Freitag, 12.Mai

Heute haben
Werner Bräuning * 1934
und Eva Demski * 1944
Geburtstag
und Helene Weigel, Katherine Hepburn, Joseph Beuys
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Theodor Körner

Ich denke dein im Morgenlicht des Maien,
Im Sonnenglanz;
Ich denke dein, wenn mich die Sterne freuen
Am Himmelskranz.

Ich sorg‘ um dich, wenn in des Berges Wettern
Der Donner lauscht;
Du schwebst mir vor, wenn in den dunkeln Blättern
Der Zephir rauscht.

Ich höre dich, wenn bei des Abends Gluten
Die Lerche schwirrt;
Ich denke dein, wenn durch des Deiches Fluten
Der Nachen irrt.

Wir sind vereint, uns raubt der Tod vergebens
Der Liebe Lust;
O, laß mich ruhn, du Sonne meines Lebens,
An deiner Brust!
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Unser Buchtipp:

Karina Sainz Borgo: „Das dritte Land
Aus dem Sapnischen von Angelica Ammar
S.Fischer Verlag € 24,00

Angustias Romero flieht mit ihrem Mann und ihren beiden sieben Monate alten Zwillinge aus einem ungenannten Land über die Berge, um der Pest zu entkommen. Die Autorin stammt aus Venezuela und es liegt nahe, dass es sich um dieses Land handelt und die Seuche als Metapher für Willkür, Armut und Aussichtlosigkeit steht. Auf diesem 800 km langem Weg ins rettende Nachbarland sind sie, wie so viele andere, auf sich gestellt und Hitze, Staub, Gewalt, Hunger und Durst überleben viele der Geflüchteten nicht. So auch ihre beiden Kinder.
An der Grenze unterhält Visitación Salazar einen illegalen Friedhof (Das dritte Land), in dem sie als Totengräberin diesen Gestorbenen einen Ort der Würde gibt. Hier endlich findet Angustias für die toten Zwillinge einen Ort. Sie beschließt, bei ihnen zu bleiben und die Totengräberin in ihrem Kampf zu unterstützen.
Die Autorin schont uns beim Lesen nicht, schreibt über die Hoffnungsloskeit vieler Menschen, die nichts ausser ihr eigenes Leben haben und das wird ihnen oft genug von den wechselnden Machthabern, Todesbrigaden und marodirenden Banden zerstört, oder genommen.
Hoffnung auf ein freies Leben, Kraft für Veränderungen kommen einzig und allein von Frauen, deren Lebenswille ein Zeichen für mehr Menschlichkeit ist.
Ein Roman ohne Raum und Zeit, aber von einer krachenden Aktualität rund um den Globus.

Leseprobe

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Eine Buchpräsentation in Kooperation mit dem HfG-Archiv Ulm bei uns in der Buchhandlung.
Montag, 15.Mai, 19 Uhr


Dorthin gehen, wo die Parallelen sich schneiden
Hotel Kleber Post, Die Gruppe 47 in Saulgau
Texte & Resonanzen

Herausgeberin: Katrin Seglitz
osbert+spenza Verlag € 24,00

Donnerstag, 2.März

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Heute haben
Sholem Alejchem * 1859
Tom Wolfe * 1931
John Irving * 1942
Geburtstag.
Aber auch Kurt Weill, Michail Gorbatschow und Lou Reed.

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Giancarlo Macrì & Carolina Zanotti:Punkte
Übersetzt von Salah Naoura
Gabriel Verlag € 14,99
Bilderbuch ab 6 Jahren

Hallo, ich bin ein Punkt!
Ich bin nicht allein, ich habe Freunde.
Nicht allen Punkten geht es so gut wie uns.
Ob wir das ändern können?

