Dienstag, 5.Oktober


Heute haben
Paul Fleming * 1609
Denis Diderot * 1713
Kasimir Edschmid * 1890
Bing Xin * 1900
Magda Szabo * 1917
Václav Havel * 1936
Geburtstag
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Thomas Dietrich
unten ohne

Vom Schuh befreit sind meine Füße
in Wind und Wetter unbeschwert.
Kein Strumpf mehr drückt mit Gummirand
und dennoch unten ich nicht friere.

Im Frühjahr fragt die Nachbarschaft,
ob bald es wieder sei soweit.
Ich sag, es liegt am Bürgersteig,

auf dass die Wärme Wirkung zeig.
Und wenn es endlich ist die Zeit,
gibt unten ohne neue Kraft.

Wenn farbig ich sie mal lackiere,
die Zeh’n sind außer Rand und Band.
Ich find den Zustand lebenswert,
wenn barfuß ich die Welt begrüße.
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Unser Musiktipp:

Christian Krischkowsky: „End Of Melancholism“
Double Moon, 2021 € 20,00
Erhältlich bei uns im Buchladen

Portrait

Musik mit Tiefgang und Humor, gefühlvoll, wild, frisch, lebendig und überraschend – Das Quartet des Ulmer Schlagzeugers Christian Krischkowsky und seinen Berliner Teamkollegen Peter Ehwald (sax), Marc Schmolling(p),Roland Fidezius(b) bringt ein breites Gefühls- und Hörspektrum zum Ausdruck.

Nach „DIGITAL IMMIGRANT“ (nominiert für den Preis der deutschen Schallplattenkritik 4/16) ist das Quartet musikalisch noch näher zusammengerückt und veröffentlicht nun mit „THE END OF MELANCHOLISM“ (Doublemoon/Challenge international) ihr zweites Album.

In den expressionistisch anmutenden Kompositionen und Arrangements des Schlagzeugers vereinen sich spielerisch Jazztradition und Moderne. Kantig swingende Einflüsse von Thelonious Monk sind ebenso zu hören wie zeitgenössische, teils Hip Hop inspirierte Rhythmusgebilde oder eigenwillig interpretierte Popklassiker z.B. der Beatles. Alles mit dem ureigenen Ausdruck dieses Quartetts.

Bands, die von Schlagzeugern geleitet werden, sind nicht mehr so selten, wie sie einmal waren, aber immer noch eine halbwegs rare Angelegenheit. Das Quartett des Schlagzeugers Christian Krischkowsky legt mit »The End of Melancholism« bereits das zweite Album vor und verdeutlicht in neun Stücken, von denen sieben aus Krischkowskys Feder stammen, die Vorteile einer solchen Herangehensweise.

Der Opener muss gleichzeitig für den Titel des Albums herhalten und soll – das mag in Corona-Zeiten vielleicht ungewöhnlich erscheinen – für eine positive Herangehensweise stehen. All seine Energie kann Krischkowsky auch in kurzen Stücken wie dem dreiminütigen »The Unheard« ausdrücken. »Dabei ist das Stück eigentlich einfach strukturiert, wobei die Fünferstruktur für die meisten Ohren schon ungewöhnlich klingt.«

Zwei Cover haben es auf die CD geschafft: Da ist die rustikale Version von Thelonious Monks »I Mean You« – schon auf dem Vorgänger-Album »Digital Immigrant« wurde Monks »Evidence« gespielt -, aber auch der Beatles-Klassiker »Strawberry Fields Forever«, der in der Fassung des Christian Krischkowsky Quartet äußerst eigensinnig klingt.


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Sonntag, 10.Oktober 11 Uhr
vh Ulm, Club Orange
„Die erste Seite“
Wir stellen diese vierBücher vor:

Yaa Gyasi: Ein erhabenes Königreich
Daniela Krien: Der Brand

Hervé Le Tellier: Die Anomalie
Monika Helfer: Vati


Es liest Clemens Grote
Eintritt frei

Donnerstag, 25.März

Heute haben
Robert Frost * 1874
Tennessee Williams * 1911
Erica Jong * 1942
Patrick Süskind * 1949
Geburtstag
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Dieses Gedicht von Thomas Dietrich haben wir genau vor einem Jahr hier auf dem Blog veröffentlicht.

