Dienstag, 27.September

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Heute haben
Grazia Deledda * 1871 (Nobelpreis 1926)
Tanja Kinkel * 1969
Geburtstag.
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Barthold Hinrich Brockes
Die Welt ist allezeit schön

Im Frühling prangt die schöne Welt
In einem fast smaragdnen Schein.
Im Sommer glänzt das reife Feld
Und scheint dem Golde gleich zu sein.

Im Herbste sieht man als Opalen
Der Bäume bunte Blätter strahlen.

Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant
Und reines Silber, Flut und Land.

Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn,
Ist sie zu allen Zeiten schön.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Steven Herrick: „Wir beide wussten, es war was passiert
Übersetzt von Uwe-Michael Gutzschhahn
Thienemann Verlag € 14,99
ab 13 Jahren

Billy hält es mit seinem immer betrunkenen, gewalttätigen Vater nicht mehr aus und geht. Mit seinen 16 Jahren macht er sich mutig, ohne Geld und Perspektive auf den Weg. Nach ziellosem Umherfahren findet er eine Bleibe im Waggon eines verlassenen Güterzuges, wo er auf Old Bill trifft, der schon länger im Waggon nebenan lebt und seine traurige Vergangenheit mit Alkohol zu vergessen glaubt. Die beiden Heimatlosen finden zueinander und helfen sich gegenseitig das Leben zu bewältigen. Als Billy wieder einmal hungrig Essensreste bei McDonald’s von den Tischen klaut, lernt er Caitlin, die dort arbeitet, kennen. Caitlin wiederum stammt aus reichem Hause, möchte aber von Ihren Eltern unabhängig sein und neben der Schule selbst Geld verdienen. Erst ist sie irritert über sein Verhalten, verrachtet ihn aber nicht und, wir ahnen es schon , Billy verliebt sich in sie. Caitlin besucht unsere zwei Gestrandeten immer wieder, versorgt sie mit Essen und es entwickelt sich eine wunderschöne ungewöhnliche Freundschaft zwischen den Dreien.
Der Stil des Buches ist fremd für ein Jugendbuch. Die Geschichte wird in Strophen erzählt (gut für Lesemuffel, denen viel Text Mühe macht ). Anfangs gewöhnungs-bedürftig, löst sich aber nach den ersten Seiten in Wohlgefallen auf.
Für mich eines der schönsten Jugendbücher bei den Neuerscheinungen, ein modernes Märchen,von liebevollen ungewöhnlichen Menschen, die uns ans Herz wachsen und uns über etliche Vorurteile stolpern lässt.

Leseprobe

Auf der Empfehlungsliste „Die 7 besten Bücher für junge Leser“ im August 2016, Jugendbuch des Monats.
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Werner Färbers Ungereimtheit der Woche
Der Wiedehopf CXCIII

Der Wiedehopf, der Wiedehopf,
trägt seinen Schnabel vorn am Kopf.
Trüg er den Schnabel am Gesäße,
blieb ihm verborgen, was er fräße.
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Heute abend um 19 Uhr „Shortlistlesen„.
Das nur als kleine Erinnerung.

Dienstag, 21.Juni (Sommeranfang)

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Heute haben
Jean Paul Sartre * 1905
Helmut Heißenbüttel * 1921
Francoise Sagan * 1933
Ian McEwan * 1948
Jane Urquhart * 1949
Robert Menasse * 1954
Geburtstag

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Der Sommer ist noch nicht so richtig da, aber wir haben heute zumindest die kürzeste Nacht des Jahres.

Gustav Falke
König Sommer

Nun fallen leise die Blüten ab,
Und die jungen Früchte schwellen.
Lächelnd steigt der Frühling ins Grab
Und tritt dem Sommer die Herrschaft ab,
Dem starken, braunen Gesellen.

König Sommer bereist sein Land
Bis an die fernsten Grenzen,
Die Ähren küssen ihm das Gewand,
Er segnet sie alle mit reicher Hand,
Wie stolz sie nun stehen und glänzen.

Es ist eine Pracht unterm neuen Herrn,
Ein sattes Genügen, Genießen,
Und jedes fühlt sich im innersten Kern
So reich und tüchtig. Der Tod ist so fern,
Und des Lebens Quellen fließen.

