Mittwoch, 24.Januar


Heute haben
Pierre Augustin Caron de Beaumarchais * 1732
E.T.A.Hoffmann * 1776
Edith Wharton * 1862
Vicki Baum * 1888
Eugen Roth * 1895
Milada Souckova * 1899
Wolf von Niebelschütz * 1913
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„Es ist eine Krankheit der Menschen, dass sie ihr eigenes Feld vernachlässigen,
um in den Feldern der anderen nach Unkraut zu suchen.
Vicki Baum
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Gestern ausgepackt:


Peter Stamm: „Eine Fantasie der Zeit

Poetikvorlesung
S.Fischer Verlag € 24,00

„Ich bin ein Wanderer ohne Proviant, alles, was mir einfällt, fließt sofort in den Text.“

Über das eigene Schreiben geht es in diesen drei Teilen der Züricher Poetikvorlesung.
Peter Stamm geht aber einen verzwickten Weg.
Beim Schreiben seines letzten Buches „In einer dunkelblauen Stunde“ wurde er von zwei Dokumentarfilmern begleitet, die daraus „Wechselspiel“ gemacht haben.
So schreibt und spricht der Autor über sich, über das Entstehen des Buches und des Filmes und wie sich Realität und Fiktion miteinander verquicken. Wie der Protagonist des Buches Dinge tut und sagt, was dem Autor passiert ist. Wie sich das Filmepaar sich im Buch wiederfindet. Also eine dreifache Rolle rückwärts und Salto vorwärts:
Peter Stamm schreibt, wann er zu Schreiben beginnt, dass er die absolute Langeweile braucht. Er schreibt über fiktionales, autofiktionales Schreiben. Dass sich früher Autoren (z.B. Charles Dickens) sich ins Fiktionale gerettet haben um Biografisches zu erzählen. Da es aber heute keine Tabus mehr gibt, hat sich die Rolle des Autors radikal verändert. Er zitiert Julia Franck und deren letzten Roman „Welten auseinander“, auf dessen Titelblatt nicht mehr „Roman“ steht.
Peter Stamm sieht sich als Jäger und Sammler, nimmt alles mit, was ihm am Wegesrand auffällt und macht daraus einen Roman, eine Erzählung. Was davon dann Fiktion oder Realität ist, bleibt der lesenden Person überlassen.,

Leseprobe


Teil 1 der Zürcher Poetikvorlesung. Peter Stamm ab ca. Minuten 22.

Teil 2, ab Minuten 20.

Teil 3 und auch wieder ab ca. Miunte 20.

Sonntag, 17. Dezember

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Am dritten Adventsonntag, den 17.Dezember 1944, warfen 330 britische Flugzeuge zwischen 19.23 und 19.50 ca. 100.00 Bomben auf die Stadt Ulm und lösten damit einen Feuersturm aus. Mehr als 700 Menschen kamen dabei ums Leben, die Altstadt wurde zu über 80 Prozent zerstört.

Rudi Kübler: „17. Dezember 1944“
Die Zerstörung Ulms

Kleine Reihe des Stadtarchivs Ulm Band 13
Verlag Klemm und Oelschläger € 17,80
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Wie sich die Bilder gleichen: Ulm, Ukraine, Gaza.
Ein dritter Adventssonntag ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, mit den Gedanken bei allen Opfern und deren Angehörigen zu sein.

