Dienstag, 16.August

IMG_0242

Heute haben
Charles Bukowski * 1920
Reiner Kunze * 1933
Geburtstag

Charles Bukowski
Be Kind

we are always asked
to understand the other person’s
viewpoint
no matter how
out-dated
foolish or
obnoxious.

one is asked
to view
their total error
their life-waste
with
kindliness,
especially if they are
aged.

but age is the total of
our doing.
they have aged
badly
because they have
lived
out of focus,
they have refused to
see.

not their fault?

whose fault?
mine?

I am asked to hide
my viewpoint
from them
for fear of their
fear.

age is no crime

but the shame
of a deliberately
wasted
life

among so many
deliberately
wasted
lives

is.
___________________________

Unser heutiger Buchtipp:

9783803132789

Panait Istrati: „Kyra Kyralina
Aus dem Rumänischen von Oskar Pastior
Mit einem Nachwort von Mircea Cartarescu
Wagenbach Verlag € 17,90

Mircea Cǎrtǎrescu, selbst international bedeutender rumänischer Autor, beginnt sein Nachwort zu diesem Roman mit den Worten: Panait Istrati hätte überhaupt nicht schreiben müssen, niemals. Seine wahre Berufung war nicht Literatur, sondern die Freiheit – und die ihm selbstverständliche Lebensweise die Wanderschaft, das Nichtsesshafte, das stetige Herumirren auf der Suche nach dem Gral, dem menschlichen Herzen.

Der Roman schildert aus der Sicht des Limonadenverkäufers Stavru, der sein Leben einem ebenfalls umher wanderndem jungen Mann erzählt, die Welt der kleinen Leute im Rumänien und dem Orient der Jahrhundertwende. Wir erfahren von einer lebenslustigen und umschwärmten Mutter, seiner behüteten Kindheit, die durch eine Gewalttat jäh beendet wurde, von dem Getränk Salep, das sich auch heute noch großer Beliebtheit in Istanbul erfreut, aber auch von einem Dasein voller Leid und Wirrnis, voller Schuld und Leidenschaft.

Stavru ist auf der Suche nach seiner entführten Schwester Kyra Kyralina, die ihre Schönheit, Lebendigkeit und ihren Freiheitswillen teuer bezahlen musste. Auf seiner Irrfahrt trifft er reiche, unbarmherzige, skrupellose Menschen, Musiker an der Donau, fließend rumänisch, türkisch und griechisch sprechende Banditen, und einen despotischen Liebhaber. Er zieht durch Konstantinopel, Aleppo, Beirut und Damaskus auf der Suche nach Kyra, die Sinnbild wird für das Gute und Schöne, nach dem er strebt und landet in einem berüchtigten Gefängnis. Stavru bäumt sich immer wieder gegen sein leidvolles Schicksal auf und wird nur einem Menschen in seinem Leben begegnen, dem er vertrauen kann.

Panait Istrati, geboren 1884 in Bukarest, schreibt farbenprächtig und gefühlvoll, man wähnt sich fast in einer Tausendundeine Nacht Geschichte. Er selbst blieb lange Zeit seines Lebens ein Umherziehender, der sich mit Gelegenheitsjobs durchschlug, aber auch die Werke der Weltliteratur las. Schlagartig wurde er mit diesem in Bukarest erschienen und von Oskar Pastior ins deutsche übersetzten Roman berühmt.

Eine besondere Leistung des Wagenbach Verlages, dieses Buch, das bereits 1975 in der DDR erschienen war, jetzt neu herauszugeben und mit dem von dem bereits oben erwähnten Autor hoch interessanten Nachwort zu versehen.

