Mittwoch, 21.September


Heute haben
HG Wells * 1866
Leonard Cohen * 1934
Klaus Kordon * 1934
Stephen King * 1947
Frédéric Beigbeder * 1965
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Sonnwend

Leise
Schmirgelt Väterchens Schleiflied
Über das Antlitz der Kleinen
Arglos entwölkt er Spiegel
Welterweiternd
Und hofft auf ein Lichtbad
Am Morgen

Der Narr
Ahnt nicht die Macht
Wild wachsender Klarheit
Und kein Schimmer
Warnt ihn vor Blendwerk
In stockdunkler
Nacht…
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Die Shortlist zum Deutschen Buchpreis ist veröffentlicht.
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Am Dienstag, den 4.Oktober gibt es bei uns ab 19 Uhr
(im Rahmen der 1.Seite) ein Shortlistlesen.
Es liest Clemens Grote

Am Montag, den 17.Oktober wird ab 18:55 die/der Preisträger:in bekannt gegeben.
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Und hier kommen die sechs Bücher der Shortlist:

Kommentar der Jury

Eckhart Nickel gelingt mit seinem Roman „Spitzweg“ Großes: was als Schülergeschichte beginnt, wandelt sich zu einer meisterhaften Reflexion über die Beziehung von Kunst und Leben. Sehr bewusst setzt er sich mit ästhetischen Fragen auseinander, und indem er die Leser*innen zu Schüler*innen macht, werden auch komplexe Diskurse verständlich. Sprachlich souverän und voller Ironie spielt „Spitzweg“ mit einer übertriebenen Gelehrsamkeit, mit verschachtelten Satzkonstruktionen und einem antiquiert anmutenden Vokabular. Dabei ist der Roman aller philosophischen Tiefe zum Trotz äußerst temporeich, in manchen Passagen gar komödiantisch. Ein großes intelligentes Lesevergnügen, das uns veranschaulicht, wie auch über Kultur diskutiert werden kann.

Kommentar der Jury

Die Blutbuche im Garten ist Ursprung und Fluchtpunkt im Leben von Kim, der non-binären Hauptfigur dieses Romans. Gepflanzt wurde sie zur Geburt der Großmutter – der Großmeer, wie sie im Berndeutschen genannt wird. Im Meer dieser Überfigur droht das Kind Kim zu versinken, gleichzeitig ist sie aber von einer magischen Faszination. Als die Großmeer ihr Wissen und ihre Dominanz an die Demenz verliert, beginnt Kim eine eigene Sprache zu bilden: für Identität und Körperlichkeit, für Herkunft und Prägung. Da es in diesem Gemenge keinen geraden Weg gibt, kann die Form des Romans nicht linear sein. Sie ist experimentell und gewagt, in einem Moment jäh derb und obszön, im nächsten wieder zart und intensiv. Sie nutzt überraschende Ebenen und Sichtweisen. Ein Roman, der berührt und bewegt.

Kommentar der Jury

Jan Faktors Roman „Trottel“ verbindet Zeitgeschichte und Lebensgeschichte auf sehr besondere Weise: Er beschreibt den Weg eines Außenseiters von Prag nach Berlin, vom Arbeitnehmer im realexistierenden Sozialismus zu einem Schriftsteller, der literarische Trauerarbeit leistet. Im Kern des Romans steht der Verlust eines Sohnes. Faktor gelingt das große Kunststück, mit einer Geschichte über Trauer Witz zu erzeugen. Er zielt auf die DDR ebenso wie auf die bundesdeutsche Gegenwart, auf den Literaturbetrieb und nicht zuletzt auf das eingestandene „Trotteltum“ seines Erzählers. Dabei entsteht ein provokanter, bisweilen verstörender Schelmenroman über die Frage, „ob ein Trottel im Leben glücklich werden kann“. Es ist ein Buch, das auch gnadenlose, aber sehr hilfreiche Kritik an unserer Gesellschaft übt.

