Samstag, 9.Januar

Heute haben
Karel Capek * 1890
Kurt Tucholsky * 1890
Simone de Beauvoir * 1908
Heiner Müller * 1929
Klaus Schlesinger * 1937
Geburtstag
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Kurt Tucholsky
An Peter Panter


Peter Panter, Mitarbeiter!
Steig doch auf die hohe Leiter!
Singe doch von aktuellen
Zeitgenossenzwischenfällen!

Laß die Liebe, laß die Damen
mit dem freundlich blonden Namen;
laß die bunten Busentücher –
und vor allem: laß die Bücher!

Laß sie Bücher schreiben, drucken –
wozu da hinuntergucken!
Frisch! hinein ins volle Leben!
Aktuell mußt du dich geben!

Sieh mich an! Fast jede Woche
pfeif ich auf dem Flötenloche:
Reichstag, Wahlrecht, Osten, Westen,
Presse, Orden, Schweinemästen -!

Tanz die nationale Runde!
Kennst du das Gebot der Stunde?
Höcker macht das viel gewandter,
Peter Panter, Peter Panter!

Du mußt aktueller schwätzen,
und man wird dich höher schätzen!
Lerne du im Hurraschrein:
man darf nicht beschaulich sein.

Unter dem Pseudonym Theobald Tiger im Jahr 1918
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Am 25.Januar erscheint das Buch von
Bernardine Evaristo: „Mädchen, Frau etc.“
Aus dem Englischen von Tanja Handels
Klett-Cotta / Tropen Verlag € 25,00
Das engl. Taschenbuch ist schon für € 13,00 zu haben.

Am Samstag, den 23.Januar gibt es eine Liveveranstaltung des Literarischen Colloquiums in Zusammenarbeit mit dem Radiosender von rbb.
Dieser podcast ist dann nächträglich weiterhin hörbar.

Sie merken schon: Nicht nur ich bin begeistert von diesem Roman, der 2019 den Booker Preis bekommen hat.
Ein Zitat der Jury:
„Ein beeindruckender, leidenschaftlicher Roman über das Leben schwarzer britischer Familien, ihre Kämpfe, Schmerzen, ihr Lachen, ihre Sehnsüchte und Lieben.“
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Heute, am Samstag, den 9.1. machen wir Inventur im Laden und können somit nicht ans Telefon gehen. Bestellungen werden bearbeitet und kommen dann am darauffolgenden Dienstag in den Buchladen.

Ab Montag, den 11.1. ist es in Baden-Württemberg wieder erlaubt, dass wir Bücher aus dem Laden herausgeben dürfen. D.h. wir geben Ihre Bestellungen mit einer Rechnung an Sie raus. Eine Barzahlung, oder Bezahlung mit EC-Karte ist noch nicht geklärt.
Ab Montag gibt es dann auch wieder unsere Ausgabestation im Erdapfel Bio Bistro.
Die Öffnungszeiten dort sind von Montag bis Freitag bis 14.00 Uhr.
Das Team um Sandra freut sich darauf.
Der Ulmer City Kurier fährt weiterhin in den Innenstadtbereichen von Ulm und Neu-Ulm aus.

Ab Montag, den 11.1. beliefern unsere Buchgroßhändler uns nicht mehr am Montag.
Dafür aber von Dienstag bis Samstag. Das reicht ja auch dicke.

Ein Tipp für Geschenkgutscheine.
Wenn Sie einen Gutschein für jemanden bei uns ausstellen lassen, dann können wir ihn digital in unserem System hinterlegen. Somit kann die Beschenkte/der Beschenkte auch online von irgendwoher bestellen (auch eBooks) und unser Programm verrechnet den Gutschein.

Noch eine Bitte:
Im Moment kommen viele Bestellungen am Telefon oder per Mail an uns.
Bitte sagen uns, wie Sie zu Ihren Büchern kommen wollen:
Abholung im Laden
Abholung im Erdapfel Bio Bistro in Söflingen
Lieferung mit dem Ulmer City Kurier

Bitte geben Sie uns Bescheid, wenn sich bei Ihrer Adresse, bei Ihrem Namen etwas geändert hat, oder wenn es Besonderheiten gibt, den Briefkasten zu finden.
Die AusfahrerInnen des Ulmer City Kuriers tun sich dann viel leichter.

