Mittwoch, 18.November

Heute haben
Richard Dehmel * 1863
Klaus Mann * 1906
Vassilis Vassilikos * 1933
Margaret Atwood * 1939
Christoph Wilhem Aigner * 1954
Geburtstag
und es ist der Todestag von Marcel Proust.
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Richard Dehmel
Empfang

Aber komm mir nicht im langen Kleid!
komm gelaufen, daß die Funken stieben,
beide Arme offen und bereit!
Auf mein Schloß führt keine Galatreppe;
über Berge geht’s, reiß ab die Schleppe,
nur mit kurzen Röcken kann man lieben!

Stell dich nicht erst vor den Spiegel groß!
Einsam ist die Nacht in meinem Walde,
und am schönsten bist du blaß und bloß,
nur beglänzt vom schwachen Licht der Sterne;
trotzig bellt ein Rehbock in der Ferne,
und ein Kuckuck lacht in meinem Walde.

Wie dein Ohr brennt! wie dein Mieder drückt!
rasch, reiß auf, du atmest mit Beschwerde;
o, wie hüpft dein Herzchen nun beglückt!
Komm, ich trage dich, du wildes Wunder:
wie dich Gott gemacht hat! weg den Plunder!
und dein Brautbett ist die ganze Erde.
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Pünktlich zu seinem Todestag, veröffentlicht der Reclam Verlag eine dreibändige Ausgabe von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und auch dieses Nachsachlagewerk:

Auf der Suche nach Marcel Proust
Ein Album in Bildern und Texten
Hrsg.: Bernd-Jürgen Fischer

Ja, es ist wirklich ein Album geworden. In diesem Portrait finden wir Fotos, Gemälde von Proust und Personen aus seiner Familie, seinem Freundes- und Bekanntenkreis. Zusammen mit den vielen Originaldokumenten gelingt dem Herausgeber ein Bild des Autors, das uns ein wenig näher kommt. Auszüge aus Proust Briefen und Schulaufsätzen zeigen ihn als Menschen und nicht als übergroßen Autor. So sind die 230 Seiten dieses Bilderbuches, ein Nachschlagewerk, ein Album, für Proust-LeserInnen, aber auch für solche, die der Person Marcel Proust entdecken wollen.
Und: Das Buch passt in jede Versandtasche und ist vielleicht das ideale Geschenk für den Proust-Fan im Freundeskreis.

Marcel Proust: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“
Übersetzt von Bernd-Jürgen Fischer
Reclam Verlag € 44,00

Mittwoch, 20.Mai

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Heute haben
Alexander Pope * 1688
Honoré de Balzac * 1799
Gabriele Wohmann * 1932
Peter von Matt * 1937
Urs Widmer * 1938
Geburtstag
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Abstand und Anstand

Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘,
schließe beide Äuglein zu,
doch ich schlafe nicht gleich ein,
denn mein Kopf sagt: „Noch nicht! Nein!“

Die Gedanken kreisen wild,
und es schiebt sich Bild um Bild
in mir rum zu dem, was ist,
Pandemie und all dem Mist.

Abstand halten, noch und nöcher.
Und kein Pfeil in Amors Köcher.
Der Protest und die Idioten
von den Rechten zu den Roten.

Wirren hier und dort, verschwurbelt.
Auch mit Sagrotan wer gurgelt.
Die Trommel gerühret, das Pfeifchen gespielt.
Manch Protest aufs Richt’ge zielt.

Wozu Covid-Schutz erwerben,
wenn die Alten eh bald sterben?
Ist das die Welt für Dich, mein Sohn,
wenn ohne Anstand gellt der Ton?

Augen zu, noch immer nicht,
also mach‘ ich wieder Licht.
Himmelhochjauchzend, zu Tode vermiest,
glücklich allein ist die Seele, die liest …

© Thomas Dietrich, mit Hilfe von Hansjörg Hack
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978-3-15-014053-6

Nikil Mukerji und Adriano Mannino:
„Covid-19: Was in der Krise zählt“

Über Philosophie in Echtzeit
Aus der Reihe: Was beduetet das alles?
Reclam Verlag € 6,00

