Mittwoch, 20. Dezember


Heute haben
Aziz Nesin * 1915
Friederike Mayröcker * 1924
Gernot Wolfgruber * 1944
Abdularazak Gurnah * 1948
Kate Atkinson * 1951
Geburtstag
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Winterfrost und Sonnenschein,
Beides kann zusammensein.
Und dazu ein gutes Buch
Ich mir dann zum Schmökern such.

Thomas Dietrich
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Eine Auswahl meiner Lieblingsromane:


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Wir haben die beiden neuen Modelle Verse und Verse Pro im Laden.
Sie lösen die Pocketbook Touch Reader ab.
Genauere technische Daten können Sie auf einem Faltblatt bei uns im Laden einsehen.
Was mir aufgefallen ist, dass dasGerät eine sehr gute Bildqualität besitzt und schnell reagiert.
Handlich, schmal und klein, passt es in jede Tasche und sorgt auch bei Zugverspätungen für genügend Lesestoff.
Verse Pro hat mehr Speicher, eine noch bessere Bildqualität und die Möglichkeit Hörbücher/Musik zu hören und ist badewannenwasserdicht.
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Jetzt noch ne richtige Besprechung der neuen Kraan-CD von Ralf Grimminger auf Ulm News.

Die legendäre Band „Kraan“ hat ein neues Album veröffentlich. Das neue Werk mit dem Titel „Zoup“ wird von den Musikkritikern hoch gelobt. Das neue KRAAN album „zoup“ ist ab sofort in der Buchhandlung Jastram in Ulm erhältlich. Als Langspielplatte gibt es „Zoup“ ab 19. Januar 2024.  

Kraan sind mit ihrem neuen Album ZOUP nach etlichen Solo-Abenteuern wieder dort gelandet, wo die Kenner sie in der Regel musikalisch verorten: irgendwo zwischen Kraut Rock, Ethno und Jazz. Die Ulmer Combo wurde vor 52 Jahren von Bassist Hellmut Hattler, Gitarrist Peter Wolbrandt und Schlagzeuger Jan Fride ins Leben gerufen. Seit jeher lebt der Gruppen-Sound in erster Linie von Hattlers kernigem Bassspiel sowie dem Umstand, dass die Kompositionen zum größten Teil instrumental ausfallen. Hier wird also wieder Fusionrock de Luxe gespielt! Ein YouTube-Fan der Band hat neulich zurecht geschwärmt: „Kraan is: German precision meets German anarcho, that’s beautiful man.“ Oder, um es mit Hattler etwas weniger ekstatisch, aber nicht minder zufrieden, zu erklären: „Wir sind ja von jeher – und jetzt mal wieder ganz besonders – planlos glücklich mit unserem Tun!“ Keyboarder Ingo Bischof war bis zwischen 1975 – 2007 bei der Gruppe. Er verstarb 2019. Aus Respekt vor seinem Schaffen ist der Tasten-Meister noch auf einem Stück auf ZOUP zu hören: „Aus allen Wolken“. Und – Überraschung: Auf einem der drei CD-Bonustracks spielt sogar Kraans Ur-Saxofonist Johannes „Alto“ Pappert mit! Zur Erklärung des etwas kryptischen Albumtitels meint Hattler: „Eine „Zoup“ ist nicht nur eine falsch geschriebene „Suppe“. Es könnte auch ein Gebräu sein, in das eine Menge an Einflüssen hineingeschüttet wird. Insofern passt die Bezeichnung prima zum Kraan- Sound von heute. Wir wollten ja schon immer weg von den Definitionen Kraut- und Jazz-Rock. Aber man braucht ja wohl immer ein Etikett auf der Flasche.“ Letzten Sommer kamen Hellmut die ersten Ideen für das neue Werk. „Ich saß auf der Veranda in der Sonne und ließ mich von meiner eigenen musikalischen DNA inspirieren. Ziemlich schnell wurde mir klar, dass ich da grade anfange an einer neuen Kraan-Platte zu arbeiten.“

