Dienstag, 26.Januar

Heute hat
Achim von Arnim * 1781
Geburtstag
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Achim von Arnim
Stern

Ich sehe ihn wieder
Den lieblichen Stern.
Er winket hernieder,
Er nahte mir gern;
Er wärmet und funkelt,
Je näher er kömmt,
Die andern verdunkelt,
Die Herzen beklemmt.

Die Haare im Fliegen
Er eilet mir zu,
Das Volk träumt von Siegen,
Ich träume von Ruh‘,
Die andern sich deuten
Die Zukunft daraus,
Vergangene Zeiten
Mir leuchten ins Haus.
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Kathrin Schärer: „Da sein“
Was fühlst du?
Hanser Kinderbuch € 12,00

Ein weiterer Glücksfall.
Kathrin Schärer hat schon viele Bilder/Kinderbücher gestaltet und den dort gezeichneten Tieren immer eine sehr persönliches Gesicht gegeben.
Hier geht sie einen Schritt weiter und zeigt auf 30 Bildern Emotionen und Situationen, die wir Alten und die Kleinen sehr gut aus dem Alltag kennen.
Angst, Wut, Freude, Trauer, geborgen sein, mutig sein, beleidigt sein und auch zusammen kuscheln. Die Idee ist zwar nicht neu, aber Kathrin Schärer macht dies so treffend und liebenswert, dass mir das Herz aufgeht.

Schauen Sie in die Leseprobe.

Wenn Ihnen das auch so gut gefällt, dann schicken Sie uns Ihre Adresse und wir schicken Ihnen eine Postkarte von Kathrin Schärer zu.

Montag, 18.Januar

Das Bild hat mir Sabine zugeschickt. Schneemänner auf der Friedrichsaubrücke.


Heute haben
Franz Blei * 1871
Arno Schmidt * 1914
Peter Stamm * 1963
Geburtstag
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Das ist mein größter Einwand gegen Musik, daß Österreicher darin exzelliert haben.
Arno Schmidt
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Das Arno Schmidt Zitat passt wunderbar zu unserem heutigen Buchtipp:


Nicolas Mahler: „Thomas Bernhard“
Die unkorrekte Biografie
Suhrkamp Verlag € 16,00

Das Leben und Werk von Thomas Bernhardt in 99 Bildern. Geht das?
Ja klar. Und wie.
Der Österreichische Comic Zeichner Nicolas Mahler hat schon Bernhards „Alte Meister“ und „Der Weltverbesserer“ adaptiert (davor schon Proust, Alice im Wunderland, Kant, …) und wagt sich jetzt an den ganzen bösen Grantler. Es fehlen natürlich nicht die Tante Hedwig Stavianicek und sein Verleger Siegfried Unseld (mit dem wir im Briefwechsel Bernhard – Unseld schwer mitgelitten haben). Bernhards Beziehung zu seinen Preisen und Ehrungen werden hier genauso erwähnt. Das lässt sich genauer noch in einem seperaten Taschenbuch nachlesen.
Nicolas Mahler fängt die Atmosphäre rund um den Schriftsteller treffend ein. Schon seine Geburt und die ersten Wochen seines Lebens müssen für ihn traumatisch gewesen sein.
Die Texte im Buch sind meist Originalzitate. Auf mehreren Seiten im Anhang gibt Mahler die Quellen dazu an.
So bekommen wir in dieser unkorrekten Biografie einen sehr guten Einblick in das Leben dieses sehr speziellen Autoren und haben mächtig Spaß dabei.

Mittwoch, 2.Dezember


Frank Grillparzer
Dezemberlied


Harter Winter, streng und rauch,
Winter, sei willkommen!
Nimmst du viel, so gibst du auch,
Das heißt nichts genommen!

Zwar am Äußern übst du Raub,
Zier scheint dir geringe,
Eis dein Schmuck, und fallend Laub
Deine Schmetterlinge,

Rabe deine Nachtigall,
Schnee dein Blütenstäuben,
Deine Blumen, traurig all
Auf gefrornen Scheiben.

Doch der Raub der Formenwelt
Kleidet das Gemüte,
Wenn die äußere zerfällt,
Treibt das Innere Blüte.

Die Gedanken, die der Mai
Locket in die Weite,
Flattern heimwärts kältescheu
Zu der Feuerseite.

Sammlung, jene Götterbraut,
Mutter alles Großen,
Steigt herab auf deinen Laut,
Segenübergossen.

Und der Busen fühlt ihr Wehn,
Hebt sich ihr entgegen,
Läßt in Keim und Knospen sehn,
Was sonst wüst gelegen.

Wer denn heißt dich Würger nur?
Du flichst Lebenskränze,
Und die Winter der Natur
Sind der Geister Lenze!
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Das zweite Türle wird aufgemacht.
Auch hier wieder die Frage: Wer verhält sich gar nicht winterlich?

Ganz leicht, oder?
Wenn Sie wollen, schicken Sie uns Ihre Antwort über die Kommentarfunktion (hier unten auf der Blogseite) oder wieder per Mail: info@jastram-buecher.
Die gestrigen Antworten waren alle richtig. Es waren die Naturgedichte, die im Krimiregal nichts zu suchen haben. Ein Kommentar lautete jedoch, dass das mit der Natur im Moment schon ein richtiger Krimi ist. Stimmt!
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Unser Jahresrückblick

Vor einem Jahr brachte uns Rok seinen zweiten Gedichtband, der jetzt (ein Jahr später) in die zweite Auflage gegangen ist.

ROK: „fünf sterne für eine durchzechte nacht“
Eigenverlag € 12,00

billiges zimmer

das zimmer war nicht ohne grund
das billigste mit meerblick
und lavendelduft
das konzert der grillen zur
langsam fallenden dunkelheit
lenkt den blick nach draußen
auf das licht der fischerboote
am schwarzen horizont
einsamkeit der lust
der duft der sonne strömt aus dir
das flüstern der wellen
legt sich auf grün blaue augenblicke
fledermäuse fliegen lautlos
über uns
sie sind auf beute aus
warten auf den alles vernichtenden kuss

exil

in deiner nähe fällt schnee
fällt regen
bricht das eis
kommt sturm auf
starker wind hohe wellen
brennt die luft
heulen die wölfe
singt die nachtigall
kommt die flut

wenn du gehst

wenn du gehst spielt die zeit
verrückt für immer
tritt mich gegen die strömung
milchstraßenblues
der letzte tango der aasgeier
unter gewitterhimmel
die segel zerrissen
geisterschiffe treiben
auf stürmischer see
und ich sehe dein zartes gesicht
verpackt in freiheit
alles brennt
die häuser die felder die wolken
die bäume die blumen
die sehnsucht die kälte