Thomas Dietrich
Hoffnung

Hoffnung ist ein großes Wort,
trägt mich in Gedanken fort.
Gerade jetzt, wo eins zwei drei
nichts mehr ist, wie es sonst sei.

Still auf Straßen ist das Leben.
Das hat es noch nie gegeben.
Draußen strahlt die liebe Sonne,
drinnen lebt sich’s wie ’ne Nonne.

Fastenzeit und Osternacht
wären sonst jetzt angebracht.
Frühlingsanfang, starkes Bier,
nichts davon erfreut mich hier.

Bücher helfen mir sehr gerne,
bringen fort mich in die Ferne,
wohin auch mein Geist nur strebt
und die Hoffnung neu belebt.
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Und heute kommt dieses Gedicht von ihm:

Ich möchte gern … zum Zweiten

Mal rauf, mal runter geh’n die wicht’gen Zahlen.
Und manchmal ist mir das schnurzpiepegal.
In diesem Jahr sind auch noch wicht’ge Wahlen.
Und wer die Wahl hat, hat dann auch die Qual.
Ich hätte nie gedacht, dass ich so könnte denken,
dass ich in allem sehe kaum mehr Sinn.
Ich weiß nicht, wer tut uns’re Schritte lenken,
und ob wir selber kriegen das noch hin.

Aber, ich möchte gern,
ich möchte gern an einer Theke sitzen
und Alkohol ausschwitzen.
Ich möchte gern,
ich möchte gern vom Barhocker fast fallen
und dabei fröhlich lallen,
und alle machen mit.
Dann wär’n wir wieder quitt.
Aber ich weiß, dass das nicht geht:
Zum Hoffen ist es nie zu spät!

Ich wollte eig’ntlich zu den Kindern fahren,
die ich ja eh schon viel zu selten seh‘.
Doch bleib daheim ich, die Idee zu wahren.
Meine Vernunft macht mir das Herze weh.
Ich bin betrübt und habe schlechte Laune.
Auch mit dem Impfen geht es nicht voran.
Dann koch ich was, worüber ich recht staune.
Und darob ich mich wieder freuen kann.

Aber ich möchte gern,
ich möchte gern mit Menschen einfach lachen,
verrückte Sachen machen.
Ich möchte gern,
ich möchte gern mal wieder herumreisen
und mit den Freunden speisen
in Hamburg oder Leer.
Danach ich mich verzehr.
Aber ich weiß, dass das nicht geht:
Zum Hoffen ist es nie zu spät!

Liedtitel immer noch ursprünglich „Die Dame von der alten Schule“
aus der Revue: „Es hat geklingelt“ (1932),
gesungen von Hilde Hildebrand
Text ursprünglich von Hans Hannes (Hans Heinz Zerlett)
Musik von Rudolf Nelson (1878 – 1960)

© Thomas Dietrich
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Das kam gestern Abend von unserem Verband:

Sehr geehrter Herr Wiltschek,

am heutigen Mittwoch, den 24. März, hat der VGH Mannheim einem Eilantrag eines Möbelhauses stattgegeben und §1c Absatz 2 der aktuellen CoronaVO des Landes Baden-Württemberg mit Wirkung vom 29. März 2021 wegen Verstoss gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz ausser Vollzug gesetzt. Es fehle an einem sachlichen Grund für die Ungleichbehandlung. 
Das Land hat nun bis Montag Zeit, den Gleichheitsverstoß entweder durch Aufhebung der Beschränkungen für den sonstigen Einzelhandel oder durch Anwendung der Einschränkungen auch auf den Buchhandel zu beseitigen. Die Pressemitteilung zur Entscheidung finden Sie hier

Was heisst das für die Buchhandlungen in Baden-Württemberg?

Spätestens ab Montag, den 29. März 2021, wird es eine Neuregelung des §1c Absatz 2 der CoronaVO geben müssen. In welche Richtung diese Neuregelung gehen wird, steht noch nicht fest. Es ist allerdings zu befürchten, dass auch für Buchhandlungen ab dann die inzidenz-abhängigen Möglichkeiten Click&Collect bzw Click&Meet gelten. 