Auf seinem Soloprojekt HATTLER hatte er immer viel mit Programmieren und DJs zu tun: „Doch das war für mich ganz plötzlich totgelaufen. Also besann ich mich meiner musikalischen Wurzeln. Das bedeutet mehr Melodik, Harmonik, andere Beats. Nachdem ich die ersten Ideen in Form hatte, habe ich Peter und Jan kontaktiert und sie gefragt, ob sie mitmischen würden. Sie hatten Lust – und schnell war klar: Ab jetzt geht’s um Kraan.“ Auf dem hieraus entstandenen Album ZOUP sind neun Instrumentals und zwei Gesangsstücke zu hören, „weil wir ja immer noch nicht die begnadetsten Sängerknaben sind“, witzelt Hattler; „es gibt Midtempo-Stücke, Balladen, und diesmal auch wieder reichlich Knackig-Schnelles.“ Die „Kraaniche“ sehen sich laut Hellmut als Seelenverwandte und kreative Partner gleichermaßen. „Schon witzig, dass es uns nach über fünfzig Jahren On-Off-Beziehung immer wieder zusammentreibt um etwas zustande zu bringen, was mit anderen Konstellationen einfach nicht zu schaffen ist. Und das spüren unsere treuen Fans auch – und geben uns so viel an Zustimmung und Kraft zurück! Wir planten zwar nie, wie es mit Kraan weitergeht, auch nicht, ob ZOUP nicht mal wieder die letzte Produktion von uns sein könnte. Sollte dies aber unser ultimatives Album sein, muss es wie eine Ausnahme klingen, also so gut wie nur irgend möglich – und das könnte echt geklappt haben!“

Samstag, 4.November


Heute haben
Felix Braun * 1885
Klabund * 1890
Gert Ledig * 1921
Judith Herzberg * 1934
Bettina Wegner * 1947
Erich Wolfgang Skwara * 1948
Geburtstag
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Selma Meerbaum-Eisinger
Kristall

Ganz still. Und viele welke Blätter liegen
wie braunes Gold, in Sonne eingetaucht.
Der Himmel ist sehr blau,
und weiße Wolken wiegen.
Ein heller Frost den Reif auf Bäume haucht.

Die Tannen stehen frisch und grün,
und ihre Wipfel zeigen in die Luft.
Und rote Buchen schlank und kühn
hör’n auf den Adler, dessen Flug sie ruft,
und steigen immer höher himmelan.
Einsame Bänke stehen dann und wann
und auch ein bißchen Gras, schon halb erfroren –
die Sonne hat’s zu ihrem Liebling auserkoren.

8.12.1940
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Ende Oktober war Jan Wagner in der vh Ulm und hatte seinen neuen Gedichtband dabei.


Jan Wagner: „Steine & Erden

Hanser Verlag € 22,00

Die neue Gedichten Jan Wagners erzeugen eine Atmosphäre, eine Stimmung, die einzigartig in der deutschsprachigen Lyrikwelt ist. Kleinigkeiten, Nebensächliches, Unscheinbares und am Wegesrand Vergessenes kommt hier zu Tage.
Wer kennt schon einen Lyrikband, der mit einem Gedicht über alte Autoreifen, die irgendwo an einem Bahndamm gestapelt sind, beginnt? In der Leichtigkeit seines Gedichtes entstehen sofort Bilder im Kopf und lassen mich schmunzeln, über die Treffsicherheit seiner Sichtweise.
Arno Schmidts „Kühe in Halbtrauer“ tauchen kurz auf im Gedicht „kühe“:

einmal umschlossen sie, kurz hinter swords,
uns und das auto, zogen mit der würde
einer begräbnisfeier, doch nur halb so schwarz,
an uns vorüber. einmal waren wir herde. …

Im Gedicht „krähenghasele“ lese ich die Zeile „gestenreich wie eine witwe auf sizilien“, wo wir doch gestern Abend mit Germana Fabiano und Ihrem Buch „Mattanza“ genau dort gelandet sind.

Sie merken schon, in Jan Wagners finden wir alles und das, ohne ausschweifend zu werden und uns mit dem Kleinen begnügnen und darin unseren Kosmos wiederfinden.

Schauen Sie einfach mal in die Leseprobe.
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Am kommenden Dienstag, den 7.November stellen wir wieder vier neue Bücher vor.
Clemens Grote liest aus:

Toni Morrison: Sehr blaue Augen
Florian Illies: Die Zeit der Stille
Necati Öziri: Vatermal
Lauren Groff: Die weite Wildnis

Beginn: 19 Uhr
Eintritt: frei

Wir freuen uns auf Ihr/Euer Kommen.

