Freitag, 17.August

a985a59f783f123c3f47b6bb47da7588

Heute haben
Theodor Däubler * 1876
Ted Hughes * 1930
VS Naipaul * 1932 (Nobelpreis 2001 und vor ein paar Tagen gestorben)
Herta Müller * 1953
Jonathan Franzen * 1959
Geburtstag.
_____________________

Purpurschwere, wundervolle Abendruhe,
grüßt die Erde, kommt vom Himmel, liebt das Meer.
Tanzgestalten, rot gewandet, ohne Schuhe,
kamen rasch, doch sie versinken mehr und mehr.
Theodor Däubler
______________________

9783219117653-300x373

Einat Tsarfati:Wie sieht es aus in unserm Haus?
Bilderbuch ab 4 Jahren
Annette Betz Verlag € 14,95

In jedem Stockwerk sehen die Wohnungstüren anders und geheimnisvoll aus: eine Tür mit lauter Schlössern, eine mit matschigen Fußabdrücken davor, bei einer riecht es nach Fisch und im 4. Stock geht immer das Licht aus … Wer da wohl wohnt? Und wie sieht es hinter den Türen in den Wohnungen der Nachbarn aus? Tsarfati lässt uns zuerst raten und macht dann die jeweilige Türe auf. Was wir dann entdecken, ist ein fantasievolles Interieur, das wir wirklich nicht erwartet hätten. Aber in unseren Gedanken ist ja so Vieles möglich. Hinter der letzten Türe wohnt das Mädchen und ihre Eltern. Oh, sind die langweilig, teilt das Mädchen uns mit. Von wegen. Kaum ist die Türe zu, die Kleine im Bett, verwandeln sich die Eltern. Aber: Sie haben sich auf jeden Fall lieb. Egal ob langweilig, oder im Superman-Kostüm.

Donnerstag, 16.August

 

128fca005acd820865df115fbc50713b

Heute haben
Fabrizia Ramondino * 1936
Knut Faldbakken * 1941
Wolfgang Hilbig * 1941
Geburtstag
____________________

9783462051841

Imbolo Mbue:Das geträumte Land
Aus dem amerikanischen Englisch von Maria Hummitzsch
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 11,00

Imbolo Mbues hochgelobtes Debüt erzählt die Geschichte zweier Familien unterschiedlicher Herkunft, die in New York kurz vor der Bankenkrise aufeinander-treffen. Sie erzählt über Heiraten, die Ehe, Immigration, Klassenzugehörigkeit und über den großen Traum, in den USA, in New York das Glück zu finden. Allerdings genau in dem Augenblick, als die neuerliche Bankenkrise das ganze Finanz- und Wertesystem ins Wanken bringt.
Jende Jonga hat es endlich geschafft, seine Frau und seinen kleinen Sohn aus Kamerun nach Amerika zu holen. Das Glück scheint komplett, als Jende den Job als Chauffeur von Clark Edwards, einem Manager der Lehmann Brothers Bank, ergattert. Und Mrs Edwards engagiert Jendes Frau sogar als Haus- und Kindermädchen in ihrem Sommerhaus in den Hamptons. Die beiden Familien könnten unterschiedlicher nicht sein und wollen doch dasselbe: ihren Kindern eine gute Zukunft bieten. Allerdings ist das Leben der Bankerfamilie längst nicht so perfekt und glamourös, wie es zunächst scheint. Als Lehman Brothers pleite geht, ist die Fassade nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Jende bangt um eine Aufenthaltsgenehmigung. Seine Frau studiert an der Universität und kann sich noch in Sicherheit wägen. Sie bezahlen einem Anwalt viel Geld, damit er vor Gericht um Jendes Belange kämpft. Voller Zuversicht kämpft die kleine Familie, damit sich alles zum Guten wendet.
Nun könnten die Rollen klar verteilt sein. Einerseits die guten Einwanderer aus Kamerun, anderseits die steinreiche Familie, die ihr Geld mit Bankgeschäften macht.
Doch das ist für mich das Schönste an diesem Roman gewesen, daß die Autorin es schafft, sich allen Figuren mit Empathie zuzuwenden. Wir können sie alle verstehen. Ihrem Verhalten nicht ablehnend gegenüberstehen. Wir verstehen den Broker, der für Lehman knechtet und auf krumme Wege gerät. Wir verstehen seine Frau, die sich auf belanglosen Treffen tummelt, aber eigentlich ganz andere Sorgen hat. Wir verstehen den großen Sohn der Familie, der nach Indien geht, anstatt an der Universität Jura zu studieren. Wir verstehen auch Jende, der kämpft und kämpft und dann doch aufgibt. Wir verstehen auch seine Frau, die ihre Position verteidigt und gleichzeitig ihre Familie zusammenhalten will.
Schön auch, daß die Personen sich über alle Schranken hinweg unterhalten können und daß sich die Machtgewichte während des Romanes plötzlich komplett umdrehen können.
Imbolo Mbues Roman ist hochaktuell, leicht geschrieben und greift viele aktuelle Themen auf und findet einen sehr bemerkenswerten Schluß.

