Mittwoch, 27.März

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Heute haben Geburtstag:
Heinrich Mann * 1871
Golo Mann * 1909
Hansjörg Schneider * 1938
Harry Rowohlt * 1945
Patrick McCabe * 1955
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Selma Meerbaum-Eisinger
Frühling

Sonne. Und noch ein bißchen aufgetauter Schnee
und Wasser, das von allen Dächern tropft,
und dann ein bloßer Absatz, welcher klopft,
und Straßen, die in nasser Glattheit glänzen,
und Gräser, welche hinter hohen Fenzen
dastehen, wie ein halbverscheuchtes Reh …

Himmel. Und milder, warmer Regen, welcher fällt,
und dann ein Hund, der sinn- und grundlos bellt,
ein Mantel, welcher offen weht,
ein dünnes Kleid, das wie ein Lachen steht,
in einer Kinderhand ein bißchen nasser Schnee
und in den Augen Warten auf den ersten Klee …

Frühling. Die Bäume sind erst jetzt ganz kahl
und jeder Strauch ist wie ein weicher Schall
als erste Nachricht von dem neuen Glück.
Und morgen kehren Schwalben auch zurück.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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John Ironmonger: „Der Wal und das Ende der Welt“
Aus dem Englischen von Maria Poets und Tobias Schnettler
S.Fischer Verlag € 22,00

Ein kleines Fischerdorf an der englischen Südküste, abgelegen idyllisch, kaum von Touristen besucht und in den Wintermonaten sind die Bewohner unter sich . Es passiert nicht viel, jeder kennt jeden, es wird viel getrascht und die Dorfschule hat auch nur noch eine Hand voll Kinder, die Lehrerin befürchtet die baldige Schließung.
Neues Leben kommt ins Dorf an dem Tag als Joe, ein Banker aus London an Land gespült wird. Fast alle sind bei seiner Rettung dabei und der pensionierte Dorfarzt nimmt ihn bei sich auf. Er ist der geheimnisvolle Fremde und der Besitzer des teuren Autos, das verlassen auf dem Dorfparkplatz stand. Ein Analyst, dessen Leben fast nur noch aus Zahlen und Berechnungen bestand und der sich letztendlich für den den Kollaps seiner Bank verantwortlich fühlte.

„In dem Dorf St.Piran erzählt man sich noch immer von dem Tag, als der nackte Mann am Strand angespült wurde. Es war der selbe Tag an den Kenny Kennet den Wal sah. Manche sagen, es sei ein Mittwoch gewesen. Andere scheinen sich ganz sicher zu sein, dass es ein Donnerstag war. Und zwar Anfang Oktober. Vielleicht aber auch Ende September, doch im Durcheinander der Tage und Wochen, die folgten, dachte niemand daran, alles aufzuschreiben. Manche Dorfbewohner behaupteten, sie erinnerten sich an jede Einzelheit, und sie alle erzählen von dem nackten Mann, und sie alle erzählen von dem Wal.“

Ein toller Roman mit liebenswerten Menschen, einem großen Wal und einem Kirchturm voller Proviant.

Leseprobe

Freitag, 20.Juli

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Heute haben
Pavel Kohout * 1928
Uwe Johnson * 1934
Geburtstag
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20.Juli, 1968 Saturday South Ferry Day

Am ausführlich gedeckten Tisch des Frühstücks (für D.E. die amerikanische Fassung), gegenüber dem festtäglich beschienenen Park, ist uns die New York Times in die Quere gekommen; fast wären wir abgerutscht in einen Streit.

Uwe Johnson: Jahrestage
Beginn des Eintrages zum 20.Juli
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Susanne Straßer:Der Wal nimmt ein Bad
Peter Hammer Verlag € 14,90
Bilderbuch mit dicker Pappe ab 2 Jahren

Der Wal liegt genüsslich in der Wanne und möchte in Ruhe ein Bad nehmen. Da steht die Schildkröte in der Tür. „Mein Rücken tut weh“, jammert sie. „Kann ich auch in die Wanne?“.“Na gut“ sagt der Wal, „Komm rein und entspann dich“
Dann kommt der Biber, der Flamingo, der Eisbär und das Kind mit dem grossen Schiff will auch noch rein. Von Entspannung keine Spur mehr, da taucht der Wal ab und ……..
Ein herzerfrischendes, nasses Bilderbuch für die Kleinsten und auch wir Grossen haben unseren Spass!

Ins Buch spickeln
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Mittwoch

Heute haben
Joris-Karl Huysmans * 1848
George Saiko * 1892
Henriette Hardenberg * 1894
William S. Burroughs * 1914
Richard Yates * 1926
Inka Parei * 1967
Terézia Mora * 1971
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Wal

Selja Ahava: „Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm
mare Verlag € 20,00
Aus dem Finnischen von Stefan Moster, der selbst ausgezeichnete Romane schreibt.

Es ist eines dieser Bücher, in das wir uns sofort verlieben. Der Titel lässt einige Fragezeichen aufkommen, das Bild vielleicht auf etwas Japanisches schließen und der Autorenname Selja Ahava bringt uns auch nicht viel weiter. Sie wurde 1974 geboren, studierte Dramaturgie an der Theaterhochschule Helsinki und schrieb Drehbücher für Filme und Fernsehserien sowie Hörbücher, bevor sie diesen Roman veröffentlichte. Selja Ahava hat fünf Jahre in London verbracht und lebt seit ihrer Rückkehr nach Finnland mit ihrer Familie in Porvo. So kommen wir der Sache schon etwas näher und können erahnen, was es mit dem Titel auf sich hat.
In 45 Kapiteln auf ca. 220 Seiten, erzählt uns die Autorin aus dem Leben von Anna, die hochbetagt in einem Londoner Altenheim lebt und so langsam die Erinnerungen durcheinanderbringt, oder auch ganz verliert.
Aufgewachsen ist sie in Finnland, gelebt hat sie im Sommer auf einer kleinen Insel, einer Schäre. Das Holzhaus, in dem sie wohnten, war sehr karg eingerichtet und gerade dieses Einfache war es, was ihr und ihrem Mann Antti gefallen hat. Nach einem tragischen Unfall verliert sie den Boden unter den Füßen und beginnt wieder sich ein neues Leben zu gestalten. Anna Lehtonen fischt in ihrem Gedankenmeer, bringt viel durcheinander, sieht manche Dinge anders, als sie vielleicht wirklich waren. Erinnert sich an den selben Vorfall jedesmal etwas anders. Die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch sortiert, sondern purzeln bunt gemischt durcheinander. Als LeserIn stolpern wir das eine oder andere Mal über Passagen, die wir schon kennen, aber etwas anders wiedergegeben werden. Es entstehen Gedächtnislücken, die Anna mit viel Phantasie selber ausfüllt. Oft mit Wunschgedanken, wie es hätte sein können. Aber sie erinnert sich natürlich noch an den Wal, der seinerzeit die Themse hochgeschwommen ist, da er sich verirrt hatte, da er verwirrt war. Selja Ahava erzählt dies in einer einfachen poetischen, ruhigen Sprache, nimmt uns mit auf eine Zeitreise, die mich sehr gefesselt hat. Alles in allem ein gelungenes Buch, sowohl vom Inhalt, als auch von der Ausstattung.
Finnland ist Messeschwerpunktland auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und ich wünsche diesem Buch und seiner Autorin einen großen Sack voll Anerkennung, Lob und einen riesigen Umsatz.

Leseprobe
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