Montag, 16.November

Heute haben
José Saramago * 1922
Anne Holt * 1958
Karen Duve * 1961
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Ringelnatz.
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Joachim Ringelnatz
Abschied der Seeleute

Chor der Seeleute:

Wir Fahrensleute
Lieben die See.
Die Seemannsbräute
Gelten für heute,
Sind nur für to-day.

Die Mädchen, die weinen,
Sind schwach auf den Beinen.
Was schert uns ihr Weh !
Das Weh, ach das legt sich.
Unsre Heimat bewegt sich
Und trägt uns in See,
Far-away.

Chor der Mädchen:

Wir, die Bräute
Der Fahrensleute,
Lieben und küssen,
Doch wissen, sie müssen
Zur Seefahrt zurück.

Und wenn sie ertrinken,
Dann – wissen wir – winken
Uns andre zum Glück.
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Auf geht’s in eine neue Woche mit Arien von Mozart.
Das tut gut in dieser Zeit, in dieser Welt.

Regula Mühlemann: „Mozart Arias II“
Mit dem Kammerorchester Basel unter Umberto Benedetti Michelangeli
SONY Classics € 19,99

Arien aus Idomeneo KV 366, Le Nozze di Figaro KV 492; Lucio Silla KV 135, Il Re pastore KV 208, Die Zauberflöte KV 620, Zaide KV 344, La Finta semplice KV 51; Konzertarien KV 538 & 579

„Viele denken, Mozarts Musik sei einfach. Je mehr Erfahrung ich als Sängerin habe, desto überzeugter bin ich davon, dass seine Kompositionen mitunter das Schwierigste sind, was man singen kann. Hinter der vermeintlichen Einfachheit, der Ehrlichkeit und Echtheit ist absolut kein Raum für Unsicherheiten – weder technischer noch interpretatorischer Art. Wenn man Mozart nicht zu 100% meint und fühlt, merkt jeder das sofort.“
2016 hat Regula Mühlemann als Debüt Mozart Arien eingespielt und die Fachwelt begeistert.
Danach veröffentlichte Sie das Album „Lieder der Heimat“, mit dem Themenkreis Heimat, Natur, Wandern, Abschied und Sehnsucht. Zwischendurch noch eine „Kleopatra“ Einspielung.
Jetzt steht sie als Pamina bei den Salzburger Festspielen fest.
Genießen Sie diese Einspielung. Sie wird Ihnen gut tun. Und velleicht erwischen Sie sich bei der Arbeit, dass Sie die Melodie aus „Zaide“ summen.

Dienstag, 11.August

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Heute haben
Enid Blyton * 1896
Louise Bogan * 1897
Alex Haley * 1921
Fernando Arrabal * 1932
Wolfgang Holbein * 1953
Geburtstag
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Joachim Ringelnatz
Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.
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Nicolas Mathieu: „Rose Royal“
Aus dem Französischen von Lena Müller und André Hansen
Hanser Verlag € 18,00

Nach „Wie später ihre Kinder“ erzählt der Prix-Goncourt-Preisträger Nicolas Mathieu die Geschichte einer Frau um die fünfzig, die ihre Feierabende in der Kneipe um die Ecke, im „Royal“ verbringt. Dort genehmigt sie sich ein Feierabendbier und trifft sich mit einer Freundin.
Von Männern und deren Angebote hat sie nach einer gescheiterten Ehe und ein paar darauffolgenden Beziehungen genug. Zu viel Männergeprotze, verbunden mit häuslicher Gewalt und finanzieller Abhängigkeit. Rose ist zwar viel allein und melancholisch veranlagt, wenn sie ihre Arbeit beendet hat und nach dem Besuch im „Royal“ nach Hause geht, aber das ist immer noch besser, als das Leben davor. Um sich vor der Gewalt der Männer zu schützen, kauft sie sich einen Revolver. Sie will die Machtverhältnisse umdrehen.
Alles geht gut, bis sie sich doch wieder in einen Mann verliebt, der anders ist. Charmant, freundlich, nett, großzügig.
Nicolas Mathieu hat mit „Rose „Royal“ einen viel zu kurzen Roman (eher eine Novelle) über das selbstbestimmte Leben einer attraktiven Frau um die fünfzig geschreiben. So wie er es geschafft hat, sich in die Gefühlswelt der Jugendlichen in „Wie später ihre Kinder“ hinzuversetzen, gelingt es ihm hier den Roman aus der Sicht einer Frau zu schreiben.
Eine flotte, intensive Lektüre, die mit einem fulminaten Ende aufwartet.
Ein großes Lesevergnügen auf wenigen Seiten.
Lieber Herr Mathieu, nächsten Mal ein paar Seiten mehr.

