Freitag, 1.Mai

Jürgen Grözinger schreibt:

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Dear friends with open mind and open hearts;

wieder ein mal möchte ich euch zu meinem Klassik-Klub auf WDR3 WDR3 einladen. Dieses Set möchte euch auf eine Reise entführen, auf der sich immer wieder unerwartete neue akustische Landschaften auftun. Diese Reise bricht aus der sich momentan verdunkelnden, seltsamen Zeit aus, führt uns zu Wegen, welche Tiefen und Höhen ausloten. Themen wie Freiheit, Sehnsucht, Aufbegehren, Trauer – und LIEBE stehen für dieses Universum, in dem nicht Kleinmut und Angst herrschen, sondern Geist und Gefühl – ein Reich, das und die Musik zu betreten erlaubt.
Die drei Säulen des Sets werden durch Richard Strauss gebildet – „Also sprach Zarathustra“ / „Salomes Tanz der 7 Schleier“ und die ver-rückten Walzer des „Rosenkavalier“ (mit denen wir hinaus- und zurück tanzen). Ich glaube, schon die Titel der Stücke prägen den Kurs der Reise: das „Plastic Bag Theme“ aus „American Beauty“, Faurès „Après un rêve“, „Come Home“ aus der Musik zur hochspannenden Osho-Dokumentation „ Wild Wild Country“, Luciano Berio´s wunderbare Folksongs „Black Is The Colour“ und „I Wonder As I Wander“, ein „Desert Tango“ von Meredith Monk, Sergei Prokofievs „Tanz der Ritter“ aus „Romeo und Julia“, Marin Marais „Sarabande la désolée“, Ryuichi Sakamoto´s „Amore“, Magos Herreras „La Aurora de Nueva York“ nach einem Gedicht von Federico Garcia Lorca, Gérard Grisey´s spektralistisch-meisterhafte und entrückende „Berçeuse“ (aus seinen grandiosen „Quatre chants pour franchir le seuil“ / „Vier Gesänge, um die Schwelle zu überschreiten)“ – jenes Wiegenlind, das uns dorthin trägt, wo wir jetzt sein sollten, Haendels famoses „Lascia Ch’io Pianga“, das nicht zuletzt Lars von Trier in seinem dysstopischen Meisterwerk „Melancholia“ immer und immer wieder spielte, Martynov´s „The Beatitudes“, das wir wiederum aus Sorrentinos „Grande Bellezza“ kennen …

Ich wünsche euch einen zauberhaften Freitag-Feiertag-Nachmittag!

Klassik-Klub mit Simon Sarow (also known as Juergen Groezinger)
WDR3 Radio Freitag 1. Mai 16.04 – 17.45

https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-klassik-klub/klassikklub-624.html

Freitag, 15.Januar

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Heute haben
Moliere * 1622
Franz Grillpazer * 1791
Walter Serner *1891
Ossip Mandelstam * 1891
Franz Fühmann * 1922
Leo P.Ard * 1953
Geburtstag
und auch Martin Luther King (* 1919) und Meret Becker (* 1969)

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Theodor Fontane
Alles still!

Alles still! es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

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Im Blumenhaus Springer in Ulm leuchtet es bunt, wie im Frühling.
Da musste ich mir doch gleich ein Sträußle mitnehmen.

Unser heutiger Tipp:

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Julia Lezhneva:Händel
mit Il Giardino Armonico unter der Leitung von Giovanni Antonini
DECCA CD   € 19,99

Inhalt: Salve Regina, Arien aus Resurrezione, Rodrigo, Dixit Dominus, Agrippina, Trionfo, Dafne

Das wurde auch Zeit, dass es endlich wieder eine neue CD von Julia Lezhneva gibt. Die russische Sängerin, die gerade mal 25 Jahre alt ist, hat mit ihrer letzten Aufnahme einen so tollen Erfolg und wir kamen mit Bestellen oft nicht nach. Jetzt hat die Spezialistin für Barockmusik sich dem jungen Händel zugewandt.

„Wir wissen so viel über den englischen Händel, über den deutschen Händel, aber er war noch so jung – 21 bis 25, als er durch Italien gereist ist. Und ich denke, das ist so eine wichtige Zeit im Leben, weil man alles so tief in sich aufnimmt. Alles ist noch so besonders in diesem Alter.“, sagt sie selbst.

In der wiederholten Zusammenarbeit mit Giovanni Antoniniund seinem Ensemble „Il giardino armonico“ konnte sie sich einen weiteren Traum erfüllen und bringt uns beim Zuhören zum Träumen.
Mit fünf Jahren begann sie Klavier zu spielen und kam erst Jahre später zum Gesang, als ihr Lehrer ihr eine Aufnahme mit Barockmusik gab. Mit 14 war sie schon auf dem Konservatorium und wurde durch einen Youtube-Clip von Marc Minkowski entdeckt. Seitdem gibt es für die junge Sopranisten kein Halten mehr.
Ein weiterer Traum wurde für sie wahr, als sich Giovanni Antonini bei ihr meldete und nachfragte, ob sie nicht gemeinsam eine CD aufnehmen wollen.

