Freitag, 27.Mai

Heute haben
Max Brod * 1884
Dashiel Hammett * 1894
Louis-Ferdinand Celine * 1894
John Cheever * 1912
Andrej Bitow * 19367
Said * 1947
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Auferstanden

Nie
Hätte ich geglaubt
Dass mir die Kraft fehlt
Dass ich verlieren könnte
Dass mich die Mahlsteine erdrücken
Dass mich Menschen ans Kreuz schlagen
Und liegen lassen

In einer Höhle
Von deren kalten Wänden
Sein Leben tropft
Heute weiß ich
Ein Licht allein genügt im Zweifel
Mir den Weg zu weisen
Immer
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Jean-Paul Dubois: „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer und Uta Rüenauver
dtv € 12,00

Warum sitzt ein unauffälliger Mensch wie Paul Hansen im baufälligen Gefängnis von Montréal? Der in Frankreich aufgewachsene Sohn eines dänischen Pastors und einer Kinobesitzerin hatte schon einiges hinter sich, bevor er seine Berufung als Hausmeister in einer exklusiven Wohnanlage in Kanada fand. Ein Vierteljahrhundert lang lief alles rund – die Heizungsanlage ebenso wie die Kommunikation, bis Paul eines Tages die Sicherung durchbrennt. Nun erträgt er mit stoischer Ruhe seinen Zellengenossen Patrick, einen Hells-Angels-Biker, der sich jedoch von einer Maus ins Bockshorn jagen lässt.
Jean-Paul Dubois nimmt uns mit in diese kleine Zelle mit einer freistehende Toilette und erzählt mit feinem Humor, wie die beiden ihren Alltag bewältigen und wie es dazu kam, dass sie hier gelandet sind. Das Schöne an den Goncourt-PreisträgerInnen ist, dass man deren Bücher mit großem Vergnügen lesen kann. So auch hier. Patrick ist das genaue Gegenteil zum ruhigen Paul. Er ist ein Großmaul, ein Geschichtenerzähler, der aber extrem ängstlich ist. Ein großer Harley Davidson Fan und den Katalogen mit den vielen Ersatzteilen dazu. Das ist seine Bibel. Als er erfährt, dass der Gefängnisdirektor selber so eine Maschine fährt, ist er ganz aus dem Häuschen.
Ein sehr vergnüglicher, hintergründig ernsthafter Roman, bei dem man herzhaft schmunzeln kann. Wir haben gleich einen ganzen Stapel auf dem Neuerscheinungstisch zu liegen.

Jean-Paul Dubois
, geboren 1950 in Toulouse, studierte Soziologie und arbeitete zunächst als Sportreporter für verschiedene Tageszeitungen. Später berichtete er für den ›Nouvel Observateur‹ aus den USA. Er hat über zwanzig Romane veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Prix Femina und dem Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Literaturpreis. Er zählt zu den wichtigsten französischen Autoren der Gegenwart und erhielt für diesen Roman den Prix Goncourt.

Clemens Grote liest aus dem besprochenen Buch:

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Hardy on Tour“ 🚴🏽‍♂️


Heute starte ich meine Radreise nach England und Schottland.

Von der Alb aus geht es mit dem Fahrrad nach Dunkirchen, wo die Fähre mich auf die britische Insel bringen wird. An der Südküsten entlang geht es nach Land‘s End. Dort ist der Start der bekannten „End to End-Tour“ hoch in‘s schottische John o‘ Groats.
Auf dem Nordseeküsten Fahrradweg will ich dann Richtung London strampeln und rechtzeitig zum Start der Frauenfußball EM Anfang Juli dort sein um 5 Spiele im Stadion live vor Ort mitzuerleben .

Hier gibt es die nächsten Wochen ein „Bild des Tages“ von meiner Tour.
Viel Vergnügen,
Euer Hartmut Bögel

Freitag, 4.März

Heute haben
Gabriele Tergit * 1894
Giorgio Bassani * 1926
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Weberknechte