Ein großformatiges Bilderbuch nur mit Punkten? Der Umschlag ist weiß mit wahnsinnig vielen schwarzen und weißen Punkten. „Kunterbunt“ gemischt. Es flimmert etwas vor den Augen und auf der Rückseite schreibt Norbert Lammert, daß dieses Buch jungen Lesern hilft, sich der schwer zu erklärenden Problematik von Flucht und Vertreibung und Ankommen und Ablehnung zu nähern. Lammert ist u.a. Schirmherr der UNO-Flüchtlingshilfe.
Das Buch beginnt mit einem schwarzen Punkt unten rechts.
„Hallo, ich bin ein Punkt“
Aber der Punkt ist nicht alleine, er hat viele Freunde. Das stimmt. Bald füllt sich die rechte Seite mit schwarzen Punkten. Diese bilden dann auch eine Hochhauslandschaft. „Unser Leben ist schön: Wir haben Häuser, wir haben Spaß (hier sehen wir ein Riesenrad aus Punkten) und was zu essen“ (ein belegtes Brötchen).
Dann meldet sich plötzlich ein weiterer Punkt. Ein weißer. Der ist allerdings ganz links oben auf der linken Seite, die bis jetzt nur leer war. Auch dieser Punkt ist nicht alleine, sondern hat auch viele Freunde. Allerdings ist es bei den weißen Punkten auf der linken Seite nicht so schön und angenehm, wie bei den schwarzen auf der rechten Seite und sie stellen die Frage:Dürfen wir auf eure Seite?.
Nun folgt sehr einfach und anschaulich, wie erst wenige, dann immer mehr weiße Punkte nach rechts wandern, wie sich die schwarzen dann doch etwas fürchten, wie sie Angst bekommen, wie sie sagen „Es reicht! Stopp!„.
Ganz einfach und anschaulich zeigen uns die die beiden Bilderbuchmacher das, was wir täglich in der Zeitung zu lesen bekommen, was wir hautnah erleben. Daß es eine sehr schöne Lösung zu sehen ist, mag für uns Erwachsene vielleicht etwas zu einfach sein. Aber: Vielleicht sollten wir wirklich so denken, fühlen und handeln. Und für die Kleinen ab 4 ist das doch wirklich passend.

Leseprobe
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Bitte vormerken:
Nächsten Dienstag, den 7.März gibt es wieder eine „Erste Seite“, in der wir ab 19 Uhr vier neue Bücher vorstellen.
Es liest, wie immer, Clemens Grote.
Der Eintritt ist, wie immer, frei.

Wir freuen uns.

Freitag, 13.Januar

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Heute haben
Michael Bond * 1926
Daniel Kehlmann * 1975
Geburtstag
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Heute im Gedichtekalender

Annette von Droste-Hülshoff
Mondesaufgang

An des Balkones Gitter lehnte ich
Und wartete, du mildes Licht, auf dich.
Hoch über mir, gleich trübem Eiskristalle,
Zerschmolzen schwamm des Firmamentes Halle;
Der See verschimmerte mit leisem Dehnen,
Zerfloßne Perlen oder Wolkentränen?
Es rieselte, es dämmerte um mich,
Ich wartete, du mildes Licht, auf dich.

Hoch stand ich, neben mir der Linden Kamm,
Tief unter mir Gezweige, Ast und Stamm;
Im Laube summte der Phalänen Reigen,
Die Feuerfliege sah ich glimmend steigen,
Und Blüten taumelten wie halb entschlafen;
Mir war, als treibe hier ein Herz zum Hafen,
Ein Herz, das übervoll von Glück und Leid
Und Bildern seliger Vergangenheit.

Das Dunkel stieg, die Schatten drangen ein –
Wo weilst du, weilst du denn, mein milder Schein?
Sie drangen ein, wie sündige Gedanken,
Des Firmamentes Woge schien zu schwanken,
Verzittert war der Feuerfliege Funken,
Längst die Phaläne auf den Grund gesunken,
Nur Bergeshäupter standen hart und nah,
ein düstrer Richterkreis, im Düster da.

Und Zweige zischelten an meinem Fuß
Wie Warnungsflüstern oder Todesgruß;
Ein Summen stieg im weiten Wassertale
Wie Volksgemurmel vor dem Tribunale;
Mir war, als müsse etwas Rechnung geben,
Als stehe zagend ein verlornes Leben,
Als stehe ein verkümmert Herz allein,
Einsam mit seiner Schuld und seiner Pein.