Kommentar der Jury

Hunsrück, Mitte der 1980er Jahre, ein deutsches Frauenleben in der Provinz. Eigentlich hatte die Tochter schlesischer Flüchtlinge mehr vom Leben gewollt, doch der karrierebewusste Ehemann kontrolliert mittlerweile alles: die Haushaltsfinanzen, den tagtäglichen Streit, ihr Übergewicht, für das sich selbst das eigene Kind schon schämt. Die Fassade der kleinbürgerlichen Aufsteigerfamilie zerbröckelt endgültig, als die Mutter in einem skurrilen Akt der Notwehr ihr Erbe verschleudert und den Herren des Hauses aussperrt. Daniela Dröscher erzählt ihre von essayistischen Einschüben unterbrochene literarische Mikrosoziologie aus der Kinderperspektive. Beendet ist die Geschichte vom nicht mehr wunschlosen Unglück der Mutter erst, wenn ein neues Spiel beginnt – das der eigenen Familie.

Kommentar der Jury

Die Keramikkünstlerin Julia führt eine liebevolle Partnerschaft, leidet aber unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch. Astrid, Mutter von drei erwachsenen Söhnen, will sich langsam aus dem Berufsleben als Ärztin zurückziehen. Meisterhaft zeigt Kristine Bilkau anhand der Schicksale zweier Frauen in der norddeutschen Provinz, welche Abgründe in einem scheinbar alltäglichen Leben lauern. Die Stärke dieses subtil erzählten Romans liegt in den Details und den kleinen Kippmomenten – zwischen Fruchtbarkeitskliniken und verschwundenen Müttern, traumvergessenen Landschaften und illegalen Müllkippen, zwischen Stillstand und Veränderung. Nicht nur den Figuren, auch den Lesenden wird immer wieder der scheinbar sichere Grund unter den Füßen weggezogen. Doch dass Leben ohne Vertrauen nicht gelingen kann, auch davon erzählt „Nebenan“.

Kommentar der Jury

Hüseyin Yilmaz war Gastarbeiter der ersten Generation in Westdeutschland. Nach 30 Jahren pausenloser Schufterei stirbt er in dem Moment, als er mit Rentenbeginn seinen Traum einer eigenen Wohnung in Istanbul verwirklicht hatte. Sein Tod vereint die teilweise zerstrittene Familie in dieser Wohnung – mit ihren Ängsten, Hoffnungen, ihrer Verzweiflung. Aydemir lüftet ihre Geheimnisse präzise und einfühlsam. Die Perspektiven der einzelnen Familienmitglieder zeigen, dass sie trotz der Unterschiede, die die Generationen trennt, in mindestens einer Sache nah beieinander sind: dem Gefühl der Heimatlosigkeit. „Dschinns“ vereint Fragen nach Identität, Geschlecht und Herkunft ebenso wie die Themen Rassismus und Diskriminierung, während gleichzeitig ein Teil jüngerer deutscher Geschichte behandelt wird, der bisher kaum in der Literatur zu finden ist.
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Wir schließen unseren Buchladen von 15 Uhr bis 17 Uhr und streiken mit.
Von 17 Uhr bis 18 Uhr haben wir wieder geöffnet.,

Samstag, 17.September

Heute haben
Karl Wolfskehl * 1869
W.C. Williams * 1883
Hugo Hartung * 1901
Frank O’Connor * 1903
Horst Krüger * 1919
Karin Reschke * 1940
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Ganz weit draußen

Müde
Hefte ich mein Auge an den Horizont über dem Meer

Aus meinem Rücken
Ragen Gesetzestexte
Wie stählerne Stützpfeiler
Während ich nach wilden Gerüchen giere
Und nach fremder Musik

Und ich frage mich
Trunken von Teer
Der von den Planken tropft
Worauf warten wir denn
nur

Bis wir die Anker lichten endlich…
Als wäre das Paradies irgendwo da draußen
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Unser Buchtipp:


