Mittwoch, 10.Januar

Heute haben
Karel Capek * 1863
Leonardo Sciascia * 1921
Geburtstag
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Im Duden Gedichtekalender gefunden:

Arno Holz

Ich liege noch im Bett und habe eben Kaffee getrunken.
Das Feuer im Ofen knattert schon,
durchs Fenster,
das ganze Stübchen füllend,
Schneelicht.

Ich lese.

Huysmans. Là Bas.

. . . Alors,
en sa blanche splendeur,
l’âme du Moyen Age rayonna dans cette salle . . .

Plötzlich,
irgendwo tiefer im Hause,
ein Kanarienvogel.

Die schönsten Läufe!

Ich lasse das Buch sinken.

Die Augen schliessen sich mir,
ich liege wieder da, den Kopf in die Kissen – –
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Unser Buchtipp:

Das Leuchten der Bäume
Die schönsten Geschichten und Gedichte
Herausgegeben von Lucas Walter
Fischer Taschenbuch € 12,00

„Das Leuchten der Bäume“ ist die ultimative Baum-Anthologie und lässt die Freundschaft zwischen Baum und Mensch erblühen. Oha! Das schreibt der Verlag zu dieser Anthologie. Na, wenn das mal nicht verkaufsträchtig ist.
Bäume, Bäume, Bäume. Vor lauter Waldbücher sehe ich schon keine Baumbücher mehr. Das Thema der letzten Jahre ist der Baum. Schon mag man kein Buch mehr in die Hand nehmen, auf dem so ein Blattträger zu sehen ist.
Und doch ist dieses Taschenbuch ein kleiner Schatz an Gedichten, Erzählungen, Romanausschnitten. Ein Reise um die Welt der Literatur und durch die Zeiten der Geschichte. Haikus und moderne Gedichte, Mythen und Sagen sind vertreten, wie auch Zitate aus verschiedenen Religionen. Franz Kafka und Italo Calvino. Goethe darf nicht fehlen und die komplette Nationalmannschaft der Romantiker. Japanischer Kirschblütenregen finden Sie hier genauso wie ferne Kokospalmen und Rilkes Apfelgarten.
Mit Texten u.a. von Virginia Woolf, W.G. Sebald, László Krasznahorkai, Kenzaburō Ōe, Goethe, Konfuzius und Basho.

Hier ein paar wenige Gedichtbeispiele aus dem Buch:

Franz Kafka
Die Bäume

Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.

Johann Wolfgang von Goethe

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie
und grün des Lebens goldner Baum.

Konfuzius

Wer einen Baum pflanzt, wird den Himmel gewinnen

Heinrich Heine

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh‘.
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die, fern im Morgenland,
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

Dienstag, 9.Januar

Heute haben
Karel Capek * 1890
Kurt Tucholsky * 1890
Simone de Beauvoir * 1908
Heiner Müller * 1929
Klaus Schlesinger * 1937
Geburtstag
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Kurt Tucholsky
Imma mit die Ruhe!

Wenn ick det sehe, wat se so machn,
wie se bei de jeringsten Sachn
sich uffpustn, det man denkt, se platzen –
wie se rot anlaufn, bis an die Jlatzen,
ahms spät un morjens um achte –:
sachte! sachte!
Warum denn so furchtbar uffjerecht?
Wir wem mal alle inn Kasten gelecht.

Wissen Se, ick wah mal dabei –
da hattn se uff de Polessei
eenen Selbstmörda, jänzlich nackt,
in eenen murksijen Sarch jepackt.
Die hatten det eilich! Un ick dachte:
Sachte! Sachte!
Un der Anblick hat sich mir injeprecht:
Wir wern mal alle inn Kasten jelecht.

Janich reliejöhs.
Wie soll ick det sahrn … ?
Ick kann det Jefuchtel nich vatrahrn.
Wir komm bei Muttan raus mit Jeschrei,
un manche bleihm denn auch dabei.
Wenn ick mir det so allens betrachte:
Imma sachte!
Mal liechste still. Denn wird ausjefecht.
Un wir wern alle inn Kasten jelecht.

Theobald Tiger
Die Weltbühne, 06.10.1931, Nr. 40, S. 525.
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Die Karte meiner Träume
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Schauspieler: Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum Keith Rennie, …
F/CDN 2013, FSK ab 0, DVD-Video, Dt/eng, UT: Dt
DVD € 12,99