Dienstag, 24.Oktober

Heute haben
Dorothea Schlegel * 1764
August von Platen * 1796
Wenedikt Jerofejw * 1938
Walter Kappacher * 1938
Zsuzsa Bánk * 1965
Geburtstag
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„Glücklich ist ein bisschen viel. Sagen wir lieber: nicht unglücklich. Kein bisschen unglücklich. Nicht ein winziges bisschen unglücklich.“
Zsuzsa Bánk aus: „Schlafen werden wir später“
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Toni Morrison: „Sehr blaue Augen
Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels
Mit einem Vorwort der Autorin und einem Nachwort von Alice Hasters

„Ich wollte dieses Buch lesen, und niemand hatte es geschrieben, also dachte ich, dass ich es schreiben würde, um es zu lesen.“
Toni Morrison

Das Debüt der Nobelpreisträgerin Toni Morrison ist in diesem Herbst in einer Neuübersetzung erschienen. Mit Vor- und Nachwort und diversen Anmerkungen versehen, in denen u.a. auf rassistische Bemerkungen hingewiesen wird und wie die Übersetzerin damit umgegangen ist.
Allein das deutet darauf hin, wieviel Sprengstoff damals und auch heute in diesem Roman stecken.
Toni Morrison erzählt die Geschichte dreier Schwarzer Mädchen im Jahr 1941in der Kleinstadt Lorain, Ohio (der Geburtsstadt der Autorin).
Claudia, die jüngste der drei hasst ihre blonde (Barbie)Puppe, zerlegt sie und will wissen, wie dieses Hartplastikding innen aussieht. Ihre ältere Schwester Frieda (10 Jahre) ist ihr eine enge Vertraute, mit der sie sich beratschlagen kann. Sie kommen in Kontakt mit der 12jährigen Pecola, mit der das Schicksal übel mitspielt. Pecola möchte blaue Augen, sehr blaue Augen und träumt so zu sein wie Shirley Temple.
Toni Morrsion schreibt diesen Roman nicht linear, sondern in Schleifen, in denen sie auf die Lebensläufe einzelner Personen eingeht und in denen wir erfahren, warum sich diese dann in diesem Jahr 1941 so verhalten.
Als Überschriften benutzt sie Sätze aus einer US-Fibel und wiederholt sie in Endlosschleifen, um zu zeigen, wie banal sie sind und wie wenig sie mit der Welt der drei Mädchen zu tun haben.
Ich war komplett gefesselt von der Geschichte und wie Toni Morrison sie aufgebaut hat. Dieses Aufwachsen in einer Welt voller Rassismus, Ausgegrenztsein, Sexismus ist auch 80 Jahre später schwer auszuhalten und es hat sich vielleicht nicht so viel grundlegend geändert.
Schreibt Carson McCullers in „Frankie“ vom gleichnamigen Mädchen, das raus aus der Enge will, ist Claudia so verbunden mit ihrer Welt, dass es für sie wohl keinen Ausweg geben kann.
Fast möchte ich schreiben: Ein Muss. Die 180 Seiten sind ein großes Stück Weltliteratur.

„Toni Morrisons Bücher verändern das Leben. In ihnen bekommen die zu oft Übersehenen und Ausgegrenzten eine Bühne, beschrieben mit unglaublich schöner Sprache und Feingefühl, sodass sie selbst in brutalen Momenten nie die Würde und Menschlichkeit verlieren.“ 
Alice Hasters

Toni Morrison wurde 1931 in Lorain, Ohio, geboren. Sie studierte an der renommierten Cornell University Anglistik und hatte an der Princeton University eine Professur für afroamerikanische Literatur inne. Zu ihren bedeutendsten Werken zählen ‚Sehr blaue Augen‘, ‚Solomons Lied‘, ‚Menschenkind‘, ‚Jazz‘, ‚Paradies‘ und diverse Essaysammlungen. Sie war Mitglied des National Council on the Arts und der American Academy of Arts and Letters. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, u. a. mit dem National Book Critics‘ Circle Award und dem American-Academy-and-Institute-of-Arts-and-Letters Award für Erzählliteratur. 1993 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur, und 2012 zeichnete Barack Obama sie mit der Presidential Medal of Freedom aus. Toni Morrison starb am 5. August 2019.
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Morgen abend, Mittwoch, 25.10., ist Judith Hermann mit ihrem neuen Buch in der vh Ulm.
Beginn: 19 Uhr
Der Club Orange ist ausverkauft. Vielleicht gibt es noch Plätze im Foyer.
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Am Donnerstagabend, 26.10. um 19 Uhr sind Christiane Wachsmann und Martin Mäntele bei uns im Buchladen und erzählen über zwei Neuerscheinungen und über die aktuelle Ausstellung in der HfG Ulm.
Eintritt frei.