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Und trotzdem, oder gerade deswegen, ein kleiner Buchtipp.
Gestern frisch ausgepackt:


Der schöne Augenblick
Geschichten und Gedichte über Glücksmomente
Herausgegeben von Clara Paul
Insel Taschenbuch € 10,00

„Nicht der Tage erinnert man sich“, heißt es bei Cesare Pavese, „sondern der Augenblicke.“
Und das tut gut, nach einem Jahr, das zum Vergessen war.
Ja, es sind die kleinen Momente des Glück, an die wir uns verinnern, auch wenn sich unser Gehirn anch Jahren immer mehr Streiche spielt. Egal. Die Erinnung bleibt.
Diese unvergesslichen Momente hat Clara Paul hier versammelt. Das tut gut.

Mit Geschichten und Gedichten u.a. von Rose Ausländer, Mircea Cărtărescu, Teju Cole, Emily Dickinson, Hermann Hesse, Alexander Kluge, Michael Krüger, Siegfried Lenz, Rainer Malkowski, Friederike Mayröcker, Cees Nooteboom, Rainer Maria Rilke, Antoine de Saint-Exupéry, Andrzej Stasiuk, Wisława Szymborska, Roger Willemsen und u.a. auch Marco Lodoli, auf dessen Spuren wir mehrfach durch Rom gewandert sind.

In der Leseprobe können gleich hineinschnuppern.

Mittwoch, 3.Februar

Heute haben
Annette Kolb * 1870
Gertrude Stein * 1874
Georg Trakl * 1887
Johannes Urzidil * 1896
Simone Weil * 1909
Andrzej Szczypiorski * 1928
Paul Auster * 1947
Henning Mankell * 1948
Geburtstag
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Ich möchte gern …

Bei uns im Lande gelten strenge Regeln.
Die machen Sinn. Wir halten uns daran.
Ein Virus tut ganz frei und wild rumsegeln,
macht, was es will, und tötet dann und wann.
Wir helfen uns und bleiben viel zuhause
und lesen, schreiben, kochen ziemlich viel.
Das alte Leben ist auf Dauerpause.
Denn „Unter Fünfzig!“ heißt das große Ziel.

Aber, ich möchte gern,
ich möchte gern mal einen Menschen drücken
ganz feste zum Entzücken.
Und ich möchte gern,
ich möchte gern den Menschen nicht loslassen,
dass jeder denkt, die Tassen
hat der nicht mehr im Schrank.
Na bitte, Gott sei Dank!
Aber ich weiß, dass es nicht geht.
Das Fünkchen Hoffnung nie vergeht!

Bei mir zuhause kann ich wild rumfläzen.
Ich leb‘ allein und keiner sich dran stört.
Es kommt auch niemand, nicht einmal ein Mäzen,
der nur des Reimes hier jetzt hingehört.
Doch auf die Dauer ist das ja kein Zustand.
Es geht nicht alles über Resilienz.
Die Lösung ist ganz einfach wie ein Glückspfand
und lautet drum in aller Konsequenz:

Aber, ich möchte gern,
ich möchte gern es wieder richtig wissen
und einen Menschen küssen.
Ich möchte gern,
ich möchte gern den Menschen endlos spüren
und mich dabei verlieren.
Pfui Deibel, wär das schön,
mein Glück dabei zu seh’n.
Aber ich weiß, dass das nicht geht.
Das Fünkchen Hoffnung nie vergeht!

Liedtitel ursprünglich „Die Dame von der alten Schule“ aus der Revue: „Es hat geklingelt“ (1932),
gesungen von Hilde Hildebrand
Text ursprünglich von Hans Hannes (Hans Heinz Zerlett)

Musik von Rudolf Nelson (1878 – 1960)

© Thomas Dietrich
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Was für ein großes Vergnügen bei diesem grauen Wetter.

„The Gentlemen“
Regie:Guy Ritchie
Darsteller:Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Henry Golding, Michelle Dockery, Jeremy Strong, Eddie Marsan, Colin Farrell, Hugh Grant, Tom Wu

Eine bitterböse Gangsterkomödie, wie sie nur Guy Ritchie hinbekommt. Seine Art, Filme zu machen, sind einzigartig. Mit seinen Einschüben, Rückblicken und Parallelgeschichten, legt er uns eins ums andere Mal rein. So ergeht es auch den diversen Drogenbossen und Gangstern. Jeder betrügt jeden. Und wer zu weit geht, lebt nicht mehr lange.
Gab es bei „Bube, Dame, Gras“ einen Hackebeil-Harry, bei „snatch“ Four Fingers, so heisst hier ein chinesischer Emporkömmling, der alles haben will, Dry Eye. Da bleibt keine Auge trocken.
Es geht mal wieder um viel Geld. Sehr viel Geld und jede Menge Marihuana.
Mickey Pearsen möchte sich zur Ruhe setzen und sein Vermögen mit seiner Frau genießen. Aber wem kann er seine Gras-Farmen verkaufen? (Allein, wo und wie er das Gras anbaut, ist genial). Somit beginnt der Schlamassel.
Ein großer Spaß mit Hugh Grant in der Rolle eines schmierigen Journalisten. Super!