Mittwoch

IMG_3193

Heute haben
Bernhard Kellermann * 1879
Giorgio Bassani * 1916
Alan Silitoe * 1928
James Ellroy * 1948
Khaled Hosseini * 1965
Geburtstag
___________________________

LBM15_LeipzigLiest_Presse_rgb_R202X0_R220X0

Unser gestriges „Shortlistlesen“ ergab nach der Abstimmung ein Siegerbuch. Auch wenn es knapp herging und Clemens Grote zwei Gedichte von Jan Wagner als Zugabe wiederholen musste, schaffte es „Zeiden, im Januar“ von Ursula Ackrill aus dem Wagenbach Verlag bei uns auf Platz eins.

zeiden

Ich gebe dieses Ergebnis nach Leipzig weiter und wir schauen, was die daraus machen.
Dank an alle, die mitgemacht haben und natürlich einen extra Dank an Clemens Grote, der uns die Texte wieder einmal gekonnt nahegebracht hat.
____________________________

IMG_3205IMG_3206

Es gibt Neues von Britta Teckentrup und es wird immer kniffliger.
Da müssen sich die Erwachsenen aber ordentlich anstrengen, um vor den Kleinen die Lösung zu finden.

Britta Teckentrup:“Wir gehören zusammen!“
Ein Such-Buch
Originaltitel: Where’s the pair?
Ab 4 Jahren
Prestel Verlag € 12,99

Es ist wirklich nicht leicht die Paare aus diesen Wimmelbilder herauszufinden.
War es im ersten Band noch so, dass wir aus einem Schwarm Fledermäusen, einer Gruppe von Schildkröten, einer Kolonie von Pinguinen, … ein Tier herauszufinden, das anders war, dreht sie nun die Spieß um. Paare finden. Klingt einfach, ist es aber nicht. Britta Teckentrup, die im englischen Raum viele Bilderbücher herausgebracht hat, zeigt sich hier wieder als einzigartige Grafikerin und Illustratorin und hebt sich ab von allen anderen Wimmelbüchern, die auf dem Markt sind.

1

Ein Rudel Hunde im Park
schnuppert an den schönsten Stellen,
bis ein Hund beginnt,
lauthals zu bellen.

Sie kläffen und heulen
und rennen blitzschnell.
Findest du die Geschwister
mit genau gleichem Fell?

Na dann mal los, liebe LeserInnen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.

23

Und auch hier wird es nicht einfacher.
An diesen wenigen Beispielen merken Sie schon die künstlerische Qualität von Britta Teckentrup. Stimmig dazu ist das Papier ausgewählt worden und das kleine Kunstwerk liegt schön in der Hand.
So wünsche ich Ihnen noch viel Erfolg bei der Suche nach den zwei Bären mit den Schals im Partnerlook, den Vögeln mit dem gleichen Federkleid, den Fische, die gegen den Strom schwimmen, …

Britta Teckentrup wurde in Hamburg geboren und hat am Saint Martins College of Art und am Royal College of Art in London Kunst und Illustration studiert. Sie ist Autorin und Illustratorin zahlreicher Bücher und ihre Arbeiten werden häufig in Ausstellungen gezeigt. Heute lebt sie zusammen mit ihrem schottischen Ehemann, ihrem Sohn Vincent und ihrem Kater Oskar in Berlin.
_________________________

Unsere nächste Veranstaltung ist Ende des Monats:

Freitag, 27.März um 19 Uhr
Thomas Thiel: Als Militärpfarrer in Afghanistan

i37

Gefolgt von einer zweiten Ausgabe von „Literalotto
am Dienstag, den 31.März um 19 Uhr
__________________________

Mehr aus der Welt der Bücher finden Sie auch auf unseren Fotoblogs:
Jastram.tumblr.com
und
Wiebuecherleben.tumblr.com
___________________________

Samstag

Heute haben
Alfred Lichtenstein * 1889
Ephraim Kishon * 1924
Ilija Trojanow * 1965
Geburtstag
___________________

Alfred Lichtenstein
Der Morgen

… Und alle Straßen liegen glatt und glänzend da.
Nur selten hastet über sie ein fester Mann.
Ein fesches Mädchen haut sich heftig mit Papa.
Ein Bäcker sieht sich mal den schönen Himmel an.

Die tote Sonne hängt an Häusern, breit und dick.
Vier fette Weiber quietschen spitz vor einer Bar.
Ein Droschkenkutscher fällt und bricht sich das Genick.
Und alles ist langweilig hell, gesund und klar.

Ein Herr mit weisen Augen schwebt verrückt, voll Nacht,
Ein siecher Gott … in diesem Bild, das er vergaß,
Vielleicht nicht merkte – Murmelt manches. Stirbt. Und lacht.
Träumt von Gehirnschlag, Paralyse, Knochenfraß.