Da knüpfen sie
Und knüpfen
Knoten über Knoten
Zu Netzen, die sie über uns werfen
Narrennarrative
Unter denen wir zusammenkauern
Um weiter zu knüpfen
Immer weiter
Im Osten wie im Westen
Schwarmverloren
Was ist schon Recht
Kernkraft, Corona, Kalaschnikow
Wer killt das Klima
Wer das Volk
So knüpfen wir und knüpfen
Immer weiter
Und fragen uns
Was ist schlimmer
Ein Amok laufender Bär
Oder eine Reihe guter Jahre
Ein wenig Wehrmachtswahnwitz
Wär nicht schlecht
Seid ihr bereit
Mal wieder alles kurz und klein zu schlagen
Weit offen steht der Hölle Tor
Nur immer weiter so
Und ich garantiere euch
Wir kommen unserem Ende
Noch zuvor…
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Unser Buchtipp:


Bettina Flitner: „Meine Schwester
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 22,00

Ein Buch über den Suizid ihrer Schwester? Ja.
Aber doch deutlich mehr.
Der rote Faden ist das Klingeln des Telefons, das Bettina Flitners Schwester nicht erwidert. Immer wieder wird der Text von diesem Warten unterbrochen, wobei wir wissen, dass dieses Gespräch nicht mehr zustande kommen wird.
Bettina Flitner hat nach diesem Schock in ihren Erinnerungen gekramt und schreibt über ihre Kindheit und Jugend in den 70er Jahren in Hannover. Mit viel Witz und Genauigkeit erzählt sie von den Jahren in der Waldorfschule, von ihren Großeltern (wobei einer der Großväter der berühmte Reformpädagoge war), vom Jahr der Familie in New York, von der Zeit der Pubertät und dem ersten Liebesabenteuer. Es ist wohl dem geschulten Fotografinnenauge geschuldet, dass der Text nicht ausufertund ganz nah am Erlebten bleibt.
Dadurch schafft es die Autorin eine Balance herzustellen, zwischen Wut, Trauer und Verzweiflung und liebenswerten, schrägen, humorvollen Anektoten aus dem Leben der beiden Schwestern.
Ein starkes Buch und eines meiner Lieblinge in diesem Frühjahr.

Leseprobe

Mittwoch, 2.März

Heute abend findet im Münster um 18 Uhr ein Gottesdienst statt.
Danach dann eine Kundgebung auf dem Münsterplatz.

Heute haben
Sholem Alejchem * 1859
Tom Wolfe * 1931
John Irving * 1942
Geburtstag
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Exakt vor einem Jahr veröffentlichten wir dieses Gedicht von Winfried Bauer.
Heute scheint es aktueller denn je.

Winfried Hermann Bauer
Gestern noch

Gestern noch
Stand die Friedhofsmauer starr und stolz
Und schied
Unter den Klängen der Kirchenglocken
Wie gewohnt
Die Welt der Lebenden
Von den Toten

Gestern glich
Auch der Fluss im Tal noch
Einer silberglänzenden Schlange
Die sich in ihrem Bett räkelte
Und mich mit schmeichelnden Worten
Glucksend
In den Schlaf raunte

Heute jedoch
Geht ein Tosen durch die Welt
Die Schlange bäumt sich
Reißt zischend und fauchend
Mannsgroße Stücke aus den Ufern
Während sie sich vorwärts stürzt
Gen Osten

Und in der Friedhofsmauer
Klafft ein gewaltiger Riss
Wie ein weit aufgesperrtes Maul
das an der kleinen Blume würgt
Die das Leben wagt
Und unverhofft
In diesem Schlund erblüht
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Unser Kinderbuchtipp:


Eilsabeth Steinkellner (Text) / Michael Roher (Illustrationen):
Guten Morgen, schöner Tag!

Tyrolia Verlag € 12,95
Kleinformat mit dicker Pappe ab 2 jahren

Das österreichische Künstlerduo Elisabeth Steinkellner und Michael Roher zeigen uns einen ganz normalen Tag, aber voller Wunder und Staunen.
Mit offenen Augen und offenem Herzen geht das Kind in die Kita, freut sich über die Schnecke am Wegesrand, beobachtet und zählt die Menschen im Bus, spielt voller Lust mit Bauklötzen und bekommt schlechte Laune, weil es Hunger hat. Aber Michael Roher hat jede Menge Obst dafür gemalt.
Der Tag ist noch nicht zu Ende.
Das kommt am Schluss, eingekuschelt im eigenen Bett und mit den Lieblingstieren im Arm.

Welch eine Wohltat, dieses schöne, kleine Pappbilderbuch.
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Gestern wurden sechs Reisebusse mit Spenden vollgeladen.
Abends war das Ulmer Roxy wieder aufgefüllt mit Spenden.