Mittwoch, 13.Januar

Lock-Down II

Schon seit Wochen ist es still,
das Virus es so will.
Weil Politiker es wollen,
dass wir brav daheim sein sollen.

Um die Zahlen rasch zu senken,
tat der Staat mal wieder lenken
und verbot gar viele Dinge,
deren G’fahr wohl war geringe.

Die Kultur wurd‘ lahmgelegt,
was die Zahlen nicht bewegt.
Hudriwudrihopsasa,
schon sind neue Regeln da.

Und all die, die nachgedacht,
wurden einfach zugemacht.
Puff, Theater, Muckibude,
alles gleich, staunt selbst der Lude.

Heute hü und morgen hott,
Hauptsache, es geht recht flott.
Was dabei bleibt auf den Strecken,
lässt sich später auch noch checken.

Dass Kultur ein Lebens-Gut,
jeder Dödel sagen tut,
wenn er steht im Rampenlicht.
Aber glauben tut er’s nicht.

Darum auf, mit Konsequenz
stärkt die eig’ne Resilienz.
Singet, schreibet, musiziert,
dass die Kunst bleibt animiert!

© Thomas Dietrich
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Gestern frisch ausgepackt:


Maxim Leo: „Wo wir zu Hause sind
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 12,00

Ein großartiger Roman, jetzt als Taschenbuch.
Maxim Leo erzählt die Geschichte seiner jüdischen Familie, die in Berlin gelebt hat, von dort geflüchtet ist und auf der ganzen Welt verstreut lebt.
Auf die Idee, an Hand von drei Frauenbiografien diese Geschichte zu erzählen, kam ihm, als sein israelischer Neffe nach Berlin ziehen und dort studieren will. Genau in diese Stadt, aus der in den 30er Jahren die Familie geflohen ist.
Stark erzählt und sehr versöhnlich, in einem flotten Ton geschrieben.

Dienstag, 22.September

Heute haben
Theodor Körner * 1791
Rosemunde Pilcher * 1924
Fay Weldon * 1931
Lutz Rathenow * 1952
Peter Prange * 1955
Geburtstag.
Aber auch Hans Scholl (Weiße Rose)
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Wie gehts weiter?

Die Zeit eilt vorbei.
Wie gehts weiter?
Die Uhr läuft schon ab.
Wie gehts weiter?

Rauf und runter geh’n die Zahlen
so wie manchmal auch vor Wahlen.
Heute ist ein Brennpunkt hier,
morgen ganz weit weg von mir.

So geht es nun schon seit Wochen,
die zum Herbst vorangekrochen.
Kein Verantwortlicher will sagen,
wie was wird. Und bloß nicht fragen.

Dennoch ist kaum etwas klar.
Wird es je so, wie es war?
Ein Gedanke lugt dahinter:
Kommen wir gut durch den Winter?

Und jetzt sagt mir nur:
Wie gehts weiter?
Verstellt Ihr die Uhr?
Wie gehts weiter?

A hat B etwas gesagt,
aber D noch nicht gefragt.
C wurde dabei vergessen,
E und F sind aufgesessen.

Heute soll nun dieses gelten,
wofür morgen man wird schelten.
Hin und her geht es fast täglich,
und das find ich unerträglich.

Es gibt leider keine Klarheit
und auch keine letzte Wahrheit.
Und wir werden weiterleben
und uns dabei nicht aufgeben.

Bitte, sagt mir,
Ich wills wissen:
Wie gehts weiter
Für mich?
Sagt, wie?

