Donnerstag, 15.April

Der Jörg-Syrlin-Schuldino

Heute haben
Wilhelm Busch * 1832
Henry James * 1843
Robert Walser * 1878
Erich Arendt * 1903
Tomas Tranströmer * 1931
Geburtstag
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Wilhelm Busch
Vertraut


Wie liegt die Welt so frisch und tauig
vor mir im Morgensonnenschein.
Entzückt vom hohen Hügel schau ich
ins frühlingsgrüne Tal hinein.

Mit allen Kreaturen bin ich
in schönster Seelenharmonie.
Wir sind verwandt, ich fühl es innig,
und eben darum lieb ich sie.

Und wird auch mal der Himmel grauer;
wer voll Vertraun die Welt besieht,
den freut es, wenn ein Regenschauer
mit Sturm und Blitz vorüberzieht.
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Ferdinand von Schirach: „Jeder Mensch
Luchterhand Verlag € 5,00

Das kleine, schmale Buch von Ferdinand von Schirach ist veröffentlicht und hat für großen medialen Wirbel gesorgt. Ich möchte hier nur diese sechs Grundrechte auflisten und am Ende Ihnen die Möglichkeit zum Unterschreiben geben.

Für neue Grundrechte in Europa

Europäisches Parlament, Europäische Kommission, Regierungen der EU-Mitgliedstaaten

Diese Initiative wird von Stiftung Jeder Mensch e.V. organisiert.

Wir fordern sechs neue Grundrechte

Ein Verfassungskonvent soll die Charta der Grundrechte der Europäischen Union um folgende Grundrechte erweitern:

Artikel 1 – Umwelt

Jeder Mensch hat das Recht, in einer gesunden und geschützten Umwelt zu leben. 

Artikel 2 – Digitale Selbstbestimmung

Jeder Mensch hat das Recht auf digitale Selbstbestimmung. Die Ausforschung oder Manipulation von Menschen ist verboten. 

Artikel 3 – Künstliche Intelligenz

Jeder Mensch hat das Recht, dass ihn belastende Algorithmen transparent, überprüfbar und fair sind. Wesentliche Entscheidungen muss ein Mensch treffen. 

Artikel 4 – Wahrheit

Jeder Mensch hat das Recht, dass Äußerungen von Amtsträgern der Wahrheit entsprechen.

Artikel 5 – Globalisierung

Jeder Mensch hat das Recht, dass ihm nur solche Waren und Dienstleistungen angeboten werden, die unter Wahrung der universellen Menschenrechte hergestellt und erbracht werden. 

Artikel 6 – Grundrechtsklage

Jeder Mensch kann wegen systematischer Verletzungen dieser Charta Grundrechtsklage vor den Europäischen Gerichten erheben.

Hier geht es zur Unterschriftsliste.

Und hier ein Video mit Ferdinand von Schirach:
https://www.zdf.de/nachrichten/video/panorama-schirach-jedermensch-100.html
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Wir haben Unterstützung aus dem hohen Norden bekommen.
Anke Raums Lazy Chicks strampeln mit uns.
Vielen Dank ihr Hühner und grüßt Anke recht schön.

Mittwoch, 3.März

Heute haben
Gudrun Pausewang * 1928
Josef Winkler * 1953
Nicholas Shakespeare * 1957
Isabel Abedi * 1967
Geburtstag.
Aber auch Jan Garbarek, Miriam Makeba, Antonio Vivaldi und Gesine Cresspahl.
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Winfried Hermann Bauer
Der Panther

angelehnt an das Gedicht „Der Panther“ von Rainer Maria Rilke

Ihm ist, als ginge er im Geist zurück
nur die Erinnerung hält
Als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt

Das Hin und Her trübt seinen Blick
gequält, betäubt, ins Licht gerückt
Zuckt er und bebt und lauscht gespannt
Eigensinnig, stur, in sich verrannt

Spürt er noch immer seine Kraft
Und mit geschmeidig starkem Schritte
Dreht er sich und tanzt um jene Mitte
Die ein großer Wille schafft
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Neue Sachbücher und Romane frisch ausgepackt:

