Mittwoch, 5.Mai

Heute haben
Sigmund Birken * 1626
Sören Kierkegaard * 1813
Karl Marx *1818
Henryk Sienkiewicz * 1846
Sylvia Pankhurst * 1882
Geburtstag
und es ist der Todestag von
Irmgard Keun + 1982
Jürg Amann + 2013
Sarah Kirsch + 2013
Ludwig Harig + 2018
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Winfried Hermann Bauer
Nordland

Allein
wandern über den Tag
der Wochen dauert
und ganz dem Wahn der Ewigkeit
verfallen

selbstvergessen
zwischen Birken und Kiefern und glitzernden Seen
dem Schrei eines Raben
lauschen
der von der Fülle im Kargen erzählt

und doch
ziehe ich mich in meinen Kragen zurück
wenn ein nachtschwarzer Schauer mahnt
und friere
Allein
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Marianne Philips: „Die Beichte in der Nacht
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Diogenes Verlag  € 23,00

„Ich setze mich zu Ihnen, Schwester. Das ist nicht erlaubt, ich weiß. Aber ich mache es trotzdem – ich habe so lange nicht mehr gesessen, an einem Tisch mit Lampe darauf. Verstehen Sie, warum man Verrückte ins Bett steckt, als wären sie krank?“
Zwei Nächte lang wird Heleen der Nachtschwester ihre Lebensgeschichte erzählen, ob diese will oder nicht, sie muss zuhören. Endlich soll jemand erfahren, warum Heleen hier seit Jahren eingesperrt ist, endlich kann sie darüber reden.
Heleen wächst Anfand des 20. Jahrhunderts auf dem Land in den Niederlanden unter ärmlichen Verhältnissen, in einer kinderreichen protestantischen Familie auf. Sie setzt alles alles dara,n diesem Milieu zu entkommen und ein Leben in Schönheit und Wohlstand zu erreichen. Sie geht in die Stadt und schafft tatsächlich den gesellschaftlichen Aufstieg. Sie liebt Hannes und er sie. Ein Leben in Glück und Zufriedenheit scheint erreicht. Nach dem Tod ihrer Eltern nimmt sie ihre jüngste Schwester bei sich auf, aber Heleen  findet kein Vertrauen in ihr doch so perfektes Leben. Selbstzweifel und Eifersucht treiben sie letztendlich in eine Gedankenwelt, die zu einer Katastrophe führt.
Ein toller, faszinierender Roman, der schon 1930 erschienen ist und mich, durch die besondere Erzählperspektive, die eine sehr berührende intime Nähe entstehen lässt, staunen lässt.
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Am Anfang gibt es Tagebuchnotizen. Dann entsteht ein Kartenspiel. Vier Künstler finden sich zusammen und planen eine Performance. Daraus entwickelt sich eine große gemeinsame Recherche zum Thema Heilung. Am Ende sind es fünf Mitwirkende und aus dem gemeinsamen kreativen Prozess wird ein Buch.  Und zu dem Buch, als Teil des ganzen Projekts, gibt es nun eine Ausstellung im Cafe animo/Ulm.

“Wir stellen uns das Buch als kleine Schatzkiste vor, in der ihr stöbern und unterwegs sein dürft und in der sich allerlei Räume öffnen (nicht nur digital durch die integrierten QR Codes) . Eine bunte Sammlung, die ihr auf eure eigene Art weiter erforschen und ergänzen könnt. Es ist die Arbeit und ein Geschenk von uns allen. Und gleichzeitig ist es eine sehr persönliche Geschichte. Ihr könnt es lesen wie ihr es wollt.”

Das Buch ist für 14 Euro in der Buchhandlung Jastram, im ANIMO! (zu den Öffnungszeiten), oder auf der Internetseite des Projekts Pure Freude zu bekommen.


Die Beteiligten:
Tine Kiefl – seit 2008 verbindet sie mit Eva Ellerkamp die gemeinsame Theaterarbeit. Als Schauspielerin, Försterin und Sprecherin arbeitet sie vorwiegend in Stuttgart, an Theatern, beim SWR und im Degerlocher Wald. Die Natur ist ihr Kraft- und Inspirationsraum.

Eva Ellerkamp ist Regisseurin, Autorin und Musiktherapeutin, seit 2015 künstlerische Leiterin des Heyoka-Theaters Ulm. Die schamanische Erfahrung ist Kern und immer wieder Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Tätigkeit.

Simon Reimold ist Schauspieler, Regisseur, Filmemacher und Musiker und arbeitet seit 2016 mit Eva Ellerkamp und dem Heyoka-Theater fest zusammen.

Andrea Liebe ist Bildende Künstlerin, Illustratorin und Kunstvermittlerin. Sie arbeitet in diesem Projekt erstmalig mit Eva Ellerkamp und Freunden zusammen.

Dominik Lahaye ist Gestalter, Grafiker, Programmierer und Entdecker. Er begleitet mit seiner ­Arbeit seit 2013 Eva Ellerkamps Wege und Werke.

DANKE! an die Kulturabteilung der Stadt Ulm, die Druckerei Muttscheller, Fonds Darstellende Künste (take care!) und das Regierungspräsidium Tübingen für die Flexibilität in dieser besonderen Zeit und die finanzielle Unterstützung!

