Dienstag, 19.März

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Heute haben
Philip Roth * 1933
Kirsten Boie * 1950
Geburtstag.
Aber auch Max Reger, Hans Küng, und Glenn Close.
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Richard von Schaukal
Tauwetter

Die Dächer spiegeln blank;
von allen Rinnen klopfen
die trommelnden Tropfen.
O heller Klang!

Was willst du, junger Wind,
mit deinem wilden Wehn?
Laß mich entgegengehn
dem Frühlingskind!
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9783608963915

John Lanchester: „Die Mauer“
Aus dem Englischen von Dorothee Merkel
Klett-Cotta Verlag € 24,00

„Es ist kalt auf der Mauer. Das ist das Erste, was einem jeder erzählt, und auch das Erste, was einem auffällt, wenn man dorthin versetzt wird. Das ist es, woran man die ganze Zeit denken muss, wenn man sich auf ihr befindet, und daran erinnert man sich, wenn man nicht mehr dort ist. Es ist kalt auf der Mauer. … Die Kälte hier ist mit keiner anderen Kälte vergleichbar. Sie durchdringt alles, als sei sie eine ständige materielle Eigenschaft dieses Ortes. Die Kälte ist eines seiner grundlegendsten Merkmale, sie wohnt ihm inne. Sie schlägt dir als gebündeltes Ganzes entgegen, wenn du das erste Mal zur Mauer kommst, am ersten Tag deines Einsatzes. Du weißt, dass du zwei Jahre dort sein wirst.“

So beginnt der neue Roman des 1962 geborenen Autors und Journalisten John Lanchester, der besonders durch sein Buch Kapital bei uns bekannt geworden ist.
Als den Roman zur Stunde sieht das deutsche Feuilleton „Die Mauer“. Themen wie der Brexit in Großbritannien, der geplante Mauerbau an der mexikanischen Grenze Donald Trumps, die Klimakatastrophe sowie die Flüchtlingswellen nach Europa drängen sich auf.
So könnte man das Buch durchaus lesen und kommt auch gar nicht umhin sich immer wieder diese Problematiken während der Lektüre zu vergegenwärtigen.
Gleichzeitig ist es aber eine düstere, in kühlem Ton erzählte Geschichte, die dem Leser vor allem die Vorstellung vermittelt, wie sich unsere zukünftige Welt anfühlen könnte, sollten wir so weitermachen wie bisher:  Auf dieser Seite der Mauer, erbaut nach dem sogenannten, nicht weiter erklärtem „Wandel“, geht es den Menschen zumindest materiell gut. Sie haben ausreichend Nahrung, eine Arbeit. Die sozialen Strukturen sind klar umrissen. Es gibt Eliten, tätige Bürger und Dienstlinge. Gleichwohl scheinen die Menschen gefühlskalt und mechanisch bis in die Familien hinein miteinander umzugehen. Jeder Bürger dieses von einer 10.000 km langen Mauer umschlossenen Großbritanniens muss dort zwei Jahre Dienst als Verteidiger leisten. Verteidigt wird gegen die „Anderen“. Die, verzweifelt genug, versuchen über das Meer in die Versorgung garantierende Welt zu gelangen. Mehr erfahren wir nicht über sie. Die Verteidiger sollen dies verhindern. Gelingt es Ihnen nicht, was hin und wieder vorkommt, werden sie selbst aufs offene Meer ausgesetzt.
Erzählt wird aus der Perspektive des jungen Joseph Kavanagh, der an der Mauer seinen Dienst abzuleisten hat. Er findet unter den Leidensgenossen eine Gefährtin und malt sich eine Zukunft in der Elite aus. Es kommt jedoch anders als eine größere Gruppe der Anderen die Mauer überfällt und Joseph die sichere Seite der Mauer verlassen muss.

Das Buch wird unter Wert verkauft, wenn man ihm zumutet, das Buch zum Brexit zu sein. Für Lanchester ist die Mauer ein Faktum, das die Seelen verwandelt, die zentrale Tatsache inmitten von Wind, Himmel, Meer und Kälte; und diesem starken Bild verschafft er Präsenz.

Leseprobe

Freitag, 15.März

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Heute haben
Paul Heyse * 1830
Elisabeth Plessen * 1944
Franz Schuh * 1947
Kurt Drawert * 1956
Geburtstag
und auch Zarah Leander.
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Paul Heyse
Vorfrühling

Stürme brausten über Nacht,
und die kahlen Wipfel troffen.
Frühe war mein Herz erwacht,
schüchtern zwischen Furcht und Hoffen.

Horch, ein trautgeschwätz’ger Ton
dringt zu mir vom Wald hernieder.
Nisten in den Zweigen schon
die geliebten Amseln wieder?

