Freitag, 22.April

Heute haben
Henry Fielding * 1707
Madame de Stael * 1766
Ludwig Renn * 1889
Guillermo Cabrera Infante * 1929
Geburtstag
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„Wir Deutschen sind ja berüchtigt dafür, daß wir immer fremde Völker erziehen wollen, während in unserem eigenen Lande der Faschismus zur Herrschaft kam und wir nicht genug gegen ihn gekämpft haben, – was doch unsere Hauptaufgabe gewesen wäre.“
Ludwig Renn
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Unser Lyriktipp:


„Ein Tag am See“
Gedichte
Herausgegeben von Eberhard Scholing
Reclam Verlag € 7,00

Stillt ruht der See und lädt ein zur Betrachtung und Kontemplation.
Wir wissen aber nicht, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt.
Und so bleibt bei Sommer- und Winterseen immer eine gewisse Unsicherheit, auch wenn die Romantik über die Ufer schwappt.

Sommersee, Abend am See, Berge und See, Fahrt auf dem See, Nixenzauber, Seegetier, Wintersee heissen die Themenüberschriften und quer durch die Literaturgeschichte hat Eberhard Scholing AutorInnen zusammengetragen. Eva Strittmatter, Sarah Kirsch,Droste-Hülshoff, Bertolt Brecht, Alfgred Andersch, Justinus Kerner, Wilhelm Waiblinger, Schiller, Goethe, Fontane, Eichendorff, und und und.

Wilhelm Busch
Wassermuhmen

In dem See die Wassermuhmen
wollen ihr Vergnügen haben,
fangen Mädchen sich und Knaben,
machen Frösche draus und Blumen.

Wie die Blümlein zärtlich knicksen,
wie die Frösche zärtlich quaken,
wie sie flüstern, wie sie schnaken,
so was freut die alten Nixen.
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Hermann Hesse
Berge in der Nacht

Der See ist erloschen,
Schwarz schläft das Ried,
Im Traume flüsternd.
Ungeheuer ins Land gedehnt
Drohen die hingestreckten Berge.
Sie ruhen nicht.
Sie atmen tief, und sie halten
Einer den andern an sich gedrückt.
Tief atmend,
Mit dumpfen Kräften beladen,
Unerlöst in verzehrender Leidenschaft.
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Christian Morgenstern
Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Antōn
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antōn, gerufen eilig,
sprach nichts als »Heilig! heilig! heilig!«
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Noch mehr Gedichte in der Leseprobe.
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Mi, 11.5.2022 um 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Unsere Welt neu denken“ – Workshop zum Buch von Maja Göpel

Alles weiter wie bisher auf unserem Planeten? Vom Klimawandel über den Ressourcenverbrauch, von globaler Ungerechtigkeit bis zum Wachstumsmantra hinterfragt die Transformationsforscherin Maja Göpel überkommene Denkmuster und lädt zu einem anderen Blick auf die vielfältigen Problemlagen.

Anhand konkreter Themen aus ausgewählten Kapiteln aus dem Buch  von Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung (zu beziehen im Buchhandel für € 11,99) diskutieren unterschiedliche Generationen gemeinsam die Frage, wie Transformation möglich ist. Teilnehmende sind Studierende im Aicher-Scholl-Kolleg und alle Interessierte.

Anmeldung unter sekretariat@hdbulm.de bis zum 8.5.22 erbeten. Dort erhalten sie die Angabe der ausgewählten Kapitel für den Workshop.

Veranstalter: Haus der Begegnung und Aicher-Scholl-Kolleg. Eintritt frei.Haus der Begegnung, Grüner Hof 7, 89073 Ulm

Mit besten Grüßen,
Andrea Luiking
Geschäftsführerin, Haus der Begegnung Ulm, Kulturpfarrerin an der Pauluskirche
Grüner Hof 7, 89073 Ulm
0731 92 000 0
andrea.luiking@hdbulm.de
www.hdbulm.de
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Donnerstag, 2.September


Heute haben
Caroline Schelling * 1763
Joseph Roth * 1894
Geburtstag
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Gedichte sind Balsam auf Unstillbares im Leben
Caroline Schlegel
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September
Gedichte ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Und schon ist wieder ein neuer Monat angebrochen und der Sommer, der keiner war, ist endgültig vorbei. Die Tage werden kürzer, morgens brauche ich Licht zum Arbeiten und abends zum Lesen ist es das Gleiche. Rote Tomaten, Zwetschgen in allen Farben gibt es zu kaufen und die Blättern beginnen, bunt zu werden.
Der Bahnstreik hat meinen Urlaub auf der Raketenstation verkürzt. Auch ein Grund, warum es gestern keinen Blogeintrag gab. Dafür aber ein Käferbild von der danebenliegenden Insel Hombroich.


