Dienstag, 3.April

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Heute haben
George Herbert * 1593
Washington Irving * 1783
Peter Huchel * 1903
Märta Tikkanen + 1935
Johanna Walser * 1957
Geburtstag
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Heute auf dem Lyrik-Kalender .
Hier in vollständiger Länge.

Gerhart Hauptmann
Der alte Birnbaum

Einen tiefen Trunk aus voller Schale
Vom Smaragd des Frühlings will ich trinken:
Aus der blauen sonnenseligen Höhlung
Morgendlichen Feuers mich berauschen.
O wie tirilierst du tausendstimmig
Im Gemäße, du betörte Woge!
Schweige nicht, als Wein in mich gedrungen,
Schwimmen laß in solcher Flut mein Herze!

Bist du da, mein tausenjähriger Birnbaum,
Weiß und schwer, beglückt von Blütenlasten?
Wieviel Winter hast du überdauert,
Kahl und hart! Nun quillst du süßen Frühling.
Und von einem kaum gebornen Bäumchen,
Das du sätest, pflück ich eine Blüte,
Deren übermaß dein Haupt hervordrängt:
Und sie ist nicht jünger, süßer, holder,
Als von deinem greisen Haupt gebrochen.

Laß mich trinkend in den Becher sinken,
Untertauchen tief und immer tiefer
Wie der Täufling in geweihter Kufe!
Himmel, schlaget über mir zusammen,
Der ich blühe wie der alte Birnbaum.
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978-3-15-019114-9

April
Gedichte
Herausgegeben von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag  € 5,00
Der April spiegelt alle Höhen und Tiefen der menschlichen Seele wieder und erst im Mai, wenn die Tage endlich beständig wärmer werden, gönnen wir uns etwas Ruhe und genießen die sonnigen Stunden im Freien als etwas Selbstverständliches.
Im Wort April steckt das lateinische aprire = öffnen, so die Herausgeberinnen. Also öffnen, hinausgehen, raus aus der winterlichen Stube. Manche meinen auch, daß apricus = sonnig darinstecken könnte.

Zartes Grün und erstes Zwitschern
Launischer April
Launische Menschen
Karwoche
Ostern
Jetzt wird’s warm

So sind die einzelnen Kapitel überschriebenund zeigen an, dass wir uns im Moment in der launigen Phase des Monats befinden. Warten wir also auf das Kapitel „Jetzt wird’s warm“.
Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Nikolaus Lenau
Frühlingsgedränge

Frühlingskinder im bunten Gedränge,
Flatternde Blüten, duftende Hauche,
Schmachtende, jubelnde Liebesgesänge
Stürzen ans Herz mir aus jedem Strauche.
Frühlingskinder mein Herz umschwärmen,
Flüstern hinein mit schmeichelnden Worten,
Rufen hinein mit trunkenem Lärmen,
Rütteln an längst verschlossenen Pforten.
Frühlingskinder, mein Herz umringend,

Was doch sucht ihr darin so dringend?
Hab ichs verraten euch jüngst im Traume,
Schlummernd unter dem Blütenbaume?
Brachten euch Morgenwinde die Sage,
Daß ich im Herzen eingeschlossen
Euren lieblichen Spielgenossen,
Heimlich und selig – ihr Bildnis trage?

Eduard Mörike
Zitronenfalter im April

Grausame Frühlingssonne,
Du weckst mich vor der Zeit,
Dem nur in Maienwonne
Die zarte Kost gedeiht!

Ist nicht ein liebes Mädchen hier,
Das auf der Rosenlippe mir
Ein Tröpfchen Honig beut,
So muss ich jämmerlich vergehn
Und wird der Mai mich nimmer sehn
In meinem gelben Kleid.