Dort am Weg der weiße Streif–
Zweifelnd frag‘ ich mein Gemüte:
Ist’s ein später Winterreif
oder erste Schlehenblüte?
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Chuck Groenink, Linda Ashman: „Hopp! Hopp! Aufgewacht, die Sonne lacht!“
ars edition € 12,99
Bilderbuch mit dicker Pappe, ab 3 Jahren

Ja, so geht es mir auch. Nicht ganz. Winterschlaf hatte ich keinen, aber aus dem Bett komme ich trotzdem schlecht.
Till geht es mit seinen Tieren im Bett ganz ähnlich. Eine Torte soll gebacken werden und das Haus ausgefegt, weil sich Gäste angekündigt haben. Verschlafen und recht widerwillig öffnet einer nach dem anderen die Augen und kippt dann auch wieder um. Ob das zu einem glücklichen Ende führen kann, zumal der Waschbär gar nicht in die Pötte kommt?
Alles in Reimen geschrieben und somit auch bestens geeignet für die Kleinen, die morgens früh wach sind und abends nicht ins Bett wollen.

Donnerstag, 14.März

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Heute haben
Peter Paul Zahl * 1944
Jochen Schimmang * 1948
Christian Ditfurth * 1953
Geburtstag
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Theodor Fontane
Frühling

Nun ist er endlich kommen doch
in grünem Knospenschuh.
»Er kam, er kam ja immer noch«,
die Bäume nicken sich’s zu.

Sie konnten ihn all erwarten kaum,
nun treiben sie Schuß auf Schuß;
im Garten der alte Apfelbaum
er sträubt sich, aber er muß.

Wohl zögert auch das alte Herz
und atmet noch nicht frei,
es bangt und sorgt: »Es ist erst März,
und März ist noch nicht Mai.«

O schüttle ab den schweren Traum
und die lange Winterruh‘,
es wagt es der alte Apfelbaum,
Herze, wag’s auch du!
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Virginie Despentes: „Vernont Subutex 2“
Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Steinitz
Kiwi Taschenbuch € 12,00

Ganz unten angekommen in der Gesellschaft bedeutet gleichzeitig völlige Freiheit. Frei von allen Zwängen, Mietverträgen, Geld, Anerkennung. Virginie Despentes´ tragischer Held Vernont Subutex landet am Ende des ersten Bandes auf der Straße und findet sich im Laufe des zweiten dort immer besser zurecht. Vor allem findet er Freunde. Neue auf der Straße und die alten, die wieder zu ihm zurückkommen und sich um ihn scharen, wie um einen neuzeitlichen Guru. Der ganze Druck von Arbeits- und Beziehungswelt fällt von ihnen ab. Sie können einfach sein, wie sie sind, ohne darüber nach zu denken, wie sie sein sollten.
Der erste, der den Kontakt zu Vernont sucht, ist Xavier, ein gescheiterter Drehbuchautor, der sich von seiner Frau aushalten lässt und sich weiter Erfolg vorgaukelt. Der Moment ist denkbar ungünstig. Vernont, Xavier und die obdachlosen Olga werden von einer Gruppe Rechtsextremer angegriffen. Xavier hat Glück im Unglück und erwacht geläutert aus dem Koma. Von da an verbringt er seine Zeit mit Vernont, tagsüber im Park und abends in der Bar, in der Vernont auflegt. Vernont bringt sie alle zum tanzen. Auch ungepflegt und ungewaschen. Am Ende sogar Loic, der Xavier verprügelt hat. Vernont setzt etwas in Bewegung, das in allen schlummert. Es brodelt. Es ist vor allem das Gefühl, keinen rechten Platz zu haben in dieser neuen Pariser Gesellschaft, in der nur die Reichen und die Harten eine Chance haben und in der jeder für sich allein kämpft.
Doch es kommt Bewegung in die Sache. Die mysteriösen Videoaufnahmen, die der berühmte Sänger Alexander Bleach kurz vor seinem Tod aufgenommen hat, tauchen auf. Beweismaterial gegen den skrupellosen Produzenten Dopalet, der mindestens ein Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Die alten Freunde rücken enger zusammen, rächen sich an den Ungerechtigkeiten der Mächtigen und formieren ein solidarisches Wir. Schließlich brechen sie auf und lassen die Stadt und alle gesellschaftlichen Verpflichtungen hinter sich. Auf der Suche nach einem anderen, einem besseren Leben.
Es ist v.a. die Angst, die alle fest im Griff hat. Angst um ihre Beziehungen, Angst um Freundschaft, Angst um den Arbeitsplatz, Angst ums Geld.
Daraufhin schließt sich Aicha einer Gruppe junger Aktivistinnen an, um sich an den Männern im Allgemeinen und an Dopalet im Speziellen zu rächen. Bis sie irgendwann zu weit geht und untertauchen muss.

Virginie Despentes, geboren 1969, wurde bereits mit ihrem Debütroman ‚Baise-moi – Fick mich‘ (2002), den sie später auch verfilmt hat, einem großen Publikum bekannt. Seither hat sie mehrere Romane veröffentlicht. Für ‚Apocalypse Baby‘ erhielt sie 2010 den renommierten Prix Renaudot, ihr Roman ‚Vernon Subutex‘ wurde u.a. mit dem Prix Anaïs Nin ausgezeichnet. Seit Erscheinen der Subutex-Trilogie zählt sie zu den wichtigsten Schriftstellerinnen Frankreichs und wurde im Januar 2016 in die Académie Goncourt gewählt.

Leseprobe