Mittwoch, 24.Juli

img_4580

Heute haben
Alexandre Dumas d.Ä. 1802
Frank Wedekind * 1864
Hermann Kasack * 1896
Banana Yoshimoto * 1964
Geburtstag.
_______________________

Frank Wedekind
Bajazzo

Seltsam sind des Glückes Launen,
Wie kein Hirn sie noch ersann,
Daß ich meist vor lauter Staunen
Lachen nicht noch weinen kann!

Aber freilich steht auf festen
Füßen selbst der Himmel kaum,
Drum schlägt auch der Mensch am besten
Täglich seinen Purzelbaum.

Wem die Beine noch geschmeidig,
Noch die Arme schmiegsam sind,
Den stimmt Unheil auch so freudig,
Daß er′s innig liebgewinnt!
_______________________

Emilia Wiltschek (13 Jahre) empfiehlt:

0213

Serena Valentino: „Das Biest in ihm“
übersetzt von Ellen Flath
Carlsen Verlag € 12,00
Jugendbuch ab 12 Jahren

Wie wurde aus dem Prinzen eigentlich das Biest? Oder war der Prinz immer schon innerlich ein Biest? Diese Geheimnisse werden mit diesem Buch gelüftet. Die Vorgeschichte von „Die Schöne und das Biest“. Der Prinz ist eitel. Das war er schon immer gewesen. Die Frauen wollte alle mit ihm verheiratet sein und er selbst war Prinz und hatte alles, was sich ein Mensch nur wünschen konnte. Und endlich nach einigen Jahren hatte er sich tatsächlich verliebt. In die wunderschöne Circe. Von ihrer Herkunft wusste er nicht viel, nur dass sie behauptete, adelig zu sein. Doch sein bester Freund Gaston stellte Nachforschungen an und fand heraus, dass die hübsche Circe gar nicht adelig war, sondern die Tochter von Schweinehirten. Doch der Prinz wollte seinem treuen Freund nicht glauben und überzeugte sich selber, indem er zu dem von Gaston angegebene Hof ritt und dort tatsächlich Circe im Schlamm arbeitend fand. Er war so erbost über die Lügen von Circe, dass er die Hochzeit kurzfristig abblies. Circe die darüber nun auch erbost war, redete mit ihren Schwestern. Denn das hatte der Prinz nicht herausgefunden: sie stammte zwar von Schweinehirten ab, aber aus einer Zauberfamilie und besaß wie ihre drei Schwestern die Fähigkeit, Magie auszuüben. Sie verfluchte den Prinzen, in dem sie ihm prophezeite, dass er sich langsam in ein Biest, das er innerlich war, verwandeln würde und niemand es auch nur in seiner Nähe aushallten würde. Der Prinz lachte nur darüber und so wurden auch seine Angestellten und das komplette Schloss verflucht. Erst passierte gar nichts und der Prinz lebte seinen Alltag weiter. Doch dann langsam merkte er Veränderungen an sich und als auch plötzlich einer seiner Angestellten nach dem andren verschwanden und statt ihnen nur neue Haushaltsgeräte auftauchten, bemerkte der Prinz, dass Circes Fluch tatsächlich exestierte und er sich nun ganz in ein lebendes Monster verwandelte.
Und wie es weiter geht und ob der Prinz noch gerettet werden kann, müsst ihr selber nachlesen! Ein sehr spannender und einfühlsamer Roman über Eitelkeit, Schönheit, Hass und natürlich Liebe.

Mittwoch

CIMG9068

Heute haben
Alexandre Dumas d.Ä. 1802
Frank Wedekind * 1864
und
Hermann Kasack * 1896
Geburtstag.
______________________

Das Gedicht könnte Grönemeyer vertonen und vor 25.000 Zuhörern im Stadion brüllen:

Frank Wedekind
Alte Liebe

Ich hab dich lieb, kannst du es denn ermessen,
Verstehn das Wort, so traut und süß?
Es schließet in sich eine Welt von Wonne,
Es birgt in sich ein ganzes Paradies.

Ich hab dich lieb, so tönt es mir entgegen,
Wenn morgens ich zu neuem Sein erwacht;
Und wenn am Abend tausend Sterne funkeln,
Ich hab dich lieb, so klingt die Nacht.

Du bist mir fern, ich will darob nicht klagen,
Dich hegen in des Herzens heil’gem Schrein.
Kling fort, mein Lied! Jauchz auf, beglückte Seele!
Ich hab dich lieb, und nie wirds anders sein.
_____________________

