Freitag, 13.November

Heute haben
Robert Louis Stevenson * 1850
Peter Härtling * 1933
Geburtstag
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Heinrich Lersch (1889-1936)
November

Es weint ein schmerzlich
Lied sich durch den Wald,
ist’s Vogel- oder Menschenton?
Ist es der Wind, der Äste geigt?

Der Nordwind hat sich aufgemacht,
er fegte erst die Felder kahl;
dann ging er durch den Sommerwald
und nahm die bunten Stimmen mit
und trank der Blätter grünes Blut.

Nun deckt ein Schleier, grau und dicht,
das welke Antlitz der Natur,
dass niemand ihren Kummer sieht.
Es weint ein schmerzlich Lied
sich durch den Wald.
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Gestern hatte Hans Werner Richter Geburtstag und heute stelle ich ein Buch mit Erzählungen von ihm vor, das ich in Bansin auf Usedom entdeckt habe.


Hans Werner Richter: „Geschichten aus Bansin“
Mit einer Nachbemerkung von Klaus Wagenbach
Wagenbach Verlag € 10,90

Ich wusste gar nicht, dass Hans Werner Richter aus Bansin kommt. Für mich war er der Gründer der Gruppe 47. In Saulgau hat sich die Gruppe mehrfach getroffen, eventuell auch zum ersten Mal. Dort bin ich aufgewachsen und habe deshalb so ne minikleine Beziehung dazu. Nun stolpere ich über das Hans Werner Richter Haus in Bansin, erfahre, dass er dort aufgewachsen ist und nehme mir von dort diesen Erzählband mit.
Sieben Geschichten über seinen Vater finden wir darin. Mit viel Humor erzählt er darin über ihn, seine Mutter und über die sehr armen Verhältnisse, in denen die Familie aufgewachsen ist. Der Zeitraum reicht von den 20er Jahren bis zur DDR.
Richters Mutter war Wäscherin, sein Vater Aushilfsarbeiter, Fischer, Bademeister und auch mal Tankwart. Er war ein großer Aufschneider, der von großen Gewinnen träumte, die bei jeder Weitererzählungen größer wurden und dann wieder zerronnen.
Richter erzählt über die Entwicklung des Badeorts Bansin mit seinen Chauffeuren und Adligen, die dort die Sommerfrische verbrachten. Wie sich dies so langsam änderte und die Reichen, selbst hinterm Steuer sitzend, dort auftauchten. Deshalb hat Richters Mutter die Idee zu einer Tankstelle, die dann sein Vater betreibt, jedoch den täglichen Gewinn großspurig verjubelt.
Richter schreibt über den Holzklau seines Vaters. Wie er einen Lastwagen voller Schlafanzüge der Wehrmacht findet und sich bei jeder Hochrechnung mehr Gewinn verspricht.
Einmal ist er wirklich der Held des Tages: Er wird Schützenkönig. Jedoch: es ist ein abgekartetes Spiel und der Schützenverein sucht (wie jedes Jahr) einen, der siegt und somit auch alle Runden in der Dorfkneipe bezahlen muss. Da Richters Vater nur wenig Geld besitzt, begleicht seine Ehefrau die Zeche. Ein Betrag, der einem Jahresgehalt als Wäscherin gleichkommt.
Dies alles wird wie in einem Schelmenroman erzählt. Wir sind immer wieder am Schmunzeln und Lachen und merken gleichzeitig, wie arm die Menschen dort waren.
Im Nachwort erzählt Klaus Wagenbach über einen feuchtfröhlichen Betriebsausflug des Wagenbach Verlages nach Bansin.

Hans Werner Richter, 1908 in Bansin auf der Fischerinsel Usedom geboren, arbeitete zunächst als Buchhändler und für Verlage. 1946 gab er mit Alfred Andersch die Zeitschrift „Der Ruf“ heraus. Kurz darauf gehörte er als Initiator des ersten Treffens zu den Mitbegründern der Gruppe 47. 1993 starb er in München.

Dienstag, 16.August

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Heute haben
Charles Bukowski * 1920
Reiner Kunze * 1933
Geburtstag

Charles Bukowski
Be Kind

we are always asked
to understand the other person’s
viewpoint
no matter how
out-dated
foolish or
obnoxious.

one is asked
to view
their total error
their life-waste
with
kindliness,
especially if they are
aged.

but age is the total of
our doing.
they have aged
badly
because they have
lived
out of focus,
they have refused to
see.

not their fault?

whose fault?
mine?

I am asked to hide
my viewpoint
from them
for fear of their
fear.

age is no crime

but the shame
of a deliberately
wasted
life

among so many
deliberately
wasted
lives

is.
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Unser heutiger Buchtipp:

9783803132789

Panait Istrati: „Kyra Kyralina
Aus dem Rumänischen von Oskar Pastior
Mit einem Nachwort von Mircea Cartarescu
Wagenbach Verlag € 17,90

Mircea Cǎrtǎrescu, selbst international bedeutender rumänischer Autor, beginnt sein Nachwort zu diesem Roman mit den Worten: Panait Istrati hätte überhaupt nicht schreiben müssen, niemals. Seine wahre Berufung war nicht Literatur, sondern die Freiheit – und die ihm selbstverständliche Lebensweise die Wanderschaft, das Nichtsesshafte, das stetige Herumirren auf der Suche nach dem Gral, dem menschlichen Herzen.