Donnerstag, 16.März

Heute haben
César Vallejo * 1892
Sybille Bedford * 1911
Tiziano Scarpa * 1963
Zoe Jenny * 1974
Geburtstag
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Theodor Storm
März

Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt, so kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.
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Unser Buchtipp:

Toni Morrison: „Rezitativ
Aus dem Amerikanischen von Tanja Handels
Mit einem langen Nachwort von Zadie Smith
Rowohlt Verlag € 20,00
Random House € 14,90

1983 veröffentlichte Toni Morrison diese Erzählung. „Rezitativ“ bleibt ihre einzige in ihrem umfangreichen Werk. In deutsch steht sie uns jetzt jetzt zum ersten Mal zur Verfügung.
Wie ein Experiment mutet die Lektüre im Nachklang an. Eine Versuchanordnung, über die wir lange gemeinsam diskutieren könnten.
Twyla und Roberta trafen sich in einem Kinderheim. Ihre alleinerziehende Mütter konnten sich nicht ausreichend um die beiden Mädchen kümmern. Twylas Mutter hatte die Nächte durchgetanzt und ihr Kind allein gelassen. Robertas Mutter war ständig krank. Vier Monate lebten sie dort zusammen.
„Schlimm genug, früh am Morgen aus dem eigenen Bett geholt zu werden – aber dann noch an einem fremden Ort festzusitzen, zusammen mit einem Mädchen von ganz anderer Hautfarbe. Und Mary, so heißt meine Mutter, hatte ja recht. Von Zeit zu Zeit hörte sie nämlich gerade so lange mit dem Tanzen auf, um mir was Wichtiges zu erklären, und unter anderem hat sie mir erklärt, dass die sich nie die Haare waschen und komisch riechen.“
Eines der beiden Mädchen ist schwarz, das andere weiss. Nach diesem Zitat ist klar, wer. Aber stimmt das? Toni Morrison lässt das, ganz bewusst, offen. Bis zum Schluss, wissen wir es nicht, erahnen, verwerfen.
Dieses raffinierte Spiel mit den verschiedenen Wahrnehmungen zieht sich durch den kompletten Text. Dazu kommen noch die Fallstricke mit unseren Erinnerungen, an denen wir ein halbes Leben festhalten, obwohl es sich vielleicht/wahrscheinlich ganz anders ereignet hat. Denn Jahre später treffen sich die beiden Frauen mehrfach wieder. Irgendwie sind die Rollen, die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben, wie auf den Kopf gedreht, wenn wir uns an die beiden Mädchen zu Beginn der Erzählung erinnern.
Die Rassentrennung ist seit den 60er Jahren in den USA abgeschafft, aber weder 1983, noch 2023 hat die Gewalt gegen die schwarze Bevölkerung nachgelassen. Erst vor zwei Tagen haben wir das in den Texten von Mumia Abu-Jamal zu hören bekommen.

Wichtig an dieser Ausgabe ist das sehr lange Nachwort (im Original heisst es: Einführung) von Zadie Smith, das unglaublich klug, erhellend ist und uns die Erzählung nochmals aufdröselt, in das Werk der Nobelpreisträgerin einführt und die Bezüge zum täglichen Rassismus herstellt.

Eine kleine Sensation.

Leseprobe
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Freitag, 18.Februar


Heute haben
A.L.Kielland * 1849
N.Kazantzakis * 1883
André Breton * 1896
Toni Morrison * 1931
Elke Erb * 1938
Geburtstag
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„If you want to fly, you have to give up the things that weigh you down.“
Toni Morrison
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Susanne Link empfiehlt:


Mathijs Deen: „Der Holländer
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
mare Verlag € 20,00

Ein toter,deutscher Wattwanderer wird von der niederländischen Polizei auf einer Sandbank geborgen, bevor die Flut ihn mitnimmt. Diese Sandbank liegt genau im umstrittenen Grenzgebiet und wer ist nun zuständig für den Toten?
Dies ist nur eine von vielen Fragen, die „der Holländer“ genannte, inoffizielle deutsche Ermittler zu lösen versucht.
Das Buch war für mich ein Kurzurlaub an der Nordsee!

Mittwoch, 24.Mai

Heute haben
Henri Michaux * 1899
George Tabori * 1914
Joseph Brodsky * 1940
Walter Moers * 1957
Michael Chabon * 1963
Geburtsag und Bob Dylan.

