Montag, 11.April

Heute haben
Luise Gottsched * 1713
Wieland Herzfelde * 1896
Sándor Nárai * 1900
Marlen Haushofer * 1920
Franz Herre * 1926
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Nikolaus Lenau (*1802)
Schilflieder

Auf dem Teich, dem regungslosen.
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schilfes grünen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Hügel,
Blicken in die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muß mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein süßes Deingedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet!
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Ein Filmtipp:


„Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann“
Regie: Jerry Rothwell

Wie Autisten die Welt wahrnehmen schildert Jerry Rothwell anhand fünf junger Protagonisten in seinem eindringlichen und preisgekrönten Dokumentarfilm.

Sie stammen aus Indien, Großbritannien, den USA und Sierra Leone und sie eint ein gemeinsames Schicksal: Die jungen Menschen sind autistisch und ihr Alltag unterscheidet sich in vielen Bereichen von den Erfahrungen ihrer Mitmenschen. Jerry Rothwell lässt in seiner auf dem Buch von Naoki Higashida, basierenden Dokumentation fünf von ihnen schildern, wie ihr Leben mit Autismus aussieht.
2007 veröffentlichte der 13 jährige Autist Naoki Higashida ein Buch mit dem gleichnamigen Titel (ins Englische übertragen vom amerikanischen Schriftsteller Dvaid Mitchell mit dem Titel „The Reason I Jump) und sorgte damit für Aufsehen. Wie kann ein jugendlicher Autist, der nicht sprechen kann, sich so genau ausdrücken? Seine Gefühle, seine Gedanken, seine Sichtweise haben die Fachwelt verblüfft und zu einem Umdenken im Umgang mit Autisten geführt.
Der Regisseur Jerry Rothwell zeigt uns den Alltag der fünf jungen Menschen und lässt auch deren Eltern zu Wort kommen. Die Textpassagen aus dem Buch verarbeitet er filmisch, in dem er Nahaufnahmen, Töne, Geräusche, schnelle Schnitte verwendet und dann wieder seinen Figuren viel Zeit lässt.
Eine beeindruckende Dokumentation, die morgen, Dienstag, 12.4. um 18 Uhr im Ulmer Obscura läuft.


Dienstag, 1.Februar

Die erste Reihe ist geschafft.

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Heute haben
Hugo von Hofmannsthal * 1874
Jewgeni Samjatin * 1884
Günter Eich * 1907
Muriel Spark * 1918
Horst Bosetzky (-ky) * 1938
Monika Felten * 1965
Geburtstag
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„Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind! /… / Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! / Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“
Günter Eich
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Jetzt auch auf DVD:

Jessica Bruder: „Nomaden der Arbeit
Überleben in den USA im 21.Jahrhundert
Aus dem Amerikanischen von Teja Schwaner und Iris Hansen
Blessing Verlag € 22,00
Nomadland“ TB € 13,90 (englisch)
DVD € 15,99

Wo gibt es denn so etwas? „Nomadland“, ein Film, der 3 Oscars, 2 Golden Globes, den Goldenen Löwen in Venedig bekam und Sieger beim Filmfestival in Toronto war, beruht auf eine Reportage. Und zwar eine höchstdotierte und vom New Yorker zum Buch des Jahres erkoren. Zurest gab es eine Kurzversion in Harper’s Magazine, bevor der ganz große Erfolg kam.
Jessica Bruder hat über Jahre hinweg Kontakte zu diesen Arbeitsnomaden gepflegt, ist mit ihnen gereist, hat mit ihnen gewohnt und auch gearbeitet. Einerseits das Gefühl von Freiheit, andererseits, und das überwiegt bei weitem, ein letzter Hoffungsschimmer für die vielen Menschen über 60, die eigentlich in Ruhe ihre Rente genießen könnten. Sie wohnen in ihren Wohnwagen und Wohnmobilen, ziehen von Job zu Job, verdienen meist nur den Mindestlohn und schauen, ob sie etwas für ein warmes Essen auf die Seite legen, oder für eine Zahnprothese sparen können. Sie arbeiten als ErntehelferInnen, auf Campingplätzen und sehr häufig bei Amazon, der sich diese Menschen an sich bindet. Amazon weiss, dass sie auf das (wenige) Geld angewiesen sind und ohne zu murren täglich 20 km in den Gängen zwischen den Regalen Warencontainer schieben und scannen, bis alles weh tut. Kein Problem: In den Gängen gibt es kostenlos Schmerzmittel – gesponsert von Amazon. Der hat noch einen weiteren Vorteil: da diese „Rentner“ während ihrer Zeit bei Amazon keine Sozialhilfe bekommen, erhält Amazon eine Steuererleichterung vom Staat. Aaah, so geht das.
Linda May (im Film gespielt von Frances McDormand) ist die Person, die sich durch die Reportage zieht, mit der Jessica Bruder den nähesten Kontakt hält, ohne bis ganz tief in deren Beweggründe, sich auf so ein Leben einzulassen, vorzudringen.
Sie haben alles verloren: den Job, das Haus, das Ersparte (durch die Finanzkrise 2008) und versuchen mit einer Art Galgenhumor über die Runden zu kommen. So lange zu arbeiten, bis ….
In dieser Reportage zeigt sich, dass die Schere zwischen arm und reich in den USA immer größer wird und deutsche Kritiker zeigen auf, dass Deutschland davon überhaupt nicht weit entfernt ist.

Leseprobe

Montag, 31.Januar


Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Benoite Groult * 1920
Kurt Marti * 1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1935
Geburtstag
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„Das Alter ist für mich kein Gefängnis, in das man eingesperrt ist, sondern ein Balkon, von dem man weiter sieht.“
Marie-Luise Kaschnitz
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„An Impossible Project“
Drehbuch und Regie: Jens Meurer

Der Dokumentarfilm beginnt mit Sprengungen der Prodktionsstätten von Kodak. Durch die Digitalisierung, durch die Erfindung des iPhones, war das Ende des analogen Fotografierens beschlossen. Auch mit Polaroid war Schluss. Ein letztes Werk in Enschede stand noch und musste abgewickelt werden. Hier betritt nun die Hauptperson die Bildfläche. Florian „Doc“ Kaps kauft alles zusammen für € 180.000 und möchte wieder durchstarten. Leider übergibt Polaroid ihm nicht den Namen. Alles ist „impossible, impossible“, so die Manager. Doc übernimmt dieses „impossible“ und nennt seine Firma genau so. Das sieht verheissungsvoll aus. Leider merken sie, dass sie die Rezeptur für die Entwicklung der Bilder nicht haben und bestimmte Chemikalien nicht mehr auf dem Markt sind.
So startet diese humorvolle, verschmitzte Doku über Doc, dem Visionär, Spinner, dem unruhigen Gegengeist zu unserer digitalen Welt.
„Impossible“ hat Niederlassungen in Berlin und New York, Geld wird verbrannt, neue Entwicklungen gestartet und präsentiert. Bis Doc selbst aus seiner eigenen Firma geschmissen wird. (Eine wunderbare Parallele zu Steve Jobs und Apple).
Doch er gibt nicht auf, widmet sich anderen nicht digitalen Dingen, eröffnet ein „Museum“ für verschwundene Dinge in Wien, reist nach Mailand zur Macherin von „Moleskine“, fliegt zu „facebook“ in den Menlo Park und trifft auch dort auf Menschen die von Hand drucken, produzieren, verliebt sind in das Fühlen, Riechen, Selbermachen.
Aber kann er ein, seit 45 Jahren leerstehendes, Grandhotel in der Nähe von Wien wieder zum Leben erwecken? Zumindest organisiert er ein großes Treffen und Essen für alle im Film vorkommenden Personen und lässt die live gespielte Musik direkt, ohne Umwege, auf Vinyl pressen.
Ein vergnüglicher Abend, der bestärkt, den Füller herauszuholen und Postkarten zu schreiben. Die gelben Kästen zum Einwerfen gibt es ja noch.
Der Film läuft nur in den Kinos. Wie lange? Das liegt an uns. In der ersten Ulmer Aufführung (obscura) war eine Person, gestern vier.


Filmvorstellung bei „titel, thesen, temperamente