Dienstag, 12.Juni

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Heute haben
Johanna Spyri * 1827
Djuna Barnes * 1892
H.C.Artmann * 1921
Anne Frank * 1929
Christoph Meckel *1935
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichte-Kalender:

Novalis

Liebchen mit dem schwarzen Haar
und mit blauem Augenpaar,
sei doch nicht so hart und spröde,
nicht so furchtsam oder blöde,
schaue mir ins Angesicht
freudig und eröte nicht.
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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Regie: Martin McDonagh
Darsteller: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Peter Dinklage, John Hawkes, Lucas Hedges, Caleb Landry Jones, Samara Weaving
2017 DVD € 14,99

Oscar® 2018:
Beste Hauptdarstellerin (Frances McDormand)
Bester Nebendarsteller (Sam Rockwell)

Wahrscheinlich brauchen ich zu diesem Film nicht mehr viel schreiben. Überall ging er durch die Presse, er lief lange in den Kinos. Und jetzt ist er schon als DVD erhältlich. Mit dem Titel ist schwer etwas anzufangen. So ist auch der Film. Er knarzt, ist nicht stromlinienförmig in der Handlung. Die Personen ändern sich. Sie zeigen nach einiger Zeit ihr wahres Gesicht, ihr Inneres, so, wie sie eigentlich sein wollen. Auch die Hauptdarstellerin, eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, deren Tochter vor einigen Monaten vergewaltigt und ermordet worden ist, steht nicht nur für das Gute. Sie ist zerrissen, eigenbrötlerisch und egoistisch. Genauso, wie viele der Bewohner in der kleinen Stadt im Nirgendwo in Missouri.
Der Film spielt mit unterschwelliger Gewalt, mit Rassismus und Vorurteilen, mit Macht und Intrigen. Aber auch mit viel Witz, Sarkasmus und starken Dialogen. Als Zuschauer schwankt wird man immer wieder und mit einer neuen Wendung überrascht. Wenn wir das Kino verlassen, ist unser Kopf voller Bilder, die noch zu sortieren sind. Nicht zu sortieren brauchen Sie die Filmmusik. Die ist großartig und auch seperat als Soundtrack auf CD zu kaufen.
Ein unglaublich guter Film, der zurecht mit zwei Oscars prämiert worden ist und sich dem Mainstream-Kino in die Quere stellt.

„Ein brillanter Film… so radikal wie aberwitzig“ (heute journal)
„Einer der besten Filme des Jahres!“ (filmstarts.de)

Hier können Sie den Soundtrack anhören:

https://www.youtube.com/watch?v=aKCAE8Q1OSE
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Solche spröden, kantigen Typen finden Sie im Debüt-Roman „Wie hoch die Wasser steigen“ von Anja Kampmann.
Die Autorin besucht uns am Montag, den 18.Juni und stellt ab 19 Uhr ihr Buch vor.
Der Titel war auf der Shortlist zum Leipziger Buchpreis.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Dienstag, 30.Januar

Heute haben
Adalbert von Chamisso * 1781
Richard Brautigan * 1935
und Barbara Wood * 1947
Thomas Brezina * 1963
Geburtstag
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Adelbert von Chamisso
Der Spielmann

Im Städtchen gibt es des Jubels viel,
Da halten sie Hochzeit mit Tanz und mit Spiel.
Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot,
Die Braut nur gleicht dem getünchten Tod.

Ja tot für den, den nicht sie vergißt,
Der doch beim Fest nicht Bräutigam ist:
Da steht er immitten der Gäste im Krug,
Und streichelt die Geige lustig genug.

Er streichelt die Geige, sein Haar ergraut,
Es schwingen die Saiten gellend und laut,
Er drückt sie ans Herz und achtet es nicht,
Ob auch sie in tausend Stücke zerbricht.

Es ist gar grausig, wenn einer so stirbt,
Wenn jung sein Herz um Freude noch wirbt.
Ich mag und will nicht länger es sehn!
Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn!

Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich?
O Gott – bewahr uns gnädiglich,
Daß keinen der Wahnsinn übermannt.
Bin selber ein armer Musikant.
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Gehen Sie unbedingt in den Film „Weit“. Seit 50 Wochen läuft er in deutschen Kinos, hat sich zu einem der erfolgreichsten unabhängigen Filme entwickelt. „Weit“ zeigt die Reise von Gwen und Ptrick, die drei Jahre immer nach Osten gereist sind und zu dritt (mit dem in Mexiko geborenen Bruno) wieder in Freiburg angekommen sind.

Prolog

Uns zieht es hinaus.
Mit Rucksack, Zelt und nur dem, was wir wirklich brauchen.
Und das alles über Land.
Nie den Kontakt zur Erde verlieren.
Immer Strecke spüren.
Über die Meere mit dem Schiff,
denn jeden Meter wollen wir mit all unseren Sinnen wahrnehmen,
mit Zeit reisen.