Friedrich Hölderlin
Der Gang aufs Land

An Landauer

Komm! ins Offene, Freund! zwar glänzt ein Weniges heute
Nur herunter und eng schließet der Himmel uns ein.
Weder die Berge sind noch aufgegangen des Waldes
Gipfel nach Wunsch und leer ruht von Gesange die Luft.
Trüb ists heut, es schlummern die Gäng‘ und die Gassen und fast will
Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit.
Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer
Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.
Denn nicht wenig erfreut, was wir vom Himmel gewonnen,
Wenn ers weigert und doch gönnet den Kindern zuletzt.
Nur daß solcher Reden und auch der Schritt’ und der Mühe
Wert der Gewinn und ganz wahr das Ergötzliche sei.
Darum hoff ich sogar, es werde, wenn das Gewünschte
Wir beginnen und erst unsere Zunge gelöst,
Und gefunden das Wort, und aufgegangen das Herz ist,
Und von trunkener Stirn‘ höher Besinnen entspringt,
Mit der unsern zugleich des Himmels Blüte beginnen,
Und dem offenen Blick offen der Leuchtende sein.

Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es,
Was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich.
Aber kommen doch auch der segenbringenden Schwalben
Immer einige noch, ehe der Sommer, ins Land.
Nämlich droben zu weihn bei guter Rede den Boden,
Wo den Gästen das Haus baut der verständige Wirt;
Daß sie kosten und schaun das Schönste, die Fülle des Landes
Daß, wie das Herz es wünscht, offen, dem Geiste gemäß
Mahl und Tanz und Gesang und Stutgards Freude gekrönt sei,
Deshalb wollen wir heut wünschend den Hügel hinauf.
Mög‘ ein Besseres noch das menschenfreundliche Mailicht
Drüber sprechen, von selbst bildsamen Gästen erklärt,
Oder, wie sonst, wenns andern gefällt, denn alt ist die Sitte,
Und es schauen so oft lächelnd die Götter auf uns,
Möge der Zimmermann vom Gipfel des Daches den Spruch tun,
Wir, so gut es gelang, haben das Unsre getan.

Aber schön ist der Ort, wenn in Feiertagen des Frühlings
Aufgegangen das Tal, wenn mit dem Neckar herab
Weiden grünend und Wald und all die grünenden Bäume
Zahllos, blühend weiß, wallen in wiegender Luft,
Aber mit Wölkchen bedeckt an Bergen herunter der Weinstock
Dämmert und wächst und erwarmt unter dem sonnigen Duft.
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Heute abend ab 19 Uhr: „Die erste Seite“.
Wir stellen vier neue Bücher vor.
Laetitia Colombani: Der Zopf (Frankreich)
James Baldwin: Von dieser Welt (USA)
Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende (Deutschland)
Suyaka Murata: Die Ladenhüterin (Japan)

Es liest Ralf Milde.

Donnerstag, 22.März

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Heute haben
Albrecht Goes * 1908
Michael Hamburger * 1924
und Bruno Ganz * 1941
Geburtstag.
Heute, im Jahre 1832 ist Goethe gestorben.
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Johann Wolfgang von Goethe
Lebensregel

Willst du dir ein hübsch Leben zimmern,
Musst dich ums Vergangne nicht bekümmern;
Das Wenigste muss dich verdrießen;

Musst stets die Gegenwart genießen,
Besonders keinen Menschen hassen
Und die Zukunft Gott überlassen.
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Emilia Wiltschek (12 Jahre) empfiehlt:

Marion Meister:Julie Jewels – Perlenschein & Wahrheitszauber
S.Fischer Verlag € 16,99
Kinderbuch ab 12 Jahren

