Donnerstag, 22.Juli


Heute haben
Karolina Pawlowa * 1807
Oskar Maria Graf * 1894
Geburtstag
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Winfred Hermann Bauer
Sisyphos

Er steigt und steigt in seiner Pein
Und kämpft um jeden Meter mit dem Stein
Allein, das Werkstück darf nicht oben bleiben
Die Schwerkraft muss es talwärts treiben

Doch rollt der Stein erst einmal an
Sind des Helden Hände frei
Zeus’ Urteil zwingt ihn bloß bergan
Danach ist dessen Obrigkeit vorbei

Und Chronos herrscht und ruft in seinem Groll
Den Genius, den Sisyphos ergreifen soll
Der packt ihn schnell an seinem Schopf
Von vorn, er weiß um Kairos kahlen Hinterkopf

So schöpft der Weise nicht nur Zeit
Sondern aus dem Augenblick heraus die Ewigkeit
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Nick Reimer / Toralf Staud: „Deutschland 2050

Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird
Kiepenheuer & Witsch Verlag € 18,00.

Dass sich das Weltklima ändert, steht ausser Frage. Aber dass wir auch in Deutschland betroffen sind, wurde u.a. an der Hochwasserkatastrophe deutlich und wirklich allen vor Augen geführt.
Nick Reimer (taz) und Torald Staud (ehemals ZEIT) haben akribisch Zahlen und Fakten zusammengetragen und ein weiteres Buch zum Thema „Klimawandel“ zusammen getragen.
Die Idee dahinter: Wie leben wir in 30 Jahren in Deutschland? Was hat sich bis dahin verändert?
In der Süddeutschen Zeitung vom 21.Juli war ein Interview mit Nick Reimer, in dem er klarstellte, dass alle Prognosen von Wissenschaftlern viel zu konservativ sind und dass die Naturveränderungen deutschlich früher aufgetreten sind, als vorhergesagt.
„Klimawandel, das war immer woanders“ ist das Interview überschrieben.
Für 2050 wurde das Schmelzen des letzten deutschen Gletschers vorhersagt. Es trifft wohl schon 2030 zu. Starkregen werden sich abwechseln mit Hitzeperioden, die die ehemaligen Sommerregen ablösen.
Was das Trinkwasser anbelangt, war es klar, dass es davon in Deutschland immer genügend geben wird. Es zeigt sich aber jetzt schon in Brandenburg, dass dem nicht so ist. Nach Jahren der Dürre wird es knapp. In diesem Hotspot bohrt auch noch Elon Musk mit seinem Tesla-Werk das Grundwasser an, das er für die Auto- und Batterieherstellung braucht.
In Brandenburg werden Baumarten gepflanzt, in der Hoffnung, dass sie die Trockenheit und Hitze besser aushalten. Gleichzeit wird dort mit dem Anbau von Soja, Kichererbsen und Hirse experimentiert.
Versicherungen für Immobilien schnellen in die Höhe, wenn diese in Nähe von Wasser, oder an Hanglagen sind.
Mindestens 150 Menschen kamen im Hochwasser vor ein paar Tagen ums Leben.
Im Berliner Straßenverkehr sterben jährlich 65 Menschen und gleichzeitig gibt es pro Sommer dort 1.400 Hitzetote. Meist alte Menschen, die in ihren Wohnungen dehydrieren.
In Tiefgaragen stehen tief unten Notstromagregate und in „Wissenschaftsinstituten und Behörden die Serverräume im Keller“.
Und nun? „Wissenschaftler sehen das alle seit Jahrzehnten in ihren Modellen und warnen und warnen – und Gesellschaft wie Politik reagieren kaum“.

Leseprobe
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Fridays For Future
Wir stehen #AlleFürsKlima, denn die Klimakrise ist hier!

Was: Laufdemo
Wann: Freitag, 23.07.21, 12 Uhr
Wo: Münsterplatz, Ulm

Mit Reden und Livemusik von Roadstring Army
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Mittwoch, 21.Juli

Heute haben
Hans Fallada * 1893
Ernest Hemingway * 1899
Mohammed Dib * 1920
Brigitte Reimann * 1933
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Im Zwielicht

Mein Herz
Meine Seele
Was ist mit dir
So frage ich dich
Wenn du die Augen öffnest
Im Zwielicht zwischen Tag und Nacht
Und du nicht weißt
Ob es hell wird oder dunkel
Ob das Leben
In den Tod mündet
Oder der Tod ins Leben
Wie alt du bist oder wie jung

Was ist
Mit dir, mit mir
So frage ich mich
Wenn das Bewusstsein im Schmerz versinkt
Immer wieder versinkt und
auftaucht
Ein gefaltetes Papierschiffchen
Auf dem Meer der Zeit
Allein irgendwo
Zwischen Vergangenheit und Zukunft
Zwischen Mutter und Tochter
zwischen Vater und Sohn

Was ist mit uns
So frage ich dich
Gibt es eine Ankunft oder
Gibt es nur eine Wiederkehr
Welchen Weg, welche Sicherheit
Wie kann ich überhaupt fragen
Solange ich durch Neptuns Nebel irre
In dem ich wie ein Blinder
Nach den Händen greife
Die sich mir aus dem Nichts entgegen strecken
Als wollten sie mein Schiffchen
Auf Kurs halten

Wie kann ich es wagen…
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Jami Attenberg: „Ist alles deins!“
Aus dem Amerikanischen von Barbara Christ
Schöffling Verlag € 24,00