https://www.zdf.de/politik/auslandsjournal

Ein Dokumentation von Jenifer Girke

Wie geht es weiter mit Israel? Begleitet von ZDF-Reporterin Jenifer Girke reist der Historiker Meron Mendel in seine Heimat, trifft Familie sowie seine jüdischen und arabischen Freunde und fragt, ob Frieden noch möglich ist.
„In Deutschland ging das Leben einfach weiter, aber ich schrie: Stopp! Ich kann nicht einfach so weitermachen, als wäre nichts passiert.“ Der 7. Oktober 2023 war eine Zäsur – nichts ist mehr wie davor. Doch anstatt innezuhalten, lief das Leben in Deutschland zu schnell und zu einfach weiter. Für Meron Mendel war klar: Er muss nach Israel, seinen Liebsten beistehen. So wie dem Kindheitsfreund Yehuda – seine Schwester Schachar wurde brutal ermordet, als sie sich schützend auf den 16-jährigen Sohn warf. Mit ihm geht Mendel ans Grab: „Ich bin dankbar, meine Eltern als Helden zu kennen“, erzählt der 16-Jährige.
Gemeinsam weinen, trauern, durchhalten. Und verstehen: Wie geht es jetzt weiter? Für Palästinenser und Juden, für Verschleppte und Hinterbliebene, für ganz Israel. Das ist die Frage, der Meron Mendel auf dieser Reise nachgeht.
Seit seiner Jugend hat sich der Deutsch-Israeli für Frieden in Israel eingesetzt – er war stets davon überzeugt, dass sein Land ein friedlicher Ort sein wird, eine Heimat für jüdische und arabische Israelis, für Juden, Christen und Muslime. Für ihn war das keine romantische Vorstellung, sondern ein zu erreichendes Ziel, ein realistisches Vorhaben, für das er in seinen ersten 25 Lebensjahren in Israel und in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland gekämpft hat. Als Junge im Kibbuz, als Soldat in der israelischen Armee, als Student in Haifa, ebenso als Direktor der Anne Frank Stiftung und Professor in Frankfurt.
Begleitet von ZDF-Reporterin Jenifer Girke macht er sich auf den Weg, trifft seine langjährige Freundin Avital, die eine der wenigen zweisprachigen Schulen leitet und jeden Tag erlebt, welche Kraft in jüdisch-arabischen Beziehungen steckt. Er diskutiert mit seinem palästinensischen Vertrauten Mohammad Darawshe, ob eine Zwei-Staaten-Lösung noch realistisch ist und was man gegen jüdische Siedler unternehmen muss. Er fährt zur Grenze nach Gaza, wo sein Vertrauter Itai nur knapp den Terroristen entkommen ist.
Zuerst der Kampf um die Demokratie, jetzt ein Kampf um die Existenz – wie viel hält Israel aus? Ist Frieden nur noch eine Illusion? Der Film „auslandsjournal – die doku: Rückkehr nach Israel“ zeigt verschiedene Gesichter der israelischen Gesellschaft, taucht ein in die Bewältigung eines historischen Traumas und fragt: Wie geht es jetzt weiter?

Dienstag, 14.November


Heute haben
Carlo Emilio Gadda * 1893
Astrid Lindgren * 1907
Eric Malpass * 1910
Carola Stern * 1925
Marianne Fritz * 1949
Geburtstag
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„Zivilcourage kann auch heißen, Ängsten Ausdruck zu geben.“
Carola Stern
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Unser Filmtipp:


Im Ulmer Roxy läuft im Obscura Kino „Anatomie eines Falls„.
Ein unglaublich guter Film, der vom Drehbuch und von der Regie auf die Schauspielerin Sandra Hüller zugeschnitten worden ist. „Anatomie eines Falls“ wurde mit der Goldenen Palme 2023 ausgezeichnet und Sandra Hüller steht wohl auf der Liste für einen Oscar.
Während der 150 Minuten befinden wir uns lange in einem Gerichtssaal, in dem verhandelt wird, ob die Ehefrau schuld am Tod ihres Mannes ist. Es jedoch gerade das Gegenteil von einem us-amerikanischen Gerichtsthriller. Er arbeitet mit ganz anderen Mitteln und hauptsächlich mit der unglaublichen schauspielerischen Leistung von Sandra Hüller.
Den Trailer packte ich hier nicht dazu. Ich will nicht zu viel verraten und Sie finden ihn überall im Netz.
Ich kann nur soviel sagen: Gehen Sie in diesen Film. Sie erwartet ein cineastisches Meisterwerk.
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In der Vorschau wurden gleich zwei Romanverfilmungen angekündigt.
Seethalers: „Ein ganzes Leben“ läuft ja schon seit Wochen.


Claire Keegans Buch „Das dritte Licht„, im Original „Foster„, kommt als „The Quiet Girl“ demnächst ins Kino. (Dass sie sich nicht auf einen Titel einigen konnten?)
Ein Lieblingsbuch von mir. Eine schmale sehr bewegende, ruhige und doch dramatische Geschichte.
Die Verfilmung hat jede Menge gute Besprechungen bekommen. Ich bin gespannt.

Und dann noch Ottessa Moshfegh düsterer Roman: „Eileen„, den es im Deutschen schon länger als Taschenbuch gibt.
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Auf tagesschau.de gefunden:

UN-Bericht
347 Millionen Kindern in Südasien mangelt es an Wasser

In Südasien leiden mehr Kinder an Wasserknappheit als in jeder anderen Weltregion. Dort seien 347 Millionen Menschen unter 18 Jahren „einer hohen oder extrem hohen Wasserknappheit ausgesetzt“, so das UN-Kinderhilfswerk UNICEF.
In Südasien leiden weltweit am meisten Kinder an Wasserknappheit. Insgesamt sind es 347 Millionen, wie eine Analyse des UN-Kinderhilfswerks UNICEF zeigt. In der bevölkerungsreichsten Region der Welt lebten mehr als ein Viertel aller Kinder. Gleichzeitig gebe es dort aber nur vier Prozent des Wassers in der Welt.
„Sicheres Wasser ist ein Grundmenschenrecht, aber Millionen von Kindern in Südasien haben nicht genügend zu trinken in einer Region, die von Überschwemmungen, Trockenheit und anderen extremen Wetterereignissen, die zunehmend vom Klimawandel ausgelöst werden, geplagt ist“, sagte der für die Region zuständige UNICEF-Chef, Sanjay Wijesekera. …

Den kompletten Bericht finden Sie hier:
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/wasserknappheit-asien-100.html

Freitag, 6.Oktober


Heute haben
Horst Lange * 1904
Meret Oppenheim * 1913
Yasar Kemal * 1923
Louis Begley * 1933
Geburtstag
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Marie von Ebner-Eschenbach
Das Schiff

Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen
wie Sturmwind geflogen;
voll Jubel ertönt’s vom Mast und vom Kiele:
„Wir nahen dem Ziele!“
Der Fährmann am Steuer spricht traurig und leise:
„Wir segeln im Kreise.“
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Ein ganz besonderes Bilderbuch:

Coralie Bickford-Smith: „Das Eichhörnchen und der verlorene Schatz
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
Insel Verlag € 24,00

Nach „Der Fuchs und der Stern“ und „Der Baum und der Vogel“, ist jetzt Coralie Bickford-Smiths drittes Buch erschienen.
Die Buchgestalterin, Grafikerin, Illustratorin, Künstlerin erzählt darin eine sehr anrührende Geschichte, in der ein Eichhörnchen eine Eichel findet, sie vergräbt, aber im nächsten Jahr nicht mehr findet. So geht das jahrelang. Es vergräbt in einer Lichtung immer mehr. Aber die Eicheln sind nicht mehr da. Was wir jedoch sehen: Aus den Eicheln sind kleine Pflanzen geworden und aus der kahlen Lichtung einer kleiner Wald.
Coarlie Bickford-Smith hat einen eigenen, sehr besonderen grafischen Stil und wir können sowohl das hektische Treiben des Eichhörnchen verfolgen, wie aber auch die Ruhe, als es mit der Eichel im Arm in seiner Baumhöhle schläft. Natur, Wald, Blätter, Formen und Farben bestimmen dieses Buchkunstwerk.
Ein zauberhaftes Bilderbuch von dem man nicht satt wird, es immer wieder anzuschauen. Ein Buch über Hoffnung und wie in der Natur neues Leben entsteht, wenn wir im Einklang mit ihr leben.

Schauen Sie bitte in die Leseprobe und Sie werden staunen.

In dem Video erklärt die Künstlerin, wie sie arbeitet, was sie inspiriert und zeigt eine kleine Auswahl aus der riesigen Menge von Büchern, die sie für den Penguin Verlag gestaltet hat.

