Dienstag, 28.Januar

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Heute haben
Colette * 1873
Hermann Kesten * 1900
Hermann Peter Piwitt * 1935
David Lodge * 1935
Anselm Glück * 1950
Arnuldur Indridason * 1961
Geburtstag
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Kuechenmeister-Nadja-Unter-dem-Wachholder

Nadja Küchenmeister: „Unter dem Wacholder“
Gedichte
Schöffling Verlag € 18,95

Am Samstag fiel mir in der Buchhandlung dieser Lyrikband in die Hände. Er ist keine Neuheit. Erste Auflage 2014. Kaum habe ich angefangen zu blättern und zu lesen, war ich gefesselt. Nadja Küchenmeister hat in ihren Gedichten einen Ton, der mich berührt, der mich trifft. Ihre Texte lassen kleine Momente des Glücks, der Sehnsucht und der Trauer aufkommen. Sie ist auf der Suche nach dem, was ihr Leben ausmacht, nach dem, was sie/man nicht greifen, aber vielleicht begreifen kann, auch wenn die Situation schon längst vorbei ist.
Im Kopf entsteht eine Melodie, was vielleicht damit zu tun hat, dass sie Kleinschreibung benutzt und die Texte über die Zeilenumbrüche hinweg zu lesen sind. Bei ihren längeren Gedichten entstehen dadurch kleine Romane, Träume, Filmsequenzen.
Eine Wohltat dieses Buch in unserer verrückten Welt.

die blumen des bösen

nur ein schneerest, der noch leuchtet.
die reihe laternen kann nicht erhellen
was unter den füßen an boden verschwimmt.

wir sind erschöpft und kaum zu sehen
und hängen einander am arm, stumm verzagt.
es führen wohl wege von hier in die irre.

wir hören davon. wir fragen nicht nach. so
schmilzt auch die wolke im nächtlichen himmel
und was wir uns sagen, da blüht schon der tag.


nur damit du bescheid weisst

ich habe das handtuch genommen
das im badezimmer hing. du wolltest
es sicher in die wäsche tun. verzeih mir
es war herrlich, so feucht und so kühl.


müde wie ich

die tür stand offen: füsse badeten im licht, das bei den
knien langsam auslief, die oberschenkel kaum mehr
streifte und müde war, müde wie ich. der himmel klar

die luft so frisch: satt vom sommer. noch nicht herbst
was wundernahm, besah man die finger, die rau und
ineinander verflochten, müde waren, müde wie ich

jeder schritt ein schritt zurück: tiere brachen aus
dem laub, während auch diese stunde verstrich, nun, da
man blumen niederlegte, die müde waren, müde wie ich.

Nadja Küchenmeister, geboren 1981 in Berlin, lebt dort. Sie studierte Germanisitik und Soziologie an der Technischen Universität in Berlin sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Diverse Lehrtätigkeiten, u.a. am Deutschen Literaturinstitut sowie an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für den Rundfunk schreibt sie Hörspiele, Features und Rezensionen. Ihre Gedichtbände wurden vielfach ausgezeichnet.

Freitag, 24.Januar

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Heute haben
E.T.A. Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Geburtstag
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„Wer wagt, durch das Reich der Träume zu schreiten, gelangt zur Wahrheit.“
E.T.A. Hoffmann
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Vielleicht ist das schon mein Lieblingsbuch des Jahres 2020, ob wir erst Januar haben.

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Patrik Svensson: „Das Evangelium der Aale“
übersetzt aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Hanser Verlag € 22,00

Was gehen mich Aale an, dachte ich, als ich das Buch in die Hand genommen habe. Gesehen habe ich noch keinen (außer geräuchert) und gegessen (als Vegetarier) auch nicht. Aber kaum las ich ein paar Seiten, war es um mich geschehen. Und so ging es allen, die das Buch in der Hand hatten. So ganz falsch liegen wir wohl nicht, wenn ich mir die Sonderseite des Hanser Verlages anschaue, die ich erst gestern entdeckt habe. Interview, Gewinnspiel, Leseproben und und und. Also auch der Verlag verspricht sich so einiges.
Warum gehts?
Der schwedische Journalist Svensson erzählt in einer Rahmenhandlung, wie er als Kind mit seinem Vater an den Wochenenden an den Fluss zum Aaleangeln gegangen ist. Diese Vater-Sohn-Beziehung zieht sich durch das Buch. Dann kommen aber die Aale selber dran.
Ich wusste fast gar nichts über deren Leben und war erstaunt und fassungslos, was die Evolution hier eingerichtet hat. Die lange Reise von der Laichstelle in der Saragossasee (dort entstehen ALLE Aale der Welt), bis hin zu einem Tümpel bei uns um die Ecke. Die Mutationen, die ein Aal im Laufe seines Lebens durchmacht sind unglaublich und dazu kommen Svenssons Anektoden und Geschichten.
Denn der Aal hat schon Sokrates beschäftigt. Er behauptet, dass Aale aus Dreck enstehen, die Bibel schreibt, dass Aale nicht zum Essen geeignet sind, da sie keine Flossen haben. Beide liegen falsch. Sigmund Freund nimmt als junger Mann 400 Aale auseinander, um deren Geschlechtsteile zu finden, um Sokrates zu widerlegen. Er scheitert und diese Erfahrung prägt Freuds spätere Arbeiten. Aale habe keine Geschlechtsteile. Diese bilden sie erst, wenn sie auf der Rückreise in die Saragossasee sind.
Wie kann ein Aal 120 Jahre in einem Brunnen überleben? Was macht der Aal in der Weltliteratur, der Psychologie und Philosphie?
Ich mag nicht zu viel verraten.
Schnappen Sie sich bei uns die Leseprobe, lesen Sie diese genau durch und füllen Sie auf der Hanser Seite das Quiz aus ( siehe unten) und gewinnen Sie eine Reise, die nicht so lang ist, wie die der Aale, aber hoch in den Norden führt (wenn Sie aus Ulm kommen).
Ein tolles Buch! 