„Ich traute mich eigentlich fast nicht, davon zu träumen, mit ihnen zu singen! Das war mein größter Traum – und er ist wahr geworden!“

Über diese Zusammenarbeit schreibt sie:
„Note für Note. Takt für Takt. Weil ich, als wir uns das erste Mal begegnet sind, noch nie eine ganze Barockoper gesungen hatte. Natürlich kam ich hin und hatte die Partie gelernt, aber ich hatte keine Idee davon, wie man die Phrase fühlen kann.“

Die Presse überschlägt sich, fast meint man, Händel hätte die Stücke für ihren glockenhellen Klang geschrieben. Glasklar, strahlend, leuchtend möchte ihren Gesang beschreiben. Voll und rund, warm und doch gestochen scharf. Ob ernst, oder verspielt, sie trifft die Stimmung genau. In einer Arie aus Händels Oratorium „La Resurrezione“ tiriliert und gurrt sie mit dem Orchester um die Wette. Eine wahre Freude.

Passt irgendwie genau zwischen die Frühlingsblumen und den heftigen Wintereinbruch.

 

Samstag

Literaturwoche Ulm / Das Programm

Urlaubsgruß von den Galapagos Inseln

Urlaubsgruß von den Galapagos Inseln

Heute hat
Georg K.Glaser * 1910
Geburtstag
und morgen
Ludwig Tieck * 1773
Georg herwegh * 1817
Walt Whitman * 1819
James Krüss * 1926
Gebriel Barylli * 1957
Frank Goosen * 1966

Noch'n Gruß

Noch’n Gruß

Walt Whitman

O Captain! my Captain! our fearful trip is done;
The ship has weather’d every rack, the prize we sought is won;
The port is near, the bells I hear, the people all exulting,
While follow eyes the steady keel, the vessel grim and daring:
But O heart! heart! heart!
O the bleeding drops of red,
Where on the deck my Captain lies,
Fallen cold and dead.

O Captain! my Captain! rise up and hear the bells;
Rise up–for you the flag is flung–for you the bugle trills; 10
For you bouquets and ribbon’d wreaths–for you the shores a-crowding;
For you they call, the swaying mass, their eager faces turning;
Here Captain! dear father!
This arm beneath your head;
It is some dream that on the deck,
You’ve fallen cold and dead.

My Captain does not answer, his lips are pale and still;
My father does not feel my arm, he has no pulse nor will;
The ship is anchor’d safe and sound, its voyage closed and done;
From fearful trip, the victor ship, comes in with object won; 20
Exult, O shores, and ring, O bells!
But I, with mournful tread,
Walk the deck my Captain lies,
Fallen cold and dead.

(Und wer weiß, in welchem Film Teile dieses Gedichtes mehrfach zitiert werden?
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Musik für’n graues Wochenende, für die Autofahrt in den Urlaub und überhaupt einfach gute Musik:

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David Sanborn: „Time And The River“
Okeh CD € 19,99
          LP € 22,99

70 Jahre ist Sanborn geworden und irgendwie hat er mich die letzten 30 Jahre begleitet. Meist unbemerkt und so nebenher. Immer hatte irgendjemand die neue LP/CD von ihm von irgendwoher aufgenommen.
Jetzt also „Time And The River“, seine neueste Aufnahme, die er mit wechselnder Besetzung eingespielt hat. Im Moment läuft auf meinen Ohren „Windmills Of My Mind“, gesungen von Randy Crawford, in einer sehr lässigen, coolen Version. (Unten gibt es das Stück zu hören). Produziert wurde die CD vom Bassisten Marcus Miller, der mit ihm schon zwei herausragende CDs („Upfront“ und „Inside“) gemacht hat. Lassen Sie sich also überraschen.
David Sanborns Musik ist eher in der SmoothJazz-Ecke einzusortieren. Ein wenig Groove, ein wenig Funk. Mit dieser Mischung hat er sich einen Namen gemacht. Hier geht er selbst einen Schritt zurück und sieht sich als Teil einer Band und steht nicht nur im Vordergrund, was bei der hochkarätigen Besetzung auch gar nicht schwer ist.
Marcus Miller am Bass, Javier Diaz am Schlagzeug und Justin Mullens an der Trompete sollen als Beispiel reichen. Dazu noch Randy Crawford und Larry Braggs, die auf zwei Stücken singen. Gerade „Can’t Get Next To You“ mit Larry Braggs hat einen enormen Groove. Ein voller Bläsersatz und einige Hintergrundstimmen, ein knackiges Schlagzeug, geben dem Stück ein gewisses Etwas.
Bemerkenswert: Die Aufnahme wurde durch eine Crow-Funding-Aktion ermöglicht. Somit hatten David Sanborns Fans auch ein Wörtchen „mitzureden“.
Gut gemacht!

„… der Saxofonist aus Florida klingt so direkt und selbstbewusst wie seit langem nicht. Er präsentiert einen soulig trockenen Sound im Stil von einst, mit wechselnden Besetzungen und Songs, die kraftvoll und lässig stellenweise an alte Glanzzeiten anknüpfen.“
Audio, 5/2015


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Nicht vergessen:
Am kommenden Dienstag gibt es wieder unsere „Erste Seite“ mit neuen Büchern und Clemens Grote.
Ehrengäste diesmal das Kabaretduo „Münch & Sauer“ mit einem kurzen Einblick in ihr neues Programm.