Samstag, 16.Januar

Heute haben
Aleksandar Tisma * 1924
Susan Sontag * 1933
Inger Christensen * 1935
Reinhard Jirgl * 1953
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
In Quarantäne

Keine Stube ist kälter
Als dieses keimtote Zimmer auf Zeit
Die eingesperrte Luft riecht nach Sagrotan
Ich kann die Heizung nicht hochdrehen
Keinen Scheit ins Feuer legen
Die Angst sucht sich vergeblich einen Herd
hinter den sie sich ducken kann

Mein bleiches Spiegelbild
Lugt nach dem Tulpenblut an der Wand
Aber das verführerische Leuchten hinter Glas
Tut nur so als ob
Anders als die Eisblumen am Fenster
Die ich aus Gründen des Infektionsschutzes
nicht begreifen darf

Dabei giere ich
Nach Berührung
Nach dem Salz auf deiner Haut
Nach dem Glanz deiner Lippen
Ich will spüren, riechen, schmecken
Keine Kopie auf kaltem Display
sondern selig-verschwitzt eintauchen in die Fülle des Seins

(eine aktualisierte Version des Gedichtes während seiner Zeit der Chemotherapie)
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Neue Taschenbücher von Suhrkamp und Insel gerade ausgepackt:


Selten habe ich so viele, große Besprechungen, Interviews für ein Buch wahrgenommen, das noch gar nicht auf deutsch erschienen ist. Gut so, dass für diesen Roman in dem Maß die Werbetrommel gerührt wird. Gestern zum Beispiel im Magazin der Süddeutschen Zeitung.


Bernardine Evaristo: „Mädchen, Frau etc.“
Klett Cotta / Tropen Verlag € 25,00

Das Buch soll am 23.Januar erscheinen. Wir haben einen kleinen Stapel bestellt und freuen uns jetzt schon, dieses Buch zu verkaufen.

Hier geht es zur Leseprobe.

Freitag, 15.Januar

Kunst auf dem Recyclinghof


Heute haben
Moliere * 1622
Franz Grillparzer * 1791
Walter Serner * 1889
Ossip Mandelstam * 1891
Franz Fühmann * 1922
Geburtstag
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Franz Grillparzer
Sorgenvoll

Mein Kummer ist mein Eigentum,
Den geb ich nicht heraus.
Was gut wohl sonst an mir und schlimm,
Besitzt und teilt! Das hab und nimm!
Mit ihm nur halt ich Haus.

Und wie der Geizge seinen Schatz
Des Nachts besieht bei Licht,
So zähl ich ihn, wenn alles Ruh,
Entsprungne Körner leg ich zu
Und lausch und atme nicht.

Und kommts zu sterben, leg ich ihn
Als Obol in den Mund,
Vielleicht zahlt er den Fährmann mir
Und zähmt das Frohen neidsche Tier,
Des schwarzen Orkus Hund.
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Dank Jürgen Kanold, der dieses Buch gestern in dern Ulmer Südwestpresse groß und überschwenglich besprochen hat, habe ich mir gestern abend das Buch geschnappt und hatte einen sehr vergnüglichen Lektüreabend.


Julian Barnes: „Der Mann im roten Rock
Deutsch von Gertraude Krueger
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 24,00

Julian Barnes begann diesen Roman im Jahr 2019 zu schreiben, als in England die Brexit-Verhandlungen die Stimmung im Lande aufheizten. „Chauvinismus ist eine Erscheinungsform der Ignoranz“, schreibt er als ersten Satz in seinem kurzen Nachwort. Dabei ist er auf Dr. Samuel Pozzi (1846–1918) gestoßen, einem Arzt, Lebemann, Übersetzer, Reisender, Liebhaber, ach was weiß ich nicht noch alles. Ach ja: Sammler. Dass er durch eine Kugel sterben musste, nimmt Barnes gleich vorne weg und nimmt uns mit auf eine Reise durch das Paris der Belle Époche. Humorvoll, spritzig, geistreich und klug, mit vielen Fotos und Porträts versehen, mäandern wir durch diese Zeit, genießen die Menge an Namen, die auftauchen, ähnlich wie bei Illies´“1913″ und staunen immer wieder über die Menschen, die sich in diesen hohen Kreisen bewegten. Barnes verknüpft, erläutert (u.a. das franz. System der standesgemäßen Verheiratung, des standesgemäßen Kinderproduzieren und der danach folgenden Liebschaften), spinnt ein großes Netz und zeigt sich als sehr wissensbegieriger und wissenreicher Mensch, der uns schon auf den ersten Seiten eine kunsthistorische Bildbetrachtung des Porträts auf der Titelseite präsentiert.
Ein Genuß.

Leseprobe
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Das Abholen am Buchladen klappt ganz gut.
Wenn Sie uns bei der Bestellung ein (vorgeschriebenes) Zeitfenster angeben, erfüllen wir auch noch diese Corona Verordnung.
Vielen Dank.

Bitte denken Sie daran, dass wir während des Lockdowns am Samstag nur von 9 bis 13 Uhr geöffnet haben.

Donnerstag, 14.Januar

Unermüdlich schiebt unser Postle seinen schwer beladenen Wagen durch die schneebedecken Straßen und Gassen in unserem Quartier. Und immer ist der guter Dinge.

Heute haben
John Dos Passos * 1896
Anatoli Rybakow * 1911
Rudolf Hagelstange * 1912
Yukio Mishima * 1925
Marek Hlasko * 1934
Andreas Steinhöfel * 1962
„Mann Mann Mann“, würde Rico sagen.
Geburtstag
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Das Gedicht hatte ich letztes Jahr auf dem Blog.
Ich musste schmunzeln, wie sich das jetzt in unserer Lockdown-Digitalunterrichtszeit anfühlt.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
Der Weg zur Schule

Im Winter, wenn es frieret,
Im Winter, wenn es schneit,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so weit.

Und wenn der Kuckuck rufet,
Dann ist der Frühling da,
Dann ist der Weg zur Schule
Fürwahr noch mal so nah.

Wer aber gerne lernet,
dem ist kein Weg zu fern,
Im Frühling wie im Winter
Geh´ ich zur Schule gern.
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Es schneit und schneit. Das Blinklicht der Schneeschieber erleuchtet mein Zimmer.
Als Ausgleich passt die Musik von Till Brönner.
Allein schon das Cover der CD lässt an Sommer denken.

Till Brönner & Bob James: „On Vacation
Masterworks € 21,90


Der deutsche Trompeter und der US-amerikanischer Pianist träumen von Urlaub.
Letzten Oktober kam die Scheibe heraus und die beiden wollen uns gezielt aus der Tristesse
des sehr speziellen Alltags entführen. Brönners Musik tut gut, fließt; ein bißchen Latin, etwas Fusion, leichte Beats und Brönners Gesang wie von Chat Baker. Im Hintergrund eine tolle Band, u.a. mit Wolfgang Haffner.
Aufgenommen in Südfrankreich und ich kann mir gut vorstellen, wie der schicke Brönner locker am Pool sitzt und durch die Blätter der Platanen in die Sonne blinzelt.