Freitag, 3.Februar



Heute haben
Annette Kolb * 1870
Gertrude Stein * 1874
Georg Trakl * 1887
Johannes Urzidil * 1896
Simone Weil * 1909
Richard Yates * 1926
Andrzej Szczypiorski * 1928
Paul Auster * 1947
Henning Mankell * 1948
Sarah Kane * 1971
Geburtstag
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„Mit den Romanen ist es wie mit den Mahlzeiten:
Wenn man sieht, wie sie zubereitet werden, kann einem der Appetit vergehen.“
Annette Kolb (1870-1967)
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Unser Kinderbuchtipp:


Frank Schwieger (Text) und Friederike Ablang (Illustrationen):
Kinder unterm Hakenkreuz
Wie wir den Nationalsozialismus erlebten
dtv € 18,00
Kinderbuch ab 9 Jahren

Frank Schwieger hat schon eine ganze Reihe von Büchern über Helden der griechischen Mythologie geschrieben. Jetzt hat er sich zehn Biographien von Kindern herausgesucht, die das Dritte Reich und den Zweiten Weltkrieg ganz unterschiedlich erlebt haben. Diese Lebensgeschichten sind zwar von ihm ausgedacht, lehnen sich aber sehr stark an wahre Personen an.
So beginnt er im Jahr 1933 mit Erna Opitz, die zu diesem Zeitpunkt 11 Jahre alt ist. Überschrieben ist die Geschichte mit: „Ein mutiges Kind“. Schwieger geht die Jahre durch, bis ins Frühjahr 1945. Hier stellt er uns Jana Svobodá vor, die zu Beginn des Kapitels 11 und am Ende 14 Jahre alt ist. Jana war in Auschwitz und Ravensbrück und spielt am Ende vor amerikanischen und russichen Soldaten zum Tanz auf ihrem Akkordeon.
Flankiert werden diese Geschichten von Illustrationen, Fotos und vielen ausführlichen Sachtexten, die die historischen Hintergründe und wichtige Begriffe auf behutsame Art und Weise erklären.
Wir können daraus lernen, wie wichtig Zivilcourage, Mut und gemeinsames Handeln gegen undemokratische Veränderungen sind.

Leseprobe
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Wale in Kasachstan?  – Unterwegs als internationale Wahlbeobachterin
Ökumenischer Abend mit Jana Bürgers
Donnerstag, 09. Februar, 19 Uhr
Gemeindehaus der Auferstehungskirche, Haslacher Weg 72

Gibt es Wale in Kasachstan? Nein, aber Wahlen. Und wenn die Regierung das möchte, dann kommen internationale Wahlbeobachterinnen und Wahlbeobachter, um zu schauen, ob die Abläufe mit eigenen Gesetzen und internationalen Standards übereinstimmen. Das geschieht nicht nur in Zentralasien, sondern fast auf der ganzen Welt, auch in Deutschland oder den USA.
Jana Bürgers ist seit über 20 Jahren als Wahlbeobachterin im Einsatz, vor allem im Auftrag der OSZE in Russland, der Ukraine, auf dem Balkan, im Kaukasus, aber auch in den USA und für die EU in Kenia. Sie erzählt, was sie da während einer Woche als Kurzzeitbeobachterin macht und womit sechs bis acht Wochen ausgefüllt sind, wenn sie als LTO (Long term observer) unterwegs ist, wer das bezahlt und wo die Herausforderungen liegen.

Dienstag, 14.Februar, 19 Uhr
bei uns in der Buchhandlung
Jana Bürgers und ihre Zeit in der Ukraine

Im Rahmen der „Winterhilfe für die Ukraine“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Im Anschluß Lyrik auf ukrainisch und deutsch

Eine Spendenkasse steht bereit

Donnerstag, 2.Februar

Heute haben
Johann Christoph Gottsched * 1700
James Joyce * 1882
Aldo Palazzeschi * 1885
Ayn Rand * 1905
Hella Haasse * 1918
Joanna Bator * 1968
Geburtstag
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Kurt Tucholsky

Ich gucke freundlich um die Oecke
und greife voller Seelenruh
der Muse unter ihre Röcke . . .
Und dabei, Leser, siehst du zu –?