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Jaroslav Rudiš, Nicolas Mahler: „Nachtgestalten
Luchterhand Verlag € 18,00

© APA Jaroslav Rudis und Nicolas Mahler

Da haben sich zwei gefunden. Da hält vor Jahren Jaroslav Rudiš eine Laudatio auf Nicolas Mahler, als dieser den Preis der Literaturhäuder bekommt und Jahre später revanchiert sich Mahler und laudiert Rudiš, der den gleichen Preis bekommt. Jetzt ist ihr erstes gemeinsames Werk herausbekommen und ich bin begeistert. Großartig, wie die beiden Figuren mit ihren großen Nasen (wir kennen die Nasen schon aus der Thomas Bernhard Biographie von Nicolas Mahler, die hier auf dem Blog vor ein paar Wochen vorgestellt worden ist) durch das nächtliche Prag flanieren und reden und reden und Bier trinken und reden und Bier trinken und: Es wird auch viel geschwiegen. Nur der Mond beleuchtet die Nachtszenen und begleitet mit uns die Beiden.
Beim Lesen und Anschauen dieser Graphic Novel bekam ich Lust auf ein golden leuchtendes tschechisches Bier. Das hätte zum vollkommenen Leseglück noch gefehlt.

Leseprobe

Nicht verpassen:
Am Montag, den 15.März um 19.30 Uhr können Sie virtuell und online dabei sein, wenn „im“
Literaturhaus Stuttgart Andreas Platthaus ein Gespräch mit den Beiden moderiert.
Karten gibt es für € 5,00 hier:  https://stream.reservix.io/e1651403/
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Derzeit im Stadthaus-Fenster in Ulm:

The Road to Ulm
Auf dem Weg von Ucross zur Geisterstadt Ulm, Wyoming
Fotografiert von Laurie Schwartz


Laurie Schwartz und die Geisterstadt Ulm, Wyoming Amerika um 1900. Im unberührten Clear Creek Valley hält der technische Fortschritt Einzug, die Eisenbahn wird verlegt. In der Weite des Westens sprießt ein Städtchen namens Ulm wie aus dem Nichts aus dem Boden. Das war die Boom-Periode von Sheridan County; Menschen kamen zuhauf, und sie gingen bald wieder – bis zum heutigen Tage. Geblieben sind knapp 2500 Bewohner, vier pro Quadratkilometer. In Ulm weht nur noch der Wind durch die Straßen, schon seit den 1960er Jahren wohnt hier niemand mehr. Ulm war der Musikerin und Komponistin Laurie Schwartz ein Begriff, das schwäbische Ulm. 2018 hatte sie hier im Stadthaus beim Festival neue Musik mitgewirkt. Das Geister-Ulm entdeckte sie bei Ucross am Fuß der Bighorn Montains, wo sie Gast war eines Künstlertreffpunkts. Mit ihrer Kamera zog sie los und fotografierte, was sie in Ulm, Wyoming, fand: Endlos erscheinende Straßen, weite Landschaften, verlassene Holzhäuser, Wegweiser in the Middle of Nowhere, verstreute Viehherden – und Überwachungskameras, damit in der Weite sich verirrende Seelen gefunden werden können. Laurie Schwartz, geboren in Northampton, Massachusetts (USA), lebt seit Anfang der 1980er Jahre in Berlin mit Zwischenstation in Italien. Ihre Werke umfassen Field Recordings, Interviews, gesprochene Texte, Gestik, Choreografien und Video in den Kompositionen, oft in Kombination mit elektronisch verstärkten Stimmen und/oder Instrumenten.

Karla Nieraad

     

Dienstag

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Heute haben
Bertha von Suttner * 1843
Rudolf Borchardt * 1877
Richard Friedenthal * 1896
Curzio Malaparte * 1898
Jurij Brezan * 1916
Patricia Cornwell * 1956
Wolfram Fleischhauer * 1961
Geburtstag
und Tex Rubinowitz liest ab 19:30 in der Museumsgesellschaft in Ulm.