Wir lernen Grenzen kennen.
Wollen lernen was Verzicht heißt und was Genuss bedeutet.
Es ist der Versuch nicht mehr als 5 Euro am Tag auszugeben.
2 oder 3 Jahre.
Vielleicht mehr, vielleicht weniger.
Wir folgen unserem Weg, sind nichts Besonderes,
hören lediglich auf das Gefühl im Bauch.
Dabei sind Spontanität und Neugierde unsere engsten Begleiter. 



Wir verlassen unser Zuhause, um zu lernen was für andere Heimat bedeutet.
Und es wird einen Film geben.
Irgendwann.
Denn dann sind wir so weit in den Osten gereist,
dass wir über den Westen wieder zurück gekehrt sind.

Schauen Sie sich den Trailer an, gehen Sie ins Kino, egal zu welcher Uhrzeit und in welchem Saal es spielt. Und wenn Sie es nicht schaffen, ab Mitte Februar haben wir hoffentlich diese einzigartige Reise als DVD im Buchladen. Zusammen mit dem Reisetagebuch und der Musik auf CD.

Diese Bilder, diese verschiedenen Menschen werden Sie nicht mehr loslassen. Nicht, dass wir nun unbedingt auch losziehen müssen. Aber wir merken, dass sich Afghanistan nicht nur auf ein politisches Land aus den Nachrichten reduziert, sondern dass es dort auch Menschen gibt. Mit Freude und Lachen, mit Gastfreundschaft und Hoffnungen. Ob in der Mongolei oder Georgien, Mexiko oder Russland – überall gibt es hilfsbereite Menschen. Alle auf dieser einen Welt, egal, was in Davos entschieden wird.

Dienstag, 9.Januar

Heute haben
Karel Capek * 1890
Kurt Tucholsky * 1890
Simone de Beauvoir * 1908
Heiner Müller * 1929
Klaus Schlesinger * 1937
Geburtstag
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Kurt Tucholsky
Imma mit die Ruhe!

Wenn ick det sehe, wat se so machn,
wie se bei de jeringsten Sachn
sich uffpustn, det man denkt, se platzen –
wie se rot anlaufn, bis an die Jlatzen,
ahms spät un morjens um achte –:
sachte! sachte!
Warum denn so furchtbar uffjerecht?
Wir wem mal alle inn Kasten gelecht.

Wissen Se, ick wah mal dabei –
da hattn se uff de Polessei
eenen Selbstmörda, jänzlich nackt,
in eenen murksijen Sarch jepackt.
Die hatten det eilich! Un ick dachte:
Sachte! Sachte!
Un der Anblick hat sich mir injeprecht:
Wir wern mal alle inn Kasten jelecht.

Janich reliejöhs.
Wie soll ick det sahrn … ?
Ick kann det Jefuchtel nich vatrahrn.
Wir komm bei Muttan raus mit Jeschrei,
un manche bleihm denn auch dabei.
Wenn ick mir det so allens betrachte:
Imma sachte!
Mal liechste still. Denn wird ausjefecht.
Un wir wern alle inn Kasten jelecht.

Theobald Tiger
Die Weltbühne, 06.10.1931, Nr. 40, S. 525.
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Die Karte meiner Träume
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Schauspieler: Helena Bonham Carter, Judy Davis, Callum Keith Rennie, …
F/CDN 2013, FSK ab 0, DVD-Video, Dt/eng, UT: Dt
DVD € 12,99

Der Regisseur Jean-Pierre Jeunet entführt uns mit dem märchenhaften Abenteuerfilm „Die Karte meiner Träume“ in die skurile Welt des kleinen zehnjährigen Wissenschaftlers T.S. Spivet. „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ist vom selben Filmemacher und wir merken es diesem sehr liebevollen Film auch an. Trauer und Witz, Einsamkeit und Familie, eigenwillige Charaktere und ein sehr starker Hauptdarsteller sind beiden Filmen gemeinsam. Herrliche Farben, tolle Aufnahmen und graphische Einschübe lassen uns gebannt auf den Bildschirm schauen. Die Weite der Landschaft, in der die Familie auf ihrer Farm in Montana wohnt, die Reise mit dem Zug durch Canyons, entlang von Flüssen sind schon meisterhaft gefilmt. Als der Zug dann in Washington hält ist dies leider vorbei und auch die Art des Filmes ändert sich.
Wie Sie schon im Trailer gesehen haben, besteht die Familie um T.S. aus lauter sehr speziellen Persönlichkeiten. Aber so ist das halt in Familien. Und wenn dann noch ein Todesfall dazukommt, werden die jeweiligen Charkaterzüge noch markanter. Und mitten drin T.S., der ganz spezielle Talente hat, über die seine Familie den Kopf schüttelt, ihm aber eine Einladung in die große Stadt beschert. Dass es zum Schluß natürlich ein glückliches Ende gibt, ist klar und freut uns natürlich umso mehr, nachdem die Familie fast am Auseinanderkrachen war.

zum Film gibt es / gab es einen Soundtrack mit all den wunderbaren tollen Country Melodien. Gute Unterhaltung.

Ach, fast vergessen: Der Film beruht auf den sehr schön gestalteten, gleichnamigen Roman von Leif Larsen.
Die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall. Fast schon ein Muss.