Donnerstag, 29.Juli

Heute haben
August Stramm * 1874
Karl Otten * 1889
Harry Mulisch * 1927
Geburtstag
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August Stramm
Blüte

Diamanten wandern übers Wasser!
Ausgereckte Arme
Spannt der falbe Staub zur Sonne!
Blüten wiegen im Haar!
Geperlt
Verästelt
Spinnen Schleier!
Duften
Weiße matte bleiche
Schleier!
Rosa, scheu gedämpft, verschimmert
Zittern Flecken
Lippen, Lippen
Durstig, krause, heiße Lippen!
Blüten! Blüten!
Küsse! Wein!
Roter
Goldner
Rauscher
Wein!
Du und Ich!
Ich und Du!
Du?!
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Doris Knecht: „Die Nachricht
Hanser Berlin € 22,00

Den Roman hatte ich vor Wochen angefangen und relativ bald wieder weggelegt. Das hat sich als Fehler herausgestellt, wie ich nach einem Video-Abend des Hanser Verlages mit Doris Knecht bemerkt habe.
Zu Beginn des Buch ist die Frau ständig mit ihrem Handy unterwegs. Hier ne Nachricht, da noch scrollen und schnell noch mal ne Message losschicken. Das ist nicht meins. Das brauche ich nicht im Roman. Das sehe ich auf der Straße, jeden Tag.
An diesem Hanser Abend mit der Autorin wurde mir bewusst, wie wichtig diese Anfangssequenz für das wirklich starke Buch ist. Diese Frau lebt nach dem Tod ihres Mannes alleine im gemeinsamen Haus auf dem Land. Die Kinder sind ausser Haus, Freunde erreichbar, wenn sie sie braucht und das mit der Arbeit hat sie gut im Griff. Sie weiss auch, dass ihr Mann in den letzten Lebensjahren, vor seinem plötzlichen Tod, eine Affäre hat. Dies hat sie nach seinem Ableben erfahren. Was sie aus der Bahn wirft, sind diese Hassmails, diese boshaften Messenger-Nachrichten, die sie verleumden, beschimpfen und aufs Übelste erniedrigen. Diese Botschaften erhält nicht nur sie. Auch im Freundeskreis und bei Arbeitskollegen tauchen sie auf und bringen diese Verhältnisse kräftigen durcheinander. Eine gewisse Verunsicherung bleibt hängen.
Doris Knecht erzählt, was sie, in ihrem Umfeld, in dieser Beziehung mitbekommen hat. Wie Frauen sich verzweifelt dagegen wehren und oft am Ende scheitern und die Männer freigesprochen werden.
Im Roman spielt die Autorin mit verschiedenen Verdächtigen, bis sich eine Personen als der Täter, die Täterin herausstellt. Aber wenn wir lesen, was mit dieser Person geschieht, sind wir wieder in der Realität angelangt.
Ein spannender, aktueller, engagierter Roman, der leicht daherkommt, aber ein schwergewichtiges Thema bearbeitet. Doris Knecht zeigt auf, dass Frauen oft vom Opfer zur Täterin gemacht werden.
Absolut lesenswert.

Leseprobe
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Erdüberlastungstag
Menschheit verbraucht „1,74 Erden“

tagesschau.de: 29.07.2021 07:28 Uhr

Die Welt erreicht heute den sogenannten Erdüberlastungstag. Menschen verbrauchen von heute an mehr Ressourcen als binnen eines Jahres auf natürliche Weise erneuert werden können.

Hier geht es zum Artikel.

Mittwoch, 28.Juli

Heute haben
Beatrix Potter *1866
Malcolm Lowry * 1909
John Asbery * 1927
Remco Campert * 1929
Beat Brechbühl * 1939
Geburtstag
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Max Dauthendey
Ein großer Nußbaum

Ein großer Nußbaum stand wie eine grüne Laube,
Ein Weg ging drunter hin im Staube,
Fern lag ein Dorf, ein Fluß mit Berggeländen.
Der große Baum hielt in den grünen Blätterhänden
Landschaften gleich wie farbige Gedanken,
Die bald voll Wolken standen, bald im Licht versanken.
Und Du und ich, wir lehnten in dem Schatten
Und teilten mit dem Baum was wir im Herzen hatten.
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Unser Buchtipp:

