Mittwoch

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Heute haben
Iwan Gontscharow * 1812
Mirjam Pressler * 1940
Paul McCartney * 1942
Richard Powers * 1957
Geburtstag
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Alles Gute zum Geburtstag, Paul, du altes Haus.

http://www.youtube.com/watch?v=b72cll9FHCE

http://www.youtube.com/watch?v=lals72I5DEY
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Ballade

Éric Vuillard:Ballade vom Abendland
8 Abbildungen
Aus dem Französischen von Nicola Denis
Matthes & Seitz Verlag € 19,90
Als eBook € 16,99

Vielleicht wird es Ihnen so langsam zu viel mit all den vielen Büchern zum Thema „1.Weltkrieg“? Das Datum das Kriegsbeginns kommt aber erst in ca. sechs Wochen. Also wird es noch einiges zum Lesen, Hören und Sehen geben. Und geht es sofort weiter mit 75 Jahre „2.Weltkrieg“.
Ich habe aber dieses schmale Buch in die Finger bekommen und bin mehr als froh, dass ich es gelesen habe. Ein Kunde hat es bestellt und ich habe ihn gefragt, ob er mir sagen kann, wie es ihm gefallen hat, wenn er durch ist. Er ist wohl auch ein Vielleser, denn zwei Tage später stand er wieder Laden und schwärmte in seiner zurückhaltenden Art, dass ich dachte, dass ich das auch lesen will.
Éric Vuillard, der auch Filme macht, hat eine ganz eigene Art gefunden, sich dem Thema zu nähern und es zu verarbeiten. Eine Mischung aus Erzählung und Essay. Mit viel Witz (ja, in einer bestimmten Art hat es das auch) hüpft er durch die Zeiten und die Themen und das mit einer großen Leichtigkeit, wobei der den Schrecken, der dem Thema innewohnt, nicht verkleinert. Es wirkt fast wie eine musikalische Kompostion aus verschiedenen Elementen, oder einem Mosaik von vielen Bildern des Schreckens, der Lust auf das Leben, der Wirklichkeit und vielen Träumen.
Éric Vuillard hat für dieses Buch den Franz Hessel-Preis bekommen, der seit drei Jahren für Bücher vergeben wird, die sich um das Verhältnis von Frankreich und Deutschland bemühen. Und das tut er wirklich. In einem Interview mit der Übersetzerin (das ich unten verlinke), sagt er, dass dieses Buch nach einem Buch über den Kongo entstanden ist, also eine Weiterführung des großen Themas der Weltgeschichte ist, nachdem 1887 Afrika unter den großen Mächten verteilt worden ist.
Er beginnt mit den Großen und Reichen, mit dem Dt.Kaiser, der mit dem König von England verwandt ist. Alles ist verwoben und trotzdem führen sie Krieg gegeneinander. Halt, natürlich nicht, die mit den bunten Uniformen, wobei die Österreicher die Farbenprächtigsten sind, sondern Krieg führen dann die einfachen Männer. Man braucht doch jemanden, der die Waffen trägt, man braucht jemanden, der als Kanonenfutter herhalten kann. Und das gab es ja dann jede Menge. 10.000 an einem Morgen, 30.000 an einem Tag. Unglaubliche Menge von Gräbern, so schildert er es. Man solle sich das doch mal vorstellen, wenn man den eigenen Friedhof vor Augen hat.
Aber zuerst schreibt er noch wann wer wem den Krieg erklärt. Irgendwie verliert man den Überblick (die damals Mächtigen wahrscheinlich auch) und er endet das Kapitel so:
„Ach ja, genau, England hatte Österreich-Ungarn vergessen, den Ursprung des ganzen Schlamassels. Und schließlich, am 23. August, erklärt Japan Deutschland den Krieg, warum weiß niemend mehr.“
Vuillard schreibt über die Attentäter und was aus ihnen geworden ist. Wir lesen über das ermordete Kaiserpaar und wie sie sich überhaupt erst gefunden haben. Er führt uns an den Krieg heran, wie wir es noch nie gelesen haben. Er schreibt, dass das tägliche Kontingent an Granaten zu Beginn des Krieges ca. 10 Stück war. Das heißt, ein paar Minuten schießen und fertig für heut‘. Das musste natürlich gesteigert werden. Wurde es auch und zwar bis zu 10.000 am Tag. Das heisst wiederum, dass tausende von Frauen in den Fabriken rund um die Uhr dafür arbeiteten. Und dabei zieht er einen Vergleich, ob nicht die heutigen, etwas unternährten Powerfrauen, sich von diesen Frauen ableiten lassen. Auch diese Steigerung der Menge bringt er in Verbindung, wie sich die Zeiten des 100 Meterlaufes gesteigert haben. Das sind innerhalb einiger Jahrzehnten nur ein paar Minisekunden. Ganz anders als bei der Waffenproduktion.
Dies soll als Einstieg in das Buch reichen. Vuillards Ideen enden nicht. Sein Buch schon und ich hoffe, wir bekommen über den engagierten Matthes & Seitz Verlag auch noch sein Kongo-Buch zu lesen.

Hier kommt das Interview und eine Leseprobe als bebilderte Hörprobe.
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Dies fand ich heute morgen in meinem „Briefkasten“.
Schön von einem Autoren Antwort auf eine Buchbesprechung zu bekommen.
Danke!

Thanks for your review!
(http://jastramkulturblog.wordpress.com/2014/06/17/dienstag-40/)

For your information: My book, Das andere Hertz, was published in 2011 in Norway. John Green’s book, The Fault in our Stars / Das Schicksal ist ein mieser Verräter, was first published in 2012.

Best,
Alf Kjetil Walgermo,
author

Dienstag

Heute hat Iwan Gontscharow (* 1812) Geburtstag.
Machen wir es, wie sein Oblomow, bleiben einfach den ganzen Tag liegen und vertrödeln den heissen Tag.
Ein kurzer Gang in die Buchhandlung muss aber schon drin sein.

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Ach, fast vergessen:
Paul McCartney wir heute 71 Jahre alt.
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Bei diesem hochsommerlichen Wetter sollte eigentlich niemand in die Kiste schauen, sondern den blauen Himmel genießen, den Schatten, die Morgen- und Abendsonne. Wenn Sie sich doch hierher verirrt haben, dann finden Sie eine sehr originelle, spezielle Jazz-Sommer-Country-Folk CD, die mit klassichen Elementen gespickt ist.
Was nun?, werden Sie fragen. Und genau das kann ich nicht beantworten.
Mich hat die Musik einfach geplättet und nach mehrmaligen Hören immer mehr fasziniert.

Frisell

Bill Frisell: „Big Sur“

SONY CD € 19,99

Bill Frisell ist der große Altmeister der innovativen Gitarre. Und mit solchen Manschetten bin ich an die CD rangegangen und war erstaunt. Frisell spielt selbst Gitarre, hat einen Schlagzeuger dabei; ansonsten noch ein Streichtrio mit Cello, Geige und Bratsche. Mit diesen Musikern spielt schon länger in verschiedenen Besetzungen.
Jetzt also Big Sur, der amerikanische Mythos, der kalifornische Küstenstreifen, der wohl zu den schönsten Straßen der Welt gehören soll.
Frisell hat sich 2012 in der Glen Deven Ranch eingemietet und die Musik für dieses Album komponiert. Das erste Stück auf der Scheibe heisst dann auch „The Music of Glen Deven Ranch“. Wobei wir schon bei den Titeln sind. „A Good Spot“, „Hawks“, „We All Love Neil Young“, „Going To California“, „Far awy“ sind ein paar ganz schöne Namen für Musikstücke.
Und die Musik? Sie ist ruhig, aber keine schöne Sonnenuntergangsmusik. Dafür sorgen schon die schrägen Passagen und der rockenden Schlagzeuger. Wir finden Countryelemente und auch etwas Surfsound. Ach, eigentlich immer wenn wir meinen, dass wir uns einrichten könnten im jeweiligen Stück, drehen uns die Musiker um Bill Frisell eine lange Nase. Und trotzdem ist es Musik, die wir in Ruhe genießen können. Fast hätte ich geschrieben: Abends auf der Terrasse mit roter Sonne und einem Sprizz in der Hand. Aber das schreibe ich nicht, da ich das orangefarbene Getränk nicht mehr sehen kann, dafür lieber „Big Sur“ hören mag.
Genießen Sie also den heissen Tag und freuen sich auf einen geruhsamen Abend.

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Leider gibt es keine Videos zu den aktuellen Stücken. Die GEMA hat da etwas dagegen. Deshalb einfach drei andere Musikhappen.
Dieses Video hat nichts mit der CD zu tun. Ist nicht auf der Scheibe. Allerdings improvisiert Bill Frisell mit einem Kollegen Nels Cline in der Henry Miller Library in Big Sur. Und: Sieht das nicht großartig aus?

https://www.youtube.com/watch?v=PwIzkYiCaCY

Bill Frisell: „Surfer Girl“ (Musik und Interview)

https://www.youtube.com/watch?v=fnDZ7yb5g-c

Bill Frisell: „Blues Dream“ (Live)

https://www.youtube.com/watch?v=ZEhatt4rHls