Sie quietscht. Ich grinse. Sie verstehen:
Nicht immer gilt der Klassik Maß.
Denn was wir im Verborgnen drehen,
macht uns am allermeisten Spaß –!

(aus: Fromme Gesänge)
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Unser Bilderbuchtipp:


Franz Hohler (Text) und Kathrin Schärer (Illustrationen):
Das kleine Wildschwein und die Krähen
Hanser Kinderbuchverlag € 16,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

Das Wildschwein-Ehepaar bringt ihren Kindern bei, wie sie die Erde aufwühlen, um an Wurzeln zu kommen, oder Stängel abknicken, um Maiskolben essen zu können.
Das kleinste Wildschwein hört jedoch lieber den Vögeln zu und grunzt im Bass mit. das gelingt so gut, dass es in den Vogelchor aufgenommmen wird. Großes Kopschütteln bei den verwirrten Eltern. Das kleine Wildschwein teilt sogar seine Maiskolben mit den Vögeln. Das geht so lange gut, bis es krank wird und auch Kastanien, die der Vater extra jenseits des Gotthardpasses holt nichts mehr helfen. Immer dünner wird das Kleine. Auch der Gesang der Vögel nützt nichts mehr. Nur Kastanien aus Paris würden es retten, meint der Wildschweindoktor. Aber so weit kann kein Wildschwein rennen. Wie gut, wenn man Freunde hat, die fliegen können …

Eine herrliche Tiergeschichte von Franz Hohler und in ihrer gekonnten Art passend illustriert von Kathrin Schärer.

Leseprobe
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Hier eine kleine Vorschau unserer Veranstaltungen:

Dienstag, 7.Februar, 19 Uhr
„Die 1.Seite“

Wir stellen folgende Bücher vor:
Claire Keegan: „Das dritte Licht“
H. W. Richter: „Geschichten aus Bansin“
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“
Adi Hübel & Dietmar Herzog präsentieren ihr Buch: „Bei Anruf Wort“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt frei

Die „1.Seite“ gibt es immer am 1.Dienstag im Monat um 19 Uhr.
Also am 7.3., 4.4. … Im Mai fällt die „1.Seite“ aus.

Dienstag, 14.Februar, 19 Uhr
Jana Bürgers und ihre Zeit in der Ukraine

Im Rahmen der „Winterhilfe für die Ukraine“
des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Im Anschluß Lyrik auf ukrainisch und deutsch
Bei uns in der Buchhandlung
Eine Spendenkasse steht bereit

Dienstag, 28.Februar, 19 Uhr
SüdwestPresse Forum
Elisabeth Zoll: „Wir bleiben!“

Warum sich Frauen aus der katholischen
Kirche nicht vertreiben lassen.
Im Stadthaus Ulm
Eintritt € 6,50

Mittwoch, 19.April, 19 oder 20 Uhr
Janina Hecht: „In diesen Sommern“

Sparkasse Ulm, Neue Mitte

Freitag, 28.April, 19 Uhr
Milena Michiko Flasar: „Oben Erde, unten Himmel“

Bei uns in der Buchhandlung
Eintritt € 10,00

Mittwoch, 25.Oktober, 19 Uhr
Judith Hermann: „Wir hätten uns alles gesagt“

Ort noch nicht bekannt
Eintritt € 10,00
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Konferenz Arctic Frontiers
„Die Arktis verliert ihren Schutzschild“

Das arktische Eis schmilzt schneller als gedacht. Über die Folgen debattieren Experten auf einer Konferenz im norwegischen Tromsö. Warum die Lage trotzdem nicht ausweglos ist, erklärt Meeresbiologin Boetius im Interview.

tagesschau.de: Bei der Konferenz geht es darum, wie der Klimawandel die Arktis verändert. Wie sehen die Auswirkungen aus?

Antje Boetius: Die sind recht dramatisch, so sagen es alle hier. Ob es die Vereinigung der Bürgermeister der Arktis ist, ob es die Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Völker sind, ob Wissenschaft oder Politik – alle sind sich einig: Keine andere Region der Erde steht vor solchen Herausforderungen, denn die Erderwärmung schreitet hier drei- bis viermal so schnell voran wie im Rest des Planeten.

Und das merkt man bei Eis und Schnee, bei Extremwettern oder bei der Frage nach den Chancen der jungen Generation. Die Frage ist: Wie geht man damit um, dass diese Krise überall zu merken ist und alle betrifft?