Daniela Krien: „Der Brand
Diogenes Verlag € 22,00

Den neuen Roman von Daniela Krien habe ich gestern auf unseren Neuerscheinungstisch gestapelt. Wahrscheinlich rauschen in den nächsten Tagen in allen Zeitungen Besprechungen darüber rein. Mich hat das Buch überrascht, fasziniert und nicht mehr losgelassen.
Der Diogenes Vertreter drückte mir bei seinem Besuch ein Exemplar in die Hand, als es noch nicht erschienen war, und am selben Abend begann ich, aus reiner Neugier, zu lesen. Das, was ich aber dann entdeckte und auch zwischen den Zeilen zu lesen bekommen habe, hat mich sehr beeindruckt.
Daniela Krien versteht es mit ihrer knappen Sprache viel auszudrücken. Sie sagte in einem Interview in der NZZ, dass sie so viel rausstreicht, dass in dem Wenigen was übrigbleibt, alles noch drinsteckt. Bei ihr klappt das. Und wie.
Wieder erzählt sie über die Liebe, über Paarbeziehungen, über das Verhältnis zu den jungen, erwachsenen Kindern, über ein Leben mit einem Partner nach 30 Jahren. Das ist alles nicht einfach für Rahel, die mit ihrer Psychotherapiepraxis extrem gefordert wird. Ihr Mann Peter, hat sich zurückgezogen, bekam schwere Probleme an seiner Universität, da er mit einer Studentin angeeckt ist und sich der Zwischenfall überregional hochschaukelt hat. Ihre Tochter fordert und fordert und der Sohn steckt eine ganze Energie in seine Ausbildung als Gebirgsjäger.
So ist das Angebot von alten Freunden, deren Haus in der Uckermark für drei Wochen zu hüten, bestens geeignet, etwas Ruhe und Ordnung in die Beziehungen zu bringen.
Aber auch gerade dort entdeckt Rahel Neues aus ihrem Leben, was sie nicht vermutet hätte.
Daniele Krien versteht es meisterlich unsere Gefühlswelt, unsere Befindlichkeiten aufzuschreiben. Nebenbei, ganz beiläufig, Klima-Politisches einfließenzulassen, so wie wir es aus unserem Alltag kennen, und zu einem starken Roman zu komponieren.
Im NNZ Interview erklärt sich Vieles, was sie privat empfindet und dann im Buch auftaucht. So zum Beispiel, dass sie nach einer Äusserung von ihr in die Nähe der AfD gerückt wird, obwohl das überhaupt nicht in ihrem Sinn ist und auch der Link dort ins Leere läuft. Aber gerade diese heimlichen Tretminen in unserem Alltag sind es, die Rahel in dem Roman zu schaffen machen.
Lesen Sie das Buch, das sommerlich leicht daherkommt und im Nachklapp viel im Kopf bewegt.

Hier geht es zur Leseprobe.

Freitag, 23.Juli


Heute haben
Raymond Chandler * 1888
Elio Vittorini * 1908
Hubert Selby * 1928
Werner Kofler * 1947
Alex Capus * 1961
Kai Meyer * 1969
Thea Dorn * 1970
Geburtstag.
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Simon Dach

Die Lust hat mich bezwungen,
zu fahren in den Wald,
wo durch der Vögel Zungen
die ganze Luft erschallt.
Ihr strebet nicht nach Schätzen
durch Abgunst Müh und Neid.
Der Wald ist eu’r Ergötzen
die Federn euer Kleid.
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Susanne Link empfiehlt:


Susanne Abel: „Stay away from Gretchen

Ein unmögliche Liebe
dtv € 20,00

Vergangenen Mittwochabend endlich mein erster Büchertisch. 90 Menschen auf den Stufen der Stadtbiblothek und Susanne Abel, die aus „Stay away Gretchen“ vorlas und anschliessend noch Fragen des Publikums beantwortete. Ein gelungener Abend rund um das Leben von Greta, die als Jugendliche 1944 vertrieben wird und im Nachkriegs-Heidelberg landet, aber auch die alte und demente Greta, die in Köln lebt, kommt humorig zu Wort. Leicht geschrieben, mit vielen verschiedenen Thema rund um die Traumatisierung, geliebte Menschen zu verlieren und irgendwie das Leben anzupacken und eben zu leben.

Leseprobe
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Fridays For Future
Wir stehen #AlleFürsKlima, denn die Klimakrise ist hier!

Was: Laufdemo
Wann: Heute, Freitag, 12 Uhr
Wo: Münsterplatz, Ulm

Mit Reden und Livemusik von Roadstring Army
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Gemeinsam mit dem Kundenspendenkässle und unserer € 1,00-Aktion sind bis jetzt € 860,00 zusammengekommen.
Danke!!!!
Wir machen weiter.