Donnerstag, 13.August

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Heute haben
Nikolaus Lenau * 1802
Mikael Niemi * 1959
Amélie Nothomb * 1966
Geburtstag.
Aber auch
Karl Liebknecht * 1871
Alfred Hitchcock * 1899
und Fidel Castro * 1926
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Nikolaus Lenau

Töricht haschen wir auf Erden
nach des Glückes Irrlichtschein;
wer sich quält, beglückt zu werden,
hat die Zeit nicht, es zu sein.
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Alan Bennett: „Der souveräne Leser“
Aus dem Englischen von Ingo Herzke
Wagenbach Verlag / Salto € 18,00

Ganz schön frech, die Jungs und Mädels vom Wagenbach Verlag. Und das ist gut so. Genial. Super. Da landen sie mit dem Buch „Eine souveräne Leserin“ ein wirklichen Long-Bestseller und ziehen dann zehn Jahre später mit diesem Titel vom selben Autor nach. „Der souveräne Leser“ ist in England nie so erschienen, sondern über die Jahre verteilt und unter anderen Titeln.
Umso besser für uns, dass wir das alles am Stück bekommen.
Alan Bennett iht sehr belesen, ein großer Fan von Franz Kafka (passt zu Wagenbach) und lässt uns an seinen Eindrücken und Leseerfahrungen teilhaben. Seinen britischen Humor hat er über die Jahre beibehalten und wenn Sie Franz Kafka aus der Sicht des Autors kennenlernen wollen, dann schnappen Sie sich das Buch. Wenn Sie wissen wollen, welche Bücher Sie unbedingt noch lesen sollen, dann, ja Sie wissen schon.
Ein großes Vergnügen, ein Leseratgeber, der W. G. Sebald und Philip Roth empfiehlt und ein Buch über Bücher, die uns guttun.
Das in dieser Zeit, in der es keinen Halt mehr gibt, ist Lesen (und zwar die richtigen Bücher) Gold wert. Besser als jede Therapiesitzung.
Viel Vergnügen.

Dienstag, 12.August

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Heute haben
Henry David Thoreau * 1817
Stefan George * 1868
Raoul Hausmann * 1886
Bruno Schulz * 1892
Günther Anders * 1902
Pablo Neruda * 1904
Adam Johnson * 1967
Johanna Moosdorf * 1971
Geburtstag
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Joseph Freiherr von Eichendorff
Morgendämmerung

Gedenk ich noch der Frühlingsnächte
Vor manchem, manchem Jahr,
Wie wir zusammen im Garten standen
Und unten über den Landen
Alles so still noch war.

Wie wir standen in Gedanken,
Bis eine Morgenglocke erwacht‘ –
Das alles ist lange vergangen;
Aber die Glocken, die da klangen,
Hör ich noch oft bei Nacht.
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9783407758163

Julia Dürr: „Wo kommt unser Essen her?“
Beltz&Gelberg Verlag € 14,95
Sachbilderbuch ab 6 Jahren

Woher kommen eigentlich die Lebensmittel, die auf unserem Tisch landen? Dieses Sachbilderbuch zeigt die verschiedenen Produktionsabläufe. Auf einer linken Seiten finden sich die Illustrationen und Erklärungen, wie auf dem Bauernhof gearbeitet wird. Auf der rechten Seite dann die industrielle Betriebe. Aufgeteilt hat Julia Dürr die Kapitel in Milch, Brot, Fisch, Fleisch, Äpfel, Eier und Tomaten. Jedes Lebensmittel bekommt vier ganze Seiten. Lauter Lebensmittel, die täglich bei uns auf dem Tisch liegen. Diesen bunt gedeckten Tisch mit vielen unterschiedlichen Menschen drumherum sehen wir zu Beginn des großformatigen Sachbuches. Und Julia Dürr schreibt dazu:
Was auf den Tisch kommt, egal ob wir viel, wenig, Fleisch, Gemüse, oder Eis essen: Unser Essen kaufen wir im Supermarkt, im Laden, auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen. Aber wo war es vorher? Unser Essen wird gezüchtet, gesät, geerntet, gefüttert, gemolken, gefangen, gelegt, gebacken, geschlachtet, sortiert und verpackt. …
Aufgemacht wie ein Wimmelbuch, unglaublich informativ und interesant dadurch, dass Julia Dürr uns in die Häuser, Gebäude, Maschinen sehen lässt.
Mit einem Wort: Nicht nur ein Sachbuch für Grundschulkinder, sondern auch für uns Erwachsene. Denn es gibt vieles zu entdecken, das wir noch nicht gewusst haben.
Toll!

Ein Blick ins Buch, der sich lohnt.

Dienstag, 11.August

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Heute haben
Enid Blyton * 1896
Louise Bogan * 1897
Alex Haley * 1921
Fernando Arrabal * 1932
Wolfgang Holbein * 1953
Geburtstag
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Joachim Ringelnatz
Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.
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Nicolas Mathieu: „Rose Royal“
Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen
Hanser Verlag € 18,00

Nach „Wie später ihre Kinder“ erzählt der Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu die Geschichte einer Frau um die fünfzig, die ihre Feierabende in der Kneipe um die Ecke, im „Royal“ verbringt. Dort genehmigt sie sich ein Feierabendbier und trifft sich mit einer Freundin.
Von Männern und deren Angebote hat sie nach einer gescheiterten Ehe und ein paar darauffolgenden Beziehungen genug. Zu viel Männergeprotze, verbunden mit häuslicher Gewalt und finanzieller Abhängigkeit. Rose ist zwar viel allein und melancholisch veranlagt, wenn sie ihre Arbeit beendet hat und nach dem Besuch im „Royal“ nach Hause geht, aber das ist immer noch besser, als das Leben davor. Um sich vor der Gewalt der Männer zu schützen, kauft sie sich einen Revolver. Sie will die Machtverhältnisse umdrehen.
Alles geht gut, bis sie sich doch wieder in einen Mann verliebt, der anders ist. Charmant, freundlich, nett, großzügig.
Nicolas Mathieu hat mit „Rose „Royal“ einen viel zu kurzen Roman (eher eine Novelle) über das selbstbestimmte Leben einer attraktiven Frau um die fünfzig geschreiben. So wie er es geschafft hat, sich in die Gefühlswelt der Jugendlichen in „Wie später ihre Kinder“ hinzuversetzen, gelingt es ihm hier den Roman aus der Sicht einer Frau zu schreiben.
Eine flotte, intensive Lektüre, die mit einem fulminaten Ende aufwartet.
Ein großes Lesevergnügen auf wenigen Seiten.
Lieber Herr Mathieu, nächsten Mal ein paar Seiten mehr.

Nicolas Mathieu wurde 1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 und wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

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