Dienstag, 8.Dezember


Heute haben
Horaz * 65 v.Chr.
John Banville *1945
Louis de Bernières * 1954
Geburtstag.
Aber auch Camille Claudel und Jim Morrison.
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Er ist der höchste Kirchturm der Welt. Aber wie hoch ist er?

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Unser Jahresrückblick aus dem März:

Passend in dieser besonderen Zeit. Jetzt neu als Taschenbuch.

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John Ironmonger: „Der Wal und das Ende der Welt“
Aus dem Englischen von Maria Poets und Tobias Schnettler
Fischer Taschenbuch € 12,00

Ein kleines Fischerdorf an der englischen Südküste, abgelegen idyllisch, kaum von Touristen besucht und in den Wintermonaten sind die Bewohner unter sich. Es passiert nicht viel, jeder kennt jeden, es wird viel getrascht und die Dorfschule hat auch nur noch eine Hand voll Kinder, die Lehrerin befürchtet die baldige Schließung.
Neues Leben kommt ins Dorf an dem Tag als Joe, ein Banker aus London an Land gespült wird. Fast alle sind bei seiner Rettung dabei und der pensionierte Dorfarzt nimmt ihn bei sich auf. Er ist der geheimnisvolle Fremde und der Besitzer des teuren Autos, das verlassen auf dem Dorfparkplatz stand. Ein Analyst, dessen Leben fast nur noch aus Zahlen und Berechnungen bestand und der sich letztendlich für den Kollaps seiner Bank verantwortlich fühlte.

„In dem Dorf St.Piran erzählt man sich noch immer von dem Tag, als der nackte Mann am Strand angespült wurde. Es war der selbe Tag an den Kenny Kennet den Wal sah. Manche sagen, es sei ein Mittwoch gewesen. Andere scheinen sich ganz sicher zu sein, dass es ein Donnerstag war. Und zwar Anfang Oktober. Vielleicht aber auch Ende September, doch im Durcheinander der Tage und Wochen, die folgten, dachte niemand daran, alles aufzuschreiben. Manche Dorfbewohner behaupteten, sie erinnerten sich an jede Einzelheit, und sie alle erzählen von dem nackten Mann, und sie alle erzählen von dem Wal.“

Ein toller Roman mit liebenswerten Menschen, einem großen Wal und einem Kirchturm voller Proviant.

Leseprobe
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Fred Wiegräfe sorgt für Sommer im Herzen

MONtag, 23.November

Unsere Abholstation ist geöffnet. Im Büro von Ralf Milde, am Judenhof.

Heute haben
Marieluise Fleißer * 1901
Paul Celan * 1920
Herbert Achternbusch * 1938
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Ein grauer, trüber Morgen

Ein grauer, trüber Morgen
Bedeckt mein liebes Feld,
Im Nebel tief verborgen
Liegt um mich her die Welt.
O liebliche Friedricke,
Dürft ich nach dir zurück!
In einem deiner Blicke
Liegt Sonnenschein und Glück.

Der Baum, in dessen Rinde
Mein Nam bei deinem steht,
Wird bleich vom rauhen Winde,
Der jede Lust verweht.
Der Wiesen grüner Schimmer
Wird trüb wie mein Gesicht,
Sie sehen die Sonne nimmer,
Und ich Friedricken nicht.

Bald geh ich in die Reben
Und herbste Trauben ein;
Umher ist alles Leben,
Es strudelt neuer Wein.
Doch in der öden Laube,
Ach, denk ich, wär sie hier!
Ich brächt ihr diese Traube,
Und sie – was gäb sie mir? 
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„Undine“
Regie: Christian Petzold
Darsteller: Paula Beer, Franz Rogowski, Maryam Zaree, Jacob Matschenz, Anne Ratte-Polle
BRD/Frankreich, 2020, 86 Minuten
Good Movies € 12,99