Wieder steht eine Familie im Mittelpunkt. Alles ist nicht mehr so, wie es einmal wahr. Trump ist an der Regierung, die Stadt New Orleans ist noch vom Hurrikan Katrina gezeichnet und die einzelnen Familienmitglieder kämpfen mit ihren eignen Macken und ums persönliche Weiterleben. Das dominante Familienoberhaupt Victor Tuchman kommt mit einem Herzinfarkt in Krankenhaus und löst damit bei allen Personen unterschiedliche Reaktionen aus. Der Sohn der Familie verweigert den Besuch im Krankenhaus, die Tochter fährt nur hin, um mit der Mutter zu reden. Diese ist gefangen im Fitnesswahn und zählt jeden Schritt auf den langen Fluren.
Jami Attenberg lässt die einzelen Personen zu Wort kommen und baut damit ein Mosaik zusammen, das sie mit Witz und Ironie unterfüttert, obwohl die gescheiterten Lebenseinstellungen nicht mehr zu retten sind.
Eine Welt im Umbruch, die Menschen darauf in Verwirrung und kaum ein Halt, um sich daran festzuhalten. Machtspiele und Abhängigkeiten zeigt sie messerscharf hier im Kleinen, und gleichzeitig sehen wir diese Kombination überall, wenn wir uns umschauen.
Ein Roman, der sich in einem Rutsch lesen lässt.

Leseprobe
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Hafenkonzert: Somewhere Beyon the Sea
Mit „Dogs of the Bay“


Bekannte Süß- und Salzwasser-Songs = „Hafenkonzert“:
1. in „Pauls Biergarten“ (Neu-Ulm) am 22.07., 19 – 21.30 Uhr 
2. in der „Kunstzone“ Pfuhl am 24.07., 20.00 Uhr
Eintritt frei 
mit dabei: unser „Vorleser“ Clemens Grote                                  
Reservierung@pauls-biergarten.de        
kunstzonepfuhl@gmx.de    

Tel. 0731/2630058     
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Schon über € 500 haben sich in unseren Kunden-Spendenkässle
und durch die € 1,00-Aktion angesammelt.
Wir machen weiter.
Vielen Dank für’s Mithelfen.                                   

          

Dienstag, 20.Juli

Heute haben
Francesco Petrarca * 1304
Pavel Kohout * 1928
Uwe Johnson * 1934
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Freiheit

Wie habe ich die Freiheit gesucht

Abschied war mein Lied
Was ich besaß, habe ich weggegeben
Was ich zu lieben glaubte
Habe ich verlassen
Auf und davon, nichts wie weg
Über Himalayapfade hinauf nach Shangri-La
Rhododendren im Haar
Mein Gott

Wie habe ich die Freiheit gesucht

Im Osten und Westen
Zwischen Mammutbäumen am Stillen Ozean
Unter Palmen auf Penang
An den wilden Flüssen Alaskas
What a feeling
In London, Bombay, San Francisco
Und was für ein Theater
Bei der Rückkehr

Wie habe ich die Freiheit gesucht

In Kirchen und Moscheen
In Ashrams und Tempeln
Zwischen Findhorn und Poona
Zwischen Istanbul und Sanaa
Ich konnte einfach nicht stillhalten
Immer wieder
Was für ein Theater
Bis ich endlich wieder aufbrach

Wie habe ich die Freiheit gesucht

Suchen war mein Mantra
Fortwährend Fragen, immer wieder
Und das Leben antwortete
Mit Schattenspiel und Licht
Mit Lust, Schmerz und Schuld
Mit Vergebung und Liebe
Für dich, für mich, für uns
Mein Gott

Wie habe ich die Freiheit gesucht
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Unser Tagestipp:


Ingo Reuter: „Weltuntergänge
Vom Sinn der Endzeit-Erzählungen
Reclam Verlag € 6,00

Das war mal wieder ein guter Griff. Wir haben im Laden ein kleines Stäpelchen aus der Reclam-Reihe „Was bedeutet das alles?“ und ich sah den Titel und dachte, nimm das mal mit. Es hat sich mal wieder gelohnt. Diese Mischung aus Mythen und Geschichten aus ganz alten Zeiten, bis hin zu Hollywood Filmen und Netflix Serien. Alle zum Thema Weltuntergang.
Was ist so interessant am Untergang der Menschheit? Warum gibt es diese Gedanken schon so lange? Was steckt dahinter. Wer profitiert überhaupt vom Weltuntergang?
Diesen Fragen geht Ingo Reuter nach und kommt sehr schnell auf die Begriffe Schuld und Gerechtigkeit. Aus einem Untergang kann ein gerechterer Neuanfang entstehen. Denn diejenigen, die die Macht haben, verlieren alles. Diejenigen, die nichts besitzen, haben auch nichts zu verlieren, aber ein große Hoffnung, dass es danach besser wird. Dies nur einer der vielen Gedanken in diesem schmalen Buch.
Eine gut zu lesender philosophischer Ritt durch die Menschheitsgeschichte und im Moment sehr aktuell, wenn wir die Hochwasserkatastrophe der letzten Tage im Kopf haben.

Auf Deutschlandfunk Kultur gibt es ein interessantes, informatives Interview mit dem Autoren.

Leseprobe

Dr. Ingo Reuter, geb. 1968 in Duisburg, ist apl. Professor für Religionspädagogik an der kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Paderborn. Arbeitsschwerpunkte bilden kulturhermeneutische Fragen in Theologie, Philosophie und Medien. Er hat zahlreiche Beiträge zu Phänomenen der populären Kultur verfasst. Zuletzt veröffentlichte er: »The Walking Dead« – Über(-) Leben in der schlechtesten aller möglichen Welten, Würzburg 2018; SURFACES/Oberflächen, Würzburg 2019; Der christliche Glaube im Spiegel der Popkultur, Wiesbaden 2020.
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