Dienstag, 30.August

Heute haben
Mary Shelley *1797
Ivan Kusan * 1933
Libuse Monikova * 1945
Geburtstag
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Bald ist es soweit:

September
Gedichte ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 6,00

Kaum zu glauben. Jetzt hatten wir einen heißen Sommer, kaum Regen und doch bricht so langsam der Herbst an. Die Tage werden kürzer, morgens brauche ich Licht zum Arbeiten und abends zum Lesen ist es das Gleiche. Rote Tomaten, Zwetschgen in allen Farben gibt es zu kaufen und die Morgennebel hängen in den Ebenen.
Die Klimaveränderung zeigt sich bei uns immer deutlicher. Wassermangel in den Flüssen und Dürren auf den Feldern. In Ulm hat sich ein Klimabündnis gegründet, in dem viele Gruppierungen teilnehmen. Vielleicht ist es Ihnen auch ein Bedürfnis mitzumachen.
Doch zunächst zwei Gedichte auf den sich anbahnenden Herbst.

Rainer Maria Rilke
Herbsttag

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten reif zu sein
gib Ihnen noch zwei südlichere Tage
dräng sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Friedrich Hebbel
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
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Dienstag, 6.September, 19.00 Uhr
„Die erste Seite“

Wir stellen vier neue Bücher vor:


Eeva-Liisa Manner: „Das Mädchen auf der Himmelsbrücke“
Giulia Caminito: „Das Wasser des Sees ist niemals süß“
Shelly Kupferberg: „Isidor“
Kristina Gorcheva-Newberry: „Das Leben vor uns“

Es liest Clemens Grote
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Der Jastram-Blog macht ein paar Tage Ferien und Pause und meldet sich nächste Woche wieder.

Mittwoch, 1.Juni


Heute haben
Ruth Rehmann * 1922
Colleen McCullough * 1937
Rudolf Bussmann * 1947
Geburtstag
und vorgestern ist ist F.C.Delius gestorben.
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Winfried Hermann Bauer
New Orleans

Vergiss niemals
Kassandra, Pandora oder Katrina
Singt der Soulman
Und weist auf den Halbmond
Über dem Dreieck
Zwischen dem Meer, dem See und dem Fluss
Frauen verheißen nicht immer nur Gutes

Er singt von Hurrikans und Sturmfluten
Von Leichen in öligem Schlamm
Vom Behördenwahn
Und der bangen Gereiztheit in jedem Jahr
Bevor es wieder losgeht mit den Stürmen
Aber auch von Hand in Hand
With a lot of help from my friends

Mit Genugtuung
In seiner kehligen Stimme
Erhebt er sein Glas
Und singt von der Wiederauferstehung
Unter Girlanden von
Louisiana-Moos und Mardi-Gras-Beads
Die in den Lebenseichen hängen

Es ist der Spirit
Vergangener Kulturen
Der durch die Legenden der Stadt führt
Der alte Mann schlürft Gumbo und Jambalaya
Und fühlt die Fiddle-Klänge
Wie Farbspritzer
Auf Zunge und Ohr

Seine Augen leuchten
In der fiebrigen Nacht
Und er flüstert
Wenn die ruhmreiche Lilie
Aus den Sümpfen steigt
Und über den Fluss tanzt
Als wäre sie ein Irrlicht im Strömen der Zeit
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Juni
Gedichte
Hrsg.: Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 6,00

Und schon ist der Juni da, die kurzen Nächte kommen und in drei Wochen haben wir den längsten Tag des Jahres. Alles blüht, Grüns in allen Schattierungen.
Und doch ist die Welt aus den Fugen. Vielleicht helfen uns diese sommerlichen Gedichte über die vielen traurigen Nachrichten hinweg und geben uns Kraft zum Helfen.

Im bunten Wiesenstück
Blütenduft und erste Früchte
Düstere Junitage
Der Sommer ist da
Besondere Tage

So nennen die Herausgeberinnen die einzelnen Kapitel.
Herausgesucht habe ich drei Gedichte aus der bunten Auswahl in diesem Reclam Bändchen.

Christian Morgenstern
Butterblumengelbe Wiesen

Butterblumengelbe Wiesen,
sauerampferrot getönt –
o du überreiches Sprießen,
wie das Aug‘ dich nie gewöhnt!

Wohlgesangdurchschwellte Bäume,
wunderblütenschneebereift –
ja, fürwahr, ihr zeigt uns Träume,
wie die Brust sie kaum begreift.