Der Roman schildert aus der Sicht des Limonadenverkäufers Stavru, der sein Leben einem ebenfalls umher wanderndem jungen Mann erzählt, die Welt der kleinen Leute im Rumänien und dem Orient der Jahrhundertwende. Wir erfahren von einer lebenslustigen und umschwärmten Mutter, seiner behüteten Kindheit, die durch eine Gewalttat jäh beendet wurde, von dem Getränk Salep, das sich auch heute noch großer Beliebtheit in Istanbul erfreut, aber auch von einem Dasein voller Leid und Wirrnis, voller Schuld und Leidenschaft.

Stavru ist auf der Suche nach seiner entführten Schwester Kyra Kyralina, die ihre Schönheit, Lebendigkeit und ihren Freiheitswillen teuer bezahlen musste. Auf seiner Irrfahrt trifft er reiche, unbarmherzige, skrupellose Menschen, Musiker an der Donau, fließend rumänisch, türkisch und griechisch sprechende Banditen, und einen despotischen Liebhaber. Er zieht durch Konstantinopel, Aleppo, Beirut und Damaskus auf der Suche nach Kyra, die Sinnbild wird für das Gute und Schöne, nach dem er strebt und landet in einem berüchtigten Gefängnis. Stavru bäumt sich immer wieder gegen sein leidvolles Schicksal auf und wird nur einem Menschen in seinem Leben begegnen, dem er vertrauen kann.

Panait Istrati, geboren 1884 in Bukarest, schreibt farbenprächtig und gefühlvoll, man wähnt sich fast in einer Tausendundeine Nacht Geschichte. Er selbst blieb lange Zeit seines Lebens ein Umherziehender, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlug, aber auch die Werke der Weltliteratur las. Schlagartig wurde er mit diesem in Bukarest erschienen und von Oskar Pastior ins deutsche übersetzten Roman berühmt.

Eine besondere Leistung des Wagenbach Verlages, dieses Buch, das bereits 1975 in der DDR erschienen war, jetzt neu herauszugeben und mit dem von dem bereits oben erwähnten Autor hoch interessanten Nachwort zu versehen.

Mittwoch

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Heute haben
Bernhard Kellermann * 1879
Giorgio Bassani * 1916
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
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Unser gestriges „Shortlistlesen“ ergab nach der Abstimmung ein Siegerbuch. Auch wenn es knapp herging und Clemens Grote zwei Gedichte von Jan Wagner als Zugabe wiederholen musste, schaffte es „Zeiden, im Januar“ von Ursula Ackrill aus dem Wagenbach Verlag bei uns auf Platz eins.

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Ich gebe dieses Ergebnis nach Leipzig weiter und wir schauen, was die daraus machen.
Dank an alle, die mitgemacht haben und natürlich einen extra Dank an Clemens Grote, der uns die Texte wieder einmal gekonnt nahegebracht hat.
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Es gibt Neues von Britta Teckentrup und es wird immer kniffliger.
Da müssen sich die Erwachsenen aber ordentlich anstrengen, um vor den Kleinen die Lösung zu finden.

Britta Teckentrup:“Wir gehören zusammen!“
Ein Such-Buch
Originaltitel: Where’s the pair?
Ab 4 Jahren
Prestel Verlag € 12,99

Es ist wirklich nicht leicht die Paare aus diesen Wimmelbilder herauszufinden.
War es im ersten Band noch so, dass wir aus einem Schwarm Fledermäusen, einer Gruppe von Schildkröten, einer Kolonie von Pinguinen, … ein Tier herauszufinden, das anders war, dreht sie nun die Spieß um. Paare finden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Britta Teckentrup, die im englischen Raum viele Bilderbücher herausgebracht hat, zeigt sich hier wieder als einzigartige Grafikerin und Illustratorin und hebt sich ab von allen anderen Wimmelbüchern, die auf dem Markt sind.

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Ein Rudel Hunde im Park
schnuppert an den schönsten Stellen,
bis ein Hund beginnt,
lauthals zu bellen.

Sie kläffen und heulen
und rennen blitzschnell.
Findest du die Geschwister
mit genau gleichem Fell?

Na dann mal los, liebe LeserInnen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

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Und auch hier wird es nicht einfacher.
An diesen wenigen Beispielen merken Sie schon die künstlerische Qualität von Britta Teckentrup. Stimmig dazu ist das Papier ausgewählt worden und das kleine Kunstwerk liegt schön in der Hand.
So wünsche ich Ihnen noch viel Erfolg bei der Suche nach den zwei Bären mit den Schals im Partnerlook, den Vögeln mit dem gleichen Federkleid, den Fische, die gegen den Strom schwimmen, …

Britta Teckentrup wurde in Hamburg geboren und hat am Saint Martins College of Art und am Royal College of Art in London Kunst und Illustration studiert. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher und ihre Arbeiten werden häufig in Ausstellungen gezeigt. Heute lebt sie zusammen mit ihrem schottischen Ehemann, ihrem Sohn Vincent und ihrem Kater Oskar in Berlin.
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Unsere nächste Veranstaltung ist Ende des Monats:

Freitag, 27.März um 19 Uhr
Thomas Thiel: Als Militärpfarrer in Afghanistan

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Gefolgt von einer zweiten Ausgabe von „Literalotto
am Dienstag, den 31.März um 19 Uhr
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Mehr aus der Welt der Bücher finden Sie auch auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
und
Wiebuecherleben.tumblr.com
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