CIMG9069

Eigentlich wollte ich heute die Neuauflage von Albert Camus‘: „Hochzeit des Lichts“ vorstellen, habe damit schon angefangen, als ich in den Zeitungen gelesen habe, dass Ugo Riccarelli gestorben ist.
Wenn man einen Autoren mit allen Büchern begleitet und sie, mal mehr mal weniger gut, im Laden verkauft hat, dann berührt mich das schon. Alt ist er zusätzlich nicht geworden mit seinen 58 Jahren.
Ugo Riccarelli wurde 1954 in Cirié bei Turin geboren und lebte in Rom, wo er zum Beraterstab des damaligen Bürgermeister Walter Veltroni gehörte. Er arbeitete lange Zeit vorher in der Bibliothek und am Theater von Pisa.
Auf Deutsch erschienen der Bruno Schulz-Roman: „Ein Mann, der vielleicht Schulz hieß“ (1999). Darin schildert er das kurze Leben des polnischen Autoren Bruno Schulz, der auf offener Straße in seiner Heimatstadt von einem SS-Mann erschossen worden ist. Eine Annäherung der besonderen Art, da der Sprachstil der beiden sich irgendwie anzunähern scheint. Hier tauchen schon die ersten Szenen auf, die in jedem seiner Romane ein Fortsetzung finden. Heisst das magischer Realismus? Ich kann mich an einen Mann erinnern, der vollkommen von Bienen eingehüllt war und eine Leiche, die in einer Badewanne voll Honig konserviert war. 2004 erschienen die Erzählungen: „Fausto Coppis Engel“, die ich zuerst gar nicht beachtet habe, da es sich um Sporterzählungen handelt. Erst nach der Lektüre seines nächsten Romanes kam ich darauf wieder zurück und war so begeistert, dass Clemens Grote die Fussballgeschichte an einer unserer „Ersten Seite“ vorgelesen hat. Eine sehr bewegende, auch skurile Begebenheit (im Roman) und sehr dramatisch im wahren Leben. Während des Zweiten Weltkrieges kam es im besetzten Kiew zu einem Fussball spiel zwischen deutschen Soldaten und der wohl besten Mannschaft der damaligen Zeit aus Kiew. Die Deutschen verloren haushoch und forderten ein weiteres Spiel, das sie, trotz Verstärkung, wieder verloren. Ein Endpsiel der besonderen Art gab es dann, als die Nazis sagten, wenn sie das nächste Spiel auch verloren würden, kämen alle russichen Spieler ins KZ. Die durch Belagerung Kiews geschwächten Spieler gewannen zum dritten Mal und einigen Spieler drohte dann auch das oben genannte Schicksal. Für die Bewohner von Kiew bedeutete dies, dass diejenigen, die eine Eintrittskarte für diese Spiel in Händen hielten, bis an ihr Lebensende freien Eintritt ins Stadion hatten. In der Fausto Coppi-Geschichte begegnet dem weltbesten Rennradler sein Engel mehrfach auf der Strecke und nimmt ihn dann auch viel zu früh aus dem Leben. Dies nur zwei der ausgezeichneten Erzählungen. 2006 erschien dann sein Mamutwerk: „Der vollkommene Schmerz“, für den Riccarelli 2004 den Premio Strega erhielt. Einen der wichtigsten italienischen Literaturpreise. 100 Jahre Einsamkeit auf einem Hügel in der Toskana, eine Romeo und Julia-Geschichte über drei Generationen hinweg. Ein grandioses Buch über zwei Familien. Einer reichen Grossgrundbesitzer-Familie und einer Familie, die sich als Lehrer, Intellektuelle und Linke durch’s Leben schlagen. Hier wird gestorben, was das Zeug hält. Und zwar erwischt es so oft die Guten, dass einem beim Lesen ein „O Mann“ herausrutscht. Großes Breitwandtheater der feinsten Art. Auch hier gibt es eine skurile Person, die ein Perpetuum Mobile herstellen will. 2009 erschien „Der Zauberer“, ein Buch über seinen Vater, einem Abenteurer, Aufschneider, Geschichtenerzähler, Taschenspieler, der u.a. im Straflager mehreren Menschen das Leben rettete und im Frühjahr 2013 „Die Residenz des Doktor Rattazzi“. Beide Romane spielen während der deutschen Besetzung Italiens und haben trotz der großen Dramatik wieder einen ganz besonderen Witz. Der Zauberer erinnert ein wenig an den Film „Das Leben ist schön“ und auch an Jurek Beckers „Jakob der Lügner“ und Dr. Rattazzi leitet ein Irrenhaus im Norden Italiens. Er flieht vor den Nazis weiter auf’s Land in die Berge und versucht so seine geliebten Insassen vor dem Terror zu retten. Das gelingt ihm und seinem Gehilfen/Nachfolger Benjamino auch fast. Nur einer seiner Patienten, der nur in Homerschen Versen redet, wird erschossen und vor aller Augen kommen diese Verse aus seinem sterbenden Mund und schweben zum Himmel auf. Also auch hier wieder Riccarellis Art mit der Gefahr, mit dem Tod umzugehen.
Riccarelli war selbst schwer krank und bekam vor Jahren ein neues Herz und eine neue Lunge. Vielleicht beruht der Galgenhumor in seinen Romanen auch auf Erfahrungen aus seinem Leben und dem Umgang mit seinem todkranken Körpers.
Möge er dort guthaben, wo er jetzt ist und vielleicht taucht im Deutschen noch ein weiteres Werk auf, das es in Italien schon gibt.

fausto_coppis_engel-9783423137454

Fausto Coppis Engel € 9,90
Leseprobe

der_zauberer-9783423140140

Der Zauberer € 9,90

der_vollkommene_schmerz-9783423136815

Der vollkommene Schmerz € 9,90
Leseprobe

Z_Riccarelli_Die_Residenz_P03DEF.indd

Die Residenz des Doktor Rattazzi € 18,90

Alle Bücher sind bei uns in der Buchhandlung vorrätig.
________________________