Da auf die Wellen sank ein Silberflor,
Und langsam stiegst du, frommes Licht, empor;
Der Alpen finstre Stirnen strichst du leise,
Und aus den Richtern wurden sanfte Greise,
Der Wellen Zucken ward ein lächelnd Winken,
An jedem Zweige sah ich Tropfen blinken,
Und jeder Tropfen schien ein Kämmerlein,
Drin flimmerte der Heimaltlampe Schein.

O Mond, du bist mir wie ein später Freund,
Der seine Jugend dem Verarmten eint,
Um seine sterbenden Erinnerungen
Des Lebens zarten Widerschein geschlungen,
Bist keine Sonne, die entzückt und blendet,
In Feuerströmen lebt, im Blute endet –
Bist, was dem kranken Sänger sein Gedicht,
Ein fremdes, aber o! ein mildes Licht.
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Unser heutiger Buchtip:

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Niki Glattauer:Flucht
Illustriert von Verena Hochleitner
Tyrolia Verlag € 14,95
ab 5 Jahre

Katzen haben sieben Leben, heißt es, darum haben sie mich mitgenommen. Vater hat gesagt: Das wären dann elf. Die können wir auf dem Meer gut brauchen.

Die Katze erzählt die Geschichte der Familie, die übers Mittelmeer flüchtet. Dahin, wo es eine bessere Zukunft geben soll. Wir kennen die Bilder, die Szenen, die Bücher und auch die wirklichen Menschen dazu, die sich in den letzten Jahren auf solche Reisen gemacht haben.
Was passiert, wenn das Unheil im Inneren einer Familie angekommen ist, und sie keinen Ausweg, als die Flucht hat? Was ist, wenn es keine Zukunft mehr in der eigenen Heimat gibt und Eltern und Kindern alles verlassen und sich aufmachen, mit einem kleinen Boot das große Wasser zu überqueren?
Muß das schon als Bilderbuch für den Kindergarten sein?
Ja. Niki Glattauer und die Illustratorin Verena Hochleitner haben viel gewagt und ganz klar gewonnen. Der feine, poetische Text, die stimmigen Bilder fügen sich zu einem schönen Ganzen zusammen, das auch schon Kindergartenkinder gut verstehen können. Der dunkle Meeresgrund, die furchterregenden Wellen(monster) gehören genauso dazu, wie die hoffnungsvollen Stellen in Text und Bild. Daß die Katze die Geschichte erzählt, ist natürlich ein toller Trick. Erstens hat der Vater damit noch ein paar Leben mehr für seine Familie und, wie wir wissen, sind Katzen sehr selbstständig und distanziert. Dadurch sind wir zwar bei der Familie, aber doch nicht so eng emotional, daß es nicht zum Aushalten wäre.
Der zweite Trick besteht darin, daß es eine Flucht nicht von Süd nach Nord ist, sondern genau in die andere Richtung. Im reichen Norden gibt es keinen Strom, kein Wasser mehr, kein Internet und keine Schule. Und damit haben wir die kleinen Zuhörer genau dort, wo sie verstehen können, was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen. Wenn wir uns im Eigenen gut auskennen, ist es anderes, als wenn von fremden Städten in Syrien oder Ghana die Rede ist. Und so erzählt dieses Bilderbuch von einem Schicksal, das uns alle erreichen kann. Überall auf der Welt.
Trotz des Themas macht das Buch keine Angst. Man spürt das Nebeneinander von Verlust, Angst, Spannung, Verlorenheit und Verletzlichkeit, aber auch Hoffnung, Erleichterung und Zuversicht.
„Refugees welcome“ sehen wir auf einem Transparent, als die Familie endlich landet.

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Niki Glattauer, geb. 1959, ist Buchautor, Kolumnist und Lehrer. Seine Kinderbücher wurden mehrfach ausgezeichnet, seine Sachbücher zum Thema Schule stehen regelmäßig monatelang auf den Bestsellerlisten.

Verena Hochleitner, studierte Grafik Design an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit 2009 konzentriert sie sich auf das Illustrieren und Schreiben von Büchern, seit jüngerer Zeit auf das Bewegen ihrer Figuren (Stop-Motion-Animationsfilme). 2013 wurde sie mit dem Outstanding Artist Award für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet.