Dienstag, 8.August

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Heute haben
Nina Berberowa * 1901
Jostein Gaarder * 1952
und
Birgit Vanderbeke * 1956
Geburtstag
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Joachim Ringelnatz
Schwebende Zukunft

Habt ihr einen Kummer in der Brust
Anfang August,
Seht euch einmal bewusst
An, was wir als Kinder übersahn.

Da schickt der Löwenzahn
Seinen Samen fort in die Luft.
Der ist so leicht wie Duft
Und sinnreich rund umgeben
Von Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.

Und er reist hoch über euer Dach,
Von Winden, schon vom Hauch gepustet.
Wenn einer von euch hustet,
Wirkt das auf ihn wie Krach,
Und er entweicht.

Luftglücklich leicht.
Wird sich sanft wo in Erde betten.
Und im Nächstjahr stehn
Dort die fetten, goldigen Rosetten,

Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.
Zartheit und Freimut lenken
Wieder später deren Samen Fahrt.

Flöge doch unser aller Zukunftsdenken
So frei aus und so zart.
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Susanne Link empfiehlt:

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Sylvie Schenk:Eine gewöhnliche Familie
Hanser Verlag € 18,00
„Schnell,dein Leben“ war das erste Buch, das ich von Sylvie Schenk gelesen habe und
ich fand es absolut klasse mit welcher Intensität und Prägnanz sie schreibt. Nun im neuen Roman „Eine gewöhnliche Familie“ erkenne ich ihr Erzählmuster wieder und bin wieder total hingerissen. Vier Geschwister treffen sich zur Beerdigung ihres kinderlosen Onkels und seiner Frau. Jeder der vier hat/hatte ein anderes Verhältnis zu den beiden, die so ganz anders waren, als die eigenen Eltern. Und auch das Verhältnis der Geschwister untereinander wird beleuchtet.
In Rückblicken und nicht chronologisch erzählt Sylvie Schenk diese besondere Familiengeschichte aus Frankreich.

Leseprobe

Sylvie Schenk wurde 1944 in Chambéry, Frankreich, geboren, studierte in Lyon und lebt seit 1966 in Deutschland. Sylvie Schenk veröffentlichte Lyrik auf Französisch und schreibt seit 1992 auf Deutsch. Sie lebt bei Aachen und in La Roche-de-Rame, Hautes-Alpes.

Dienstag, 27.September

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Heute haben
Grazia Deledda * 1871 (Nobelpreis 1926)
Tanja Kinkel * 1969
Geburtstag.
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Barthold Hinrich Brockes
Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.

Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.

Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.

Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Steven Herrick: „Wir beide wussten, es war was passiert
Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn
Thienemann Verlag € 14,99
ab 13 Jahren

Billy hält es mit seinem immer betrunkenen, gewalttätigen Vater nicht mehr aus und geht. Mit seinen 16 Jahren macht er sich mutig, ohne Geld und Perspektive auf den Weg. Nach ziellosem Umherfahren findet er eine Bleibe im Waggon eines verlassenen Güterzuges, wo er auf Old Bill trifft, der schon länger im Waggon nebenan lebt und seine traurige Vergangenheit mit Alkohol zu vergessen glaubt. Die beiden Heimatlosen finden zueinander und helfen sich gegenseitig das Leben zu bewältigen. Als Billy wieder einmal hungrig Essensreste bei McDonald’s von den Tischen klaut, lernt er Caitlin, die dort arbeitet, kennen. Caitlin wiederum stammt aus reichem Hause, möchte aber von Ihren Eltern unabhängig sein und neben der Schule selbst Geld verdienen. Erst ist sie irritert über sein Verhalten, verrachtet ihn aber nicht und, wir ahnen es schon , Billy verliebt sich in sie. Caitlin besucht unsere zwei Gestrandeten immer wieder, versorgt sie mit Essen und es entwickelt sich eine wunderschöne ungewöhnliche Freundschaft zwischen den Dreien.
Der Stil des Buches ist fremd für ein Jugendbuch. Die Geschichte wird in Strophen erzählt (gut für Lesemuffel, denen viel Text Mühe macht ). Anfangs gewöhnungs-bedürftig, löst sich aber nach den ersten Seiten in Wohlgefallen auf.
Für mich eines der schönsten Jugendbücher bei den Neuerscheinungen, ein modernes Märchen,von liebevollen ungewöhnlichen Menschen, die uns ans Herz wachsen und uns über etliche Vorurteile stolpern lässt.