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Die Verfilmung von Julia Francks gleichnamigen Roman läuft im Moment in der Ulmer Lichtburg.
Freitag, 20:15
Samstag 15:00
Sonntag 12:45 und 20:15
Dienstag 20:15

Mittwoch, 4.Oktober


Heute haben
Jeremias Gotthelf * 1797
Max Halbe * 1865
Frans Bengtsson * 1894
Anna Rice * 1941
Luis Sepúlveda * 1949
Geburtstag
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„Wer mit sich selbst nicht zufrieden sein kann, der kehrt gerne seine Unzufriedenheit gegen alle anderen Leute, statt gegen sich selbst.“
Jeremias Gotthelf
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Regen haben wir bitter nötig, obwohl dieser warme, sonnige Oktober ja auch sehr angenehm ist.


Ein kleiner Regen macht nicht nass
Herausgegeben von Paula Schmid
Illustriert von Gerda Raidt
Insel Bücherei € 10,00

„Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen.“
Rahel Varnhagen von Ense

Ich verkneife mir in letzter Zeit zu Regenwetter schlechtes Wetter zu sagen. Mistwetter, Schmuddelwetter, so schnell gehen einem diese Worte über die Lippen. Aber inZeiten der langen Trockenheit, der Veränderungen in der Natur, dem Klimawandel, brauchen wir viel mehr Regen.
Obwohl es auf dem Fahrrad, bei den jetzigen Temperaturen, eindeutig angenehmer ist, als durch den Regen zu strampeln.
Das kleine Lesebuch versammelt Gedichte und Geschichten vom Regen, als er noch alltäglich zu sein schien. Mascha Kaléko berichtet von einem Wiedersehen mit einer Jugendliebe bei nasser Witterung, Walter Kempowski erinnert sich an einen verregneten Urlaub im Harz. Der erzählerische Regenbogen spannt sich von der biblischen Sintflut bis zum Fußbad im Cabrio.
Und die Illustratorin Gerda Raidt hat den literarischen Landregen zusätzlich ins Bild gesetzt.

In der Leseprobe sehen Sie die kunterbunte Mischung von AutorInnen, die die fleißige Paula Schmid gesammelt hat. Enzensberger, Lasker-Schüler, Günter Eich, Ringelnatz, Ramond Chandler, Hesse, Frisch, Hilde Domin, Thomas Bernhard, Rilke, Nooteboom, Tschechow, Handke, Kästner und viele mehr.
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Am vergangenen Montag, war die Preisverleihung für den Deutschen Buchhandlungspreis 2023 in Stuttgart. Wir freuen uns riesig und bedanken und bei allen KundInnen, die mächtig dazu beigetragen haben.
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Im Kino läuft die Verfilmung von Julia Francks Roman „Die Mittagsfrau“.
Wir haben vom Verlag ein paar wenige Freikarten bekommen.
Wer eine haben will, bitte im Laden vorbei kommen, anrufen (0731-67137), oder ne kurze Mail (info@jastram-buecher.de) schicken. Wir reservieren Karten, so lange wir noch welche haben.

Montag, 11.September

Heute haben
Peter Hille * 1854
O.Henry * 1862
D.H.Lawrence *1885
Theodor W.Adorno * 1903
James McBride *
1957
Geburtstag
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Emanuel Geibel (1815 – 1884)

Loszuwerden den alten Zopf
Ist ein vernünftig Begehren,
Aber wer wird darum den Kopf
Gleich rattenkahl sich scheren!
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Das Heft 5 / 2023 ist erschienen


Sinn und Form
Fünftes Heft 2023 / September – Oktober € 11,00

Für ungefähr zwei Hefte konnte „Sinn und Form“, wegen eines Gerichtstreits, nicht erscheinen. Das hat sich alles geregelt und ich bin einmal erstaunt über die Texte, die sich in dem unscheinbaren Äußeren verstecken. Allein schon Jeanine Meerapfels autobiographischer Text zu ihrem Dokumentarfilm
Eine Frau“ hat es in sich. Selten habe ich so einen intensiven Bericht über die eigene Familie gelesen.

„Bei jedem Umzug – wenn die Fotoalben, die alten Schellackplatten, die Dokumente wieder aus den Schränken herausgenommen werden müssen – springt mich die Notwendigkeit an, Erinnerungen zu verarbeiten und eine endgültige Ordnung dafür zu finden. Vielleicht geht es darum, mich so lange zu erinnern, bis ich vergessen kann.
Ich erfinde immer neue Ordnungssysteme, die ich dann wieder verwerfe. Immer wieder stellt sich die Sehnsucht nach einer logischen Archivierung ein. Es ist, wie wenn die Dinge nach einer Erzählung verlangten, die sie in einen übersichtlichen Zusammenhang bringt.
Andererseits birgt die Unordnung ein enormes Versprechen; sie verspricht eine Zeit, in der alles geordnet werden wird … eine zukünftige Zeit. Also bleibe ich dabei, die Erinnerungen durch eine Erzählung zu ordnen …
Ich suche nach einer Erinnerung. Nach meiner eigenen verschütteten Erinnerung an Marie Louise Chatelaine, meine Mutter.
Ich suche nach »einem kohärenten Bild der Vergangenheit«.
Man nannte sie – oder sie nannte sich – Malou. Ich habe vor vielen Jahren einen Film mit diesem Titel gemacht, mein erster langer Spielfilm: Darin wurde einiges aus ihrem Leben erzählt, aber vieles auch im Dienste einer nachvollziehbaren Dramaturgie hingedreht – ein gutes Wort, hingedreht.
Jetzt will ich versuchen, die Reste, Bruchstücke, Fundstücke in einen Zusammenhang zu stellen. Erinnerungen aufheben. Aus den biographischen Materialien, Fotos, 8-mm-Filmen, Dokumenten kristallisiert sich die Geschichte einer Emigration, einer Emigration von Europa nach Südamerika heraus und wie dieses »Leben woanders«, wie die Verpflanzung eines Menschen das Schicksal dieses Menschen verändern kann. Aber nicht nur das.

Einen längeren Textauszug finden Sie hier.

Das ist der Trailer zum Film „Eine Frau“.


Danach folgt der Text „Das Ende des Frühjahrs. Verschwinden und Wiederkehr der Jahreszeiten“ von
Eva Horn, der einlädt zu einem literarischen, künstlerischen Gedankenspiel zum Verschwinden und zur Wichtigkeit der Jahreszeiten. Eva Horn beginnt mit einer Aktion der „Letzten Generation“, geht weiter mit den Veränderungen der Jahreszeiten. Der Frühling kommt zu früh, ist zu heiss und dann folgt doch noch Frost. Der Sommer zu trocken mit heftigen Unwetter und der Winter zu kurz und zu mild. Sie endet damit, dass das Verhalten der Menschen in früheren Zeiten nicht vergessen werden darf. Die Tage werden jetzt wieder kürzer und wahrscheinlich auch kühler. Dabei sollten wir innehalten, uns an unser eigenes Leben erinnern und die lang versprochenen Briefe an Freunde schreiben und endlich das angefangene Buch fertig lesen.

„Wer heute »vier Jahreszeiten« googelt, findet entweder Vivaldi oder eine Hotelkette, schlimmstenfalls auch noch ein paar handgestrickte Gedichte oder Bildmotive mit fallenden Blättern. Jahreszeiten sind banal wie Wettergespräche, peinlich wie die Rede vom »Wonnemonat Mai«, langweilig wie alles, was so erwartbar ist wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Gelegentlich ist die Rede von untypischen Jahreszeiten, aber das ist mittlerweile so unoriginell wie der Reflex, jedes schlechte Wetter auf den Klimawandel zu schieben. Immerhin hat es der Frühling im Sommer 2022 mal in die Nachrichten geschafft. Zwei Mitglieder der italienischen »Letzten Generation« hatten sich in den Uffizien an ein Kunstwerk geklebt, das nicht besser gewählt sein konnte: Sandro Botticellis »Primavera«.“

Die längere Leseprobe gibt es hier.