Nicolas Mathieu wurde 1978 in Épinal geboren und lebt in Nancy. Sein erster Roman erschien 2014 und wurde für das Fernsehen adaptiert. Wie später ihre Kinder wurde 2018 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Leseprobe

Freitag, 16.November

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Heute haben
José Saramago * 1922
Anne Holt * 1958
Karen Duve * 1961
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Ringelnatz.
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Joachim Ringelnatz
Abschied der Seeleute

Chor der Seeleute:

Wir Fahrensleute
Lieben die See.
Die Seemannsbräute
Gelten für heute,
Sind nur für to-day.

Die Mädchen, die weinen,
Sind schwach auf den Beinen.
Was schert uns ihr Weh !
Das Weh, ach das legt sich.
Unsre Heimat bewegt sich
Und trägt uns in See,
Far-away.

Chor der Mädchen:

Wir, die Bräute
Der Fahrensleute,
Lieben und küssen,
Doch wissen, sie müssen
Zur Seefahrt zurück.

Und wenn sie ertrinken,
Dann – wissen wir – winken
Uns andre zum Glück.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Alexa Hennig von Lange:Kampfsterne
DuMont Verlag € 20,00

Alexa Hennig von Lange beschreibt in ihrem jüngsten Roman den Mikrokosmos einer Vorstadtsiedlung der 80er Jahre. Die Männer arbeiten, die Frauen kümmern sich um Kinder, Küche, Kunst und Gartenpartys. Drei Paare: Ulla und Rainer, die Architekten, mit den schönen und begabten Kindern, der verstummte Georg und seine völlig frustrierte Frau Rita, Ella und Bernhard. Allesamt gut gebildet und finanziell versorgt.
Es ist ordentlich Klischee, aber es macht genauso viel Spaß wie die Autorin das Milieu unter die Lupe nimmt, den Wettkampf um die begabtesten und vielversprechendsten Kinder, die ins Schleudern geratenen Ehen und die Kindern und Jugendlichen selbst, die versuchen sich einen Reim auf all das zu machen. Lexchen, die niedliche Tochter von Ulla und Rainer, die Rita mit ihren weniger charismatischen Kindern Klara und Johannas in rasende Eifersucht versetzt. Die toughe Cotsch, Lexchens große Schwester, die allen den Kopf verdreht und die Opferrolle ihrer Mutter verachtet, bis sie am Ende selbst darüber stolpert. Der Cello spielende Techniknerd Johannes, der die Erwachsenenwelt mit mehr Klugheit und Weitsicht betrachtet als die Protagonisten selbst. Denn die kreisen in Hennig von Langes Klinkerbausiedlung hauptsächlich um sich selbst und vertauschen die Rollen zu ihren Gunsten. Cotsch spielt die Therapeutin ihrer Mutter und Rita spinnt wilde Intrigen zwischen den Familien.
Doch endlich schlägt Ulla zurück und zwar ihren Mann Rainer und rückt damit die Familienverhältnisse wieder ein Stück weit in die richtige Richtung. Auch Georg, der, aus Angst vor seiner Frau, sein Knäckebrot lieber am Kompost im Garten verspeist, wehrt sich und kann seinem Sohn Johannes schließlich doch Vorbild sein.
Ein schneller, tragisch-komischer Roman, der mit einem Brennglas die Wohnzimmer und Vorgärten des Backsteinidyll durchstreift und dabei Vertrautes, Erschreckendes und Überraschendes zutage fördert. Ein Vorstadtkrimi, der für gute Unterhaltung sorgt!

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Montag, 19.November um 19 Uhr
Wolfgang Schukraft: „Ach übrigens …“
Bei uns in der Buchhandlung

Kindheit und Jugend des Theaterkasperls Wolfgang Schukraft
Von ihm selbst aufgeschrieben und bebildert
Zum Vergnügen und zur Erbauung des geneigten Lesers Dieses Buch macht froh.

Und dazu muss man den Schauspieler, Autor und Zeichner Wolfgang Schukraft und seine Theaterei, die er gegründet und über 30 Jahre zum Erfolg geführt hat, gar nicht kennen.
Was hat eine auf dem Schrank liegende rosa Armprothese damit zu tun, dass ich meine Schauspielbegabung entdeckte? Warum war eine Goethe-Rezitation vor Hunden der Auslöser dafür, dass ich mein eigenes Theater gegründet habe, warum bezeichne ich mich selbst gerne als Theaterkasperl und wie kommt es, dass meine Kinder und ich wochenlang als Affen Wohnung, Garten und Spazier-wege unsicher machten? Dies und vieles andere ist Inhalt dieses Büchleins.“, so Wolfgang Schukraft.