Julie ist ein ganz normales Mädchen, das Schmuck über alles liebt und das endlich seine langersehnten 16 Jahre alt wird. Wenn sie da nicht das Gespräch an ihrem Geburtstag zwischen ihrem Vater und ihrer Mutter belauscht hätte, in dem es darum ging, dass ihre Mutter ihr das Geschenk nicht geben wollte, das sie von ihrer Oma geschickt bekommen hatte. Denn ihre Mutter hatte schon Jahre nicht mehr mit ihrer Mutter geredet. Ihr Vater aber besteht darauf, dass sie das Geschenk bekommen soll. Hätte Julie das Gespräch nicht belauscht, so hätte sie nie etwas von dem Geschenk mitbekommen und sie hätte auch nicht nach ihm gesucht. So aber war ihr Interesse geweckt. Sie wollte das Geschenk haben!!! Als ihre Mutter einmal nicht ihm Haus war, durchforstet sie alle Zimmer bis sie das kleine, an sie adressierte Päckchen im Keller findet. Es ist eine Schmuckschatulle!!!! Als aber ihre Freundin und sie herausfinden, was wirklich in ihr steckt, stellt sich ihre Welt auf den Kopf. Sie bringt ihren Mathelehrer dazu die richtigen Antworten auf die Tafel zu schreiben und ihren Freund in Lebensgefahr. Was ist bloß los mit der Schmuckschatulle????? Findet es heraus, in dem ihr das Buch lest!!!!!
Es ist genau das Richtige für Leute, die gern Fantastisches lesen und die Schmuck lieben.
Viel Spaß bei Julie Jewels.
Eure Emilia

Der erste Band dieser magischen Trilogie ist auch optisch ein richtiges Schmuckstück: Mit hochwertig veredelter Sonderausstattung mit Metallic-Lack und verdecktem Buchschnitt funkelt und glitzert er wie ein echtes Schmuckkästchen!

Weitere Bände der Serie in Vorbereitung:
Julie Jewels – Silberglanz und Liebesbann (Erscheint im Herbst 2018)
Julie Jewels – Mondsteinlicht und Glücksmagie (Erscheint im Frühjahr 2019)

Donnerstag, 15.März

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Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Franz Schuh * 1947
Kurt Drawert * 1956
Geburtstag
und auch Zarah Leander.
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Paul Heyse
Vorfrühling

Stürme brausten über Nacht,
und die kahlen Wipfel troffen.
Frühe war mein Herz erwacht,
schüchtern zwischen Furcht und Hoffen.

Horch, ein trautgeschwätz’ger Ton
dringt zu mir vom Wald hernieder.
Nisten in den Zweigen schon
die geliebten Amseln wieder?

Dort am Weg der weiße Streif–
Zweifelnd frag‘ ich mein Gemüte:
Ist’s ein später Winterreif
oder erste Schlehenblüte?
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Sayaka Murata:Die Ladenhüterin
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
Aufbau Verlag € 18,00
Sayaka Muratas Hauptperson Keiko Furukura ist Ende 30 und seit fast 20 Jahren in einem Supermarkt beschäftigt. Ein Markt, der rund um die Uhr auf hat und alles für den täglichen Bedarf vorrätig hält. Ein Laden, der in Japan Konbini, oder Kombini genannt wird. Keiko Furukura hat zu studieren angefangen und aus einem Aushilfsjob ist eine Daueranstellung geworden. Mehr noch: Eine Lebenseinstellung.
Hier herrschen strenge, klare Regeln und Normen, mit denen sie als Kind und als junge Frau nicht immer klar gekommen ist. So wie für uns westlichen Leser diese morgendlichen Riten und Zeremonien verstörend sind, so verstörend ist für Keiko Furukura manchmal der normale Alltag. Sie passt sich hier an, möchte möglichst nicht auffallen und gleichzeitig auch als perfekte Verkäuferin glänzen.
Sie ist eine Ladenhüterin im doppelten Sinne.
Dies alles kommt ins Wanken, als ein neuer Mitarbeiter auftaucht, der die Regeln in Frage stellt, unordentlich und unpünktlich ist. Damit stellt er auch das festgeformte Weltbild von Keiko Furukura in Frage. Wenn auch nur kurzfristig.
Wie es allerdings kommt, dass dieser Mann in ihrer Badewanne schläft und bei ihr einzieht, verrate ich hier nicht.
Ein liebenswertes Buch, eine tröstliche Geschichte, die in Japan mehr als eine halbe Million mal verkauft worden ist und hier auch schon flott über den Ladentisch geht.
Ach übrigens: Keiko Furukura arbeitet selbst in einem Konbini und möchte dort auch weiterhin bleiben. Trotz der vielen Preise, die sie erhalten hat. Aus dieser speziellen Welt zieht so viel Ideen für weitere Bücher.

Leseprobe