Dienstag, 17.September

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Das Jastram-Lastenrad ist da!
Und gleich mal vier Bücherkisten an zwei Schulen ausgefahren.

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Heute haben
Kurt Wolfskehl * 1869
Hugo Hartung * 1902
Frank O’Connor * 1903
Horst Krüger * 1919
Karin Reschke * 1940
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichte-Kalender:

Joseph von Eichendorff
Der Abend

Schweigt der Menschen laute Lust:
Rauscht die Erde wie in Träumen
Wunderbar mit allen Bäumen,
Was dem Herzen kaum bewußt,
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweifen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.
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Anke Stelling kommt ins Ulmer Roxy.
Beginn ist 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. Eintritt: € 16,00

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(Fotorechte bei Nane Diehl)

Anke Stelling, 1971 in Ulm geboren, absolvierte ein Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman „Gisela“ verfilmt, 2010 die Erzählung „Glückliche Fügung“. Weitere Veröffentlichungen: „Nimm mich mit“ (2002, gemeinsam mit Robby Dannenberg), „Glückliche Fügung“ (2004) und „Horchen“ (2010).

Anke Stelling stand mit ihrem im Verbrecher Verlag erschienenen Roman „Bodentiefe Fenster“ (2015) auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015. Zudem stand der Roman auf der Hotlist 2015 der unabhängigen Verlage und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis 2015 ausgezeichnet. 2017 erschien ihr Roman „Fürsorge“ im Verbrecher Verlag. Ihr neuster Roman „Schäfchen im Trockenen“ (2018) wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019 ausgezeichnet.

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Im Juni 2019 erhielt sie den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg.
Begründung der Jury: „Anke Stellings Prosa analysiert auf hoch sensible Weise die Mittelstandsgesellschaft der Gegenwart. Ihre jüngsten Romane ‚Bodentiefe Fenster‘, ‚Fürsorge‘ und ‚Schäfchen im Trockenen‘ bilden zusammengenommen eine Trilogie moderner Gemeinschaft. Mit soziologischer Präzision stellt Anke Stelling dar, wie und mit welchen Konsequenzen heutige Bürgerlichkeit von den antibürgerlichen Werten der 68er infiziert worden ist: von dem Wunsch nach Selbstverwirklichung, lustvollem Konsum und Kreativität. Doch wo bleibt in diesem Zusammenhang die Kunst? Kann sie fröhlich mittun und doch der feinste Seismograph ihrer Zeit bleiben? Und welchen Ton hat die Literatur für ihre Erkundungen zu wählen? Diesen Fragen widmet sich Anke Stellings Arbeit: ebenso neugierig wie mitunter zornig, vor allem aber mit den eigentlichen Erkenntnisformen des Poetischen: mit Genauigkeit, Feinfühligkeit und Witz.“

Zu ihrem neuen Roman „Schäfchen im Trockenen„:

Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste’s nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab’s nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie’s wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.

www.ankestelling.de
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Wir gehen mit auf den Ulmer Marktplatz.
Unser Buchladen bleibt deshalb am Freitag, den 20.9. von 15 bis 17 Uhr geschlossen.

Freitag, 16.November

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Heute haben
José Saramago * 1922
Anne Holt * 1958
Karen Duve * 1961
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Ringelnatz.
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Joachim Ringelnatz
Abschied der Seeleute

Chor der Seeleute:

Wir Fahrensleute
Lieben die See.
Die Seemannsbräute
Gelten für heute,
Sind nur für to-day.

Die Mädchen, die weinen,
Sind schwach auf den Beinen.
Was schert uns ihr Weh !
Das Weh, ach das legt sich.
Unsre Heimat bewegt sich
Und trägt uns in See,
Far-away.

Chor der Mädchen:

Wir, die Bräute
Der Fahrensleute,
Lieben und küssen,
Doch wissen, sie müssen
Zur Seefahrt zurück.

Und wenn sie ertrinken,
Dann – wissen wir – winken
Uns andre zum Glück.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Alexa Hennig von Lange:Kampfsterne
DuMont Verlag € 20,00

Alexa Hennig von Lange beschreibt in ihrem jüngsten Roman den Mikrokosmos einer Vorstadtsiedlung der 80er Jahre. Die Männer arbeiten, die Frauen kümmern sich um Kinder, Küche, Kunst und Gartenpartys. Drei Paare: Ulla und Rainer, die Architekten, mit den schönen und begabten Kindern, der verstummte Georg und seine völlig frustrierte Frau Rita, Ella und Bernhard. Allesamt gut gebildet und finanziell versorgt.
Es ist ordentlich Klischee, aber es macht genauso viel Spaß wie die Autorin das Milieu unter die Lupe nimmt, den Wettkampf um die begabtesten und vielversprechendsten Kinder, die ins Schleudern geratenen Ehen und die Kindern und Jugendlichen selbst, die versuchen sich einen Reim auf all das zu machen. Lexchen, die niedliche Tochter von Ulla und Rainer, die Rita mit ihren weniger charismatischen Kindern Klara und Johannas in rasende Eifersucht versetzt. Die toughe Cotsch, Lexchens große Schwester, die allen den Kopf verdreht und die Opferrolle ihrer Mutter verachtet, bis sie am Ende selbst darüber stolpert. Der Cello spielende Techniknerd Johannes, der die Erwachsenenwelt mit mehr Klugheit und Weitsicht betrachtet als die Protagonisten selbst. Denn die kreisen in Hennig von Langes Klinkerbausiedlung hauptsächlich um sich selbst und vertauschen die Rollen zu ihren Gunsten. Cotsch spielt die Therapeutin ihrer Mutter und Rita spinnt wilde Intrigen zwischen den Familien.
Doch endlich schlägt Ulla zurück und zwar ihren Mann Rainer und rückt damit die Familienverhältnisse wieder ein Stück weit in die richtige Richtung. Auch Georg, der, aus Angst vor seiner Frau, sein Knäckebrot lieber am Kompost im Garten verspeist, wehrt sich und kann seinem Sohn Johannes schließlich doch Vorbild sein.
Ein schneller, tragisch-komischer Roman, der mit einem Brennglas die Wohnzimmer und Vorgärten des Backsteinidyll durchstreift und dabei Vertrautes, Erschreckendes und Überraschendes zutage fördert. Ein Vorstadtkrimi, der für gute Unterhaltung sorgt!