.

Das komplette Interview finden Sie hier auf tagesschau.de vom 1.2.2023

Samstag, 14.Januar


Heute haben
John Dos Passos * 1896
Anatoli Rybakow * 1911
Rudolf Hagelstange * 1912
Yukio Mishima * 1925
Marek Hlasko * 1934
Andreas Steinhöfel * 1962
Geburtstag
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„Das habe ich nie vergessen. Dass man liebt, um die Kälte zu vergessen und den Winter zu vertreiben.“
Andreas Steinhöfel aus „Mitte der Welt“
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Jetzt als Taschenbuch:


Dmitrij Kapitelman: “ Eine Formalie in Kiew
dtv € 12,00

Nach 25 Jahren in Deutschland will der Autor Deutscher werden. Damit beginnt ein Ritt durch die Bürokratie, die der Autor mit voller Ironie und treffsicher zu Papier bringt. Warum er als Ukrainischstämmiger, der besser sächselt, als die Leipziger Schalterbeamtin, befremdelt die Menschen, bei denen er vorstellig wird. Aber alles scheint klarzugehen, bis er doch noch eine Geburtsurkunde braucht. Also eine Urkunde mit Stempel, direkt abzuholen in Kiew.
Dmitrij Kapitelman schreibt locker, witzig, hintergründig ernst, über sein Leben in Leipzig, seine Reise in die Stadt seiner Kindheit und über die Versöhnung mit seinem Vater.
Das Buch ist 2021 im Hanser Verlag, in einer Zeit, in der in der Ukraine noch nicht der ganz große Krieg ausgebrochen ist.

Mittwoch, 12.Oktober

Heute haben
Eugenio Montale * 1896
Ding Ling * 1904
Wilhelm Muster * 1916
Alice Childress * 1916
Vladimír Körner * 1939
Geburtstag
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Klabund
Fluch des Krieges

Im Schnee des Tienschan grast das dürre Roß.
Drei Heere sanken vor dem wilden Troß.
Die gelbe Wüste liegt von weißen Knochen voll.
Der Pferde Schrei wie schrille Flöte scholl.

Es schlingen Eingeweide sich von Baum zu Baum in Schnüren,
Die Raben krächzend auf die Zweige führen.
Soldaten liegen tot auf des Palastes Stufen.
Es mag der tote General die Toten rufen.

So sei verflucht der Krieg! Verflucht das Werk der Waffen!
Es hat der Weise nichts mit ihrem Wahn zu schaffen.
Er wird die Waffe nur als letzte Rettung schwingen,
Um durch den Tod der Welt das Leben zu bezwingen.
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Unser Kinderbuch-Bilderbuch-Erwachsenen-Mutmachbuch:

Kobi Yamada (Text), Charles Santoso (Illustrationen): „Das Glück in dir
Wie du dein Leben lebendiger machst
Adrian Verlag € 14,95

Vielleicht ist es einfach mal gut in dieses Buch hineinzublättern.
In unseren Zeiten voller Zweifel, Trauer, Unsicherheit ist eine Geschichte über das Glück gar nicht so schlecht.
Eine Geschichte voller Weisheit und Wunder und eine zeitlose Einladung, mutig zu leben, sich fürsorglich zu kümmern und das Beste aus jedem einzelnen Moment zu machen.
Ein Buch für die Kleinen, die noch so viel vor sich haben, die Großen, die in der Verantwortung stehen und die Alten, die schon so viel erlebt haben.
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Morgen, am Donnerstag, den 13.Oktober ist Rudi Deuble bei uns in der Buchhandlung zu Gast und stellt Band 8 von Peter Kurzecks auf 12 Bände angelegtes Werk „Das alte Jahrhundert“ vor.
Peter Kurzeck, mit unzähligen Preisen geehrt, konnte sein Werk nicht vollenden. Seine Hinterlassenschaft ist jedoch enorm, so dass alle 12 Bände erscheinen werden.
Er ist der Meister des biografischen Romanes, des genauen Beobachtens und Archivierens und ein begnadeter Erzähler, wie seine Hörbucheinspielen beweisen.


Peter Kurzeck: „Und wo mein Haus?
Schöffling Verlag € 24,00

Bei uns in der Buchhandlung
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: € 8,00

Montag, 15.August / Ferragosto

Guten Morgen Ulm, äh Berlin

Claudia Wiltschek empfiehlt:

Das Rübchen
Ein Märchen aus der Ukraine
Illustriert von Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw
Aus dem Ukrainischen von Kati Brunner
Baobab Books € 20,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

„ Kaum ist der Frühling da, nimmt Opa Andruschka Hacke und Spaten
und hebt im Nu ein großes Beet aus dem Garten.
Er gräbt etwas Humus unter, streicht mit dem Rechen alles fein,
drückt mit dem Daumen ein Grübchen und legt ein Samenkorn hinein.“

Ja, und aus diesem Samenkorn wird das uns allen bekannte Rübchen, das einfach nicht aus dem Boden kommen will.
Es ziehen und zerren :
Opa Andruschka, Oma Maruschka, Enkelkind Minka, Hund Finka, Katze Warwarka und Mäuschen Darka.
Eine alte Geschichte, wurde neu aufgelegt von BAOBAB BOOKS und ist wunderschön und pfiffig illustiert . Es ist zweisprachig, ukrainisch und deutsch, ein kleiner Bilderbuchschatz, dem ich wünsche vielen Kindern vorgelesen und von den großen bestaunt zu werden.

… purzelt auf Opa Adruschka. Opa purzelt auf Oma Maruschka, die purzelt auf Enkelin Minka, Minka auf Finka, der fällt auf die Katze Warwarka. Mäuschen Darka aber rettet sich – husch, husch! – ins Mauseloch hinein.
Und das Rübchen ist draußen !
Köstlich !!

Samstag, 4.Juni

Alter Friedhof Ulm

Heute haben
Karl Valentin * 1882
Val McDermid * 1955
Marie NDiaye * 1967
Geburtstag
und es ist der Todestag von Eduard Mörike (+ 1875)
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Winfried Hermann Bauer
Wie ein Vogel

Immer wieder
Fliege ich wie ein Vogel
gegen eine gläserne Wand
Zwischen dir und mir
und ich frage mich fasziniert
worauf sich all die Bewegungen beziehen
und wohin sich all die Beziehungen bewegen
die ich sehe und welcher Melodie ich folge

wenn ich fliege
Immer wieder aus freien Stücken
gegen die Fenster der Welt
sehenden Auges und doch blind
ahnungslos
auf welcher Seite ich mich befinde
Und ich frage mich
warum ich mich so sehr bemühe

und weiter fliege
gegen die Welt
sehnsüchtig und voller Hoffnung
als wäre das Ziel auf der anderen Seite
bis ich irgendwann
ermattet zur Ruhe komme
und der Musik zu lauschen beginne
die leise aus der Stille steigt…

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GEO Perspektive Sonderausgabe „Ukraine“ € 12,90

Schaut auf dieses Land!
Es herrscht Krieg. Tod und Zerstörung prägen jetzt unser Bild von der Ukraine. GEO Perspektive schaut auf das Leben davor, auf friedlichere Zeiten im zweitgrößten Land Europas. Fotograf*innen zeigen in epischen Bildern, was die Ukraine ausgemacht hat – und was sie immer noch ausmacht. Autor*innen erzählen von den historischen Ursprüngen der Ukraine, vom langen Kampf der Ukrainer*innen für Freiheit und Souveränität und von ihrem ganz persönlichen Blick auf ihr Heimatland. 

Подивіться на цю країну!
Йде війна. Смерть і руйнування тепер формують наше бачення України. GEO Перспектива дивиться на життя до війни, на життя в більш мирні часи в другій за величиною країні Європи. Фотографи показують на епічних знімках, що зробило Україну такою, якою вона є – і що ще робить її особливою.
Автори розповідають про історичне походження України, про тривалу боротьбу українців за свободу і суверенітет і про їхній особистий погляд на Батьківщину.

Посмотрите на эту страну!
Идёт война. Смерть и разрушение определяют сегодня наш взгяд на Украину. ГЕО Перспектива смотрит на жизнь до того, на более мирные времена во второй по величине стране Европы. На эпических снимках фотографы показывают, что означало Украину, и что она продолжает означать по сей день. Авторы рассказывают об исторических истоках Украины, о многолетней борьбе украинцев за свободу и суверенитет и об их совершенно личном отношении к своей

Kostenlose ePaper in ukrainischer und russischer Sprache
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Studie zum Klimawandel
Das Grün bedroht die Alpen-Flora

Forscher aus der Schweiz haben viele Satellitenbilder ausgewertet. Ihr Fazit: Die Alpen werden immer grüner. Was nach einer guten Nachricht klingt, ist tatsächlich ein großes Problem. Denn die große Artenvielfalt ist dadurch bedroht.