An Frida

Zwischen uns sind Wände Trennung.
Spinn-Netze Sonderbares.
Doch oft fliege ich schmal in meiner sinkenden,
Händeringenden Stube, ein blutender Piepmatz.
Wärst du da.
Ich bin so ermordet.
Frida.
_____________________

Denn manche Fährkapitäne ziehen zu spät auf das Becken, so daß das schwere Schiff gegen die hölzerne Pfahlwand der Einfahrt kracht, beim ersten Mal hart, dann mit einem mehr gedämpften Ton. Dann ist das Ächzen der Stämme im aufquirlenden Wasser zu hören.

So endete gestern unsere „Jahrestage“-Marathonlesung um 1Uhr in der Nacht und mit dem Eintrag vom 30.September 1967. Nach sechs Stunden und zwei Getränkepausen haben wir es bis auf die Seite 119 des Romanes von Uwe Johnson gebracht.
Dass dann allerdings am nächsten Morgen vom Wagenbach Verlag ein Buch über New York bei den Neuerscheinungen dabei ist, macht den Abschied von Gesine und Marie und ihrem Manhattan auch nicht leichter und steigert vielleicht noch die Sehnsucht.

New York

„New York“
Eine literarische Einladung
Wagenbach Verlag € 15,90
Erschienen in der roten Salto-Reihe

Von der Bronx bis Staten Island, von Greenwich Village bis Rockaway Beach – mit Texten von Woody Allen, Maeve Brennan, Michael Cunningham, Don DeLillo, Allen Ginsberg, Helene Hanff, Jonathan Lethem, Colum McCann, Grace Paley, Richard Price, David Sedaris, Eliot Weinberger, Colson Whitehead, Tom Wolfe und vielen mehr.
Zwei Karten am Anfang und am Ende des Büchleins sind mit Nummern versehen und wir können uns nach Lust und Laune daran durch New York lesen. Viele Autoren kennen wir und ein Wiedersehen mit ihnen, macht Spaß, in deren Büchern zu stöbern. Der Textausschnitt von Colum McCanns Buch über den Seiltänzer zwischen den Turm des World Trade Centers, erinnert mich an die Dokumentations-DVD, die wir vor Jahren auch im Laden und oft verkauft hatten.
Aber auch der Text von Bill Loefelm ist einfach schön

Staten Island
Die Bronx hat das Yankee Stadium; Manhattan hat Harlem, die Wall Street, den Central Park und Madison Square Garden und noch tausend andere Dinge. Queens hat das Shea Stadium und zwei internationale Fkughäfen. Die Weltausstellung hat da stattgefunden. Brooklyn? Ist Brooklyn, das allein ist schon mehr als genug. Staten Island? Wir haben die Mall und die Müllhalde.

Und wenn hier schon Brooklyn erwähnt wird, sind wir doch gleich bei Paul Auster und seinem Zigarrenhändler Auggie Wreng, der im Buch und Film „Smoke“ unvergesslich gemacht worden ist.

Auggie und ich kennen uns jetzt seit fast elf Jahren. Er arbeitet als Verkäufer in einem Zigarrengeschäft an der Court Street in Brooklyn, und da dies der einzige Laden ist, der die kleinen holländischen Zigarren führt, die ich so gerne rauche, komme ich ziemlich oft dort vorbei.

Oder auch Helene Hanffs Text über den Sommer im Central Park:

In meinem Buch über New York habe ich geschrieben, dass sich die New Yorker im Sommer in zwei Gruppen einteilen lassen: die, die am Wochenende immer wegfahren, und die, die am Wochenende nie wegfahren.

Und so verbringt sie ihre heissen Tage in der grünen Oase inmitten dieses heißen Molochs, über die auch Truman Capote schrieb, dass die Menschen dort in dieser Hitze  „wie erschossen“ auf den Wiesen lägen.

Der Wagenbach Verlag schafft es mal wieder mit seinen literarischen Reisen uns Städte näherzubringen. Dass dann allerdings in der gleichen Salto-Reihe ein Buch von Pasolini über Rom erscheint, ist schon fast zu viel.