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Montag, 19.November um 19 Uhr
Wolfgang Schukraft: „Ach übrigens …“
Bei uns in der Buchhandlung

Kindheit und Jugend des Theaterkasperls Wolfgang Schukraft
Von ihm selbst aufgeschrieben und bebildert
Zum Vergnügen und zur Erbauung des geneigten Lesers Dieses Buch macht froh.

Und dazu muss man den Schauspieler, Autor und Zeichner Wolfgang Schukraft und seine Theaterei, die er gegründet und über 30 Jahre zum Erfolg geführt hat, gar nicht kennen.
Was hat eine auf dem Schrank liegende rosa Armprothese damit zu tun, dass ich meine Schauspielbegabung entdeckte? Warum war eine Goethe-Rezitation vor Hunden der Auslöser dafür, dass ich mein eigenes Theater gegründet habe, warum bezeichne ich mich selbst gerne als Theaterkasperl und wie kommt es, dass meine Kinder und ich wochenlang als Affen Wohnung, Garten und Spazier-wege unsicher machten? Dies und vieles andere ist Inhalt dieses Büchleins.“, so Wolfgang Schukraft.

Mittwoch, 19.September

 

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Heute haben
William Golding * 1911
Carlo Fruttero * 1926
Stefanie Zweig * 1932
Geburtstag.
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Heinrich Heine

Der Schmetterling ist in die Rose verliebt,
Umflattert sie tausendmal,
Ihn selber aber, goldig zart,
Umflattert der liebende Sonnenstrahl.

Jedoch, in wen ist die Rose verliebt?
Das wüßt ich gar zu gern.
Ist es die singende Nachtigall?
Ist es der schweigende Abendstern?

Ich weiß nicht, in wen die Rose verliebt;
Ich aber lieb euch all‘:
Rose, Schmetterling, Sonnenstrahl,
Abendstern und Nachtigall.
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Sarah Wiltschek empfiehlt:

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Delphine de Vigan:Loyalitäten
Aus dem Französischen von Doris Heinemann
DuMont Verlag € 20,00

Delphine de Vigans neuer Roman liest sich wie ein Psychothriller. Die Figuren: der zwölfjährige Théo, sein Freund Mathis, seine Lehrerin Hélène und Cécile, Mathis´ Mutter. Alle haben sie einen Beziehungs-Pakt geschlossen, der sie zur Loyalität gegenüber anderen zwingt und sie damit gefangen und handlungsunfähig macht.
Im Zentrum geht es um Théo, dessen Eltern ihn seit deren Trennung wochenweise hin und her schieben. Seine Mutter lebt ihre Abscheu gegen den Vater offen aus und bringt Théo damit zum Verstummen. Théo beschützt seinen Vater, wie jedes Kind seine Eltern schützt und erzählt seiner Mutter nichts von dessen Zerfall und der Verwahrlosung, mit der er allein gelassen wird.
Auch Théos Lehrerin Hélèn hat ihren Vater geschützt, der sie schlug und sie fürs Leben zeichnete. Jetzt ist sie erwachsen und alt genug, um sich zu befreien aus der falsch verstandenen Loyalität. Die alte Wut kommt hoch und sie setzt alles daran, um Théo zu helfen. Doch die äußeren Widerstände sind groß.
Théo sucht, in Begleitung seines Freundes Mathis, Trost und Vergessen im Alkohol. Den besorgen sie sich über ältere Freunde vom geklauten Geld aus Céciles Handtasche. Mathis macht mit, weil er bei seinem Freund sein möchte, obwohl ihm das alles nicht geheuer ist. Je mehr sie konsumieren, umso mehr wünscht er sich Theo zu helfen. Aber das wäre Verrat an seinem einzigen Freund. Und so schweigt auch er.
Cécile widerum erkennt irgendwann sehr genau, auf welchen unausgesprochenen Regeln ihre Ehe beruht. Auch sie hat eine Familiengeschichte, die sie mit Schuld und Scham belastet und sie bisher zum sprachlosen Anhängsel ihres Mannes gemacht hat. Doch dann entdeckt sie dessen monströses Doppelleben und ergreift ihre Chance.
An Théos Geschichte entlang entwickelt sich der Roman, die Ereignisse werden immer drängender. Ob Mathis und Hélèn es schaffen ihm zu helfen, bleibt bis zur letzten Seite ungewiss.
Die Autorin seziert in ihrem rasanten und tollen Roman präzise und erbarmungslos, wie wir alle verstrickt sind in Beziehungsmustern, die manchmal aufgebrochen werden müssen, um Leben zu retten. Und sei es bloß das eigene.
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Heute abend:
Mittwoch, 19.September um 19 Uhr
Gedichte gegen den Krieg

Im Rahmen der Friedenswoche Ulm
Mit Thomas Hohnerlein & Reinhard Köhler
Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei