Donnerstag, 30.Juni

Heute haben
Friedrich Theodor Vischer * 1807
Czeslaw Milosz  * 1911 (Nobelpreis 1980)
Philippe Jacottet * 1925
Assia Djebar * 1936
Otto Sander * 1941
Juli Zeh * 1974
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„Die Politik ist doch ein merkwürdiges Gebiet, Theater, worin wie ein Narr sitzt, wer nicht hinter die Kulissen sieht. Und was dort hinten spielt, ist die List … Man muß nur zum Beispiel bedenken, was da alles gelogen wird!“
Friedrich Theodor Vischer
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Unser Bilderbuchtipp für heiße Sommertage:


Mako Taruishi: „Mir ist so heiß!
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Moritz Verlag € 9,95
Kleines Pappbilderbuch für die Kleinen

Es ist heiß und ein schwitzender Pinguin watschelt durch die Wüste. Rechts am Bildrand sieht man einen kleinen braunen Fleck. Beim Umblättern erkennen wir einen Schatten, in den sich der Pinguin zufrieden setzt. Aber denkste, das ist der Schatten der Robbe. Beide machen sich auf, um der brüllenden Hitze zu entkommen. Gemeinsam entdecken sie einen größeren Schatten, aber … Ja, das ist der Schatten des Nilpferdes. Als die drei sich dann in den Schatten des Elefanten setzen, ziehen sie müde gemeinsam weiter, bis sie …. in’s kühle Nass hüpfen.
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Hardy on Tour


Tag 34
131 km von Tayport über St.Andrews und Dunfermline nach Kirkliston

Den Regen des Morgens hab ich im schützenden Zelt vollends abgewartet und bin, von einem heftigen Regenschauer mittags mal abgesehen, dann tatsächlich trocken durch diesen somit angenehmen Radtag gekommen.
Gleich hinter Tayport ist ein großes Waldgebiet und da ging es gute 10 km auf festem Untergrund und umgeben von Farnen und großen Kiefer- und Buchenbäumen einsam lang. Ein Sturm hat hier vor nicht allzu langer Zeit sein Unwesen getrieben und viele Bäume entwurzelt zurückgelassen.
Mein erstes Etappenziel war die sehenswerte Stadt St. Andrews, zum einen das Mekka des Golfsports (hier wird seit dem 15.Jahrhundert Golf gespielt) und zum anderen hat in dieser Stadt Prinz William Geografie studiert und seine Frau Kate kennen- und liebengelernt. Der Rundgang durch die Stadt und zur Schlossruine an der Küste haben sich jedenfalls gelohnt.
Weiter ging es auf ruhigen, teils fast schon einsamen Wegen weiter zum eindrucksvollen, denkmalgeschützten Ort „Falkland“. Dort im weiten Schloßgarten kann auch der älteste Tennisplatz von Great Britain bestaunt werden. Übrigens sind die britischen Falklandinseln zu Ehren eines schottischen Adeligen aus dem Ort benannnt.
Am späten Nachmittag kam ich ganz zufrieden mit mir und der Welt bei Kinross am Loch Leven vorbei. In der Mitte des Sees ist eine Insel und dort wurde Maria Stuart festgehalten.
War es beim Hochradeln nach John o Groats die Morgensonne, die mich begrüßte, so war es nun die Abendsonne, die die so unglaublich eindrucksvolle Brücke bei Queensferry in ein besonderes Licht tauchte und einen Platz zum Campen musste ich ja auch nicht suchen. Schließlich habe ich hier in Kirkliston schon einmal mein Zelt auf die nun vertraute Wiese bei der Stadthalle gesetzt.

