Mittwoch, 1.Januar 2020

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Ein neuer Tag, ein neues Jahr beginnt.
Ich freue mich, dass wir so viel Zuspruch für diesen Blog bekommen. Es tut gut, wenn unsere Tipps gelesen werden.
Möge Ihnen/Euch das neue Jahr viele schöne Stunden bringen mit Zufriedenheit und Durchblick in dieser wirren Welt. Bleiben Sie gesund. Das ist die Hauptsache.

Samy Wiltschek
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Ludwig Tieck
Zeit

So wandelt sie, im ewig gleichen Kreise,
Die Zeit nach ihrer alten Weise,
Auf ihrem Wege taub und blind,
Das unbefangne Menschenkind.
Erwartet stets vom nächsten Augenblick
Ein unverhofftes seltsam neues Glück.
Die Sonne geht und kehret wieder,
Kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder,
Die Stunden, die Wochen abwärts leiten,
Die Wochen bringen die Jahreszeiten.
Von außen nichts sich je erneut,
In dir trägst du die wechselnde Zeit,
In dir nur Glück und Begebenheit.

Donnerstag, 24.Oktober

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Heute haben
Dorothea von Schlegel * 1764
August von Platen * 1796
Zsuzsa Bánk * 1965
Geburtstag
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Dorothea von Schlegel
Draußen so heller Sonnenschein…

Draußen so heller Sonnenschein,
Alter Mann, laß mich hinaus!
Ich kann jetzt nicht geduldig sein,
Lernen und bleiben zu Haus.

Mit lustigem Trompetenklang
Ziehet die Reuterschar dort,
Mir ist im Zimmer hier so bang,
Alter Mann, laß mich doch fort!

Er bleibt ungerührt,
Er hört mich nicht:
»Erlaubt wird, was dir gebührt,
Tust du erst deine Pflicht!«

Pflicht ist des Alten streng Gebot;
Ach, armes Kind! du kennst sie nicht,
Du fühlst nur ungerechte Not,
Und Tränen netzen dein Gesicht.

Wenn es dann längst vorüber ist,
Wonach du trugst Verlangen,
Dann gönnt man dir zu spät die Frist,
Wenn Klang und Schein vergangen!

Was du gewähnt,
Wonach dich gesehnt,
Das findest du nicht:
Doch bleibt betränt
Noch lang dein Gesicht.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Whitney Scharer: „Die Zeit des Lichts“
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Klett-Cotta Verlag € 22,00

Paris, 1929. Die erst 23jährige Lee Miller kehrt ihrem Modelljob in den USA den Rücken, um selbst hinter der Kamera zu stehen. So ihre Vorstellung von einem Künstlerleben in Paris. Doch die Stadt nimmt sie nicht, wie erhofft, mit offenen Armen in Empfang. Irgendwann spielt ihr dann doch der Zufall die Karte von Man Ray in der Tasche und sie wird seine Assistentin. Aus dem Arbeits- wird ein Liebeverhältnis und sie beflügeln sich gegenseitig und werden am Ende vor allem wegen ihrer experimentellen Fotoarbeiten bekannt. Bis Miller beginnt sich zu emanzipieren aus dem Korsett, das Ray ihr auferlegt und das sie immer nur als Teil von ihm selbst interpretiert. Als sie schließlich mitbekommt, dass er ihre Fotoarbeiten unter seinem Namen für eine Ausstellung eingereicht hat, trennt sie sich von ihm und geht ihren eigenen Weg, der sie vor allem mit einem Foto in Hitlers Badewanne berühmt machen wird.
Whitney Scharers Buch erzählt in drei Zeitebenen: Die Autorin schreibt über das Leben der alten und alkoholsüchtigen Lee Miller, springt in die Zeit als Miller Mitglied der Alliierten Truppen war, mit der sie die Befreiung Buchenwalds und Dachaus dokumentierte und eben in deren Pariser Zeit, als unglaublich junge, umwerfend schöne Frau. Das ist auch der längste Plot und das wichtigste Thema im Roman: ihre Beziehung zu Man Ray und die Pariser Künstlerszene um Picasso und Cocteau.
Es macht Spaß in dieses Künstlerleben vor bald hundert Jahren einzutauchen und einer Figur zu folgen, die trotz ihrer Errungenschaften in der Fotografie und der historischen Dokumentation, keine solche Bekanntheit erreicht hat wie etwa Man Ray oder andere ihrer männlichen Kollegen. Vielleicht auch, weil sie nach den Kriegseinsätzen seelisch gebrochen, die Fotografie als solches und die vielen Abzüge als Konkretes auf den Dachboden verbannte, wo die Kisten mit ihren Arbeiten erst nach Millers Tod von ihrem Sohn entdeckt, archiviert und der Öffentlichkeit (wieder) zugänglich gemacht wurden.

Leseprobe
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Am kommenden Freitag in der Stadtbibliothek Ulm
Buchpräsentation:

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Lorenzo Spirito: „Das Buch der Schicksale“
Ein Würfellosbuch
Aus dem Altitalienischen gereimt übersetzt von Werner Menapace unter Mitarbeit von Donatella Capaldi
Mit einer Einleitung von Alexander Rosenstock
Gebunden, mit Faksimiles und drei Würfeln
Folio Verlag € 30,00
Beginn: 19:30
Eintritt: frei

Montag

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(gefunden bei rowanlane)

Heute haben
Colette * 1973
Hermann Kesten * 1900
Geburtstag.
Sarko würde heute seinen Geburtstag auch lieber im Kreise seiner Politikerkollegen aus der ganzen Welt feiern. So muss er es halt in „kleinem“ Kreise machen.
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Jastram hat den journalistischen Ritterschlag bekommen und taucht in der
aktuellen ZEIT auf Seite 51 auf.
Es ist eine Besprechung des Buches über die Lieblingsbuchhandlungen von Schriftstellern, das wir auch im Laden hatten.

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In der Südwestpresse vor ein paar Tagen gab es eine Seite über Kinderbücher und dass dort alte, heute rassistische Begriffe verändert werden.
Hier geht es zum Artikel.
Das Interview wurde mit Claudi Wiltschek gemacht und pikanterweise haben sich am Tag danach nur ältere Herren darüber aufgeregt und mich gefragt, was ich denn da geschrieben hätte.
Also: Immer noch nix kapiert und schon gar nicht genau hingeschaut.
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Hier kommt ein weiterer Tagestext von Eduardo Galeano.
Die komplette Leseprobe gibt es kostenlos bei uns im Laden.

Juli
25
Rezept zur Verbreitung der Pest

Im 14. Jahrhundert erklärten die fanatischen Hüter des katholischen Glaubens den Katzen der Städte Europas den Krieg.
Die Katzen, teuflische Tiere, Instrumente Satans, wurden gekreuzigt, gepfählt, lebendig gehäutet und in die Flammen geworfen.
So konnten die Ratten, von ihren schlimmsten Feinden befreit, zu den Herren der Städte werden. Und die schwarze Pest tötete, von den Ratten verbreitet, dreißig Millionen Europäer.
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Morgen um 19 Uhr ist unsere Lesung mit Priya Basil.
Ich bin schon richtig gespannt. Der Verlag meinte, sie sei wirklich eine ganz Nette und Engagierte.
Dienstag, 29.1. um 19 Uhr
Priya Basil liest aus ihrem Buch: „Die Logik des Herzens“
Eintritt € 10,00.
Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.
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Mein Gedichtekalender bringt mir heute ein Werk von Tucholsky und wir sind mitten drin in der deutschen Tagespolitik.

Feldfrüchte

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.
Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.
Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh …
Ja, und hier – ? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenstart.
Die Temperaturen sollen bis Mittwoch auf 11 Grad steigen.
Hier geht es zum Wetter in Ulm.