Samstag, 28.Mai

Heute haben
G.K.Chesterton * 1874
Ian Fleming * 1908
Patrick White * 1912
Walker Percy * 1916
Heinz G.Konsalik * 1921
Guntram Vesper * 1941
Frank Schätzing * 1957
Muriel Barbery * 1969
Geburtstag
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Winfried Bauer
Ein weites Feld


Ich habe bezahlt
Habe hingehalten
Geradegestanden
Ich habe meine Haut zu Markte getragen
Mir einen Buckel erworben
Unter Schmerzen
Stillgehalten
Gebüßt
Was will er denn noch, der Herr Minister ?

Auf den Exerzierplätzen dressierter Gedanken
drückt ein Spieß die Soldaten ins Joch
und jagt sie durch den Schlamm
Seiner Gelüste
Sie heben Gräben aus
Und stehen stramm
Auch an der Wand
Nur für wen?
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Frisch ausgepackt:

Hinausspaziert
Unterwegs mit Virginia Woolf, Urs Widmer, Benedict Wells u. v. a.
Ausgewählt von Meredith Barth
Diogenes Taschenbuch € 12,00

Vor ein paar Tagen traf ich eine Frau mit Rucksack und Wanderkarte, die das Muschelsymbol des Jakobweges an einer Schilderstange ganz in der Nähe des Ulmer Münsters fotografierte. Auf meine Frage, ob ich ihr helfen könne, meinte sie strahlend, dass sie gerade ihr erstes Wanderzeichen fotografiert hätte und dass es jetzt losgehe.
Jürgen mit seinen zwei Hunden erzählte mir, dass er täglich mindestens 10 Kilometer mit ihnen unterwegs sei.
Es ist die Zeit, in der wir viele Wanderführer über Touren in der Region verkaufen.
Der Mensch ist nicht zum Sitzen und Stehen gemacht worden, sondern zum Gehen, sagt meine Osteopathin.
Und so passt dieses Buch, mit diesem weiten Thema, sehr gut in diese (Jahres)zeit.
Lustwandeln, schlendern, flanieren: Seit Jahrhunderten geht der Mensch spazieren – hinaus in die Welt, hin zu sich selbst. Durch Landschaften und Städte, durch vertraute Straßen oder unbekannte Länder. Zur Entspannung, als Inspiration, als Flucht.
Meredith Barth hat eine interessante Auswahl an Geschichten und Gedanken über das Gehen zusammengestellt und lässt die großartige Rebecca Solnit beginnen.
Aber auch hier spannt sich ein großer Bogen von Virginia Woolf, Urs Widmer, Benedict Wells, bis Doris Dörrie, Amélie Nothomb, dem New York Flaneur Teju Cole, der Londonerkunderin Zadie Smith und dem Berlinkenner Franz Hessel.
Dazu eine exklusive Geschichte von Lena Gorelik, die es nur in diesem Buch gibt.
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Dienstag, 7.Juni, 19.00 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor.

Lea Ypi: Frei
Sarah M.Broom: Das gelbe Haus
Fatma Aydemir: Dschinns
Laurent Petitmangin: Was es braucht in der Nacht


Es liest Clemens Grote

Bei uns in der Buchhandlung.
Eintritt frei.
Bitte Plätze reservieren, da wir nur 20 Personen reinlassen wollen.
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Hardy auf der End-to-End-Tour zur Nordspitze Schottlands

Tag 1
Start Freitag Nachmittag…von Wippingen aus ging es in Begleitung eines Freundes bis zur Burgruine Reußenstein. Von dort dann alleine weiter nach Kirchheim u.T. bis hinter Vaihingen an der Enz wo ich bei Einbruch der Dunkelheit nach gestrampelten 122 km mein Zelt bei einem Bolzplatz aufgeschlagen habe…..ein richtig guter Start war das heute 🍀

https://hardyontour.wordpress.com

Freitag, 27.Mai

Heute haben
Max Brod * 1884
Dashiel Hammett * 1894
Louis-Ferdinand Celine * 1894
John Cheever * 1912
Andrej Bitow * 19367
Said * 1947
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Auferstanden

Nie
Hätte ich geglaubt
Dass mir die Kraft fehlt
Dass ich verlieren könnte
Dass mich die Mahlsteine erdrücken
Dass mich Menschen ans Kreuz schlagen
Und liegen lassen

In einer Höhle
Von deren kalten Wänden
Sein Leben tropft
Heute weiß ich
Ein Licht allein genügt im Zweifel
Mir den Weg zu weisen
Immer
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Jean-Paul Dubois: „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer und Uta Rüenauver
dtv € 12,00