Die Alpen werden einer Studie zufolge wegen des Klimawandels immer grüner. Die Vegetation habe oberhalb der Baumgrenze in fast 80 Prozent der Alpen zugenommen, schreiben Forscher der Universitäten von Lausanne und Basel in der Fachzeitschrift „Science“. Für die Studie wurden Satellitenbilder aus den Jahren 1984 bis 2021 ausgewertet.

Was zunächst nach einer guten Nachricht klingt, ist tatsächlich das Gegenteil. Denn charakteristisches Merkmal von Hochgebirgen ist, dass es verschiedene Klimazonen gibt – mit Tiere und Pflanzen, die sich speziell an diese Zonen angepasst haben. Mit dem Klimawandel verändern sich unter anderem die Temperatur und die Menge und Verteilung des Niederschlags. Dadurch wandern gewissermaßen auch die Klimazonen nach oben, was vor allem für Pflanzen und Tiere zum Problem wird, die auf kühleres Klima spezialisiert sind.

Den kompletten Artikel finden Sie unter tagesschau.de
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Hardy on Tour


Tag 8
94 km bis Peacehaven bei Brighton.
Geplant war für heute manches anders, wie es dann kam. Vorallem wollte ich viel weiter kommen, doch zum einen führte mich mein Navi auf teils sehr spannende, einsame Wege, mit einigen Schiebeabschnitten und zum anderen war entlang der Küste so viel los, daß ich dort auch kaum vorankam, trotz bestem Radelweg. Die Engländer feiern die Queen und sie feiern sich. Viel Rummel und Fahnen überall.

Bei Rye durfte ich auf den Turm einer sehenswerten Kirche, obwohl der heute eigentlich geschlossen hatte, weil die Kirche für den Queen-Jubiläumsgottesdienst am Sonntag geschmückt wurde. Toller Ausblick von dort oben. An ganz klaren Tagen anscheinend bis nach Frankreich rüber. 

Jetzt am Abend ist es kühl und windig geworden, es steht Regen bevor und ich muß mir noch einen Platz zum Übernachten suchen.

Wenn Sie mehr Bilder und den kompletten Tagesbericht sehen/lesen wollen, dann klicken Sie doch auf den Blog von Hartmut Bögel: hardyontour.

Donnerstag, 31.März

Heute haben
Francois Villon * 1431
Alexandra Kollontai * 1872
Octavio Paz * 1914
John Robert Fowles* 1926
Hartmut Lange * 1937
Geburtstag.
Und es ist der Todestag von Christian Morgenstern.
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„Es gibt keine größere Enttäuschung, als wenn du mit einer recht großen Freude im Herzen zu gleichgültigen Menschen kommst.“
Christian Morgenstern
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Am 13.Oktober 2020 haben wir den Roman hier vorgestellt
und ab heute gibt es ihn als Taschenbuch.

Anne Weber: „Annette, ein Heldinnenepos
Matthes & Seitz Verlag € 12,00

Damals habe ich geschrieben:

Anne Weber ist immer für eine Überraschnung gut. Und dieses Mal erreicht sie damit das Finale zum Deutschen Buchpreis 2020. Zurecht, wie ich meine. Sperrig steht es knallrot im Regal und nennt sich „Ein Heldinnenepos“. Nicht gerade verkaufsfördernd. Wenn wir das Buch aufschlagen, sieht es aus, wie in langes Gedicht, ein Epos. Mmmh?
Wenn wir aber zu Lesen beginnen, macht es peng und Sie kommen nicht mehr weg von dieser Lektüre über eine außergewöhnliche Frau, ein selbstbestimmtes Leben.
Anne Webers leicht ironischer Ton, ihre flotte Schreibe, machen das Buch zu einem wirklichen Lesevergnügen.
Geboren wurde die Heldin 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher — wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel »Gerechte unter den Völkern« erhalten wird –, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams.
Das wär’n Ding, wenn das den Deutschen Buchpreis bekäme. Es passt haargenau in unsere Zeit, in der Courage gefordert ist.

Jaaa, sie hat den Deutschen Buchpreis 2020 erhalten.
Und vor ca. zwei Wochen ist Anne Beaumanoir (die Heldin des Romanes) gestorben.

Und: Anne Weber hat gerade eben den Buchpreis der Leipziger Buchmesse 2022 für ihre Übersetzung von „Nevermore“ von Cécile Wajsbrot bekommen.

Leseprobe
Hörprobe

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Montag

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Mit einem Knall sind wir wieder in Ulm gelandet. Nicht wie geplant mit dem Flugzeug, sondern wegen eines Streikes schön mit dem Hochgeschwindigkeitszug bis nach Norditalien und dann mit viel Sonne durch die Alpen.
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Heute hat
Federica De Cesco * 1938
Geburtstag
und es ist der Todestag von Stendhal, der ja auch oft in Rom war.
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Gabriele Krone-Schmalz:“Russland verstehen“
Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens
C.H.Beck Verlag € 14,95
auch als Ebook erhältlich

Eigentlich wollte Sie diese Buch „Die Russlandversteherin“ nennen, da die Autorin sich sehr an diesem Begriff reibt. Zurecht. Denn diese Wortschöpfung ist natürlich nagativ gemeint, wie auch „Gutmensch“. Aber um jemanden, oder etwas zu verstehen, man sich mit der Person, oder dem Thema befassen. Am Ende des Buches zitiert Frau Krone-Schmalz einen alten Indianerspruch, in dem es heisst, dass man zuerst in den Schuhen des Anderen gehen sollte, bevor man ihn kritisiert. Das heisst: Zuerst genau hinschauen, sich ein möglich objektives Bild machen, bevor man in die gleiche Kerbe haut, die die deutsche Medienlandschaft sehr grob und heftig vorgeholz hat. Und genau dies tut die Journalistin, die jahrelang für die ARD in Russland unterwegs war.
Was fälst und beim Namen Putin ein?, fragt sie in der Mitte des Buches. Geheimdienstmann, Despot, Muskelprotz mit bloßem Oberkörper, … Genau diese Bilder werden dauernd wiederholt und setzen sich bei uns fest und lassen sich schlecht wieder ausblenden. Die Autorin fragt sich, warum das Russlandbild bei uns so schlecht ist, und ob es sein kann, dass dies die ganze Wahrheit ist. Denn wenn alle das gleiche brüllen, ist immer Vorsicht geboten.

Da würde es sich auch lohnen, mal einen genaueren Blick darauf zu werfen, was Putin in seiner ersten Amtszeit gemacht hat und was dann später daraus geworden ist. Da gibt es ja Riesenunterschiede. Die Signale Richtung Westen in der ersten Amtszeit Putins wären es wert gewesen, aufgenommen zu werden. Aber die hat niemand sehen wollen oder niemand gesehen. Das war ein großer Fehler.

Anhand des Krieges in der Ukraine, dem Flugzeugabschusses dort, des Bosnienkrieges, den Anschlägen am 11.9.2001 in New York und vielen anderen weltpolitisch sehr brisanten Themen, präsentiert sie uns Fakten und Zitate, die die jeweiligen Situationen in einem anderen Licht zeigen. Sie will uns nicht die Winterolympiade in Sotschi schönreden, zeigt jedoch, dass Bundpräsident Gauck nicht zu diesen Spielen gereist ist, jedoch zu den Spielen in China und Brasilien. In Russland war es der Protest gegen die Diskriminierung von Homosexuellen (wobei sie aufzeigt, dass die  Reform auf Gesetzesebene auch in Deutschland noch nicht lange her ist), über die Vertreibung von Menschen und deren Umsiedlung, über Zerstörung der Natur sowohl in China, als auch in Brasilien, hinweggesehen wird. Dies nur als kleines Beispiel am Rande.
Russland wird aus ihrer Sicht in der großen Politik nicht für voll genommen. Es ist zwar oft in großen Gremien mit am Tisch. Wenn es jedoch ernst wird, übergehen die westlichen Staaten die festgesetzten Regeln und handeln entgegen der ausgemachten Statuten. Russland verliert dadurch immer mehr an Ansehen und in den jeweiligen Ländern, in die die westlichen Armeen einmarschieren, an wirtschaftlicher Macht.
Gabriele Krone-Schmalz schreibt einen kurzen Abriss der Geschichte des Ukraine-Konflikts und zeigt an Originalzitaten, an Tagesschaubeiträgen mit Datum und genauer Uhrzeit, wie Fakten bei uns, durch kleine Weglassungen und Umstellungen im Text, einen komplett anderen Sinn geben. Sie zeigt, dass unsere täglichen Nachrichten immer mit einem negativen Unterton gegenüber Russland unterlegt sind. Diese Zitate lassen einem den Mund offenstehen. Und es wird von Seite zu Seite klar, dass es nicht ganze Wahrheit ist, was wir täglich in den Medien zu lesen, hören und sehen bekommen.

Statt sich international mit der Schadensbeseitigung zu beschäftigen, wurden Sanktionen verhängt, über die der US-Vizepräsident Joe Biden am 3. Oktober 2014 in einer launigen Rede sagte: „Die Europäer wollten keine Sanktionen gegen Russland, wir mussten sie wirklich dahin treiben.“

Muss man nicht stutzig werden, erst recht als Journalist, wenn im Umfeld der Maidan-Unruhen der Sohn von Joe Biden zum Direktor einer Firma ernannt wird, die auf Zypern ansässig ist, einem ukrainischen Oligarchen gehört und sich mit Gasgeschäften befasst?

Frau Krone-Schmalz legt jedoch ihre Finger in viele Wunden und will uns die Augen öffnen. Sie fordert einen anderen Journalismus, der nicht Fakten passend zur Stimmung liefert, sondern genau hinschaut, sich selbt ein Bild macht und dies auch so weitergibt.

„Ich denke, das ist auch die Aufgabe von Journalismus: sich nicht auf eine Seite zu stellen – weder auf eine gute, schon gar nicht auf eine böse. Sondern so gut man kann von allen möglichen Blickwinkeln den Punkt, um den es geht, zu beleuchten.“

Das Buch ist mittlerweile in der 6.Auflage und ich wünsche ihm noch viele mehr.
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Werner Färbers Ungereimtheiten:

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus der Serie Kurzkrimis)
 
FLEISCHERSFRAU (X)
 
Die Fleischersfrau möcht‘ Witwe sein,
schließt ihren Mann im Kühlraum ein.
Nach etwa 24 Stunden,
wird abgehangen er gefunden.
Dass die Frau ihn ließ vereisen,
kann wohl niemand ihr beweisen.
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (… aus der Tierwelt)
 
DAS GESÄßNY
 
DAS BEUTELTIER
 
Langer Rüssel, dünner Schwanz,
den man aufrollt gar und ganz,
kennzeichnen das Beuteltier,
welches wird beschrieben hier.
 
Als Saugetier steht’s in der Ecke,
wartet, dass man es zum Zwecke
der Reinigung durchs Zimmer schiebt,
weil es nämlich Schmutz sehr liebt.
 
Heulend, johlend frisst es alles
und verschluckt im Fall des Falles,
auch Dinge, die’s nicht fressen soll.
Schwups, schon ist der Beutel voll!
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Donnerstag

Heute haben
Georg Büchner * 1813
Alfred Polgar * 1873
Nathanael West * 1898
Arthur Miller * 1915
Geburtstag und
Ingeborg Bachmann ist vor 40 Jahren (1973) gestorben.
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Georg Büchner
O meine müden Füße ihr müßt tanzen

O meine müden Füße ihr müßt tanzen
In bunten Schuhen,
Und möchtet lieber tief, tief
Im Boden ruhen.

O meine heißen Wangen, ihr müsst glühen
Im wilden Kosen,
Und möchtet lieber blühen
Zwei weiße Rosen.

O meine armen Augen, ihr müsst blitzen
Im Strahl der Kerzen,
Und lieber schlieft ihr aus im Dunkeln
Von euren Schmerzen.
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Darina

Maria Matios: „Darina, die Süße
Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe
Mit einem Nachwort von Andrej Kurkow

Gestern schrieb ich, dass ich ein Buch von einer ukrainischen Autorin gelesen und dann entdeckt habe, dass mein nächstes Buch zwar aus Brasilien kommt, Clarice Lispectors Familie jedoch als Juden aus der Ukraine geflohen sind, als die Autorin noch ein Kind war. Jetzt kommt somit die Besprechung des zuerst genannten Romanes:
Maria Matios, diesen Namen habe ich noch nie gehört. Sie ist 1959 in der Ukraine geboren, lebt und arbeitet dort immer noch und engagiert sich in einer demokratischen Partei, die von Herrn Klitschko gegründet worden ist. „Darina, die Süße“ wurde mit den höchsten Literaturpreisen des Landes ausgezeichnet, was mich nach der Lektüre nicht verwundert. Die Handlung spielt in der Bukowina, in einem Gebiet, aus dem sehr viele Schriftseller kommen und einem Landstrich, der schon seit jeher zwischen den verschiedenen Nationen hin und her gerissen worden ist. Rumänien, Russland, die Nazi-Deutschen – alle haben dort ihre Greueltaten vollbracht und ein Land der Verwüstung hinterlassen.
Wir sind in einem kleinen Dorf am Rande der Bukowina. Dort lebt Darina, die von ihren Nachbarn als nicht ganz bei Verstand und stumm angeshen wird. Darina heisst deshalb „die Süße“, da sie, wenn sie Süßes isst, extreme Kopfschmerzen bekommt, die sie fast wahnsinnig werden lassen. Sie behilft sich damit, dass sie sich in die Erde eingräbt. Die Kühle und die Würme helfen ihr, diese unglaublichen Schmerzen auszuhalten. Es gibt eine Nachbarin, die ihr immer wieder zur Hand geht und es taucht ein Tagelöhner auf, ein schmuddeliger Mann, der sich nichts sagen lässt und flucht und und Menschen beschimpft, dass es eine Wonne ist. Darina jedoch spielt er auf der Maultrommel vor, genießt, wenn sie sich in den Baum ihrer Eltern zurückzieht und ihn schmückt, dass er im Wind nur so glitzert. Gegen ihre Schmerzen findet er ein weiteres, gutes Heilmittel. Wasser, kaltes Wasser, Wasser aus dem Teich. Und so entdecken die Dorfbewohner die beiden nachts im Mondschein nackt im See und denken sich ihr Teil dabei. Diese Idylle hat jedoch bald ein Ende und Iwan muss zur Behörde, die ihn inhaftieren. Dies ist also die Rache der Mitbewohner, die diesem verderbichen Treiben ein Ende machen wollen. Maria Matios schildert diese Tage und Nächte in dem abgeschiedenen Dorf sehr nüchtern. Sie verurteilt die tratschenden Bewohner nicht, sondern versucht mit ihrer Sprache uns ihr Denken verstehen zu lassen.
Damit endet der erste Teil des Buches, der in den 80er Jahren spielt. Der zweite Teil ist ca. 40 Jahre früher angesiedelt, als Darina noch ein Kind war. Hier kommt nun die ganze Brutalität der Menschen in diesem Landstrich in den Vordergrund. Als die Ehefrau eines jungen Paares verschwindet und verunstaltet vom Ehemann wieder gefunden wird, weiss er nichts mit dieser Situation anzufangen und vermutet, dass sie einen Liebhaber hatte. Er schlägt sie wiederum brutal, aber seine Ehefrau spricht nicht mehr und verschwindet immer mehr in ihre Innenwelt. Dies Brutalität zieht sich durch alle Situationen durch. Egal, welches Land gerade den Daumen auf den Landstrich hält – die Macht wird nur mit Gewalt gefestigt. Durch diese Beschreibung, wie ein junges Paar den Umständen ausgesetzt ist und daran zerbricht,oder besser zerbrochen wird, lässt uns das Verhalten Darinas besser verstehen. Dieser zweite Teil hat mich an den estnischen Roman „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen, die darin auch die durchgehende Brutaliät an Frauen in dem zerissenen Estland schildert.
Maria Matios Buch hat mich sehr bewegt und ich kann verstehen, dass es in der Ukraine als ein wichtigs Gegenwartsbuch angesehen wird.
Erhellend ist auch noch das Nachwort von Andrej Kurkow, der mittlerweile auch im Haymon Verlag veröffentlicht, den wir von seinen Büchern im Diogenes Verlag her kennen.

Ins Buch hineinlesen auf libreka