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Zitate von Bertha von Suttner:

Nach „lieben“ ist „helfen“ das schönste Zeitwort der Welt.

Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.

Die Waffen nieder!

Die Macht erzeugt Übermut.

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Unser Buchtipp für heute und überhaupt.
Ein Roman für diejenigen, die mehr wissen wollen über die glücklichen jungen Paare und Familien, wie wir sie auf sehr witzige Weise im Buch „Altes Land“ kennengelernt haben.

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Kristine Bilkau: „Die Glücklichen“
Luchterhand Verlag € 19,99

Isabell und Georg haben alles erreicht. Sie spielt Cello in einem Orchester und Georg hat einen tollen Job als Journalist. Als sie ihren Sohn Mtti bekommen, scheint das Glück perfekt zu sein. Die beiden haben sich ihren Alltag gut aufgeteilt. Wenn Isabell abends spielt, passt Georg auf Matti auf. Dazu kommt immer wieder ein Mädchen, die mit dem Kleinen spazierengeht, oder ihn ins Bett bringt, wenn beide Abendtermine haben. Sie ernähren sich gesund, achten auf ein nachhaltiges Leben und sind mit sich im Reinen. Das Viertel ist voll mit den passenden Geschäften, genau für dieses Klientel und wir kennen diese Beschreibungen aus dem oben genannten Roman „Altes Land“. Dörte Hansen hat in ihrem Buch einen sehr frechen, witzigen, bissigen Ton angeschlagen, Kristine Bilkau dagegen einen warmen, ruhigen, mitfühlenden. Wir sind ganz nah bei ihren Personen, sehen, wie sie mit Matti spielen und sich das Glück einreden wollen, obwohl sich dunkle Wolken über ihnen zusammenziehen. Nach der Geburt von Matti steigt Isabell wieder im Orchester ein, aber ihre Hände zittern, wenn sie im Orchestergraben sitzt und ihr Solo spielen soll und bei Georg stehen Kündigungen an. Bei beiden beginnt es im Kopf zu rattern. Wie überstehen wir die kommende Zeit, wie stehen wir vor unseren Freunden da? Dort ist doch überall heile Welt. Bei Kleinkindtreffen im Café haben die befreundeten Mütter keinerlei Probleme mit ihrem Nachwuchs. Was sich hinter deren Fassaden abspielt bekommen wir jedoch auch am Rande mit. Plötzlich hängt ein Kronleucher im Flur und eine Mieterhöhung liegt im Briefkasten. Es scheint, als stürzt diese Idylle wie ein Kartenhaus zusammen. So denken die beiden. Jeder für sich. Keiner spricht mit dem anderen. Sie gehen sich aus dem Weg. Was zu Beginn des Romanes kleine Geplänkel waren, sind nun große Probleme, die in Streitereien ausarten. Kristine Bilkau versteht es jedoch, dass ihr die zwei Figuren nicht gänzlich entgleiten, dass sie immer noch eine starke Verbindungen zueinander haben. Sie lässt sie diese Klippen irgendwie umschiffen, sie schaffen es mit der Mutter von Georg ins Klare zu kommen und diese beiden können mit ein wenig Glück nach diesem Buch besser mit Niederlagen, Hoffnungen und Träume umgehen und in eine gemeinsame Zukunft schauen.
Kristien Bilkau hat ein sehr intensives Buch geschrieben, mit einer Leichtigkeit in der Sprache, das präzise aufdeckt, was in den Köpfen junger Menschen vor sich geht, deren Zukunft so unsicher, ihre Arbeitswelt kräftezehrend und ihre Umwelt von vielen Begehrlichkeiten geprägt sind, mit denen sie in den Medien überschüttet werden.
Ein gelungenes Debüt und ein klasse Roman.

Ein kurzes Interview mit Kristien Bilkau

Interview am 3sat-Stand auf der Leipziger Buchmesse:
http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=49990