Herzliche Grüße,
Samy Wiltschek


Mittwoch, 10.Juli

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Heute haben
Marcel Proust * 1871
Günther Wiesenborn * 1902
Paul Wühr * 1927
Alice Munro * 1931
Kurt Brasch * 1937
Geburtstag

„Longtemps je me suis couché de bonne heure“
Der erste Satz aus der „A la recherche du temps perdu“ von Marcel Proust.
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Der Monat ist schon halb vorbei und wir haben noch nicht auf das Reclam-Juli-Büchle hingewiesen.

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„Juli“
Gedichte herausgegeben (wie immer) von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell
Reclam Verlag € 5,00

Nach der großen Hitze, hatten wir heute 8 Grad, Sonne und kühlen Wind. D.h. Handschuhe beim Radeln. Egal. Der Sommer ist da mit all seinen Blumen und Farben und Festen und Musik.

Der Sommer hat schon lang eröffnet
Sommergewitter
Sommernächte und Gartenfreuden
Endlich Ferien
Sommerfreuden
Hochsommer
heißen die Überschriften und zeigen uns, wo es hier lang geht.

Leseprobe

Theodor Storm
Sommermittag

Nun ist es still um Hof und Scheuer,
Und in der Mühle ruht der Stein;
Der Birnenbaum mit blanken Blättern
Steht regungslos im Sonnenschein.

Die Bienen summen so verschlafen;
Und in der offnen Bodenluk‘,
Benebelt von dem Duft des Heues,
Im grauen Röcklein nickt der Puk.

Der Müller schnarcht und das Gesinde,
Und nur die Tochter wacht im Haus;
Die lachet still und zieht sich heimlich
Fürsichtig die Pantoffeln aus.

Sie geht und weckt den Müllerburschen,
Der kaum den schweren Augen traut:
„Nun küsse mich, verliebter Junge;
Doch sauber, sauber! nicht zu laut.“

Christian Morgenstern
Sommermittag

Wiese, lass mich ganz in dein
Wohlgefühl versinken,
dein legionenfältig Sein
als mein eignes trinken.

Deine breite Sonnenbrust
lass die meine werden,
meine Lust die feine Lust
deiner Gräserherden.

Mächtig schwelle mein Gesang
dann aus solchem Grunde,
künde Glückesüberschwang
höchster Sommerstunde.

Kurt Tucholsky
Feldfrüchte

Sinnend geh ich durch den Garten,
still gedeiht er hinterm Haus;
Suppenkräuter, hundert Arten,
Bauernblumen, bunter Strauß.

Petersilie und Tomaten,
eine Bohnengalerie,
ganz besonders ist geraten
der beliebte Sellerie.

Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?
Da wächst in der Erde leis
das bescheidene Radieschen:
außen, rot und innen weiß.

Sinnend geh ich durch den Garten
unsrer deutschen Politik;
Suppenkohl in allen Arten
im Kompost der Republik.
Bonzen, Brillen, Gehberockte,
Parlamentsroutinendreh …
Ja, und hier –? Die ganz verbockte
liebe gute SPD.
Hermann Müller, Hilferlieschen
blühn so harmlos, doof und leis
wie bescheidene Radieschen:
außen rot und innen weiß.
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Heute abend ab 19 Uhr
Kulturbuchhandlung Jastram
Herzschmerz in Azur – Italienische Erzählungen

Ist das mit der Liebe im Süden ganz anders als zum Beispiel in Deutschland? Wahrscheinlich ist es ein Mythos, dass unter dem azurblauen Himmel alles temperamentvoller zugeht – das Kennenlernen, die romantische Annäherung und der Zwist. Die Sehnsüchte, Träume, die Konflikte, die Schmerzen und manchmal auch das Liebesglück ähneln sich hier wie da. Und doch klingen die mediterranen Geschichten über Liebesdinge anders, eben typisch italienisch: intensiv, melancholisch, selbstironisch und manchmal alles gleichzeitig. In der letzten Ausgabe der Lesereihe vor den Sommerferien des Theaters stellen wir italienische Beziehungsgeschichten vor und sorgen passend zu den jahreszeitlichen Gefühlen für einen kleinen Kursus in Sachen Liebesfreud und Liebesleid alla italiana.