© Thomas Dietrich
© Fred Ebb | Robert Gilbert
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Lang Lang: Johann Sebastian Bach
Goldberg-Variationen

BWV 988
Deutsche Grammophon 2 CDs € 19,99 (Studioaufnahme)
4 CDS € 33,99 (Studio- und Live-Aufnahme)

„Die Goldberg-Variationen aufzunehmen war ein Lebenstraum. Ich arbeite schon seit über 20 Jahren an dem Werk, habe es als 17-Jähriger Christoph Eschenbach und einige Jahre später Nikolaus Harnoncourt vorgespielt. Damals habe ich auf Harnoncourts privatem Cembalo gespielt, unter anderem die Variationen 13 und 25 und die Arie. Wir haben über die Einsamkeit des Musikerlebens gesprochen und über musikalische Stimmung. Er sagte: »Du spielst sehr schön, aber es klingt nicht einsam genug. Du ruhst nicht genug in dir selbst.« Er spielte mir ein paar Stellen vor – und das eröffnete mir ganz neue Dimensionen und Zugänge zu Bach.“
(Lang Lang zu seiner Einspielung)

Wir alle kennen die Goldberg-Variationen und der Name Glenn Gould ist mit seinen zwei Aufnahmen sehr damit verknüpft. Jetzt kam Lang Langs Einspielung heraus und die Fachwelt ist voll des Lobes. Interessant ist wirklich, dass Lang Lang sowohl eine Studio- und eine Live-Aufnahme gemeinsam herausbringt. Er spricht darüber, wie unterschiedlich sich das für ihn fühlt und anhört, dass die Aufnahme in der Thomaskirche in Leipzig nicht ganz astrein gespielt ist, aber dafür im zweiten Teil viel lockerer und emotionaler. Das ist auf dem Video auch zu sehen, als ihm in der letzten Variation die Tränen herunterlaufen.

Hier geht es zum Video auf der ZDF-Mediathek, auf der wir den Pianisten auf seinem Weg zu seiner Interpretation eine Stunde begleiten können:

https://www.zdf.de/kultur/musik-und-theater/lang-langs-goldberg-variationen-104.html

Freitag, 19.Juni

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Heute haben
Friedrich Theodor Vischer * 1807
Czeslaw Milosz * 1911 (Nobelpreis 1980)
Philippe Jacottet * 1925
Assia Djebar * 1936
Otto Sander * 1941
Juli Zeh * 1974
Geburtstag
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Stimmungen

– ein Akrostichon –

Keiner weiß mehr, was genau.
Unsicher, ob ich mich trau.
Lausche Sachen, täglich neu.
Tue viel, mir selber treu.

Ulmer hier, Neu-Ulmer da.
Regional und manch Trara.
Bleib zu Hause oder nicht.
Und ich schreibe ein Gedicht.

Chaosgleich manch neuen Regeln
Hektisch auf uns niedersegeln.
Auch dem Staat sei zugestanden,
Neu ist alles, nichts vorhanden.

Drohung hier und Öffnung da.
Leben, wie noch nie es war.
Unsre Welt im Virus g’fangen.
Nervig wir um Rettung bangen.

Ganz gemütlich bleibt nur lesen.
Jederzeit ist’s so gewesen.
Abenteuer, neue Sachen
Staunend uns und glücklich machen.

Träumen fort in and’re Welten.
Rabulisten dort nichts gelten.
Alles dies und mehr ich suche
Morgen dann im nächsten Buche!

© Thomas Dietrich

DANKE
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Sie sind eingetroffen. Die neuen Jahreskalender von Leuchtturm. In verschiedenen Größen, broschiert oder gebunden, viele Farben und Kalenderaufteilungen.
Dazu gibt es ganz neu Drehkugelschreiber von Leuchtturm in unterschiedlichen Farben.

LeuchtturmKaweko

Die Buchkalender kosten € 24,95
Die Kugelschreiber € 19,95

 

Samstag, 30.Mai

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Pfingsten

„Komm, Du Schöpfer, Heil’ger Geist!“
Was auch immer das jetzt heißt.
Regelst Du all die Gedanken
und weist sie auch mal in Schranken?

Sie sind rätselhaft und frei,
schattengleich zieh’n sie vorbei.
Manchmal wirr und manchmal klar
scheint mir vieles sonderbar.

Schreib Geschichten für mein Mädchen,
das nicht wohnt in diesem Städtchen.
Schicke sie dann auf Postkarten,
die sie freudig tut erwarten.