Mittwoch, 15.August

d4b30b36f4eb7574edb9be7e23bf9392

Heute haben
Matthias Claudius * 1740
Walter Scott * 1771
Stieg Larsson * 1954
Geburtstag
___________________________

Matthias Claudius
Der Esel

Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt,
Ohn‘ Mut und ohn‘ Gewalt;
Mein spotten, und mich scheuen
Die Menschen, jung und alt;
Bin weder warm noch kalt;
Hab nichts, mich dran zu freuen,
Bin dumm und ungestalt;
Muß Stroh und Disteln käuen;
Werd‘ unter Säcken alt –
Ah, die Natur schuf mich im Grimme!
Sie gab mir nichts, als eine schöne Stimme.
________________________

4040592006420

I Am Not Your Negro“
Dokumentation, 93 Min.
Regie: Raoul Peck
Darsteller: James Baldwin
Sprecher/Erzähler: Samy Deluxe
DVD € 16,90
USA, 2016
FSK ab 12 freigegeben

James Baldwin erlebt eine Renaissance hier in Deutschland durch die Neuübersetzungen bei dtv. Vor ein paar Tagen haben wir hier auf dem Blog den „Beale Street Blues“ vorgestellt, das vor ein paar Wochen erschienen ist. Im Nachwort zu diesem Roman wird u.a. auch diese Dokumantation erwähnt. Jetzt gibt es diese DVD, die auch für den Dokumentations Oscar nominiert war. Eine Dokumentation über Baldwin, die auf seinen letzten 30 Seiten Text beruht, die man bei ihm gefunden hat.
Baldwin war eine Erscheinung. Klug, gebildet, eloquent, radikal in seiner Ausdrucksweise und hochpolitisch und brillant in seinen Essays. Ein kleiner Mann mit großem Charisma. Gebildet, elegant.
Dieser Film hat mich schwer beeindruckt. Das Thema Rassismus in den USA taucht in den letzten Monaten vermehrt in Romanen und Sachbüchern auf. Durch die Machtübernahme Trumps hat sich Lage wahrscheinlich noch verschlechtert.
Baldwin redet nicht über Rassismus, sondern über die Lage des Landes. Über das Selbstverständnis seiner Mitmenschen. Er ist kein Negro. Er ist ein Mensch.
Ein kleines Beispiel: Wir sehen Robert Kennedy, der davon redet, dass die Negroes viel dazu gelernt hätten und weiter lernen würden. Er könne sich gut vorstellen, dass es in 40 Jahren einen schwarzen Präsidenten geben könnte. Prima, so denken wir. Baldwin sagt: Na klar. Er redet für die Weissen. Was sagt der schwarze Frisör in Harlem? Er pfeift drauf und sagt, dass sie seit 400 Jahren in den USA sind und dass so eine Aussage eine bodenlose Frechheit ist. Ein roter Faden sind die Ermordungen dreier Freunde Baldwins. Medgar Evers 1963, Malcolm X 1965 und Martin Luther King 1968. Die Filmbilder wandern von den lebenden Freunden, zu den Bilder der Toten und den Hinterbliebenden. Schnelle Schnitte in den Gegenwart sorgen dafür, dass wir klar erkennen, dass sich nichts geändert hat vom Massaker in Wounded Knee 1890 bis zu den Aufständen in Ferguson 2014.