Vor einem Jahr schrieb ich hier:
„Wann bekommt der Kerl endlich den Literatur Nobelpreis?“
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Ein Maitag ist ein kategorischer Imperativ der Freude
Friedrich Hebbel
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Toni Morrison:Gott, hilf dem Kind
Übersetzt von: Thomas Piltz
Rowohlt Verlag € 19,95

Ich kann nichts dafür. Mir könnt ihr nicht die Schuld geben. Ich hab’s
nicht gemacht, und ich habe keine Ahnung, wie es passieren konnte.
Kaum eine Stunde hat es gebraucht, nachdem sie sie zwischen mei-
nen Schenkeln herausgezogen hatten, um zu merken, dass etwas nicht
stimmte. Ganz und gar nicht stimmte.

Dies sind die ersten Sätze aus dem neuen Buch von Toni Morrison. 86 Jahre alt ist die Literatur-Nobelpreisträgerin. Dieses Alter spürt man allerdings in keiner Sekunde. Schnell, frech, präzise, aktuell und nicht verkopft liegt der Text vor uns. Sie lässt ihre Personen sprechen. Erzählt später mit ihrer Stimme. Sie fordert, sie treibt an. Sie ist gadenlos, laut, derb, brutal. Gleichzeitig zeigt sie die Zerbrechlichkeit ihrer Peronen. Vorneweg natürlich Bride. Bride, die teerschwarz ist. Bride, die sich einen neuen Namen, eine neue exklusive Existenz aufgebaut hat. Bride, die kaum von ihrer Mutter berührt wurde. Bride, die kurzfristig die Nähe ihrer Mutter zu spüren bekam, als sie als Kind in einem Prozess gegen ihre Lehrerin aussagte und sie damit jahrelang hinter Gitter gebracht hat.
Immer wieder war ich fassungslos über die Wendungen in dem schmalen 200 Seiten Buch, habe mich auch mit dem Ende versöhnt.
Versöhnt hat sich allerdings Toni Morrison nicht mit dem täglichen, allgegenwärtigen Rassismus in den USA und ich weiß nicht, wie sie unter Trump zu leiden hat. Ein Mensch, der wohl diametral zu ihrem Wertegefühl steht.

Hier finden Sie viele Zitate, Besprechungen und Meinungen zum Buch.

Leseprobe

Mittwoch

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Alexander Kielland * 1849
Hedwig-Courths-Mahler * 1867
Nikos Kazantzakis * 1883
André Breton * 1896
Toni Morrison * 1931
Elke Erb * 1938
haben heute Geburtstag
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Jones

Cynan Jones: „Der Graben“
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Liebeskind Verlag € 16,90

Das ist einer dieser Romane, die einen zutiefst bewegen. Das Titelbild zeigt eine Dachsjagd mit Hunden. Was sich dahinter versteckt, mag man kaum glauben, wenn wir den Klappentext lesen.
Hier gibt es keine Naturromatik, keine „Landlust“, oder „Liebes Land“
Hier wird um das Überleben gekämpft, sowohl seelisch, als auch materiell.
Gleich zu Beginn des schmalen Buches begegnen sich die beiden Männer, ohne sich zu erkennen. Da ist auf der einen Seite Farmer Daniel, der alleine seine Tiere versorgt und seinen Haushalt irgendwie gebacken bekommt. Eigentlich schafft er es nicht. Es ist ihm alles zuviel. Aber er macht weiter. Was bleibt ihm auch übrig. So denkt er. Daniel hat durch einen blöden Unfall seine Frau verloren. Dass sie schwanger war, braucht Daniel gar nicht wissen. Es hätte seine Situation noch unerträglicher gemacht. So geht er jeden Tag seiner Arbeit dem den Schafen nach. Ist Geburtshelfer und Mädchen für alles. Sein Bauernhof hätte eine helfende Hand dringend nötig, doch er lässt in seiner Trauer niemanden in die Nähe.
Der Gegenspieler wird nur der „große Mann“ genannt. Er wohnt auf einem anderen Gehöft in der Nähe, züchtet Jagdhunde, u.a. auch für illegale Hundekämpfe und illegale Dachsjagden. Er war auch schon deswegen im Gefängnis, kümmert sich nicht um Gesetze und ist das pure Gegenstück zu Daniel; die Verkörperung des Bösen.
Dass diese beiden Menschen Aufeinandertreffen, ist unausweichlich. Wie wir uns jedoch mit dem Autoren Jones diesem Moment nähern, ist von höchster Spannung und fast unerträglicher Beschreibungen, wie solche Dachsjagden vorsichgehen. Nicht, dass Jones auf Gewaltexzesse aus ist, wie in einem Thriller. Diese archaischen, genauen Schilderungen aus der Tierwelt, die Bemerkungen dieser derben Männer dazu, gehört zum Stärksten, was ich in dieser Art gelesen habe und hat mich mehrfach an den höchstausgezeichneten Roman „Vor dem Sturm“ von Jesmyn Ward erinnert, den ich hier auch schon vorgestellt habe.

Leseprobe
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Werner Färbers UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (aus der Tierwelt …):
 
SCHICKSAL EINES FROSCHES (1. VERSUCH) 
 
Es hockt auf einem großen Blatt
der Seerose ein Frosch und hat
noch nicht erkannt, dass er in Not
sein Leben wird vom Storch bedroht!
 
Kaum hat der Storch den Frosch entdeckt,
ist sein Hunger auch geweckt.
Wie ein Pfeil saust er hinunter,
schluckt die Beute einfach runter.
UNGEREIMTHEIT DER WOCHE (… fies bis böse)
 
 
KÖRPERLICHE ZÜCHTIGUNG – MIT WÜRDE VOLLZOGEN
 
Es wirkt schon reichlich angestaubt,
doch der Papst hat’s jetzt erlaubt:
Als Fachmann in Erziehungsfragen,
sagt er, man dürfe Kinder schlagen.
 
Allerdings, so meint er, soll
man dieses tun nur würdevoll.
 
Vor einer Züchtigung zieht man
zunächst einmal die Handschuh‘ an.
Während man ernste Miene trägt,
holt würdevoll man aus und schlägt.
 
Dem Kind, das einem schutzbefohlen,
kann man dann den Arsch versohlen.
 
Mir ist die Vorstellung ein Graus!
und ich sag‘ hierzu frei heraus:
Wer strafend Kinder schlägt, der ist:
a) würdelos und b) Sadist.

 

Montag

Danke an die Aufpasserinnen. Ich habe mal wieder vergessen, den Blog öffentlich zu machen.
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Heute haben
Karl Gutzkow * 1811
Patrick Hamilton * 1904
Siegfried Lenz * 1926
Hans Wollschläger * 1935
William Gibson * 1948
Geburtstag
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Heinrich Heine
Die Liebe begann im Monat März

Die Liebe begann im Monat März,
Wo mir erkrankte Sinn und Herz.
Doch als der Mai, der grüne, kam:
Ein Ende all mein Trauern nahm.

Es war am Nachmittag um Drei
Wohl auf der Moosbank der Einsiedelei,
Die hinter der Linde liegt versteckt,
Da hab ich ihr mein Herz entdeckt.

Die Blumen dufteten. Im Baum
Die Nachtigall sang, doch hörten wir kaum
Ein einziges Wort von ihrem Gesinge,
Wir hatten zu reden viel wichtige Dinge.

Wir schwuren uns Treue bis in den Tod.
Die Stunden schwanden, das Abendrot
Erlosch. Doch saßen wir lange Zeit
Und weinten in der Dunkelheit.
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Sonntag war wieder Lesetag. Endlich. So konnte ich das neue Buch von Toni Morrison lesen, das mit seinen 155 Seiten leicht zu schaffen sei; so dachte ich.

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Toni Morrison: „Heimkehr
Rowohlt Verlag € 18,95