Warum sitzt ein unauffälliger Mensch wie Paul Hansen im baufälligen Gefängnis von Montréal? Der in Frankreich aufgewachsene Sohn eines dänischen Pastors und einer Kinobesitzerin hatte schon einiges hinter sich, bevor er seine Berufung als Hausmeister in einer exklusiven Wohnanlage in Kanada fand. Ein Vierteljahrhundert lang lief alles rund – die Heizungsanlage ebenso wie die Kommunikation, bis Paul eines Tages die Sicherung durchbrennt. Nun erträgt er mit stoischer Ruhe seinen Zellengenossen Patrick, einen Hells-Angels-Biker, der sich jedoch von einer Maus ins Bockshorn jagen lässt.
Jean-Paul Dubois nimmt uns mit in diese kleine Zelle mit einer freistehende Toilette und erzählt mit feinem Humor, wie die beiden ihren Alltag bewältigen und wie es dazu kam, dass sie hier gelandet sind. Das Schöne an den Goncourt-PreisträgerInnen ist, dass man deren Bücher mit großem Vergnügen lesen kann. So auch hier. Patrick ist das genaue Gegenteil zum ruhigen Paul. Er ist ein Großmaul, ein Geschichtenerzähler, der aber extrem ängstlich ist. Ein großer Harley Davidson Fan und den Katalogen mit den vielen Ersatzteilen dazu. Das ist seine Bibel. Als er erfährt, dass der Gefängnisdirektor selber so eine Maschine fährt, ist er ganz aus dem Häuschen.
Ein sehr vergnüglicher, hintergründig ernsthafter Roman, bei dem man herzhaft schmunzeln kann. Wir haben gleich einen ganzen Stapel auf dem Neuerscheinungstisch zu liegen.

Jean-Paul Dubois
, geboren 1950 in Toulouse, studierte Soziologie und arbeitete zunächst als Sportreporter für verschiedene Tageszeitungen. Später berichtete er für den ›Nouvel Observateur‹ aus den USA. Er hat über zwanzig Romane veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Prix Femina und dem Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Literaturpreis. Er zählt zu den wichtigsten französischen Autoren der Gegenwart und erhielt für diesen Roman den Prix Goncourt.

Clemens Grote liest aus dem besprochenen Buch:

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Hardy on Tour“ 🚴🏽‍♂️


Heute starte ich meine Radreise nach England und Schottland.

Von der Alb aus geht es mit dem Fahrrad nach Dunkirchen, wo die Fähre mich auf die britische Insel bringen wird. An der Südküsten entlang geht es nach Land‘s End. Dort ist der Start der bekannten „End to End-Tour“ hoch in‘s schottische John o‘ Groats.
Auf dem Nordseeküsten Fahrradweg will ich dann Richtung London strampeln und rechtzeitig zum Start der Frauenfußball EM Anfang Juli dort sein um 5 Spiele im Stadion live vor Ort mitzuerleben .

Hier gibt es die nächsten Wochen ein „Bild des Tages“ von meiner Tour.
Viel Vergnügen,
Euer Hartmut Bögel

Mittwoch, 25. Mai


Heute haben
Ralph Waldo Emerson * 1803
Max von der Grün * 1926
Raymond Carver * 1938
Jamaica Kincaid * 1949
Geburtstag
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Ernst Lissauer (1882-1937)
Balkons in de Vorstadt

Stuben an Stuben, langhin aneinandergestaut,
Stockwerk auf Stockwerk getürmt, Wolken und Sterne verbaut,
Weithin Stein und Asphalt —
Wächst irgendwo Weizen und Wald?
Dunst, Rauch, Staub —
Rauscht irgendwo Welle und Laub?

Nie von starkem Leuchten besonnt,
Wie gemauerter Nebel starrt die unendliche Front.

Doch an jedem Haus, jedem Geschoß, immer zu zweit,
Balköne, schwebende Zimmer, hangen
ln langen
Fluchten zur Rechten und Linken die Straße hinuntergereiht;
Aus Wein und aus Efeu geflochten Wände aus Grün,
Irdene Töpfe, drin rote Geranien und Fuchsien blühn,
Stücke Wiese und Wuchs, verwehte, verstreute, —
Land der landlosen Leute.
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Unser Buchtipp:


Adania Shibli: Eine Nebensache
Aus dem Arabischen von Günther Orth
Berenberg Verlag € 22,00

Was für ein starker Roman. So schmal und unscheinbar, so einfach in der Sprache, fast wie ein Bericht, eine Tagebuchaufzeichnung. Und ist die Geschichte packend und sehr erhellend, da wir viel über das Palästina Ende der 40er Jahre und den Zustand im heute und jetzt erfahren.
Im Sommer 1949 wird ein palästinensisches ­Beduinenmädchen von israelischen Soldaten missbraucht und ermordet. Jahrzehnte später versucht eine junge Frau aus Ramallah, mehr über diesen Vorfall herauszufinden. Sie ist ­fasziniert, ja besessen davon, vor allem, weil er sich auf den Tag genau fünfundzwanzig Jahre vor ihrer Geburt zugetragen hat.
Unvorstellbar ist schon die Situation, während israelische Soldaten ein Camp aufbauen und der Hauptmann das Beduinenmädchen mitbringt. Einerseits hat er wahnsinnige Schmerzen durch einen Stich im Oberschenkel, andererseits kommt es zu dieser Gewalt, die nicht geschildert wird, an dem Mädchen.
Angst und mögliche Gewalt spielen auch im zweiten Teil, in der Gegenwart ein große Rolle, da die junge Frau, die auf der Suche nach dem Ort des damaligen Geschehens ist, mit nicht ganz legalen Papieren auf israelischem Gebiet unterwegs ist.

Der Roman wird am Freitag im Literarischen Quartett besprechen. Ich bin gespannt.

Adania Shibli, geboren 1974 in Palästina, schreibt Romane, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Essays und ist zudem in der akademischen Forschung und Lehre tätig. »Eine Nebensache« ist ihre erste Buchveröffentlichung auf Deutsch, die englische Übersetzung war für den ­National Book Award (2020) sowie für den ­International Booker Prize (2021) nominiert. Adania Shibli lebt in Palästina und Deutschland.

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