Mittwoch, 23.Juni

Heute haben
Ernst Rowohlt *1887
Anna Achmatowa * 1889
Wolfgang Koeppen * 1906
Jean Anouilh * 1910
Paul Kersten * 1943
Pascal Mercier * 1944
Geburtstag
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Wilhelm Runge
Blumen flattern Sommer

Blumen flattern Sommer
Duft nimmt beide roten Backen voll
Falter wiegen Wald
Goldkäfer schreien
Mücken strampeln himmelauf und ab
heiß im Arm der Fische hängt das Bächlein
Unken patscht Libellenflügel wach
Zweige lachen
tuscheln
sonnen
strömen
Vögel wogen Wiesen
liegen flach
ziehn die Ahorndolden an den Händen
böse schelten Bienen in den Bart
Zwitschern streckt die sommerschweren Glieder
taumelnd tollt des Atems Flügelschlag
und der Augen wilde Rosen springen
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Ganz neu als Taschenbuch:


Dita Zipfel: „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte
Mit Illustrationen von Rán Flygenring
dtv / Reihe Hanser € 9,95
Ab 12 Jahren

Dieses Buch wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2020 ausgezeichnet und auch die Illustrationen wurden mehrfach prämiert.

Lucie Schmurrer braucht Geld. Und zwar sofort und jetzt. Sie will ausziehen und auch sonst so einiges. Lucie ist 12 Jahre und damit beginnt schon ihr Problem. Als sie die Anzeige sieht, € 20 für ein Hundchen Gassi führen, klingelt sie sofort bei der angegebenen Adresse.
Damit hat sie ein weiteres Problem. Denn Herr Klinge ist anders, vielleicht auch ein wenig verrückt. Auf jeden Fall sehr skuril. Und: Das Hundchen ist längst tot. Aber: Herr Klinge bezahlt gut und engagiert Lucie als Sekretärin für sein merkwürdiges Kochbuch.

Dita Zipfel und Rán Flygenring gelingt hier ein kleines großes Meisterwerk über ein Mädchen, das Mut hat, zugreift, ihren Weg geht. Wer ist eigentlich verrückt und anders in unserer Welt? Herr Klinge? Oder doch ganz andere Persönlichkeiten unseres alltäglichen Lebens?
Und dies wird mit viel Humor und Witz geschrieben und gezeichnet.

Einfach ein riesiger Spaß.

Auf der Seite des Hanser Verlages gefunden:

5 Fragen an Dita Zipfel

In Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte trifft die Protagonistin Lucie auf Herrn Klinge, der ihre Sicht auf die Welt stark verändert. Wie würdest du Lucie und Klinge beschreiben?
Lucie ist eine ganz normale Dreizehnjährige, die auf ihre Achselhaare wartet und sich die Zwischenzeit mit dem Lösen von klassischen Familienproblemen vertreibt. Sie ist manchmal sehr erwachsen und manchmal noch Kind und hat die Schwankungen, zu ihrem Unglück, nicht unter Kontrolle. Was ich sehr an ihr mag, ist, dass sie schon vieles kapiert hat und trotzdem bereit ist zu lernen, dass sie stark ist, ohne es zu wissen, und Außenseiterin mit erhobenem Haupt.
Klinge ist ein ganz normaler Hundertsechsundachtzigjähriger mit einer übernatürlichen Reaktionsfähigkeit und dem Hang zum Drama. Er kann siebenundzwanzig Salti nacheinander, Fliegen mit der Machete köpfen und Feen die klitzekleinen Zähne ausschlagen. Man könnte sagen, dass er in seiner eigenen Welt lebt – aber tun wir das nicht alle irgendwie? Klinge versteckt seinen weichen Kern hinter ruppigem Verhalten, man darf nicht zimperlich sein in seiner Gegenwart, das ist klar. Aber – ganz ehrlich – so wirklich Bescheid wissen über Klinge, ist echt schwer.

Was können wir von Klinge lernen? Werden die Leser die Welt nach der Lektüre ein wenig anders sehen?
Wenn ich sage, man könne einen fantastischen Blick auf die Welt lernen, beißt mir Klinge heute Nacht ins Knie. Abgucken kann man sich vielleicht, den eigenen Blick zu bewahren, egal was andere darüber denken. Ich glaube fast, von Lucie kann man mehr lernen.

Wen möchtest du mit deinem Roman erreichen?
Hm, das ist eine schwierige Frage. Eine Frage, die ich mir während des Schreibens nicht stelle, weil sie mich zu sehr verwirren würde. Jetzt, wo das Buch fertig ist, möchte ich natürlich möglichst viele erreichen. Diejenigen, die wie Lucie gerade erwachsen werden, die, die noch nie vom Toxic Shock Syndrome gehört haben, diejenigen, die normalerweise niemals ein Buch lesen würden, die, die an Einhörner glauben und die, die es nicht tun.

Was hat dich auf die Idee gebracht, Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte zu schreiben?
Eine vierjährige Freundin erzählte mir von merkwürdigen Vorkommnissen im Gemüseregal. Da war von knackigen Feenbeinen und würziger Werwolfspucke die Rede. Von ihr habe ich gelernt, wie viel Blut für ein Blech Ofengemüse fließen muss.