In ihrem neuesten Roman führt die 83jährige Nobelpreisträgerin ihre Geschichtsschreibung der schwarzen Bevölkerung in den USA weiter. Noch nicht ganz in der Gegenwart angekommen (an diesem Roman arbeitet sie noch), nimmt sie sich Frank „Smart“ Money und seine Schwester zur Hand, um uns über den alltäglichen Rassismus in den USA des 20.Jahrhunderts zu erzählen. Dazu braucht sie keine 500 Seiten. Die ganze Grausamkeit, die Hilflosgkeit und den Hoffnungsschimmer verpackt sie in einen schnalen Band. Nicht viel länger als eine Erzählung und trotzdem voll mit Stoff, das mir manchmal die Spucke weggeblieben ist.
Drei Jungs aus dem rassistischen Höllenloch Lotus, Georgia, haben sich freiwillig nach Korea gemeldet. Zwei kehren nicht zurück, der dritte, Frank führt nach dem Krieg zunächst ein haltloses Vagabundendasein. Traumatisiert durch seine Kriegserlebnisse, bei denen er nicht nur Opfer, sondern auch Täter war, findet er sehr schlecht in die amerikanischen Gesellschaft zurück. Es beginnt damit, dass er aus einer psychiatrischen Anstalt ausbricht, in die er zwei Tage zuvor nach einer Schlägerei eingewiesen worden ist. Draußen, im tiefen Winter, spürt er nicht nur die Kälte des Eises und des Schnees, sondern auch die Kälte seiner Mitmenschen und den ungebrochen fortgesetzten Rassismus des weißen Amerika der fünfziger Jahre, aber auch die Selbsthilfeorganisationen der Schwarzen und deren Solidarität. Ausgebrochen ist er deshalb, weil er einen Brief erhalten hat, dass seine Schwetser Cee dringend Hilfe braucht und wenn er trödelt, ist sie wohl tot. Er begibt sich also auf eine lange Reise mit Bus und Zug zu ihr und würde dies alles nicht überleben, wären nicht immer wieder helfenden, schwarze Hände, die ihn mit Geld, Kleidung, Essen und überlebenswichtige Tipps versorgen würden. Er rettet seine Schwester und gemeinsam beziehen sie ihr Elternhaus wieder, das verwahrlost noch steht und an das sie keine besonders guten Erinnerungen haben.
Dies ist aber nur die Kurzform, damit ich Ihnen nicht zuviel erzähle. Es ist eine „Heimkehr“ für die beiden, die im Original „Home“ heisst. Also nicht direkt Heimkehr, sondern Zuhause, Heimat. Das, was die schwarze Bevölkerung nie erlebt hat. So sagt es Toni Morrison selbst in einem Interview mit „Der Welt“, das ich unten velinkt habe. Heimatlos und von einem tödlichen Rassismus bedroht, ist es schwer eine Art Heimat zu finden.
In diesem Roman hat mich beindruckt, dass sie die Schwarzen nicht nur als Opfer zeichnet, sondern ihre eigenen sehr strengen und harten Regeln beschreibt. Die allerdings nicht an die Unmenschlichkeit der Weissen heranreicht, die dadurch gezeigt wird, dass Toni Morrison einen Kampf zwischen zwei Männern beschreibt. Es sind Vater und Sohn, beide schwarz, die gezwungen werden mit dem Messer so lange gegeneinander zu kämpfen, bis einer von beiden tot ist. Um sie herum wetten die Weissen, betrinken sich und bedrohen beide mit dem Leben.
Ein engagierter Roman über das Widerstehen, die Würde des Menschen und die Kraft der Wahrheit.

Leseprobe

Interview in „Der Welt“
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Am kommenden Mittwoch ist es soweit.
Christoph Öhm stellt seinen neuen historischen Thriller vor.

Die Entführung
Mehr als zwanzig Jahre später, am 1. August 1778,
circa eine Stunde vor Mitternacht

Ich wachte wegen eines Geräusches auf, war aber nicht sicher, ob ich es nur geträumt hatte. Doch da war es wieder. Ein lautes Klopfen! Ich schüttelte mich, um munter zu werden, sprang aus dem Bett und spähte durchs Fenster. Draußen war es dunkel, tiefe Nacht. Unten vor dem Haus, vor der Tür unseres Tuchladens, erkannte ich einen Mann. Er blickte zu mir herauf, als ich mich hinausbeugte. Ich wollte ihn beschimpfen und verjagen, er musste einer jener Trunkenbolde sein, die sich regelmäßig nachts in der Tür irrten oder Ärger suchten. Der Mann rief zu mir hoch: »Sind Sie Herr David
Stark?« »Wer sind Sie, wer fragt dies?« »Ich habe einen Brief für Sie. Es ist dringend!« Entgegen meiner üblichen Vorsicht entschied ich, den Unbekannten zu dieser späten Stunde einzulassen. Etwas an seiner Redeweise, an seinem Tonfall erweckte ihn mir den Eindruck, dass er es ehrlich meinte und dass die Angelegenheit wichtig war. Als ich ihm die Ladentür, die zugleich unsere Haustür war, aufsperrte und ihn hereinbat, sah ich sogleich, dass er kein Herumtreiber war. Er war fein gekleidet, sein Haar trotz schwüler Sommernacht mit einem Dreispitz bedeckt, darunter Perücke mit französischem Zopf, der dunkle Gehrock und seine Beinkleider aus seidig glänzendem Stoff. Er zog aus
seinem Revers einen Umschlag und reichte ihn mir. »Bitte, Herr Stark, ein wichtiger Brief. Sie müssen ihn sofort lesen.« Er sprach eigentümlich, drückte sich aber gewählt aus, ich hatte diesen Dialekt jüngst bei Reisenden aus Berlin vernommen, die Halt in der Stadt gemacht hatten.

