Mittwoch, 19.September

 

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Heute haben
William Golding * 1911
Carlo Fruttero * 1926
Stefanie Zweig * 1932
Geburtstag.
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Heinrich Heine

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all‘:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Delphine de Vigan:Loyalitäten
Aus dem Französischen von Doris Heinemann
DuMont Verlag € 20,00

Delphine de Vigans neuer Roman liest sich wie ein Psychothriller. Die Figuren: der zwölfjährige Théo, sein Freund Mathis, seine Lehrerin Hélène und Cécile, Mathis´ Mutter. Alle haben sie einen Beziehungs-Pakt geschlossen, der sie zur Loyalität gegenüber anderen zwingt und sie damit gefangen und handlungsunfähig macht.
Im Zentrum geht es um Théo, dessen Eltern ihn seit deren Trennung wochenweise hin und her schieben. Seine Mutter lebt ihre Abscheu gegen den Vater offen aus und bringt Théo damit zum Verstummen. Théo beschützt seinen Vater, wie jedes Kind seine Eltern schützt und erzählt seiner Mutter nichts von dessen Zerfall und der Verwahrlosung, mit der er allein gelassen wird.
Auch Théos Lehrerin Hélèn hat ihren Vater geschützt, der sie schlug und sie fürs Leben zeichnete. Jetzt ist sie erwachsen und alt genug, um sich zu befreien aus der falsch verstandenen Loyalität. Die alte Wut kommt hoch und sie setzt alles daran, um Théo zu helfen. Doch die äußeren Widerstände sind groß.
Théo sucht, in Begleitung seines Freundes Mathis, Trost und Vergessen im Alkohol. Den besorgen sie sich über ältere Freunde vom geklauten Geld aus Céciles Handtasche. Mathis macht mit, weil er bei seinem Freund sein möchte, obwohl ihm das alles nicht geheuer ist. Je mehr sie konsumieren, umso mehr wünscht er sich Theo zu helfen. Aber das wäre Verrat an seinem einzigen Freund. Und so schweigt auch er.
Cécile widerum erkennt irgendwann sehr genau, auf welchen unausgesprochenen Regeln ihre Ehe beruht. Auch sie hat eine Familiengeschichte, die sie mit Schuld und Scham belastet und sie bisher zum sprachlosen Anhängsel ihres Mannes gemacht hat. Doch dann entdeckt sie dessen monströses Doppelleben und ergreift ihre Chance.
An Théos Geschichte entlang entwickelt sich der Roman, die Ereignisse werden immer drängender. Ob Mathis und Hélèn es schaffen ihm zu helfen, bleibt bis zur letzten Seite ungewiss.
Die Autorin seziert in ihrem rasanten und tollen Roman präzise und erbarmungslos, wie wir alle verstrickt sind in Beziehungsmustern, die manchmal aufgebrochen werden müssen, um Leben zu retten. Und sei es bloß das eigene.
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Heute abend:
Mittwoch, 19.September um 19 Uhr
Gedichte gegen den Krieg

Im Rahmen der Friedenswoche Ulm
Mit Thomas Hohnerlein & Reinhard Köhler
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Freitag, 14.September

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Heute haben
Theodor Storm * 1817
Michel Butor * 1926
Ivan Klima * 1931
Eckhard Henscheid * 1941
Uli Becker * 1953
Geburtstag
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Theodor Storm
Gern schließ ich einmal meine Türen

Gern schließ ich einmal meine Türen,
Um auf des Nachbars Grund zu gehn;
Doch muß ich deutlich dort verspüren
Den Duft des Kräutleins »Gerngesehn«.
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Lucas Harari:Der Magnet
Aus dem Französischen von Christoph Schuler
Handgelettering von Michael Hau
Edition Moderne € 32,00

Vals in der Schweiz, das berühmte Bad, die Farbe Blau, der Architekt Zumthor, das alles lässt Bilder im Kopf entstehen, auch wenn man noch nicht dort gewesen ist.  So geht es auch dem Architekturstudenten in dieser großformatigen Graphic Novel, der von diesem Ort magisch angezogen wird. Normalerweise geht es dann zum Baden und Entspannen, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist. Hier entwickelt sich das ruhige Buch zu einem Gebirgsthriller und taucht ein in ein dunkles Geheimnis hinter dem Designerbecken.

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Donnerstag, 13.September

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Heute haben
Jaroslav Seifert * 1901 (Nobelpreis 1984)
Per Olov Enquist * 1934
Antonio Tabucchi * 1943
Geburtstag.
Aber auch Bruce Springsteen, Romy Schneider und Ray Charles.
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Friedrich Nietzsche
Nun, da der Tag

Nun, da der Tag
des Tages müde ward und aller Sehnsucht Bäche
von neuem Trost plätschern,
auch alle Himmel, aufgehängt in Gold-Spinnetzen,
zu jedem Müden sprechen: Ruhe nun!“
was ruhst du nicht, du dunkles Herz,
was stachelt dich zu fußwunder Flucht …
wes harrest du?
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Alessandra De Respinis:Cicchettario
Die legendären Rezepte aus dem Al Bottegon in Venedig
Mit einem Nachwort von Hanns-Josef Ortheil
Übersetzt von Lotta Ortheil.
Mit 70 Federzeichnungen von Roberta Boncompagni
Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung € 20,00

„Ein cicchetto ist ein schneller, appetitanregender Happen, der im Stehen gegessen wird. Eine ombra ist ein Glas Weiß- oder Rotwein, das man zur Stunde des Aperitifs zu sich nimmt, um sich von der Mittagshitze zu erholen. Ein bàcaro ist ein Lokal, wo man einen cicchetto probiert, eine ombra trinkt und ein Schwätzchen mit Freunden hält.“

So erklärt Alessandra De Respinis, Padrona der alteingesessenen Weinbar Al Bottegon
in Venedig, das Alltagsritual von ombra und cicchetto. Seit bald fünfzig Jahren
gibt es diese Institution. Den ombra habe ich in Venedig kennengelernt, von der Bar und den kleinen Häppchen habe ich erst in diesem Büchlein gelesen.
70 Rezepte sind in diesem Cicchettario zusammengestellt. Zu jedem Rezept wird der passende Wein oder Prosecco empfohlen.
Und nun kommt Hanns-Josef Ortheil ins Spiel. Seit Jahrzehnten ist er Stammgast im Bottegon und erklärt uns im Nachwort, was sich hinter den Rezepten versteckt.
Wobei er sich in seiner Wortwahl manchmal verhebt. Die Notizen von Alessandra sind hingegen sehr einfach und lakonisch. Also wenn die eine Zutat nicht in der Küche ist, kann man auch das und das nehmen. Ja, das finde ich eine gute Einstellung.
Früher war ein Cicchetto einfach nur ein Stückchen Brot mit Stockfischcrème oder einer Wurstscheibe und einer Olive. Hier lesen wir jedoch auch von Thunfischtartar und Kakao, Erdbeere und Robiola, Gorgonzola und Marmelade aus grünen Tomaten oder Eigelb und Blütenblättern.

„Mein erstes Experiment war die Weißbrotscheibe mit Thunfisch und Lauch, es folgte die Brotscheibe mit Gorgonzola und Walnüssen, dann die mit Ricotta, Walnüssen und Johannisbeeren, und so ging es weiter und weiter, bis es schließlich siebzig verschiedene Spezialitäten waren.“

Handlich in der Tasche für einen Gang über den Markt und durch die Illustrationen auch einfach zum Durchblättern geeignet.