Das ist aber noch nicht alles. Günter Kunert, Peter Stephan Jungk, T.S.Eliot, Nadja Küchenmeister, Steffen Menschig und Ulla Berkéwicz, mit einem eine Homage an Hans Magnus Enzensberger, sind nur ein paar weitere AutorInnen dieser Ausgabe.
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Save the date, wie es so schön heisst.


Donnerstag, 10.August

Heute haben
Alfred Döblin * 1878
Milena Jesenská * 1896
Jorge Amado * 1912
Emine Sevgi Ödzamar * 1946
Geburtstag
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Ich ging als Assistent in mehrere Irrenanstalten. Unter diesen Kranken war mir immer sehr wohl.
Alfred Döblin
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Deborah Levy: „Augustblau
Aus dem Englischen von Marion Hertle
AKI Verlag € 24,00

Deborah Levy ist „Augustblau“ eine starke Weiterentwicklung ihrer biographischen Bücher („Was das Leben kostet“ und „Ein eigenes Haus“) gelungen. Die Suche nach dem eigenen Ich, die Zerissenheit im Leben, die Brüche und Kanten, die es zu überwinden und zu glätten gilt. All das findet sich wieder im neuen Roman der englischen Autorin.
Dieses Mal dreht es sich um Elsa M.Anderson, oder Ann, die bei ihrem Adoptivvater zu einem Wunderkinder am Klavier heranwächst. Als sie als Weltstar ein Konzert in Wien abbricht, muss sie sich neu erfinden. Sie gibt Privatunterricht, um ihre Reisen zu finanzieren. Eines Tages trifft sie auf einem Markt eine Doppelgängerin von sich, die gerade zwei elektrische Tanzpferde kauft und verschwindet. Genau diese Pferde hätte sie auch gewollt. Was ihr bleibt, ist der schwarze Hut der Fremden, die sie nicht mehr abnimmt. Freunde und Bekannte tauchen auf und verschwinden. Altes vermischt sich mit Neuen. Und mitten drin die Frau, die versucht ihren eigenen Weg zu finden, inmitten einer von Männer dominierten Welt.
Eine verwirrende, faszinierende Geschichte, die sich eindeutig anders bewegt, als die vielen Spiegel-Besteller-Romane.
Und weil mich „Augustblau“ so fasziniert hat, habe ich mir gleich drei weitere Bücher von Deborah Levy aus der Stadtbibliothek geholt und „Was das Leben kostet“ mit großem Genuss in einem Zug durchgelesen. Unglaublich gut.


Deborah Levy: „Was das Leben kostet
Hoffmann und Campe Verlag € 14,00

Das schreibt der Verlag:
Deborah Levy glaubt nicht an Genregrenzen. Sie helfen ihr zwar, sich in Buchhandlungen zurechtzufinden, aber sie ist davon überzeugt, dass wirklich gute Bücher keine Schubladen brauchen. Und so ist auch ihr Schreiben ungeheuer vielschichtig, verbinden sich darin doch essayistische und lyrische Momente, autobiographisches und fiktionales Erzählen miteinander. Deborah Levy emigrierte im Alter von neun Jahren mit ihrer Familie aus Südafrika nach Großbritannien. Ihre Romane Heim schwimmen (2011), Heiße Milch (2016) und Der Mann, der alles sah (2019) waren für den Booker Prize nominiert. Für ihr dreiteiliges autobiographisches Projekt wurde sie mit dem Prix Femina Étranger ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet heute in London und Paris.

