Mittwoch, 21.November

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Heute haben
Voltaire * 1694
Franz Hessel * 1880
Veza Canetti * 1897
Margriet de Moor * 1941
Geburtstag
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Franz Hessel
Buhlenscheidelied

Eh die Nacht verklang,
Eh der Tag erschallt,
Ach halt mich. Mir ist bang.

Küß du mich schnell,
Eh die Nacht verhallt.
Unsre Lippen werden kalt,
Lieber Gesell.

Well an Well
Steigt auf zum Wald
Die schnelle Stunde.
Nun scheidest du bald.

Küß mich schnell,
Eh die Lippen kalt,
Junger Gesell,
Eh das Herz mir alt,
Später Gesell.
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Unser Jugendbuch-Tipp:

9783423640411

Jason Reynolds: „Ghost
Jede Menge Leben
Aus dem Amerikanischen von Anja Hansen-Schmidt
Jugendbuch ab 14
dtv € 14,95

Ein Jugendbuch über Läufer macht mich hellhörig.
Jason Reynolds beginnt mit Castle Cranshaw alias „Ghost“, einem der vier Läufer in der Gruppe, das erste von vier Jugendbücher. Ghost ist ein Aussenseiter, hat abgelatschte Schuhe und alte Klamotten und schlägt den schnellsten Läufer mal so eben. Er rasiert ihn, würde im Buch stehen. In drei weiteren Büchern stehen die anderen Läuferinnen und Läufer im Mittelpunkt. Alle sind sie irgendwie anders, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, oder tramatisiert. Auch ihr Trainer hat eine bewegende Biografie.

Ich wuchs zusammen mit Matt auf – mit einem Jungen, der die gleichen Erfahrungen wie Castle Cranshaw gemacht hatte. Sein Vater wollte ihn erschießen. Er war sehr jung und wurde mit Gewalt konfrontiert. Und er musste herausfinden, wie er mit diesem Trauma umgehen kann„, sagt Reynolds und betont, dass Ghost ein guter, sensibler Junge sei. „Wenn du Kindern und Jugendlichen begegnest, die so schlimme Sachen erlebt haben, dann musst du schauen, dass du – mit etwas Zeit – die Schale des Sonnenblumenkerns aufbrechen kannst. Und dann siehst du: Im Inneren liegt ein Samen. Genau dafür steht Ghost.„, sagt der Autor.

Jason Reynolds ist es auf eine amerikanische Art wichtig zu zeigen, dass diese Jugendlichen es schaffen können. Egal was ihnen passiert ist, ob sie in der Schule gehänselt werden, oder wie sich die politische Grosswetterlage ändert. Seine Sprache ist schnell und frech, sein Buch voller Zuneigung für diese angeschlagenen Jugendliche.
Ich bin auf die drei weiteren Folgen sehr gespannt.

Detlef Surreys Sonntagsskizzen

Der U-Bahnhof Schlesisches Tor in Berlin-Kreuzberg war bis zum Fall der Mauer die Endstation der legendären „Linie 1“, die über Bahnhof Zoo weiter nach Charlottenburg führte. 1995 wurde die Strecke wieder bis zur Warschauer Straße verlängert.

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https://surrey-skizzenblog.blogspot.com/2017/09/sonntagsskizzen-232107-berlin.html

Freitag, 16.November

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Heute haben
José Saramago * 1922
Anne Holt * 1958
Karen Duve * 1961
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Ringelnatz.
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Joachim Ringelnatz
Abschied der Seeleute

Chor der Seeleute:

Wir Fahrensleute
Lieben die See.
Die Seemannsbräute
Gelten für heute,
Sind nur für to-day.

Die Mädchen, die weinen,
Sind schwach auf den Beinen.
Was schert uns ihr Weh !
Das Weh, ach das legt sich.
Unsre Heimat bewegt sich
Und trägt uns in See,
Far-away.

Chor der Mädchen:

Wir, die Bräute
Der Fahrensleute,
Lieben und küssen,
Doch wissen, sie müssen
Zur Seefahrt zurück.

Und wenn sie ertrinken,
Dann – wissen wir – winken
Uns andre zum Glück.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Alexa Hennig von Lange:Kampfsterne
DuMont Verlag € 20,00

Alexa Hennig von Lange beschreibt in ihrem jüngsten Roman den Mikrokosmos einer Vorstadtsiedlung der 80er Jahre. Die Männer arbeiten, die Frauen kümmern sich um Kinder, Küche, Kunst und Gartenpartys. Drei Paare: Ulla und Rainer, die Architekten, mit den schönen und begabten Kindern, der verstummte Georg und seine völlig frustrierte Frau Rita, Ella und Bernhard. Allesamt gut gebildet und finanziell versorgt.
Es ist ordentlich Klischee, aber es macht genauso viel Spaß wie die Autorin das Milieu unter die Lupe nimmt, den Wettkampf um die begabtesten und vielversprechendsten Kinder, die ins Schleudern geratenen Ehen und die Kindern und Jugendlichen selbst, die versuchen sich einen Reim auf all das zu machen. Lexchen, die niedliche Tochter von Ulla und Rainer, die Rita mit ihren weniger charismatischen Kindern Klara und Johannas in rasende Eifersucht versetzt. Die toughe Cotsch, Lexchens große Schwester, die allen den Kopf verdreht und die Opferrolle ihrer Mutter verachtet, bis sie am Ende selbst darüber stolpert. Der Cello spielende Techniknerd Johannes, der die Erwachsenenwelt mit mehr Klugheit und Weitsicht betrachtet als die Protagonisten selbst. Denn die kreisen in Hennig von Langes Klinkerbausiedlung hauptsächlich um sich selbst und vertauschen die Rollen zu ihren Gunsten. Cotsch spielt die Therapeutin ihrer Mutter und Rita spinnt wilde Intrigen zwischen den Familien.
Doch endlich schlägt Ulla zurück und zwar ihren Mann Rainer und rückt damit die Familienverhältnisse wieder ein Stück weit in die richtige Richtung. Auch Georg, der, aus Angst vor seiner Frau, sein Knäckebrot lieber am Kompost im Garten verspeist, wehrt sich und kann seinem Sohn Johannes schließlich doch Vorbild sein.
Ein schneller, tragisch-komischer Roman, der mit einem Brennglas die Wohnzimmer und Vorgärten des Backsteinidyll durchstreift und dabei Vertrautes, Erschreckendes und Überraschendes zutage fördert. Ein Vorstadtkrimi, der für gute Unterhaltung sorgt!

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Montag, 19.November um 19 Uhr
Wolfgang Schukraft: „Ach übrigens …“
Bei uns in der Buchhandlung

Kindheit und Jugend des Theaterkasperls Wolfgang Schukraft
Von ihm selbst aufgeschrieben und bebildert
Zum Vergnügen und zur Erbauung des geneigten Lesers Dieses Buch macht froh.

Und dazu muss man den Schauspieler, Autor und Zeichner Wolfgang Schukraft und seine Theaterei, die er gegründet und über 30 Jahre zum Erfolg geführt hat, gar nicht kennen.
Was hat eine auf dem Schrank liegende rosa Armprothese damit zu tun, dass ich meine Schauspielbegabung entdeckte? Warum war eine Goethe-Rezitation vor Hunden der Auslöser dafür, dass ich mein eigenes Theater gegründet habe, warum bezeichne ich mich selbst gerne als Theaterkasperl und wie kommt es, dass meine Kinder und ich wochenlang als Affen Wohnung, Garten und Spazier-wege unsicher machten? Dies und vieles andere ist Inhalt dieses Büchleins.“, so Wolfgang Schukraft.