Leseprobe

Auf der Empfehlungsliste „Die 7 besten Bücher für junge Leser“ im August 2016, Jugendbuch des Monats.
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Der Wiedehopf CXCIII

Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
trägt seinen Schnabel vorn am Kopf.
Trüg er den Schnabel am Gesäße,
blieb ihm verborgen, was er fräße.
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Heute abend um 19 Uhr „Shortlistlesen„.
Das nur als kleine Erinnerung.

Freitag, 22.April

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Heute haben
Henry Fielding * 1707
Ludwig Renn * 1889
Guillermo Cabrera Infante * 1929
Geburtstag
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Unser Musiktipp:

Kopa

Peter Tschaikowsky:Violinkonzert op.35
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Igor Strawinsky: „Les Noces“
mit Patricia Kopatchinskaja: Geige
Nadine Koutcher: Sopran
Natalya Buklaga: Mezzosopran
Stanislav Leontieff: Tenor
Vasiliy Korostelev: Bass
MusicaAeterna Choir, MusicAeterna Orchestra unter der Leitung von Teodor Currentzis
Sony CD 19,99

Da sitzen die beiden Ausnahmetalente (Geigerin und Dirigent) wie Braut und Bräutigam bei einer russischen Bauernhochzeit. So soll es auch sein, da Stravinskys „Les Noces“ genau davon erzählt. Selten wird das Stück aufgeführt und wahrscheinlich noch nie so unter Volldampf, oder besser gesagt unter Einfluß von Wodka, der hier in Strömen zu fließen scheint.
Patricia Kopatchinskaja dürfte wohl die innovativste Geigerin sein. Sie steht schon mal barfuß auf der Bühne und stampft zum Rhythmus der Melodie. Auch hier hat sie die beiden russichen Klassiker entstaubt. Erdig und echt, nicht im Studio geglättet und für Klassikradio präpariert. In Zusammenarbeit mit dem jungen Dirigenten Teodor Currentzis gelingt den beiden ein bekanntes Musikstück zu entstauben, damit es wie eine Neuentdeckung wirkt.
br-klassik. de: „Und so huscht, wandert, stolpert, trottet und stolziert Patricia Kopatchinskaja durch Tschaikowskys Konzert, dass man an manchen Stellen wie neu hört, …“
Beiden haben sich an unterschiedlichste Komponisten gewagt. Von Beethoven bis Ligeti und Patricia Kopatchinskajas erste Aufnahme, eine Zusammenarbeit mit dem türkischen Pianisten Fazil Say, der selbst auf den verschiedensten Hochzeiten tanzt, ist immer noch mehr als hörenswert.
„Ich bitte dich um diesen Klang,“ schreibt Currentzis an Kopatchinskaja, „den ›bitteren‹ Klang von Darmsaiten. Nicht den gefälschten, polierten Klang, sondern den wahrhaftigen, demütigen.“
Und genauso klingt die Einspielung auch.


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22 / 04 / 2016 – Venet-Haus Galerie, Neu-Ulm – 19:30 Uhr
Sebastian Guggolz stellt seinen Guggolz-Verlag vor: “Dead & Alive!”
Musik: “KURZWEIL” – Julius Wunderle (Saxophon) und Jonathan Frey (Piano)
Eintritt: 6, 00 €

“Der Verleger der toten Autoren” titelte eine Berliner Zeitung über Sebastian Guggolz und seinen 2013 gegründeten Verlag. Quicklebendig sind da die Autoren, die ihre Werke im 19. und frühen 20. Jahrhundert schrieben. Wiederentdeckungen in grafisch exquisit aufgemachten Büchern sind Guggolz’ Bücher: beispielsweise Sillanpää, der finnische Literaturnobelpreisträger. Er schrieb den um 1919 entstandenen Roman „Frommes Elend“, eine harte und zugleich anrührende Schilderung harten bäuerlichen Lebens in Finnland vor über 100 Jahren. Oder Maxim Harezki, der während der russischen Kriegs- und Revolutionswirren von 1917/18 mit erstaunlicher Klarsicht über einen jungen Mann schrieb, der zerrissen ist zwischen Sympathie für den Umsturz und Ablehnung der Gewalt, die er mit sich bringt: „Zwei Seelen“ heißt der Roman, der 1919 erschien.
Ein Abend für Entdecker. Der 32jährige Verleger weiss lebendig und anregend von den Abenteuern des Bücherfindens und -machens zu berichten!

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