Welcher Satz ist dein Lieblingssatz im Buch?
“Warum ist es eigentlich nicht wahnsinnig, daran zu glauben, dass ein Geist, der aussieht wie ein dünner, bekiffter Opa im Nachthemd, die ganze Welt gemacht hat?”

Leseprobe

Mittwoch, 26.August

Heute haben
Guillaume Apollinaire * 1880
Jules Romains * 1885
Christopher Isherwood * 1904
Julio Cortázar * 1914
Walter Helmut Fritz * 1929
Steinunn Sigurdardóttir * 1950
Geburtstag
und es ist der Todestag von Wolfgang Herrndorf
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„In 80 Liebesgedichten um die Welt“
Ausgewählt von Clara Paul
Insel Verlag € 10,00

Clara Paul ist bei Insel/Suhrkamp die Fachfrau für Gedichtsanthologien. Jede Menge von ihr zusammengestellte Bücher finden sich dort. Lyrik ist ja ein weites Feld und so unterschiedlich, wie Literatur insgesamt. Dass es Gedichte auch auf der ganzen Welt, rund um den Erdball gibt, ist auch klar. Aber mit Gedichten um die Welt reisen, habe ich noch nicht gemacht. Von der Antarktis bis nach Feuerland, von der Tundra ins tiefste Asien. Clara Paul sortiert ihre Gedichtsauswahl allerdings nicht nach Ländern, sondern nach Situationen.

Wer bist du
Herzklopfen
Das Licht, das in dir lebt
Nacht, ganz verrückt
Gib mir ein Wiedersehn
Glückliche Liebe

Darunter finden sich dann sinnlich, heitere Gedichte über Sehnsucht, Herzensverwirrungen und Leidenschaft. Mal als Haiku, mal als langes Gedicht u.a. von Anna Achmatowa, Gioconda Belli, Raymond Carver, Mascha Kaléko, Wladimir Majakowski, Pablo Neruda, Alfonsina Storni, Wisława Szymborska, Shu Ting, Idea Vilariño, Derek Walcott, William Carlos Williams u. v. a.

Ledier kann ich Ihnen hier kein Gedicht vorstellen, da die Rechte noch bei den VerfasserInnen und bei den ÜbersetzerInnen sind. Schauen Sie doch bitte in die Leseprobe.
Viel Vergnügen.

Freitag, 24.Juli

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Auf der Suche nach dem Kometen.

Heute haben
Alexandre Dumas * 1802
Frank Wedekind * 1864
Hermann Kasack * 1896
Banana Yoshimoto * 1964
Geburtstag
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Frank Wedekind

Es war einmal ein Bäcker,
Der prunkte mit seinem Wanst,
Wie du ihn kühn und kecker
Dir schwerlich träumen kannst.
Er hat zum Weibe genommen
Ein würdiges Gegenstück;
Doch sie konnten zusammen nicht kommen
Sie waren viel zu dick.
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Prix Goncourt 2019

9783423282406

Jean-Paul Dubois: „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer und Uta Rüenauver
dtv gebunden € 22,00

Warum sitzt ein unauffälliger Mensch wie Paul Hansen im baufälligen Gefängnis von Montréal? Der in Frankreich aufgewachsene Sohn eines dänischen Pastors und einer Kinobesitzerin hatte schon einiges hinter sich, bevor er seine Berufung als Hausmeister in einer exklusiven Wohnanlage in Kanada fand. Ein Vierteljahrhundert lang lief alles rund – die Heizungsanlage ebenso wie die Kommunikation, bis Paul eines Tages die Sicherung durchbrennt. Nun erträgt er mit stoischer Ruhe seinen Zellengenossen Patrick, einen Hells-Angels-Biker, der sich jedoch von einer Maus ins Bockshorn jagen lässt.
Jean-Paul Dubois nimmt uns mit in diese kleine Zelle mit einer freistehende Toilette und erzählt mit feinem Humor, wie die beiden ihren Alltag bewältigen und wie es dazu kam, dass sie hier gelandet sind. Das Schöne an den Goncourt-PreisträgerInnen ist, dass man deren Bücher mit großem Vergnügen lesen kann. So auch hier. Patrick ist das genaue Gegenteil zum ruhigen Paul. Er ist ein Großmaul, ein Geschichtenerzähler, der aber extrem ängstlich ist. Eein großer Freund von Harley Davidson Fan und den Katalogen mit den vielen Ersatzteilen dazu. Das ist seine Bibel. Als er erfährt, dass der Gefängnisdirektor selber so eine Maschine fährt, ist er ganz aus dem Häuschen.
Ein sehr vergnüglicher, hintergründig ernsthafter Roman, bei dem man herzhaft schmunzeln kann. Wir haben gleich einen ganzen Stapel auf dem Neuerscheinungstisch zu liegen.


Jean-Paul Dubois
, geboren 1950 in Toulouse, studierte Soziologie und arbeitete zunächst als Sportreporter für verschiedene Tageszeitungen. Später berichtete er für den ›Nouvel Observateur‹ aus den USA. Er hat über zwanzig Romane veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Prix Femina und dem Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Literaturpreis. Er zählt zu den wichtigsten französischen Autoren der Gegenwart.