Wilhelm Runge
Blumen flattern Sommer

Blumen flattern Sommer
Duften nimmt beide roten Backen voll
Falter wiegen Wald
Goldkäfer schreien
Mücken strampeln himmelauf und ab
heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein
Unken patscht Libellenflügel wach

Zweige lachen
tuscheln
sonnen
strömen
Vögel wogen Wiesen
liegen flach
ziehn die Ahorndolden an den Händen
böse schelten Bienen in den Bart
Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder
taumelnd tollt des Atems Flügelschlag
und der Augen wilde Rosen springen.

Das Denken träumt
Gelächter reimt die Straßen
zum Tanz des Blutes
schläfenaufundab
die Adern blinzeln Frühling durch die Knochen
und schlürfen tief den schweren Himmel ein
Wind spielt der Augen froh geschwellte Segel
der Stirne Knoten löst vom Tode sich
weiß über Wiesen schnattern Dörfer hin
die Städte fauchen
und zankend zerrn die Pulse ihre Zügel
nur deine Seele spielt im Sternjasmin
Lieb-Brüderchen Maßloslieb-Schwesterlein

Rosen nicken aus den Junistunden
trällern Sommerblau den Matten hin
mild aus tiefstem Herzen grünt die Heimat
ihre Lippen murmeln wälderschwer
überwelthin schwingt die Sterne Zeit
Kinderwangliebkinderwanggereiht
Krieg brüllt auf
die wilden Blumen schrein
Sonne leckt Gestöhn aus allen Poren
Frieden holt den tiefen Atem ein
und der Nächte durchgewühlte Locken

schmeicheln um der Seele zitternd Knie
Angst zerreißt der Sterne Himmelglanz
und der Abend drückt die Augen blind
einsam geigt
tief hinter Blut geduckt
ewger Kindheit wildumsehntes Glück
und der Sehnsucht über die Welt
hängende Herzen
schlagen

Klabund
Die Wirtschafterin

Drei Wochen hinter Pfingsten,
Da traf ich einen Mann,
Der nahm mich ohne den geringsten
Einwand als Wirtschafterin an.

Ich hab‘ ihm die Suppe versalzen
Und auch die Sommerzeit,
Er nannte mich süße Puppe
Und strich mir ums Unterkleid.

Ich hab‘ ihm silberne Löffel gestohlen
Und auch Bargeld nebenbei.
Ich heizte ihm statt mit Kohlen
Mit leeren Versprechungen ein.

Ich habe ihn angesch…
So kurz wie lang, so hoch wie breit.
Er hat mich hinausgeschmissen;
Es war eine wundervolle Zeit …
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Donau I Zeit I Reise“ – was uns der Fluss erzählt

Ein Film-Essay, der Zeit zum Schauen, zum Zuhören und zum Nachdenken lässt. In zehn Jahren bereiste der Autor die Donau von den Quellflüssen Brigach und Breg bis weit hinter das Eiserne Tor. Vom Ufer, aus der Luft aber vor allem vom Schiff aus ziehen Städte und Landschaften vorüber. Nicht im Eiltempo eines Hotelschiffes, sondern im gemächlichen Reise-Tempo eines Ulmer Traditionsschiffes, der „Ulmer Schachtel“. Genügend Zeit, um einige wichtige europäische Schriftsteller*innen kennenzulernen, mit Ihren Gedanken zu diesem großen europäischen Strom und über das nicht einfache Zusammenleben der Menschen an seinen Ufern.
Immer wieder blendet der Film für kurze Passagen in das Jahr 1928 zurück, als ein deutsches Filmteam die gesamte Donau bereiste und die Vielfalt der Länder und ihrer Menschen in schwarz-weiß Bildern festhielt. Aber was wäre die Donau ohne Musik? Erst durch das klingende Element, von Händel über Strauss bis zu Gypsy Swing und Weltmusik wird der Film zu einem besonderen, einmaligen Reiseerlebnis.

Kamera und Regie: Günter Merkle, Produktion 2022: http://www.protel-film.de

Premiere am 05. Juni 2022 im Ulmer Mephisto Kino, 11:00 Uhr
Weitere 11:00 Uhr Sonntags-Matinee Vorführungen am 12. / 19. und 26. Juni
im Ulmer Mephisto-Kino

Karten über: www.arthauskinos-ulm.de

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Hartmut Bögel radelt

Tag 5
145 – recht flache- Kilometer von Aachen über Maastricht, Hasselt und Aarschot nach Grimbergen bei Brüssel.
Geniale Fahrradbedingungen in Holland, super Radwege, klasse Überführungen und schnelle Wegführung. Das ist in der Tat eine ganz andere Liga, wie bei uns in Deutschland, wo man manchmal das Gefühl hat, der Radweg ist nur dazu da, um die Radelnden von der Straße weg zu haben. Auch in Belgien ist das Radnetz sehr klar, nur die Wege etwas holpriger wie in den Niederlanden. Aber auch für  Belgien ein klares Daumen hoch.

Mehr Bilder und Texte (z.B. 1. Platten) auf https://hardyontour.wordpress.com

Freitag, 22.April

Heute haben
Henry Fielding * 1707
Madame de Stael * 1766
Ludwig Renn * 1889
Guillermo Cabrera Infante * 1929
Geburtstag
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„Wir Deutschen sind ja berüchtigt dafür, daß wir immer fremde Völker erziehen wollen, während in unserem eigenen Lande der Faschismus zur Herrschaft kam und wir nicht genug gegen ihn gekämpft haben, – was doch unsere Hauptaufgabe gewesen wäre.“
Ludwig Renn
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Unser Lyriktipp:


„Ein Tag am See“
Gedichte
Herausgegeben von Eberhard Scholing
Reclam Verlag € 7,00

Stillt ruht der See und lädt ein zur Betrachtung und Kontemplation.
Wir wissen aber nicht, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt.
Und so bleibt bei Sommer- und Winterseen immer eine gewisse Unsicherheit, auch wenn die Romantik über die Ufer schwappt.

Sommersee, Abend am See, Berge und See, Fahrt auf dem See, Nixenzauber, Seegetier, Wintersee heissen die Themenüberschriften und quer durch die Literaturgeschichte hat Eberhard Scholing AutorInnen zusammengetragen. Eva Strittmatter, Sarah Kirsch,Droste-Hülshoff, Bertolt Brecht, Alfgred Andersch, Justinus Kerner, Wilhelm Waiblinger, Schiller, Goethe, Fontane, Eichendorff, und und und.

Wilhelm Busch
Wassermuhmen

In dem See die Wassermuhmen
wollen ihr Vergnügen haben,
fangen Mädchen sich und Knaben,
machen Frösche draus und Blumen.

Wie die Blümlein zärtlich knicksen,
wie die Frösche zärtlich quaken,
wie sie flüstern, wie sie schnaken,
so was freut die alten Nixen.
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Hermann Hesse
Berge in der Nacht

Der See ist erloschen,
Schwarz schläft das Ried,
Im Traume flüsternd.
Ungeheuer ins Land gedehnt
Drohen die hingestreckten Berge.
Sie ruhen nicht.
Sie atmen tief, und sie halten
Einer den andern an sich gedrückt.
Tief atmend,
Mit dumpfen Kräften beladen,
Unerlöst in verzehrender Leidenschaft.
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Christian Morgenstern
Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Antōn
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhundert Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antōn, gerufen eilig,
sprach nichts als »Heilig! heilig! heilig!«
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Noch mehr Gedichte in der Leseprobe.
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Mi, 11.5.2022 um 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Unsere Welt neu denken“ – Workshop zum Buch von Maja Göpel

Alles weiter wie bisher auf unserem Planeten? Vom Klimawandel über den Ressourcenverbrauch, von globaler Ungerechtigkeit bis zum Wachstumsmantra hinterfragt die Transformationsforscherin Maja Göpel überkommene Denkmuster und lädt zu einem anderen Blick auf die vielfältigen Problemlagen.

Anhand konkreter Themen aus ausgewählten Kapiteln aus dem Buch  von Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung (zu beziehen im Buchhandel für € 11,99) diskutieren unterschiedliche Generationen gemeinsam die Frage, wie Transformation möglich ist. Teilnehmende sind Studierende im Aicher-Scholl-Kolleg und alle Interessierte.

Anmeldung unter sekretariat@hdbulm.de bis zum 8.5.22 erbeten. Dort erhalten sie die Angabe der ausgewählten Kapitel für den Workshop.

Veranstalter: Haus der Begegnung und Aicher-Scholl-Kolleg. Eintritt frei.Haus der Begegnung, Grüner Hof 7, 89073 Ulm

Mit besten Grüßen,
Andrea Luiking
Geschäftsführerin, Haus der Begegnung Ulm, Kulturpfarrerin an der Pauluskirche
Grüner Hof 7, 89073 Ulm
0731 92 000 0
andrea.luiking@hdbulm.de
www.hdbulm.de
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