Dienstag, 7.Februar

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Heute haben
Thomas Morus * 1477
Charles Dickens * 1812
und Sinclair Lewis * 1885
Geburtstag
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Emmanuel Guibert:Martha und Alan
Die Geschichte einer Jugendliebe
Aus dem Französischen von Christoph Schuler
Edition Moderne € 24,00

Zum dritten Mal stellt der französische Comiczeichner Emmanuel Guibert Alan Cope in den Mittelpunkt eines Romanes, einer Graphic Novel. Wir sind in Kalifornien der 30er Jahre und Alan verbringt Stunden mit seiner Freundin Martha. Es sind kleine Begebenheiten, wie Kinderspiele, oder Vögel beobachten oder auf Bäume klettern. Danach das Glas Milch, das Alan von Marthas Mutter zu trinken bekommt. Alans Mutter verbietet ihm allerdings den Umgang mit dem Mädchen, was ihn jedoch nicht daran hindert, sich mit Martha zu treffen.
Die Zeiten ändern sich, Alan zieht in den Krieg. Es kommt zu kurzen Treffen und einem Klavierspiel. Plötzlich hat sich viel geändert und wir wissen nicht warum. In der Mitte des Buches gibt es Bild mit einer Weggabelung, das sinnbildlich für die beiden Biografien steht. Der Faden ist gerissen, Alan bleibt in Europa, kann Martha jedoch sein ganzes Leben nicht vergessen. Bis er in hohem Alter beschließt, den Kontakt zu ihr wieder aufzunehmen. Und: Es klappt. Martha schreibt ihm zurück. Ein wunderschöner Brief voller Nähe und Freude. Der Roman endet jedoch anders, als Sie es sich vielleicht vorstellen. Wenn Sie das Buch zuschlagen, bleibt ein wohlig warmes Gefühl, auch ein Gefühl der Melancholie zurück.

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„Das Leben gleicht einer Reise durch aneinander gereihte Kreise, jeder davon enthält bestimmte Entwicklungsstadien, Erlebnisse und Freundschaften.“
Alan Cope

Emmanuel Guibert schafft es mit seiner einigartigen Weise zu zeichnen, daß wir wie in einer vergangenen Zeit blättern, daß wir die Gegenwart vergessen. Wir sind wie aus der Welt gefallen und meinen, ein altes Buch in Händen zu halten.


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Werner Färber Ungereimtheit der Woche
Das Ungetier

Es lebte einst mal dort mal hier
ein fürchterliches Ungetier.

Es hatte Spaß am böse sein,
deshalb blieb es meist allein.

Dienstag, 31.Januar

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Heute haben
Marie Luise Kaschnitz * 1901
Kurt Marti * 1921
Norman Mailer * 1923
Kenzaburo Oe * 1935
Geburtstag
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Jaaaa, ein neues Buch von Jon Klassen.
Schauen Sie sich bitte den Buchtrailer an. Mit der unterlegten Musik ist das doch ein kleines Kunstwerk. Und bitte achten sie auf die Augen der beiden Schildkröten.

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Jon Klassen:Wir haben einen Hut
Aus dem Englischen von Thomas Bodmer
NordSüd Verlag € 16,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Endlich gibt es ein weiteres Hut-Bilderbuch. Dieses Mal sind es zwei Schildkröten, die einen Hut finden. Einen halt. Also nur einen und nicht für jeden einen. Was tun?
Die eine Schildkröte träumt, daß jeder von ihnen einen Hut aufhat. Die andere Schildkröte ist jedoch hellwach und wir wissen (noch) nicht, was sie vorhat.
Jon Klassen hat wieder ein großartiges Werk geschaffen. Mit sehr wenigen Mitteln, mit einer einfachen Geschichte und wenig Text trifft er voll ins Schwarze. Und alleine die Augen der beiden Tiere. Wie sie sich hin und her bewegen, wie sie die Gedanken der beiden andeuten ist wahrlich meisterhaft.

Hier die anderen beiden Hut-Bilderbücher und sein super „Dunkel“-Buch.

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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Keine Kuschelkatze CCCXXXVI

Hat die süße kleine Mieze
keine Lust auf Nähe, flieht se
um diese und um jene Ecke,
auf dass sie sich vor dir verstecke.

Mittwoch, 25.Januar

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Heute haben
Virginia Woolf * 1882
Eva Zeller * 1923
Silvio Blatter * 1946
David Grossman * 1954
Alessandro Baricco * 1958
Geburtstag
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Foto: Florian Arnold

Gestern abend hatten wir ein literarisches Highlight in unserer Buchhandlung.
Carlos Peter Reinelt las seinen Text „Willkommen und Abschied„.
Die Buchhandlung füllte sich zu einer angenehmen, interessierten Runde. Schön war es auch, daß drei syrische junge Männer sich in die erste Reihe setzten. Sie sind in der Ulmer ADK, um Schauspiel und Regie zu lernen. Nach der Veranstaltung kamen sie und Reinelt ins Gespräch und sie wollen seinen Text in ihr Projekt einbauen.
Reinelt war gerade mal 20 Jahre alt, als im August 2015 ein Kühllaster mit Menschen darin, auf der Autobahn abgestellt wurde und alle Flüchtlinge darin erstickten.

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Sein Text enstand dann in einem Urlaub in Spanien, wobei er sich über die Form nicht im Klaren war. Er wollte zuerst etwas im Thomas Mann-Stil. Später kam dann das Problem dazu, daß der Mann, der diesen Monolog hält, am Ende des Textes tot ist. So kam er auch parallel auf die Idee der besonderen Gestaltung. Sein Text ist eingerahmt und umrahmt von den Worten „Willkommen und Abschied“. Der Rahmen entspricht den Maßen des Kleinlasters. Und so eingezwängt wird der Text immer dunkler. Bis nur noch schwarz zu sehen ist. Die Schrift ist mal normal, mal groß und fett (wenn der junge Mnn brüllt und schreit) und auch klein und zart (wenn er leiser wird und nachdenkt). Zum Schluß sehen wir nur noch kleine arbaische Schrift. Und so las Carlos Reinelt auch seinen Text vor. Er fragte mich im Vorfeld, ob er auch einen Tisch hätte. Na klar, sagte ich und dachte nicht weiter nach. Daß ein Tisch für seinen Vortrag jedoch sehr wichtig wird, erlebten wir dann später, als er seinen Protagonisten gegen die Wände des Lasters donnern läßt und er dieses Geräusch mit der Faust auf dem Tisch nachahmte.
Der Schrecken ist bei uns angekommen, sagte er, und nicht nur in den Nachrichten zu sehen. Genau diese Betroffenheit spürten wir gestern abend in der Buchhandlung. Wir lesen über ertrunkene Flüchtlinge und blättern weiter. Dieser Text, dieser Vortrag, ließ uns das Grauen hautnah erspüren.
Totenstille (ja, das Wort trifft wirklich zu) war es nach der halben Stunde, in der Carlos Reinelt gelesen hat. Umso freundlicher wurde danach in kleiner Runde mit dem Autoren diskutiert.

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Carlos Peter Reinelt: „Willkommen und Abschied“
Wallstein Verlag € 9,40
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Kleine Verwechslung

Wenn eine Schlange hüpft durchs Gras,
während ein Frosch kriecht an sie ran,
beschleicht mich das Gefühl, dass das,
was hier passiert, nicht stimmen kann.