Wir stecken immer noch mitten in der Corona Pandemie, obwohl es in der Innenstadt oft nicht danach aussieht. Wie gehen wir alle mit dieser Situation um? Mit Anstand und Abstand?, wie Thomas Dietrich gedichtet hat, ist sicher die beste Methode.
Aber lassen sich jetzt schon philosophische Methoden auf diese Krise anwenden? Können Philosophen sich in Echtzeit einmischen und aufklären?
Die beiden Autoren dieses Buch wagen einen Ausblick. Analytisch, unaufgeregt und mit einem Blick aufs Ganze klären sie auf, zeigen verschiedene Denkfehler auf. Ein Abwägen der Risiken gibt es in jeder Krise, in jeder Katastrophe. Wie gehe ich mit Prävention um? Brauche ich solche Maßnahmen, wenn die Chance eines großen Unfalls auch noch so gering ist? Was passiert, wenn ich im Vorfeld einer Krise zu spät handle und mich nicht mit anderen Nationen vernetze?
Wie treffe ich für mich Entscheidungen, wenn die Meinungen von Experten diametral sind? Was steckt hinter Verschwörungstheorien und wie kann ich dagegen argumentieren?
Die Autoren schauen aber auch über den Corona-Tellerrand und schreiben u.a. über unser Verhalten zur Klimakatastrophe, die unweigerlich im Anrollen ist.
Ein interessantes Buch, das sowohl die Gegenwart (in Echtzeit) betrachtet, als auch aufzeigt, was in der Vergangenheit für Fehler gemacht worden sind und was wir daraus in der Zukunft lernen können.

Leseprobe

Nikil Mukerji ist Philosoph und Ökonom sowie Geschäftsführer des Studiengangs »Philosophie Politik Wirtschaft« an der Universität München.

Adriano Mannino ist Philosoph und Sozialunternehmer. Er leitet das Solon Center for Policy Innovation der Parmenides Stiftung in München-Pullach.

Beide sind Mitglieder einer interdisziplinären Forschungsgruppe, die Strategien zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie und anderen Katastrophenrisiken entwickelt.

Montag, 4.Mai

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Heute haben
Friedrich Arnold Brockhaus * 1772
Gerlind Rheinshagen * 1926
Amos Oz * 1939
Graham Swift * 1949
David Guterson * 1956
Florian Illies * 1971
Geburtstag.
Aber auch Audrey Hepburn und Keith Haring.
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978-3-15-019115-6

„Mai“
Gedichte passend zum Monat herausgegeben von
Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Dieses Jahr im Mai ist vieles anderes. Corona hat uns im Griff und die Maifeste fallen aus. Sogar die Moante sind vertauscht. Im April hatten wir Mai/Juni-Wetter und die ersten Maitage waren doch sehr aprillig. Dennoch: Die Vögel zwitschern, in den Gärten blüht es und die Äcker sind rapsgelb.

„Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder“
schrieb Rose Ausländer.

Willkommen
Maienlob
Maienschelte
Maienglück
Feiern im Mai
Endlich im Freien

heißen die einzelnen Kapitel des Gedichtbandes und zeigen schon die Richtung an, auch wenn in der dritten Abteilung noch gescholten wird über den Wonnemonat. Diese Bezeichnung leitet sich womöglich von Weidemonat ab, so die Herausgeberinnen.
Da ich monatelang behauptet habe, dass diese Anthologie ohne Goethe auskommt, taucht er hier gleich zweimal auf.

Johann Wolfgang Goethe
Mit einem gemalten Band

Kleine Blumen, kleine Blätter
Streuen mir mit leichter Hand
Gute junge Frühlingsgötter
Tändelnd auf ein luftig Band.

Zephyr, nimm’s auf deine Flügel,
Schling’s um meiner Liebsten Kleid!
Und so tritt sie vor den Spiegel
All in ihrer Munterkeit,

Sieht mit Rosen sich umgeben,
Selbst wie eine Rose jung.
Einen Blick, geliebtes Leben!
Und ich bin belohnt genung.

Fühle, was dies Herz empfindet,
Reiche frei mir deine Hand,
Und das Band, das uns verbindet,
Sei kein schwaches Rosenband!

Mailied

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

Und Freud‘ und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb‘, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb‘ ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud‘ und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

Und dieses Gedicht darf natürlich nicht fehlen:

Eduard Mörike
Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton
Frühling, ja du bist`s!
Dich hab ich vernommen!

Neben all den alten Autoren, finden Sie natürlich auch LyrikerInnen des 20.Jahrhunderts, deren Texte ich jedoch hier nicht veröffentlichen darf.
Robert Gernhardt, Friederike Mayröcker, Rose Ausländer, Gottfried Benn, Bertolt Brecht, Ernst Jandl, Karl Krolow und viele mehr.