Mittwoch, 29.Juni


Heute haben
Johann Heinrich Campe * 1746
Giacomo Leopardi * 1798
Antoine de Saint-Exupery * 1900
Oriana Fallaci * 1930
Ror Wolf * 1932
Geburtstag
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Ada Christen (1839-1901)
Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.
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Mittwoch, 28.Juni, 19 Uhr, bei uns in der Buchhandlung

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Hardy on Tour


Tag 33
105 km von Stonehaven über Montrose und Dundee nach Tayport

Böiger Gegenwind und ein müder Radfahrer mit schweren Beinen sind keine erquickende Kombination und so gestaltete sich vorallem meinen Vormittag recht recht mühsam und ich kam nur sehr langsam vorwärts.
Die spektakulären Ruinen vom berühmten Castel of  Dunnottar, in denen einst angeblich die schottischen Kronjuwelen versteckt waren, weil die Schloßanlage dank ihrer Lage als uneinnehmbar galt, hab ich mir zumindest von außen, verbunden  mit einem kleinen Spaziergang, staunend angeschaut.
Die Kulisse mit der Steilküste ist echt dramatisch und verstärkt wird all das vom markanten Geschrei und von den eleganten Flugkünsten der zahlreichen Möwen dort. Toller Ort !!
Bis Montrose schleppte ich mich -ständig am Gähnen-  durch, dann brauchte ich einfach eine Pause und die dauerte sehr lange, da es zudem auch anfing zu regnen.
Ich geh ganz gern zu den großen Tesco Supermärkten ins Cafe. Dort hat es großzügige Sanitäranlagen, super Wi-Fi  und ich kann dort auch meist das Handy aufladen und so lange rumsitzen wie ich will.
So wurde es Nachmittag, bis ich wieder auf das Rad kletterte. Nun zwar nicht gerade putzmunter, aber doch nicht mehr gar so müde. Zudem war der Wind abgeflaut und die Route führte, bei immer mal wieder leicht einsetzendem Regen, ganz nah an der Küste entlang. In Arbroath dann meine Fish & Chips Premiere, bevor es von Dundee auf der über 2 km langen Brücke rüber nach Tayport ging. Eine Brücke mit einem Aufzug für Radfahrer. Auch nochmal ein recht spannendes Erlebnis.
Das Zelt hab ich grade noch so vorm großen Regen im Park von Tayport, einen Steinwurf weg vom Meer, aufgebaut bekommen und fühle mich darin mittlerweile fast wie zu Hause.

Dienstag, 28.Juni

Heute haben
Jean-Jacques Rousseau * 1712
Anton Philipp Reclam * 1807
Luigi Pirandello * 1867
Berthold Viertel * 1885
Eric Ambler * 1909
Jürg Federspiel * 1931
Marlene Streeruwitz * 1950
Geburtstag
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„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.“
Jean-Jacques Rousseau
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Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Der ukrainische Schriftsteller und Musiker Serhij Zhadan erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seinen Texten führe er eindringlich vor Augen, was viele lange nicht sehen wollten, so die Jury.

„Wir ehren den ukrainischen Schriftsteller und Musiker für sein herausragendes künstlerisches Werk sowie für seine humanitäre Haltung, mit der er sich den Menschen im Krieg zuwendet und ihnen unter Einsatz seines Lebens hilft“, heißt es in der Begründung der Jury. Die Entscheidung gab der Stiftungsrat am Montag in Frankfurt bekannt.
In seinen Romanen, Essays, Gedichten und Songtexten führe Serhij Zhadan in eine Welt, die große Umbrüche erfahren habe und zugleich von der Tradition lebe. „Seine Texte erzählen, wie Krieg und Zerstörung in diese Welt einziehen und die Menschen erschüttern.“

Zhadan lebt weiter in Charkiw, organisiert Konzerte, rettet Menschen aus umkämpften Vierteln, liest Gedichte und verteilt Hilfsgüter in der Stadt. Seine jüngsten Artikel über die Situation in der Ukraine sind aktuelle Zeitdokumente darüber, wie die dort lebenden Menschen im Angesicht von Gewalt und Bedrohung versuchen, ihren Alltag zu organisieren.
In der „Zeit“ bezeichnete er den russischen Angriff im April als „Genozid“. Und weiter: „Jeder, der jetzt versucht, eine Rechtfertigung oder Erklärung für das Verhalten der Russen zu finden, tut nichts anderes, als einen Genozid zu rechtfertigen.“

Den kompletten Bericht finden Sie hier unter Tagesschau.de
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Bei uns in der Buchhandlung
Mittwoch, 29.Juni ab 19 Uhr