König Sommer auf rotem Ross
Hält auf der Mittagsheide,
Müdigkeit ihn überfloss,
Er träumt von einem weißen Schloss
Und einem König in weißem Kleide.
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Passend zum heutigen Tage:

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Lars Gustafsson und Agneta Blomqvist:Das Lächeln der Mittsommernacht
Literarische Bilder aus Schweden
Aus dem Schwedischen von Verena Reichel
Fischer Taschenbach  € 9,9

Lars Gustafsson und seine Frau Agneta Blomqvist haben ein persönliches und zugleich nützliches Reisebuch über Schweden geschrieben. Vom äußersten Süden bis hinauf nach Norrland führt ihre Reise, von den schonischen Bauern bis zu den Lappen. Der Schwerpunkt aber liegt dort, wo sie zu Hause sind: an einem Fjord in Bohuslän, in Västmanland, am Mälarsee und in Stockholm. So vielseitig wie ihre Interessen, so abwechslungsreich sind ihre Ausflüge – in die schwedische Geschichte und in eine berühmte Bäckerei, in die Wälder und Moore, zum Beeren und Pilze sammeln, zu Elchen und Wölfen, zu Strindberg, zu traditionellen Festen wie Mittsommer oder Sankta Lucia und an das Grab von Tucholsky.

„Wir beschränken uns darauf, von dem zu erzählen, was wir selbst erlebt haben. Die Route führt vom schwedischen Süden bis in den allerhöchsten Norden, mit ausgiebigen Exkursen nach Osten und Westen und in die schwedische Literatur. Wir hoffen, dass der Leser sich mit uns auf der Fahrt durch Schweden wohlfühlt. Es sollte deutlich werden, dass wir nicht hier leben würden, wenn wir nicht fänden, dass Schweden ein inspirierendes Land ist.“
Lars Gustafsson und Agneta Blomqvist

Der milde Juniwind geht durchs Gras. Eine Regenperiode ist gerade zu Ende gegangen, und es scheint, als würde der Mittsommerabend genauso schwindelerregend schön, wie man es das ganze Jahr erhofft hat. „Die Juninacht nicht dunkeln mag, sie gleicht einem betauten Tag“, sagt der Poet Harry Martison. Nein, in dieser Nacht geht die Dämmerung balds in Morgengrauen über. Oberhalb des Polarkreises sinkt die Sonne nicht unter den Horizont, so dass es die ganze Nacht über hell bleibt. Hier befinden wir uns im Land der magischen Mittsommersonne. Viele halten es für überflüssig, in dieser Nacht ins Bett zu gehen, in der die Natur fast zu schön ist – wie soll man als hinfälliges menschliches Wesen all dieser Schönheit würdig sein? Und man will so gern jemand haben, mit dem man gerade an Mittsommer seine Gefühle teilt. „Man sollte gar nicht schlafen, zu zweit sollte man sein …“
Wir erfahren noch viel, was die Schweden in dieser Nacht alles machen, was sie singen und wie sie singen.
So auch dies:
Bevor man zu Bett geht, soll man gemäß der volkstümlichen Sitte hinaus auf die Wiesen gehen und sieben (oder neun) Arten von Blumen pflücken und sie unters Kopfkissen legen. Wenn man seinen Strauß beisammenhat, darf man nicht mehr sprechen. Dann wird man von seinem Zukünftigen träumen, also ein Traum, der in Erfüllung geht. Manche sagen auch, man soll über sieben Holzzäume springen, aber wo gibt es die heute noch?

Leseprobe
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Werner Färbers Ungereimtheiten
DER ISEGRIMM CCXXIV

Im Märchen handelt Isegrim
oft sehr böse und auch schlimm:
Raffgierig frisst er jung und alt,
macht Rotkäppchen und Oma kalt.
Auch verputzt der Wolf als Speise
Geißlein gleich halbdutzendweise.
So ist sein Ruf sehr schlecht bis heut.
Nur ganz allmählich seh’n die Leut‘,
dass Isegrim viel scheuer ist
und weder Kind noch Oma frisst.

Dienstag, 10.Mai

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Johann Peter Hebel * 1760
Friedrich Gerstäcker * 1816
Fritz von Unruh * 1885
Petra Hammesfahr * 19561
Ralf Rothmann * 1953
Geburtstag
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Johann Peter Hebel
Abendlied wenn man aus dem Wirtshaus geht

Jetzt schwingen wir den Hut.
Der Wein, der war so gut.
Der Kaiser trinkt Burgunder Wein,
Sein schönster Junker schenkt ihm ein,
Und schmeckt ihm doch nicht besser,
Nicht besser.
Der Wirt, der ist bezahlt,
Und keine Kreide malt
Den Namen an die Kammertür
Und hintendran die Schuldgebühr.
Der Gast darf wiederkommen,
Ja kommen.
Und wer sein Gläslein trinkt,
Ein lustig Liedlein singt
Im Frieden und mit Sittsamkeit
Und geht nach Haus zu rechter Zeit,
Der Gast darf wiederkehren,
Mit Ehren.
Des Wirts sein Töchterlein
Ist züchtig, schlank und fein,
Die Mutter hält’s in treuer Hut,
Und hat sie keins, das ist nicht gut,
Musst’ eins in Strassburg kaufen,
Ja kaufen.
Jetzt, Brüder, gute Nacht!
Der Mond am Himmel wacht;
Und wacht er nicht, so schläft er noch.
Wir finden Weg und Haustür doch
Und schlafen aus im Frieden,
Ja Frieden.
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Unser Filmtipp:

Regie: Benedikt Erlingsson, Schauspieler: Ingvar E Sigurdsson/Charlotte Bøving u a,
Iland 2013, FSK ab 12, DVD-Video, Dt/isländ, UT: Dt
€ 14,99
1939

Ein Pferdefilm, wie Sie ihn noch nicht gesehen haben.
Ein Film über Pferde?
Ein Film über Menschen?
Irgendwie beides, wobei sich die Pferde sicherlich immer wieder gefragt haben, warum diese Menschen so komisch ticken.
Der isländische Film, der vielfach ausgezeichnet worden ist, zieht alle Register. Lustig, skuril, schräg, aber auch mit Szenen, die mir kurz das Blut in den Adern haben gefrieren lassen. Wobei es auch eine Schneesturmszene mit Eiseskälte war, in dem sich der südamerikanische Juan mit Hilfe seines Islandpferdes der Kälte erwehrt. Nur, wie er das macht, möchte ich hier nicht aufschreiben. Selber schauen.

In einem abgelegenen Tal, im Nirgendwo von Island, beobachten sich die Nachbarn gegenseitig mit den Ferngläsern. Nichts bleibt, trotz der großen Distanz zwischen den Häusern, verborgen. Neid und Zwietracht liegt oft unter der Schicht des großen Schweigens. Die Menschen reden nicht viel. Aber sie handeln. Dann allerdings in der Not und unter Druck, sehr spontan, verzweifelt und sehr zweifelhaft.

So lässt sich einer auf seinem Pferd ins offene Meer ziehen, um von einem russichen Frachter Wodka zu organisieren. Einer verliert teilweise sein Augenlicht, weil er den Metallzaun des Nachbarn durchschneidet, der eine Durchgangsstraße versperrt. Und so weiter.

Was den Film auszeichnet, ist seine große Liebe zu den Tieren, die wir oft in extremer Nahaufnahme zu sehen bekommen. Jedes neue Kapitel dieses Episodenfilms beginnt in der Spiegelung eines Pferdeauges. Bis auf eine Pferdeszene, die mit einem Menschenauge beginnt.
Wie schon erwähnt, sind die Islandpferde erfüllt mit stoischer Ruhe und Ausgeglichenheit, während die Menschen um sie herum sich ins Unheil stürzen, oder auf der Suche nach der großen Liebe, verschätzen.
Vielleicht ist es einfach ein Film über über das Miteinander von Menschen, die Liebe zwischen den Menschen, die Liebe zu ihren Pferden und überhaupt ein Film über das Leben, das ja auch nicht immer ein Ponyhof ist, wie es so „schön“ heißt.

Im Nachspann von „Hross í oss“, so der Originaltitel, wird als erstes erwähnt, dass keine Pferde zu Schaden gekommen sind, dass die Filmemacher durch die Bank Pferdeliebhaber und langjährige Reiter sind.
Im 45 Minütigen Making-of erfahren wir noch sehr viel mehr über die Dreharbeiten und Hintergründe dieses Filmes.
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Werner Färbers Ungereimtheiten
Wahre Freundinnen

Nachdem sie ward hereingebeten,
sagt die Freundin beim Besuch:
„Ich möcht‘ dir nicht zu nahe treten,
doch herrscht hier drinnen ein Geruch,
der wahrlich nicht erfreulich ist.
Als würd‘ hier irgendwas verwesen?“
„Danke, dass du so ehrlich bist.
Es kommt aus unsrer Besen-
kammer, die diesen üblen Duft
nun schon verströmt seit Tagen.
Mein Mann muss endlich an die Luft!
Hilfst du mir vielleicht beim Tragen?“


Geplagt ist das Rhinozerwas?

Jedes Jahr zur Blütezeit,
kann man es hören schon von weit
wie es schnaubt und wie es prustet,
wie es niest und wie es hustet.

Wie es keucht und wie es leidet,
das arme Tier, während es weidet
zwischen Zebra und Gazelle
gleich bei einer Wasserstelle.

Während Pollen von dem Grase
kitzeln in behornter Nase,
setzt es schleppend schwer die Schritte
fern in der Savannen Mitte.

Das Jucken raubt dem Tier die Sinne!
Das Maul geöffnet, hält es inne.
Endlich macht es tosend SPROTZ!

Befreit ist das Rhinozerotz!