Eintritt € 8,00

Dienstag, 2.April

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Heute haben
Casanova * 1725
Hugovon Fallersleben * 1798
Hans Christian Andersen * 1805
Emile Zola * 1840
Max Ernst * 1891
György Konrad * 1933
Thomas Glavinic * 1972
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichtekalender:

Kurt Tucholsky
Nicht! noch nicht!

Ein leichter Suff umnebelt die Gedanken.
Verdammt! Der Frühling kommt zu früh.
Der Parapluie
steht tief im Schrank – die Zeitbegriffe schwanken.

Was wehen jetzt die warmen Frühlingslüfte?
Ein lauer Wind umsäuselt still
mich im April –
die Nase schnuppert ungewohnte Düfte.

Du lieber Gott, da ist doch nichts dahinter!
Und wie ein dicker Bär sich murrend schleckt,
zu früh geweckt,
so zieh ich mich zurück und träume Winter.

Ich bin zu schwach. Ich will am Ofen hocken –
die Animalität ist noch nicht wach.
Ich bin zu schwach.
Laternenschimmer will ich, trübe Dämmerung und dichte
Flocken.

Theobald Tiger, Die Schaubühne, 16.04.1914
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Susanne Link empfiehlt:

1858

Laetitia Colombani: „Der Zopf“
Fischer Taschenbuch € 11,00

Endlich als Taschenbuch – der Debütroman der Französin liest sich wunderbar leicht, obwohl die Lebenswege der drei Frauen schwierig sind. Smita,Giulia und Sarah verlieren nicht den Mut und schreiten kraftvoll und energiegeladen voran – und werden belohnt.

Gefunden auf www.fischerverlage.de:

