung dass es danach dann aber mal eine Weile eben weiter gehen wird um dann sogleich wieder hinab und dem nächsten Anstieg entgegen zu strampeln. Kurzweillige und sehr nette kurze Begegnungen bei den Kaffee-und Essenspausen an den Rasthäusern; tun mir immer sehr gut diese Freundlichkeiten; so kurz und belanglos sie auch sein mögen.

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Gegen Spätnachmittag und Abend kam dann noch richtig Leben in die sonst so gleichbleibende Szenerie. Erst endete jäh mein sicherer Seitenstreifen und 30 km musste ich die Fahrbahn mit den Autos und LKW’s teilen; das war zumindest fragwürdig ob das so sinnig für mich ist, denn rollten zwei LKW’s grollend von hinten heran war nicht mehr allzuviel Platz und zudem kam ich auch dann immer richtig in den Windsog und hatte zu tun um die Spur zu halten; ein kleiner falscher Schlenker nur -egal vom wem- hätten für Ross und Reiter fatale Auswirkungen…gottlob bekam ich nach den langen 30 km wieder meinen sicheren Seitenstreifen zurück, Juhuu.

Dann Stau auf der Autobahn; da kennen die hier nix, jeder versucht irgendwie sich vorbeizumogeln; aus der zweispurigen Straße wird dann schnell eine drei -oder gar vierspurige. Ich mittendrin und mit gewissen Vorteilen in Sachen vorbeimogeln….erst auf dem Seitenstreifen, als dieser von den Autos eingenommen wurde, bin ich auf die befestigte Kiesspur neben dem Seitenstreifen ausgewichen, doch den haben auch bald schon die Autofahrer für sich entdeckt. Mit einem lieferte ich mir eine richtiges Duell, er wollte mich partout nicht vorbeilassen und fuhr immer die Lücke zu, sodass es zu eng wurde für mich, letztlich wurde ihm dann aber ein liegengebliebener LKW zum Verhängnis und ich strampelte frohlockend vorbei und will eine gewisse Schadenfreude dabei nicht verhehlen….zeitweise bin ich auch auf die ganz linke Spur zum Überholen ausgewichen, da war durchaus Platz für ein Fahrrad …..nur Gnade Gott wenn da einer die Fahrertür unvorsichtig öffnet ..kurzum ich machte richtig Strecke entlang der abgasreichen Blechschlange und auch später als es einspurig halbwegs wieder rollte jagte ich flott der Karawane davon und machte so richtig Eindruck und war begehrtes Motiv zahlreicher Handys aus den runtergelassenen Autoscheiben heraus und bekam viel anerkennendes Huben und ebensoviel Daumen nach oben Gesten…viel Adrenalin war da im Spiel und ich geb’s zu ich hab’s genossen…..