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Hardy on Tour


Tag 32
106 km von Maud über Aberdeen nach Stonehaven

Am Morgen hab ich es tatsächlich geschafft, mich nach 2 km so zu verradeln, daß mir dies einen Umweg von satten 8 km eingebrockt hat, weil ich einen Wegweiser vom Nordseeküstenradweg falsch interpretiert hab. Super Start schon mal.
Die Strecke ging auch heute ruhig und beschaulich hügelig übers Land. Unglaublich wieviele Kühe es hier gibt. Auch an einer großen Schweineweide bin ich vorbeigekommen und muß sagen: Kuh riecht eindeutig besser.
Je weiter südlich man kommt, umso mehr Ackerland ist zu sehen. Gerste und Weizen vorallem, auch Raps und Kartoffeln, aber die Weidefläche dominiert eindeutig.
Immer wieder führt der Radweg auch auf stillgelegten Eisenbahnlinien entlang. Immer ein besonderer Radelgenuß.
Je näher ich mich Aberdeen näherte, desto trödeliger wurde ich, obwohl ich eigentlich ja so früh wie möglich dort sein wollte, um mich um die Felge kümmern zu können.
Es war so bisschen wie zur Schulzeit am Tag, wenn man die verkorkste Klassenarbeit rausbekommen hat. Man versucht den Zeitpunkt so weit wie irgend möglich wie Kaugummi in die Länge zu ziehen, wohlwissend es ändert nichts am Ergebnis.
Irgendwann um die Mittagszeit war ich dann angekommen und das erwartete Verkehrswirrwarr blieb überraschend aus. Ich kam und fand gut in die Stadtmitte, wo der Radladen sein sollte, für den ich mich ohne besonderen Grund entschieden hatte, als ich danach gegoogelt hatte. Ich war auf alles mögliche vorbereitet, aber wahrlich nicht auf das was da kommen sollte:
Der junge Monteur in dem recht modernen Laden hörte sich in aller Selenruhe den aufgeregten, englisch kauderwelschenden deutschen Radfahrer an, meinte „I will have a look“, verschwand für 10 Minuten und kam dann tatsächlich mit einer eingespeichten Felge zurück und erklärte, die könne ich haben. Wow, das war ja schon mal überraschend positiv. Er würde sie mir auch gleich montieren und „Nein“ ich bräuchte nichts weiter helfen. Das war jetzt schon mehr als nur positiv und nach einer guten halben Stunde war der Zahnkranz und die Bremsscheibe an die neue Felge geschraubt und das Hinterrad eingebaut und die Bremsen nachjustiert und die Gangschaltung optimiert, kurzum das Fahrrad fertig.
Als ich dann bezahlen wollte sagte der junge Mann, als ob dies das Selbstverständlichste wäre von der Welt „it’s okay“, „is free“. ich schaute ihn ziemlich fassungslos an und er verdeutlichte „zero“, und „it’s a gift from Scotland to you“. Also so perplex war ich selten oder noch nie. Ich konnte nur mich herzlichst bedanken und er wünschte mir noch eine schöne Reise. Hey Hallo, kann mich mal jemand bitte kneifen. Hab ich das grade wirklich erlebt ????
Ziemlich verwirrt ob diesem Verlauf schob ich dann mein Fahrrad mit der neuen Felge behutsam durch die Start. Ich traute mich erst gar nicht damit zu fahren, warum auch immer.
Vor dem markanten Museum Tolbooth erklang Dudelsackmusik, dorthin ging ich und lauschte dieser so charakteristischen Musik und war einfach ergriffen von der Musik und meiner neuen Felge und ganz besonders von dem jungen Radmonteur, nach dessen Namen ich völlig vergessen hab zu fragen.
Aberdeen ist eine tolle Stadt. Nach Glasgow und Edinburgh die drittgrößte Schottlands. Unglaublich imposante Granitgebäude, eine tolle Bucht samt herrlichem Strand und dabei so unaufgeregt und entspannt. Es war so easy sich in der Stadt zurechtzufinden und auch mit dem Fahrrad sich dort zu bewegen. Mein Eindruck jedenfalls war so.
Am späten Nachmittag bin ich dann noch die knapp 30 km bis Stonehaven geradelt, wo ich mich auf dem Campingplatz gleich am Strand eingerichtet hab. Nach notwendigstem Wäschewaschen, gab es noch einen Strandspaziergang und 3 Kugeln Eis, denn die hatte dieser Tag mehr als verdient.

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