Der Regisseur Jean-Pierre Jeunet entführt uns mit dem märchenhaften Abenteuerfilm „Die Karte meiner Träume“ in die skurile Welt des kleinen zehnjährigen Wissenschaftlers T.S. Spivet. „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ist vom selben Filmemacher und wir merken es diesem sehr liebevollen Film auch an. Trauer und Witz, Einsamkeit und Familie, eigenwillige Charaktere und ein sehr starker Hauptdarsteller sind beiden Filmen gemeinsam. Herrliche Farben, tolle Aufnahmen und graphische Einschübe lassen uns gebannt auf den Bildschirm schauen. Die Weite der Landschaft, in der die Familie auf ihrer Farm in Montana wohnt, die Reise mit dem Zug durch Canyons, entlang von Flüssen sind schon meisterhaft gefilmt. Als der Zug dann in Washington hält ist dies leider vorbei und auch die Art des Filmes ändert sich.
Wie Sie schon im Trailer gesehen haben, besteht die Familie um T.S. aus lauter sehr speziellen Persönlichkeiten. Aber so ist das halt in Familien. Und wenn dann noch ein Todesfall dazukommt, werden die jeweiligen Charkaterzüge noch markanter. Und mitten drin T.S., der ganz spezielle Talente hat, über die seine Familie den Kopf schüttelt, ihm aber eine Einladung in die große Stadt beschert. Dass es zum Schluß natürlich ein glückliches Ende gibt, ist klar und freut uns natürlich umso mehr, nachdem die Familie fast am Auseinanderkrachen war.

zum Film gibt es / gab es einen Soundtrack mit all den wunderbaren tollen Country Melodien. Gute Unterhaltung.

Ach, fast vergessen: Der Film beruht auf den sehr schön gestalteten, gleichnamigen Roman von Leif Larsen.
Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall. Fast schon ein Muss.

Freitag, 27.Oktober

Heute haben
Dylan Thomas * 1914
Sylvia Plath * 1932
Gerd Brantenberg * 1941
Margaret Mazzantini * 1961
Zadie Smith * 1975
Geburtstag
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Heute am 27.10.auf dem Duden Gedichtekalender

Ferdinand Raimund
Das Hobellied

Da streiten sich die Leut herum
oft um den Wert des Glücks,
der eine heißt den andern dumm,
am End weiß keiner nix!
Da ist der allerärmste Mann
dem andern viel zu reich,
das Schicksal setzt den Hobel an
und hobelt alle gleich!

Die Jugend will halt stets mit Gwalt
in allem glücklich sein.
Doch wird man nur ein bisserl alt,
da findt man sich schon drein!
Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus! –
Das bringt mich nicht in Wut.
Da klopf ich meinen Hobel aus
und denk, du brummst mir gut!

Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub
und zupft mich: „Brüderl, kumm!“
Da stell ich mich am Anfang taub
und schau mich gar nicht um!
Doch sagt er: „Lieber Valentin,
mach keine Umständ, geh!“
Da leg ich meinen Hobel hin
und sag der Welt ade.
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Charles Bukowski:Keinem schlägt die Stunde“
Stories
Aus dem Amerikanischen von Malte Krutzsch
S.Fischer Klassik  € 25,00

Wie es so ist, wenn bei verstorbenen Schirftstellern geplündert wird. Alle Schubladen werden geöffnet, Zeitschriftentexte veröffentlicht und Bücher mit Briefen auf den Markt gebracht. Vor einem halben Jahr veröffentlichte der Verlag Kiepenheuer & Witsch „Briefe an meine Weggefährten und Gönner“, jetzt bringt der S.Fischer in seiner Klassik-Reihe einen weiteren Band von Bukowski-Erzählungen.
Der Titel ist frech und zielt natürlich auf den berühmten Hemingway-Text und frech und derbe geht es auch in vielen seiner Erzählungen zu. Über 40 Jahre seines Schaffens können wir hier nachlesen und entdecken immer wieder Persönliches und Intimes und zwischen Zeilen auch Zärtliches.
Er schreibt über das Alleinsein und die Suche nach Nähe und Geborgenheit, was in der in der us-amerikanischen Gesellschaft nicht immer einfach ist und somit immer wieder zu Abstürzen führt. Ein Leben außerhalb der Norm, ein Leben als Deutsch-Amerikaner, als Schriftsteller ohne geregelter Arbeit, war in den biederen 50er Jahren mehr als schwierig.
In dieser Sammlung finden wir in diesen kurzen Geschichten strahlende Perlen, aber auch Texte, die nicht unbedingt veröffentlicht werden müssen.
Trotzdem: Ein Buch nicht nur für Bukowski-Fans, sondern ein Buch, aus dem wir immer wieder ein Geschichte herauspicken können und damit kurze Zeit aus unserem geregelten Alltag verschwinden können.
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Passend dazu dieser Abend bei uns in der Buchhandlung:
Benno Käsmayr war der erste Bukowski-Verleger in Deutschland und hat sicher einige Geschichten zu diesem Autoren parat.

Freitag, 3.November um 19:00 Uhr
Im Rahmen der Woche der unabhängigen Buchhandlungen:
„Vom Dachzimmer zum Kurt Wolff Preis“
Ein Abend mit Benno Käsmayr und seinem Maro Verlag
Eintritt frei