Undine lebt. Ja, sie ist mitten unter uns und arbeitet in Berlin als Stadthistorikerin. Ein kleines Appartment am Alexanderplatz, einFreund, Johannes. Er verlässt sie und Undine muss ihn, dem Mythos folgend, töten. Ungläubig hört er dies und geht.
Sie trifft auf Christoph, einem Industrietaucher, und verliebt sich in ihn. Er auch in sie, obwohl er merkt, dass Undine vor etwas wegläuft, ein Geheimnis verbirgt.
Paula Beer und Franz Rogowski spielen großartig (Vor Kurzem lief „Transit“ von Christian Petzold mit den beiden Schauspielern im TV und ist vielleicht noch auf der Mediathek nachzusehen). Christian Petzold hat diesen Mythos in die Gegenwart geholt und eine verspielte melancholische, märchenhafte Verfilmung in die Kinos gebracht, wie ich sie noch nie gesehen habe. Petzold bleibt seiner Linie treu und zeigt sich hier als großer Romantiker. Immer wieder Wasser, das Element von Undine, und es gibt unglaubliche Unterwasserszenen, die so im Kino selten zu sehen sind.
Wenn wir genau hinschauenwollen, ist natürlich nichts dem Zufall überlassen. Nicht umsonst heissen die Männer Johannes und Christoph, und und und.
Aber auch ohne dieses Wissen, ist diese Geschichte absolut lohneswert und durch den Lockdown im Frühjahr leider untergegangen.

Dienstag, 22.September

Heute haben
Theodor Körner * 1791
Rosemunde Pilcher * 1924
Fay Weldon * 1931
Lutz Rathenow * 1952
Peter Prange * 1955
Geburtstag.
Aber auch Hans Scholl (Weiße Rose)
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Wie gehts weiter?

Die Zeit eilt vorbei.
Wie gehts weiter?
Die Uhr läuft schon ab.
Wie gehts weiter?

Rauf und runter geh’n die Zahlen
so wie manchmal auch vor Wahlen.
Heute ist ein Brennpunkt hier,
morgen ganz weit weg von mir.

So geht es nun schon seit Wochen,
die zum Herbst vorangekrochen.
Kein Verantwortlicher will sagen,
wie was wird. Und bloß nicht fragen.

Dennoch ist kaum etwas klar.
Wird es je so, wie es war?
Ein Gedanke lugt dahinter:
Kommen wir gut durch den Winter?

Und jetzt sagt mir nur:
Wie gehts weiter?
Verstellt Ihr die Uhr?
Wie gehts weiter?

A hat B etwas gesagt,
aber D noch nicht gefragt.
C wurde dabei vergessen,
E und F sind aufgesessen.

Heute soll nun dieses gelten,
wofür morgen man wird schelten.
Hin und her geht es fast täglich,
und das find ich unerträglich.

Es gibt leider keine Klarheit
und auch keine letzte Wahrheit.
Und wir werden weiterleben
und uns dabei nicht aufgeben.

Bitte, sagt mir,
Ich wills wissen:
Wie gehts weiter
Für mich?
Sagt, wie?

© Thomas Dietrich
© Fred Ebb | Robert Gilbert
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Lang Lang: Johann Sebastian Bach
Goldberg-Variationen

BWV 988
Deutsche Grammophon 2 CDs € 19,99 (Studioaufnahme)
4 CDS € 33,99 (Studio- und Live-Aufnahme)

„Die Goldberg-Variationen aufzunehmen war ein Lebenstraum. Ich arbeite schon seit über 20 Jahren an dem Werk, habe es als 17-Jähriger Christoph Eschenbach und einige Jahre später Nikolaus Harnoncourt vorgespielt. Damals habe ich auf Harnoncourts privatem Cembalo gespielt, unter anderem die Variationen 13 und 25 und die Arie. Wir haben über die Einsamkeit des Musikerlebens gesprochen und über musikalische Stimmung. Er sagte: »Du spielst sehr schön, aber es klingt nicht einsam genug. Du ruhst nicht genug in dir selbst.« Er spielte mir ein paar Stellen vor – und das eröffnete mir ganz neue Dimensionen und Zugänge zu Bach.“
(Lang Lang zu seiner Einspielung)

Wir alle kennen die Goldberg-Variationen und der Name Glenn Gould ist mit seinen zwei Aufnahmen sehr damit verknüpft. Jetzt kam Lang Langs Einspielung heraus und die Fachwelt ist voll des Lobes. Interessant ist wirklich, dass Lang Lang sowohl eine Studio- und eine Live-Aufnahme gemeinsam herausbringt. Er spricht darüber, wie unterschiedlich sich das für ihn fühlt und anhört, dass die Aufnahme in der Thomaskirche in Leipzig nicht ganz astrein gespielt ist, aber dafür im zweiten Teil viel lockerer und emotionaler. Das ist auf dem Video auch zu sehen, als ihm in der letzten Variation die Tränen herunterlaufen.

Hier geht es zum Video auf der ZDF-Mediathek, auf der wir den Pianisten auf seinem Weg zu seiner Interpretation eine Stunde begleiten können:

https://www.zdf.de/kultur/musik-und-theater/lang-langs-goldberg-variationen-104.html