Buchtipp: „Der Name an der Wand“ von Hervé Le Tellier

Von Christine Berenbeck


Wer hat nicht schon einmal von einem Haus in Südfrankreich  geträumt? Und dann noch in der Nähe von Dieulefit („Gott hat es gemacht“), einem Dorf im Département Drôme. Berühmt  als Zufluchtsort. Allein bis 1944 wurden in Dieulefit mehr als 1500 Flüchtlinge versteckt: französische und deutsche Juden, spanische Republikaner und andere politisch Verfolgte. An diesem Ort beginnt ein so beeindruckendes wie packendes  Buch, welches Anteile einer Biographie, eines Geschichts- und Liebesromans hat. Hervé Le Tellier (preisgekrönt für „Die Anomalie“) nimmt die eingeritzten Initialen  im Mauerwerk der Immobilie zum Anlass, mehr über einen gewissen A. C. zu erfahren: André Chaix, Mitglied der französischen Résistance, im Alter von 20 Jahren von deutschen Soldaten erschossen. Präzise – unterstützt durch Fotos und Archivwissen ­- wird  auf 160 Seiten eine persönliche Geschichte und ein Stück europäischer Historie erzählt. Erschütternd schön und grausam zugleich.

Hervé Le Tellier: „Der Name an der Wand“, Rowohlt 2025