Freitag, 22.November

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Heute haben
George Eliot * 1819
André Gide * 1869
William Kotzwinkle * 1943
Viktor Pelewin * 1962
Geburtstag.
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Johann Wolfgang von Goethe
Ein grauer, trüber Morgen

Ein grauer, trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.
O liebliche Friedricke,
Dürft ich nach dir zurück!
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehen die Sonne nimmer,
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh ich in die Reben
Und herbste Trauben ein;
Umher ist alles Leben,
Es strudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk ich, wär sie hier!
Ich brächt ihr diese Traube,
Und sie – was gäb sie mir? 
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„Shoplifters – Familienbande“
Japan, 2018
Drama, 116 Min.
Regie: Hirokazu Kore-eda
Darsteller: Lily Franky, Sakura Ando, Kirin Kiki, Mayu Matsuoka, Jyo Kairi, Miyu Sasak
FSK ab 12 freigegeben

Goldenen Palme – Cannes 2018
Nominiert für den Oscar 2019 als bester ausländischer Film

Ein sehr fremde Welt tut sich da vor uns auf. Shoplifters, Ladendiebe, das sind die Mitglieder dieser Familie, die in sehr ärmlichen Verhältnissen wohnen. Glücklich mit ihrem Dasein und kleinen Betrügereien, leben sie von Tag zu Tag. Hintergründig witzig und frech erzählt uns der Film, wie die Familie zusammenhält, halten muss, um nicht noch tiefer zu rutschen. Als der Sohn der Familie, Shota, die kleine verwahrloste Yuri mit nach Hause bringt, wird die Familienstruktur auf die Probe gestellt. Alle arrangieren sich, bis es zu einem unerwarteten Zwischenfall kommt, der alles auf den Kopf stellt.
Ein anrührender Film mit viel Wärme, der beileibe kein Märchen ist, sondern die Realität von Menschen, die weniger als wenig haben und versuchen damit klarzukommen.
Was die Familie nicht stehlen muss, sind unsere Herzen, denn die haben sie sofort gewonnen.

„Noch nie hat ein Film das Konzept der Familie so klug reflektiert, aus den Angeln gehoben – und auf eine ganz eigene, unerwartete Weise gefeiert.“ (NDR)
„Der Film ist hinreißen“ (Die Zeit)

Samstag, 2.November

Unsere nächsten Veranstaltungen in unserer Buchhandlung:

Dienstag, 5.November um 19 Uhr
„Die 1.Seite“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt: frei

Clemens Grote liest aus:
Ocean Vuong: Auf Erden sind wir kurz grandios
Abubakar Adam Ibrahim: Wo wir stolpern und wo wir fallen
David Wagner: Der vergessliche Riese
Lorenzo Spirito: Das Buch der Schicksale

 

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Mittwoch, 6.November um 19 Uhr
Priya Basil: „Gastfreundschaft“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 8,00

»Ich lade dich ein.« Ein Satz, der Vorfreude weckt: auf einen anregenden Abend bei leckerem Essen und guten Gesprächen. Doch die berühmte Gastfreundschaft ist noch viel mehr als das – sie ist ein vielseitiges Geben und Nehmen, das Familie, Freunde und Fremde einschließt und in jeder Kultur etwas anders ist. Die in London geborene, in Kenia aufgewachsene und heute in Berlin lebende Autorin Priya Basil erzählt von den indisch-kenianischen Traditionen ihrer Familie, von einer unerwarteten Einladung zum Spargelessen und einer Massenspeisung in einem Sikh-Tempel mitten in Berlin. Sie hält ein leidenschaftliches Plädoyer für ein gastfreundliches Europa und lädt dabei immer wieder in ihre eigene Küche ein. Denn die besten Gespräche führt man bekanntlich an einem reich gedeckten Tisch: über Gott und die Welt, Politik und Kultur und über die Frage, ob es eigentlich bedingungslose Gastfreundschaft gibt.

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Bildrechte: Insel Verlag

Priya Basil ist eine britisch-indische Schriftstellerin. Sie wuchs in Kenia auf, studierte in Großbritannien und lebt heute in Berlin. Ihre Romane wurden für zahlreiche Preise nominiert. Sie schreibt regelmäßig für Lettre International und verschiedene Tageszeitungen. Basil ist Mitbegründerin von Authors for Peace.

Leseprobe

 

Dienstag, 1.Oktober

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Heute haben
Inge Merkel * 1922
Günter Wallraff * 1942
Geburtstag
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Heute auf dem Lyrikkalender:

Christian Morgenstern

Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse,
auf daß er sich ein Opfer fasse

– und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: „Pitschü!“
und hat ihn drauf bis Montag früh.
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„Capernaum“

Stadt der Hoffnung
DVD € 16,95
Libanon/Frankreich, 2018
FSK ab 12 freigegeben
Drama, 122 Min.
Regie: Darsteller: Zain Al Rafeea, Yordanos Shiferaw, Boluwatife Treasure Bankole, Kawthar Al Haddad, Fadi Kamel Youssef, Nour el Husseini, Cedra Izam

„Capernaum“ hat einen biblischen Ursprung und bedeutet einen Ort voller Chaos und Unordnung. Und genau diesen Ort zeigt uns die libanesische Regisseurin Nadine Labaki auf über zwei Stunden. Von der Vogelperspektive tauchen wir in die Slums von Beirut, dort wo in unendlichen Gassen und Winkeln, Hinterhöfen, Blechhütten und zerfallenen Mehrfamilienhäusern die Rechtlosen, Namenlosen, Staatenlose wohnen.
Der Junge Zain ist 12 Jahre alt. Das erfährt er aber erst, als er von einem Amtsarzt im Gefängnis untersucht wird. Er hat keine Papiere, keinen Ausweis und seine Eltern wissen auch nicht, wann er auf die Welt gekommern ist. Zain steht vor Gericht, weil er sich gegen eine große Untergerechtigkeit mit dem Messer gewehrt hat. Dem Richter gegenüber verklagt er seine Eltern, weil sie ihn auf die Werlt gebracht und sich nicht um ihn gekümmert haben.
Der Film wird in Rückblenden erzählt und hat mich von der ersten Minuten gefesselt. Die Regisseurin hat allein zwei Jahre nach den passenden Laiendarstellern gesucht. Gedreht hat sie an Originalschauplätzen, ohne diese abzusperren. Wir sind mitten drin in einer Welt voller Ungerechtigkeit, Überlebenskampf, Betrug und Gewalt, aber auch unglaublicher Liebe und Zuneigung und Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt. Nadine Labaki filmt dies mit solch einer Empathie, wie ich es selten gesehen habe. Zwei Erzählstränge fließen nebeneinander und gemeinsam durch den Film und wenn wir die zwei Stunden geschafft haben, werden wir mit zwei unglaublich, zu Tränen rührenden Sequenzen belohnt.
Fassungslos war ich nach diesem Film und habe mir gedacht, in welchem Elfenbeinturm lebe ich eigentlich? Was sind das für Probleme, die ich habe?

Der Film wurde in Cannes vorgestellt, danach mit 12 Minuten stehenden Beifall beklatscht und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Er war für einen Oscar für den besten nichtamerikanischen Film nominiert.

Hochinteressant ist der Wikipediaeintrag zu diesem Film.


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Heute abend ab 19 Uhr:
„Shortlistlesen“
mit Clemens Grote.