Rainer Maria Rilke
Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Friedrich Hebbel
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Theodor Fontane
Herbstmorgen

Die Wolken ziehn, wie Trauergäste,
Den Mond still – abwärts zu geleiten;
Der Wind durchfegt die starren Äste,
Und sucht ein Blatt aus bessren Zeiten.

Schon flattern in der Luft die Raben,
Des Winters unheilvolle Boten;
Bald wird er tief in Schnee begraben
Die Erde, seinen großen Toten.

Ein Bach läuft hastig mir zur Seite,
Es bangt ihn vor des Eises Ketten;
Drum stürzt er fort und sucht das Weite,
Als könnt‘ ihm Flucht das Leben retten.

Da mocht  ich länger nicht inmitten
So todesnaher Öde weilen;
Es trieb mich fort, mit hastgen Schritten
Dem flüchtgen Bache nachzueilen.
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1. Welches Buch lesen Sie gerade?
2. Welches Buch empfehlen Sie unbedingt?
3. Welches Buch wollen Sie schon immer mal (wieder) lesen?

Peter Stamm (Schriftsteller, u.a. „Das Archiv der Gefühle„) empfiehlt:

1.Dag Solstad, „Armand V.„, ein Buch, das aus Fussnoten zu einem nie geschriebenen Roman besteht, die sich aber lesen wie ein Roman. Wie immer bei Dag Solstad fast ereignislos und dennoch spannend zu lesen.
2.Die Kurzgeschichten von Katherine Mansfield, die ich kürzlich wiederentdeckt habe, sehr gut geschrieben, frisch, humorvoll, sehr wagemutig und ihrer Zeit weit voraus.
3.“Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller. Ich habe ihn jung gelesen und sehr gemocht, aber ich glaube, heute würde er mir noch viel besser gefallen.

Vielen Dank und Grüße über den Bodensee.
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Zwei Meldungen auf tagesschau.de:

Ausläufer von Hurrikan „Ida“
Notstand wegen Starkregen in New York

Vollgelaufene U-Bahn-Stationen, Autos, die durch Straßen treiben und ein neuer Regenrekord: Ein historisches Unwetter hat in New York zu Überflutungen geführt. Bürgermeister de Blasio rief den Notstand aus.

Waldbrände in Kalifornien
Tausende Einsatzkräfte kämpfen gegen Feuer

In den USA wüten weiterhin heftige Waldbrände. Besonders betroffen ist der Bundesstaat Kalifornien. Mehr als 4100 Feuerwehrleute und Helfer versuchten am Lake Tahoe, ein Feuer unter Kontrolle zu bringen.

Dienstag, 6.Juli

Heute haben
Emil Barth * 1900
Unica Zürn * 1916
Bernhard Schlink * 1944
Bodo Kirchhoff * 1948
Hilary Mantel * 1952
Geburtstag
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Johann Wolfgang von Goethe
Freudvoll und leidvoll

Freudvoll
Und leidvoll
Gedankenvoll sein,
Langen
Und bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
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Juli
Gedichte
Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 6,00

Am 3.Juli 2018 habe ich das Bändchen auch vorgestellt. So wie jedes Jahr. Damals haben wir wohl unter der Hitze gestöhnt. Jetzt kommen fast täglich Regenschauer und auch heftige Gewitter.
Trotzdem: Der Sommer ist da, die längsten Tage sind schon vorbei und wer im Norden Urlaub macht, oder in Flensburg wohnt, der merkt deutlich die Helligkeit bis in die tiefsten Abendstunden.
Auch in vielen anderen Dingen ist 2021 anders als 2018. Da können Gedichte wahre Wunder wirken.

Der Sommer hat schon lang eröffnet
Sommergewitter
Sommernächte und Gartenfreuden
Endlich Ferien
Sommerfreuden
Hochsommer
heißen die Überschriften und zeigen uns, wo es hier lang geht.

Theodor Storm
Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.

Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
„Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.“

Kurt Tucholsky
Feldfrüchte

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.

Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.

Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh …
Ja, und hier –? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.