Zur Themenseite mit dem Gewinnspiel

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Donnerstag, 23.Januar

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Heute haben
Stendhal * 1783
Sergej Eisenstein * 1898
Derek Walcott * 1930 (Nobelpreis 1992)
Geburtstag
Aber auch Jeanne Moreau, Humphrey Bogart und Éduard Monet.
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Rok
keine schonzeit für feige zwerge

ist der schatten der bäume
der gleiche
wie der schatten der
hochhäuser die an
wolken kratzen
vielleicht ist der vergleich
abhängig von einem
sommer oder wintertag
oder nacht
dein heißer schweiß
auf meiner zunge
kühlt meine angst
macht mich betrunken
im schatten der bäume
lass uns giftige pilze
suchen unter
aufgerissenen wolken
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Jean Ziegler: „Die Schande Europas“
Von Flüchtlingen und Menschenrechten
Aus dem Französischen von Hainer Kober
Bertelsmann Verlag € 15,00

Jean Ziegler hat als Vizepräsident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats im Mai 2019 das EU-Flüchtlingslager Moria auf Lesbos besucht. Anhand vieler, oft erschütternder Einzelfälle schildert er seine Begegnungen mit Flüchtlingen, Hilfsorganisationen, einzelnen Menschen die helfen. Er berichtet über den Alltag in diesen restlos überfüllten Lagern, diesen sogenannten Hotspots, in denen es fast nichts gibt. Täglich 1,5 Liter Wasser und Essen aus Plastikschalen, das oft nicht mehr genießbar ist. Von schützenden Behausungen ist gar nicht die Rede. Es ist eine Schande, wie mit diesen Menschen umgegangen wird. Es ist eine Schande, wie wir in Europa die Augen verschließen. Jean Ziegler will uns mit seiner Streitschrift die Augen öffnen für diesen Skandal vor unserer Haustür. Hier, wo wir in Wohlstand leben und dort auf dieser Insel, wo es Armut, Hunger, Verzweiflung und Not in verschiedenen Varianten gibt. Durch seine vielen Biografien, die wir in diesem Buch finden, ergibt sich ein großes Szenario, das sich durch die Globalisierung und die Klimakatastrophe ergeben hat. Wegschauen geht nicht mehr.
Das Buch endet mit folgenden Sätzen:
„Wir, die Völker Europas, müssen dafür sorgen, dass die europäischen Zahlungern an die flüchtlingsfeindlichen Staaten sofort beendet werden.
Überall auf dem Kontinent müssen wir für die strikte Einhaltung des universellen Menschenrechts auf Asyl kämpfen.
Wir müssen die sofortige und endgültige Schließung aller Hotspots durchsetzen, wo immer sie sich befinden.
Denn sie sind die Schande Europas.“

Hier geht es zur Leseprobe.

Heute auf tagesschau.de:
https://www.tagesschau.de/investigativ/panorama/fluechtlingslager-libyen-105.html
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Heute abend in der HfG um 19.00 Uhr
Winfried Nerdinger: „Walter Gropius: Architekt der Moderne“

Walter Gropius ist der Gegenstand einer umfassenden und gründlich recherchierten Biografie, die der renommierte Architekturhistoriker und langjährige Leiter des Architekturmuseums der Technischen Universität München, Prof. Dr. Winfried Nerdinger, verfasst hat und persönlich in Ulm vorstellen wir.

Ort: Großer Hörsaal, 1. OG (Mensa-Ebene)
Gebäude der ehemaligen HfG, Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
Eintritt: frei