Interview mit Laetitia Colombani

Lektorat: Ihr Roman ist eine Hymne auf den Mut aller Frauen, aber zugleich auch ein Appell: Frauen dieser Welt, befreit Euch von ungerechten Machtstrukturen. Was gab den Anstoß für diese Botschaft?
Laetitia Colombani: Mir fiel auf, dass ich die Frauen um mich herum sehr bewundere. Ihren Mut! Es sind starke Frauen, tiefgründige, großzügige und unglaublich belastbare Frauen. Meine Freundinnen sind für mich eine Quelle der Inspiration. Sie im »Zopf« zu würdigen hat sich mir ganz einfach aufgedrängt.
Lektorat: Haare sind das große verbindende Thema Ihres Romans »Der Zopf«. Wie kamen Sie auf das Thema Haare?
Laetitia Colombani: Vor ungefähr zehn Jahren hat mir meine Mutter von einer Fernsehreportage erzählt, die von der indischen Tradition berichtete, das eigene Haar einem Gott zu opfern, danach wollte ich mehr über diesen Brauch erfahren. Und vor zwei Jahren erkrankte eine Freundin an Krebs und bat mich, mit ihr eine Perücke auszusuchen. Ich hatte eine Art Flash, eine plötzliche Inspiration: Drei Frauen irgendwo auf der Welt, die nicht voneinander wissen, aber durch diesen intimen Gegenstand, die Haare, verbunden sind. Ich habe mich sofort an die Arbeit gemacht.
Lektorat: »Der Zopf« spielt in Italien, Kanada und Indien. Waren Sie schon mal in all diesen Ländern?
Laetitia Colombani: Ja, ich war in allen drei Ländern, aber »nur« als Touristin. In Indien hatte ich das Glück, einer Frau zu begegnen, die Smita hieß (ich würdige sie in meinem Roman, indem ich die Heldin des indischen Erzählstrangs nach ihr benannt habe) und mir Bombay und Umgebung gezeigt hat. Nach dieser Reise habe ich mich intensiver mit Indien befasst und viel recherchiert, ich habe Erstaunliches und Erschütterndes erfahren. Ich habe Reportagen zu Italien gesehen, zu Sizilien, über die Präparierung von Haaren, die Tradition der Cascatura, über Familienbetriebe dort … Von den drei Ländern kenne ich Kanada am besten, ich habe dort mehrere Freunde und besuche sie regelmäßig.
Lektorat: Den drei Frauen im »Zopf« gelingt es, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und ihrem Leben eine Wendung zu geben. Die meisten Menschen bleiben in ihren vorgegebenen Bahnen, egal wie schlimm diese sind. Warum fällt es dem Menschen so schwer, etwas zu verändern?
Laetitia Colombani: Ich glaube, dass alles, was neu ist, Angst macht. Das Bestehende gibt Sicherheit. Smita, Giulia und Sarah setzen alles für ein neues Leben aufs Spiel, für sie ist es aber ein lebenswichtiger Einsatz: wenn sie überleben wollen, müssen sie kämpfen. Alle drei werden mit einer dramatischen Situation konfrontiert, der sie nicht ausweichen können. Sarah erfährt, dass sie Krebs hat, Giulias Vater, der das Familienunternehmen führte, stirbt, Smita muss mit ansehen, wie ihre Tochter (so wie sie selbst) gedemütigt wird. Aber das Leben stellt uns ja nicht immer vor ähnlich extreme Herausforderungen – zum Glück!
Lektorat: Die Lebensbedingungen der drei Frauen im »Zopf« sind extrem unterschiedlich, aber dennoch bringen Sie sie zusammen. Warum?
Laetitia Colombani: Sie zusammenzubringen hat mir erlaubt, die Unterschiede hervorzuheben, und gleichzeitig das, was sie verbindet. Augenscheinlich haben Smita, Giulia und Sarah nichts gemein, sie leben auf verschiedenen Kontinenten, leben weder in derselben Kultur noch Religion. Sie sprechen nicht dieselbe Sprache, leben auf sozialem unterschiedlichen Niveau, und ihre jeweiligen familiären Situationen sind auch sehr verschieden. Sie gehören nicht demselben gesellschaftlichen Gefüge an, aber dennoch steckt jede von ihnen in einer Rolle fest, die man ihr zugeschrieben hat. Das, was sie über die Unterschiede hinaus verbindet, ist ihr Lebenswille, ihre Energie, die ihnen erlaubt, eine gewisse Freiheit zu erkämpfen, »Widerstand« zu leisten, sich zu emanzipieren.
Lektorat: Es ist erstaunlich, wie leichtfüßig Ihr Roman daherkommt, er ist beste Unterhaltung. Aber es wird schnell klar, dass sich unter der »leichten« Erzähloberfläche verschiedene, sehr komplexe Themenbereiche befinden. Was war zuerst da: die Geschichte der drei Frauen oder die Themen?
Laetitia Colombani: Mein Hauptinteresse galt zu allererst der Frau an sich, ich bin eine Frau, und ich habe eine Tochter, die eine Frau sein wird. Seit ihrer Geburt hat sich mein Blick auf die Welt verändert, auch meine Art, wie ich über Frauen spreche und über sie denke. Ich habe ein gesteigertes Interesse zu sehen, wie Frauen unter unterschiedlichen Bedingungen in den verschiedenen Welten leben. Ich glaube, mein Leben reicht nicht aus, um dieses Thema erschöpfend zu betrachten. In einem meiner nächsten Romane wird der Fokus wieder auf der Frau liegen.
Lektorat: Sie sind Schauspielerin und Regisseurin, »Der Zopf« ist Ihr erster Roman, und wie man hört, wird er verfilmt, werden Sie selbst das Drehbuch schreiben?
Laetitia Colombani: Das Vorhaben hängt derzeit noch in der Schwebe, ich habe einige Angebote von Produzenten bekommen. Vielleicht schreibe ich selbst das Drehbuch, und vielleicht mache ich auch selbst den Film, wer weiß.