Debory Levy redet über ihr Schreiben:

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Jetzt schon mal vormerken:

Samstag, 29. Juli

Heute haben
Simon Dach * 1605
August Stramm * 1874
Dag Hammarskjöld * 1905
Chester Himes * 1909
Mikis Theodorakis * 1925
Harry Mulisch * 1927
Sten Nadolny * 1942
Ulrich Tukur * 1957
Geburtstag
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August Stramm
Traum

Durch die Büsche winden Sterne
Augen tauchen blaken sinken
Flüstern plätschert
Blüten gehren
Düfte spritzen
Schauer stürzen
Winde schnellen prellen schwellen
Tücher reißen
Fallen schrickt in tiefe Nacht.
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Astrid Schulte: „Meine Schnitzwerkstatt
Mit 30 Schritt-für-Schrittanleitungen sicher schnitzen lernen.
Mit Kinder-Schnitzmesser und Kosmos-Plus APP
Kosmos Verlag € 24,00



Schnitzen für Kinder? Mit einem richtigen Messer? Kann das gut gehen?
Der Ulmer Uli Wittmann hat es mehrfach im Stadthaus Ulm gezeigt.
Die Schnitzfachfrau Astrid Schulte zeigt in diesem vielbebilderten Sachbuch, wie das funktioniert mit dem Messer. Wie das Messer zu halten ist und vieles mehr. Regeln und Techniken werden anschaulich erklärt.
Aber nicht nur das. Es geht nämlich raus in die Natur. Welches Holz kann ich benutzen? Zu welchem Baum gehört es? Dann geht eslos und wir schnitzen Rennautos, Schmuck, Tiere oder einen Katamaran und natürlich Pfeil und Bogen.
Mit den Videos für Kinder auf der Kosmos-Plus-App gibt es noch mehr zu entdecken.
Dabei ein Opinel-Kinderschnitzmesser mit Feststellring und abgeundeter Klinge.
Los geht’s.
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Nicht vergessen.
Dienstag und Mittwoch sind Literaturabende.
Am Dienstag, 1.August stellen wir in der Buchhandlung vier neue Romane vor.
Es liest Clemens Grote.
Am Mittwoch liest Caroline Wahl ab 19:30 Uhr aus ihrem Roman: „22 Bahnen“
Stadtbibliothek Ulm. Bei schönem Wetter im Freien.
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https://taz.de/Klimaaktivistin-von-Lkw-angefahren/!5946680/

Dienstag, 13.Juni


Heute haben
Heinrich Hoffmann * 1809
W.B.Yeats * 1865
Fernando Pessoa * 1888
Dorothy Sayers * 1893
Anna Maria Ortese * 1914
Irving D. Yalom * 1931
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Markant

Starr
Steht er
Wie ein Turm
Gegen die Zeit
Dem ausgelaugten
Erdboden ist er ein Schattenwurf
Und ein Zelt
Über dem Wurzelwerk
Aber auch Anker
Und Amme
Dem bebenden Blatt
Das er mit all seinen Wunden
Behutsam
Dem Licht entgegen hält
Bis er
Fällt
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Unser Tipp:


„All the Beauty and the Bloodshed“

Regie: Laura Poitras
122 minuten, ab 12 Jahren

Patrick Radden Keefe: „Imperium der Schmerzen
Wie eine Familiendynastie die weltweite Opioid-Krise auslöste
Hanser Verlag € 36,00

„Ein Buch, das wütend und fassungslos macht und dabei so meisterhaft erzählt ist,
dass man es nicht aus der Hand legen mag.“
ARD ttt

Leseprobe

Im Ulmer Mephisto läuft zur Zeit der Film mit der amerikanischen Fotografin Nan Goldin, die darin ihren künstlerischen Werdegang erzählt, ihre OxyContin-Sucht und ihr Kampf gegen die Familie Sackler.
Dieser Dokumentarfilm bekam den Goldenen Löwen auf den 79. Filmfestspielen in Venedig. Die Regisseurin Laura Poitras erhielt 2015 einen Oscar für ihren Dokumentarfilm „Citizenfour“ über den Whistleblower Edward Snowdon.
Letztes Jahr kam im Hanser Verlag ein Buch über die Familie Sackler heraus, die unglaublich viel Geld mit Valium und dem obengenannten Schmerzmittel gemacht haben. Seit 1996 ist es auf dem amerikanischen Markt und forderte, durch seine sehr schnelle Anghängigkeit, bisher 500.000 Todesopfer.
Die drei Sackler-Brüder spenden Unmengen an Museum, sind selber große Sammler und geben sich Förderer von Kunst in der ganzen Welt aus. In vielen großen Museen der Welt stehen ihre Namen über diversen Sälen.
Nan Goldins Kampf gilt es, dass diese Namen aus den Museen abgenommen werden.
Im Film sehen wir ihre Arbeit in der Organsiation PAIN und ihre Aktionen vor Ort.
Mittlerweile sind viele Schriftzüge verschwunden. Der Louvre war das erste Museum, das sich dazu entschlossen hat. U.a. auf Druck von Nan Goldin, die sonst ihre Fotos für eine große Ausstellung zurückgezogen hätte.
Ein sehr bewegender Film über eine sehr besondere Künstlerin und deren Leben.
Das Buch des New Yorker Journalisten bietet viel Hintergrundwissen, das so in dieser Ausführlichkeit im Film natürlich nicht zur Sprache kommt.