Franziska Gänsler: „Ewig Sommer
Kein und Aber Verlag € 23,00

Der Klimawandel ist in der Literatur angekommen.
Es brennt. Es brennt in den Wälder in Bad Heim und rund um das Hotel von Iris.
Es brennt auch in der Beziehung von Dori, die mit ihrer kleinen Tochter plötzlich vor dem Hotel steht und um ein Zimmer bittet.
Ein Draußen ist nicht mehr möglich, weil die Luft voller Asche, die Hitze unerträglich und ein Leben im Freien nur mit Masken erlaubt ist. Bei Dori ist es vielleicht andersum. Bei ihr ist ein Leben drinnen, mit ihrem dominanten Ehemann, nicht mehr möglich.
Die Schicksalsgemeinschaft der beiden Frauen beschreibt Franziska Gänsler mit besonderen Sprachbildern, in dem es ums Kümmern, ums Überleben, ums Gemeinsamleben geht, in einer Zeit, in der sich so vieles geändert hat. Ihr gelingt ein doppelter Spannungsbogen, der einen nicht mehr loslässt, bis sie mit zwei unterschiedlichen Lösungen aufwartet.

Franziska Gänsler im Gespräch mit Sieglinde Geisel im Literaturhaus Berlin

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Wir trotzen dem Herbst! Gemeinsam mit 30 anderen Organisationen, denen Nachaltigkeit, Klimaschutz und Gerechtigkeit am Herzen liegen, werden wir heute

6. Green Parking Day Ulm
Samstag | 17.09.2022 | 10 – 14 Uhr

in den Ulmer Altstadtgassen bereits zum 6. Mal die Parkplätze in Flächen für Austausch, Information und Unterhaltung verwandeln. Je nach Wetterlage wird es Musik und Märchen, Solartechnik zum Anfassen, Rate- und Bastelspaß und vieles mehr geben. Ermitteln Sie Ihren ökologischen Fußabdruck, testen Sie Ihr Europawissen oder schauen Sie den Bienen bei der Arbeit zu! In beigefügtem Flyer finden Sie das vollständige Angebot – und dem Vorbehalt, dass die Wetterlage es zulässt. Bis auf wenige wetterempfindliche Angebote findet nach jetzigem Stand alles statt.

Donnerstag, 15.September

Heute haben
François de La Rochefoucauld * 1613
Karl Philipp Moritz * 1756
James F.Cooper * 1789
Ina Seidel * 1885
Agatha Christie * 1890
Liselotte Welskopf-Henrich * 1901
Gerd Gaiser * 1908
Max Goldt * 1958
Andreas Eschbach * 1959
Geburtstag
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Winfried Hermann Bauer
Fragen über Fragen

Morgen ist niemals
Einmal ist keinmal
Immer dasselbe
Wer hat die Wahl

Alle sind jeder
Jemand ist einer
Allein sind wir niemand
Wo gehn wir hin

Eins sind wir alle
Getrennt
Sind wir einsam
Doch wie geht‘s gemeinsam

So gehnwirwandernpilgernklagen
Immer weiter
Weiter
Unter einem Joch von Fragen…
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Jaaa, ein neuer Band des Rätselduos:


Moni Port und Philip Waechter: „Dürfen Zwerge Riesenrad fahren?

Große Fragen für kleine Denker
Klett Kinderbuch € 12,00

Isst man in Asien Fischstäbchen mit Fischstäbchen?

Lohnt es sich für Eintagsfliegen, ein Tagebuch anzufangen?
Darf man mit einer Hose auf ein Rockkonzert?
Und was passiert mit uns, wenn wir dieses neue Quatschbuch zweimal lesen und uns dabei jedes Mal halbtot lachen?

Einfach großartig, die beiden und ich musste die Fragen mal wieder dreimal lesen, bis ich sie kapiert habe. Dann aber!

Moni Port und Philip Waechter haben sich wieder auf Schulhöfen und Spielplätzen umgehört und die albernsten Fragen gesammelt. Die Antworten gilt es diesmal allerdings selbst zu finden. Vielleicht ja bei diesem Spülmaschinenfest, von dem man auf jeder Brotdose liest.

Für alle kleinen und großen Kinder und die Erwachsenen noch dazu und überhaupt für alle, die Spaß mit solchen Rätseln haben.
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Unsere Lesungen:

Freitag, 16.September
Steven Uhly: Die Summe des Ganzen

Dienstag, 20.September
Gérard Scappini: Ankunft in der Fremde

Bei uns in der Buchhandlung
Beginn jeweils 19 Uhr
Eintritt jeweils € 8,00