Dies ein weiterer Textschnipsel aus dem Buch „Der Schatz des Preussenkönigs“ des Wahl-Neu-Ulmer Autoren.

Buchpräsentation: Mittwoch, 19.3. um 19.30 Uhr.
Eintritt kosntenlos.

Dienstag

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Heute haben
Alexander Lange Kielland * 1849
Hedwig Courths-Maler * 1867
Nikos Kazantzakis * 1883
André Breton * 1896
Toni Morrison * 1931
Elke Erb * 1938
Hallgrimus Helgason * 1959
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Beziehungskomödien gibt es ja jede Menge und Filme mit Zeitreisenden, Reisen in die Zukunft und Vergangenheit, kennen wir auch einen ganzen Sack voll. Und doch erscheinen immer wieder liebenswerte Varianten. So zum Beispiel:

Zeit

Alles eine Frage der Zeit / About Time
Regie und Drehbuch Richard Curtis,
der auch u.a. „Nottinghill“ gemacht und das mit der Hochzeit und dem Begräbnis.
Mit Domhnall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy, u.a.
DVD € 14,99
Reservieren

Dem 21jährige Tim enthüllt sein Vater, dass alle männlichen Familienmitglieder in ihre Vergangenheit zurückreisen können. Zuerst druckst er natürlich sehr herum, da er weiss, dass das unglaublich erscheint. Dementsprechend reagiert auch Tim. Er solle es einfach versuchen. Er brauche einen dunklen Raum, einen Kleiderschrank, solle sich hineinstellen, die Augenschließen, die Fäuste nach unten strecken, ballen und sich stark an die Situation konzentrieren, wohin er will.
Mit kritischem Blick verschwindet Tim und tatsächlich es funktioniert. Es klappt zwar, seine Situation konnte er aber nicht verändern, nämlich seine Sommerliebe herumzukriegen. Aber bei Mary, in die er sich in einem Dunkelrestaurant verliebt, kann er diesen Trick anwenden, damit er zu Potte kommt. So verschindet er immer wieder mal kurz, taucht wieder in die gleiche Situation ein und kann sie retten. Manchmal auch nicht beim ersten Mal; dann muss er halt nochmals raus.
Dies muss er beachten:
1.Nur männliche Familienmitglieder können das.
2.Es gibt nur Reisen in die Vergangnheit.
3.Er kann nicht vor seine Geburt reisen.
4.Zeitreisen vor die Geburt des eigenen Kindes, sorgt dafür, dass ein anderes Kind geboren wird und das erste Kind verschwindet.
Also alles nicht so einfach. Und wenn er endlich an Mary herangekommen ist, will er seinem Vermieter helfen, der ein Theaterstück geschrieben hat. Der Premierenabend wird zur Katastrophe, da sein Hauptdarsteller einen kompletten Aussetzer hatte und keinen Ton mehr herausbekommen hat. Tim begibt sich auf eine Zeitreise, um das Stück zu retten, was ihm auch beim zweiten Anlauf gelingt. Gleichzeitig hat er aber seine Mary verloren, da diese Handlung zeitgleich verlief. Er hat keine Adresse, kein Telefon von ihr und lauert ihr wochenlang auf, bis er sie wieder trifft.Leider erkennt sie ihn (natürlich) nicht und stellt es sich heraus, dass sie seit ein paar Tagen einen Freund hat. Im Kaffehaus zieht Tim dem Liebespaar alleDaten aus der Nase, wo und wann sie sich getroffen haben, taucht dann als Zeitreisender 15 Minuten vor dem neuen Freund auf der Party auf und schleppt Mary mit sich.
Vielleicht ein wenig wirr erzählt, oder es hört sich zu sehr nach Klamotte an. Insgeesamt aber ein sehr schöner Unterhaltungsfilm, der gut gemacht ist, nicht mit Weltstars besetzt ist, dafür immer wieder mit neuen Wendungen aufwartert, da das Leben nicht so geradlinig verläuft und Tim in die Vergangenheit reist, um Dinge wieder in Ordnung zu bringen, was nicht immer klappt, oder zu noch mehr Verwirrung sorgt.
Ein Film zum Zurücklehnen und Genießen, wenn draußen der Sturm braust und der Regen gegen die Scheiben klatscht. So wie auch bei der Hochzeit von Mary und Tim.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=9UNtJAsDLaM]

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=T7A810duHvw]
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Mehr Fotos auf jastram.tumblr.com

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Für alle, denen Lisa Hannigan gefallen hat.
Hier ein Liedchen für einen grauen Tag.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=TvwJMa5b1Qg]