Mittwoch, 22.März


Heute haben
Albrecht Goes * 1908
Michael Hamburger * 1924
Wolfgang Bächler * 1925
Eveline Hasler * 1933
Bruno Ganz * 1941
André Heller * 1947
Érik Orsenna * 1947
Aleida Assmann * 1947
Geburtstag.
Heute, im Jahre 1832, ist Goethe gestorben.
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„Wer im Leben nur rechnet, kommt nie auf seine Rechnung.“
Albrecht Goes
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

Arno Frank: „Seemann vom Siebener
Tropen Verlag € 24,00

Ein Tag im Freibad, der letzte schöne Tag am Ende der Ferien, in einem Bad, das noch so aussieht wie früher. Noch keine Tunnelrutsche, die Kabinen mit zugestopften Gucklöchern und der Bademeister ist der gleiche wir vor 25 Jahren. Ein Investor sitzt schon in den Startlöchern.
Da ist Renate, die im Kassenhäuschen sitzt , nachdem ihr Kassensitz in der Bank durch den Automaten getauscht wurde. Da ist Joe, die eigentlich nicht unbedingt hier sein sollte, denn heute ist die Beerdigung ihres (mittlerweile ungeliebten) Mannes. Da ist Isobel, die noch aus einer ganz fernen Zeit stammt und dort auch mehr oder weniger wieder zuhause ist. Melanie kommt mit ihrer Kitagruppe zum Seepferdchen machen und das angeschlagene Geschwisterpaar, sie redet nicht und hat sich frisch die Haare abrasiert, halten das Publikum mit „dem Seemann“ vom Sprungturm in Atem.
Nun taucht auch noch Lenny auf, der in der großen Welt ist und eigentlich zur Beerdigung des ehemaligen Freundes in die Heimststadt gekommen ist. Warum ihn ausgerechnet der Weg ins Freibad geführt hat, weiß er auch nicht so recht. Jetzt steht er hier und staunt, dass es hier so aussieht wie immer und dann trifft er auch noch seine Jugendliebe Joe.
Kiontke, der Bademeister, hätte eigentlich ein gutes Leben, wäre nicht vor ein paar Jahren ein Unglück im Bad geschehen. Er fühlt sich schuldig, ist er aber keinesfalls.
Wäre es nicht März, würde ich sagen: Ab damit ins Freibad!
Der Anfang des Romans ist ein bisschen derb, aber bitte weiterlesen, dahinter versteckt sich ein wunderbar feinsinniger, humorvoller Roman im Hier und Jetzt mit einem bisschen Damals.

Leseprobe

Arno Frank, geboren 1971, ist Publizist und arbeitet als freier Journalist vor allem für den SPIEGEL, die taz und den Deutschlandfunk. Er lebt mit seiner Familie in Wiesbaden. Zuletzt erschien von ihm der Roman „So, und jetzt kommst du“ .
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Auf SWR Landesschau Rheinland-Pfalz gibt es einen Beitrag über Gérard Scappini, der bei uns im Buchladen aus seinem letzten Buch vorgelesen und viel erzählt hat. Genießen Sie die 4-5 Minuten.

Auf seiner Homepage können Sie den Beitrag anschauen.