Freitag

IMG_5456

Heute haben
Joachim Ringelnatz * 1883
Luisa Famos * 1930
Wladimir Sorokin * 1955
Geburtstag

Joachim Ringelnatz
Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

IMG_5457

Und es geht gleich weiter mit Gedichten.
Ich habe doch tatsächlich vergessen, den August-Gedichteband von Reclam hier auf dem Blog zu erwähnen. Der Monat ist in vollem Gange und der Sommer zeigte sich gestern von seiner heissesten Seite.

August

“August”
Gedichte
Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
78 Seiten, Reclam Verlag € 5,00

Es dürften fast 70 Gedichte sein, die sich in diesem Büchlein befinden. Und der August hat es doch schwer in sich. Gilt er doch als der Sommermonat. Allerdings kippelt meist in den letzten Wochen das Wetter vom Sommer zum Herbst. Die Ernten werden eingefahren und bei uns auf der Alb verändert sich Landschaft.
Denken wir noch nicht daran, genießen wir die heissen Tage und warmen Nächte.
U.a. finden wir Erich Kästner,Ernst Jandl, Gottfried Benn, Eugen Roth, Nicolas Born, Günter Grass, Joachim Ringelnatz, Novalis und natürlich die üblichen Verdächtigen, wie, Erich Fried, Robert Gernhardt, Enzensberger und Eichendorff, Hesse und Jandl. Aber, ach, oh Wunder kein Goethe. Gut, dass der nicht in allen Lyrikanthologien auftaucht.

Joseph Freiherr von Eichendorff
Treue

Wenn schon alle Vögel schweigen
In des Sommers schwülem Drang,
Sieht man, Lerche, dich noch steigen
Himmelwärts mit frischem Klang.

Wenn die Bäume all verzagen
Und die Farben rings verblühn,
Tannbaum, deine Kronen ragen
Aus der Öde ewiggrün.

Darum halt nur fest die Treue,
Wird die Welt auch alt und bang,
Brich den Frühling an aufs neue,
Wunder tut ein rechter Klang!

Christian Morgenstern
Hochsommernacht

Es ist schon etwas, so zu liegen,
im Aug der Allnacht bunten Plan,
so durch den Weltraum hinzufliegen
auf seiner Erde dunklem Kahn!

Die Grillen eifern mit den Quellen,
die murmelnd durch die Matten ziehn;
und droben wandern die Gesellen
in unerhörten Harmonien.

Und neben sich ein Kind zu spüren,
das sich an deine Schulter drängt,
und ihr im Kuß das Haar zu rühren,
das über hundert Sterne hängt …

Es ist schon etwas, so zu reisen
im Angesicht der Ewigkeit,
auf seinem Wandler hinzukreisen,
so unaussprechlich eins zu zweit …

Und noch ein Morgenstern-Gedicht, da wir doch gerade ein paar Tage auf Usedom waren, direkt dort, wo die goldene Stadt Vineta versunken ist.

Ein einunddreissigster August

Das war der letzte leuchtende August:
Der Sommer gipfelte in diesem Tage.
Und Glück erklang wie eine Seegrundsage
in den Vinetatiefen unsrer Brust.

Ein leises fernes Läuten kam gegangen –
und welche wollten selbst die Türme sehn,
in denen unsres Glückes Glocken schwangen:
so klar liess Flut und Himmel sie verstehn.

Der Tag versank. Mit ihm Vinetas Stunde.
Septembrisch ward die Welt, das Herz, das Glück.
Ein Rausch nur wie von Tönen blieb zurück
und schwärmt noch über dem verschwiegnen Grunde.

Theodor Storm
August

Die verehrlichen Jungen, welche heuer
Meine Äpfel und Birnen zu stehlen gedenken,
Ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen
Wo möglich insoweit sich zu beschränken,
Dass sie daneben auf den Beeten
Mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.
__________________________

Peter Fox singt in seinem Lied „Haus am See“:
„Ich habe den Tag auf meiner Seite,
ich hab‘ Rückenwind“
Das wünsche ich Ihnen heute auch.

Mittwoch

Heute haben
G.K.Chesterton * 1874
Ian Fleming * 1908
Patrick White * 1912
Walker Percy * 1916
Heinz G.Konsalik * 1921
Guntram Vesper * 1941
Frank Schätzing * 1957
Muriel Barbery * 1969
Geburtstag
_____________________

Nächsten Dienstag ist es schon wieder soweit.
Der 3.Juni ist der erste Dienstag im Monat und somit Termin für unsere Reihe „Die erste Seite“, in der wir wieder vier neue Romane vorstellen.
Clemens Grote wird Ihnen aus
Adichie: Americanah
Tartt: Der Distelfink
Chizhova: Die stille Macht der Frauen
Banville: Im Lichte der Vergangenheit
vorlesen.
Beginn ist wie immer um 19 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.
______________________

Cover Dinge-Buch596

Am Freitag, den 27. Juni um 19 Uhr
stellt Thomas Brandt seine Anthologie:
Das Gedächtnis der Dinge“ vor.
Mit dabei die Ulmer Künstlerin Birte Horn.
Der Eintritt ist kostenlos.

„Das Gedächtnis der Dinge“ ist eine fast 256 Seiten umfassende Sammlung von Fotografien und Texten, an der fast 80 Menschen unterschiedlichen Alters und Berufes mitgearbeitet haben. Thomas Brandt hat sie gebeten, von Gegenständen zu erzählen, die sie in ihrer persönlichen Lebensumgebung verwahren. Viele haben in Form eigener Texte geantwortet, andere das Angebot angenommen, ihre Geschichten von ihm aufschreiben zu lassen.
Es geht um Dinge mit verborgenem Sinn. Sie dienen als „Platzhalter“ für Erinnerungen an Begegnungen, Ereignisse und Erlebnisse, die für den Verlauf eines Lebens wichtig waren oder es noch sind. Viele Geschichten verweisen auf zeitgeschichtliche Ereignisse, wieder andere auf Geschehnisse in der eigenen Biographie, einige Dinge waren Anlass für philosophische Erörterungen oder Auslöser für erfundene Erzählungen.
Die Essener Fotografin Hanne Brandt hat die meisten der „umschriebenen“ Gegenstände in einfühlsamer Weise „portraitiert“ – einige Aufnahme anderer Fotografen sind von Autoren zur Verfügung gestellt worden. Die Fotografien der Objekte zeigen ihr materielle Dasein, wie es für jeden auch uneingeweihten Betrachter wahrzunehmen ist, mit all den sinnlichen Qualitäten von Oberflächenstruktur und Farbigkeit. Die Sorgfalt, mit der die Dinge präsentiert werden, unterstreicht ihre Würde und die Ausdruckskraft ihrer Gestalt. Die korrespondierenden Geschichten in ihren unterschiedlichen Sprachformen dagegen erzählen vom Wesen der Dinge jenseits ihrer materiellen Existenz – sie schildern ihre Rolle im Leben der Menschen.

Vierer-Postkarte unbunt Vierer-Postkarte mit Pullover
_______________________

uk_the_moon_on_my_doorstep

Ulita Knaus: „The Moon On My Doorstep“