Dienstag, 4.Mai

Heute haben
Friedrich Arnold Brockhaus * 1772
Gerlind Rheinshagen * 1926
Amos Oz * 1939
Graham Swift * 1949
David Guterson * 1956
Florian Illies * 1971
Geburtstag.
Aber auch Audrey Hepburn und Keith Haring
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Winfried Hermann Bauer
Nordland

Allein
wandern über den Tag
der Wochen dauert
und ganz dem Wahn der Ewigkeit
verfallen

selbstvergessen
zwischen Birken und Kiefern und glitzernden Seen
dem Schrei eines Raben
lauschen
der von der Fülle im Kargen erzählt

und doch
ziehe ich mich in meinen Kragen zurück
wenn ein nachtschwarzer Schauer mahnt
und friere
Allein
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Wenn jetzt alles normal wäre und wir Veranstaltungen im Laden machen könnten, dann ware heute der Tag der „Ersten Seite“. Wir würden in munterer Runde um den alten Tisch sitzen und Clemens würde (hoffentlich) uns vorlesen.
Tja.
So stelle ich Ihnen hier vier Romane von Frauen vor, die in letzter Zeit erschienen sind, die mir ausgesprochen gut gefallen haben und von denen es eine Hörprobe gibt. Oder sogar den ganzen Text, wie bei Felicitas Hoppe.
Ich weiß, es ist keine Alternative, aber ich hoffe, Sie haben trotzdem Spaß damit.


Felicitas Hoppe: „Fieber 17“
Dörlemann Verlag € 15,00



Bernadine Evaristo: „Mädchen, Frau, etc“

Klett Cotta € 25,00
Audio Verlag € 25,00

Hörprobe


Gabriele von Arnim: „Das Leben ist ein vorübergehender Zustand“
Rowohlt Verlag € 25,00
Audio Verlag € 25,00

Hörprobe



Helga Schubert: „Vom Aufstehen“
dtv € 22,00
Argon Verlag € 19,95

Hörprobe
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Das Team Jastram (Jastram radelt) besteht im Moment aus 13 Teilnehmenden, die bisher 312 km geradelt und fast 50 kg CO2 vermieden haben.
Insgesamt wurde in Ulm (in der kurzen Zeit) 51.144 km geradelt (also locker einmal um die Erde).
Es nehmen 1.305 Menschen teil, die insgesamt acht Tonnen CO2 vermieden haben.

Montag, 3.Mai

B.Traven * 1890
Jehuda Amichai * 1924
Tatjana Tolstaja * 1951
haben heute Geburtstag
und es ist der Todestag von
William Shakespeare + 1616
Günter Herburger + 2018
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Winfried Hermann Bauer
Lichthunger

Wenn der Lichthunger nagt
Reicht weder die Sonne des Südens
Noch der aufgehende Morgen
Ihn zu stillen
Es sind die leuchtenden Himmel des Nordens
Auf die meine Kompassnadel zeigt
Und der schrille Gesang der Samen
Der mich hinauf treibt bis zum letzten Kap

Unwissend wahrhaftig

Bis ein Stern in das Crescendo
grätscht
Ein wildweiser Bote aus den Tiefen des Alls
Der meinen Magnetpol
verschiebt
Und den Nachthimmel erglühen lässt
Grün wie das Werden selbst
Und ich frage mich

Ob mein Sterben vielleicht auch ein neuer Anfang ist
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Jacqueline Woodson: „Alles glänzt
Aus dem Amerikanischen von Yvonne Eglinger
Piper Verlag € 22,00
Red At The Bone“ € 13,00

„Ein wirklich magisches Buch. Woodson gehört zu den wenigen Schriftstellerinnen, die einem das Gefühl geben, dass man alles schaffen kann – und darum alles versuchen sollte.“
Ocean Vuong

Unglaublich, dieses Buch. Von Zeile zu Zeile, von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel erzählt Jacqueline Woodson die Geschichte zweier schwarzer Familien in Brooklyn. Aber nicht, wie wir es gewohnt sind. Gleich zu Beginn springt sie in die Erzählung, die eigentlich weit ans Ende gehört. Immer wieder wechselt sie die Perspektiven, lässt andere Personen zu Wort kommen, würfelt Zeiten, Ereignisse und Menschen durcheinander. Mal sind es sehr zärtliche, liebevolle Momente, die dann aber auch sofort kippen können. Es ist die Lust auf das Leben, das Zufriedensein, mit dem, was ist und der starke Wille etwas ganz anderes zu tun.
Mit „Ein anderes Brooklyn„, das vor Jahren auf deutsch erschienen ist, hat mich die Autorin überzeugt und wir haben damals das Buch auch an einer „Ersten Seite“ vorgestellt. Dieser Roman ist noch stärker, noch kraftvoller, noch atmosphärischer. Ich möchte diesen Roman gleichsetzen mit Werken von Toni Morrison und Alex Baldwin. Und alle, die gerne „Mädchen, Frau, etc.“ von Bernardine Evaristo gelesen haben, werden hier das gleiche Lesevergnügen haben.

Jacqueline Woodson, geboren 1963, zählt zu den bedeutendsten Jugendbuchautorinnen der USA. Sie hat mehr als zwanzig Jugendbücher geschrieben. Für ‚Brown Girl Dreaming‘ wurde ihr 2014 der renommierte National Book Award zugesprochen, 2018 erhielt sie mit dem Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis die weltweit höchstdotierte Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur. 2020 wird Jacqueline Woodson mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis geehrt, der auch der ‚kleine Nobelpreis‚ genannt wird. Woodsons Jugendbücher erscheinen regelmäßig auf der New York Times-Bestsellerliste. Wichtige Themen ihres Schreibens sind die afroamerikanische Geschichte, Klassenverhältnisse und Geschlechterhierarchien.
Jacqueline Woodson lebt mit ihrer Familie in Brooklyn, New York.
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Nach zwei Tagen Stadtradeln Ulm machen 739 Personen mit, wurden 26.327 Kilometer geradelt und
4 Tonnen CO2 vermieden.
Aber Hallo!!!