Home-Schooling betreibt mein Sohn.
Aber bringt das reichen Lohn?
Alle wollen wieder spielen,
miteinander und mit Vielen.

Doch es bleibt nichts außer Warten,
dass auf Schul‘ und Kindergarten,
dass die Welt sei wieder frei –
und ’ne bess’re gleich dabei!

Und auch ich will wieder schaffen,
was die Leute tun begaffen,
wenn sie ins Theater gehen –
wenn es gibt dort was zu sehen.

Wer hilft uns in diesen Nöten,
vor dem Virus, das kann töten?
Darum noch einmal zum Schluß
„Veni, creator spiritus!“

© Thomas Dietrich

Mittwoch, 20.Mai

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Heute haben
Alexander Pope * 1688
Honoré de Balzac * 1799
Gabriele Wohmann * 1932
Peter von Matt * 1937
Urs Widmer * 1938
Geburtstag
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Abstand und Anstand

Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘,
schließe beide Äuglein zu,
doch ich schlafe nicht gleich ein,
denn mein Kopf sagt: „Noch nicht! Nein!“

Die Gedanken kreisen wild,
und es schiebt sich Bild um Bild
in mir rum zu dem, was ist,
Pandemie und all dem Mist.

Abstand halten, noch und nöcher.
Und kein Pfeil in Amors Köcher.
Der Protest und die Idioten
von den Rechten zu den Roten.

Wirren hier und dort, verschwurbelt.
Auch mit Sagrotan wer gurgelt.
Die Trommel gerühret, das Pfeifchen gespielt.
Manch Protest aufs Richt’ge zielt.

Wozu Covid-Schutz erwerben,
wenn die Alten eh bald sterben?
Ist das die Welt für Dich, mein Sohn,
wenn ohne Anstand gellt der Ton?

Augen zu, noch immer nicht,
also mach‘ ich wieder Licht.
Himmelhochjauchzend, zu Tode vermiest,
glücklich allein ist die Seele, die liest …

© Thomas Dietrich, mit Hilfe von Hansjörg Hack
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978-3-15-014053-6

Nikil Mukerji und Adriano Mannino:
„Covid-19: Was in der Krise zählt“

Über Philosophie in Echtzeit
Aus der Reihe: Was beduetet das alles?
Reclam Verlag € 6,00

Wir stecken immer noch mitten in der Corona Pandemie, obwohl es in der Innenstadt oft nicht danach aussieht. Wie gehen wir alle mit dieser Situation um? Mit Anstand und Abstand?, wie Thomas Dietrich gedichtet hat, ist sicher die beste Methode.
Aber lassen sich jetzt schon philosophische Methoden auf diese Krise anwenden? Können Philosophen sich in Echtzeit einmischen und aufklären?
Die beiden Autoren dieses Buch wagen einen Ausblick. Analytisch, unaufgeregt und mit einem Blick aufs Ganze klären sie auf, zeigen verschiedene Denkfehler auf. Ein Abwägen der Risiken gibt es in jeder Krise, in jeder Katastrophe. Wie gehe ich mit Prävention um? Brauche ich solche Maßnahmen, wenn die Chance eines großen Unfalls auch noch so gering ist? Was passiert, wenn ich im Vorfeld einer Krise zu spät handle und mich nicht mit anderen Nationen vernetze?
Wie treffe ich für mich Entscheidungen, wenn die Meinungen von Experten diametral sind? Was steckt hinter Verschwörungstheorien und wie kann ich dagegen argumentieren?
Die Autoren schauen aber auch über den Corona-Tellerrand und schreiben u.a. über unser Verhalten zur Klimakatastrophe, die unweigerlich im Anrollen ist.
Ein interessantes Buch, das sowohl die Gegenwart (in Echtzeit) betrachtet, als auch aufzeigt, was in der Vergangenheit für Fehler gemacht worden sind und was wir daraus in der Zukunft lernen können.

Leseprobe

Nikil Mukerji ist Philosoph und Ökonom sowie Geschäftsführer des Studiengangs »Philosophie Politik Wirtschaft« an der Universität München.

Adriano Mannino ist Philosoph und Sozialunternehmer. Er leitet das Solon Center for Policy Innovation der Parmenides Stiftung in München-Pullach.

Beide sind Mitglieder einer interdisziplinären Forschungsgruppe, die Strategien zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie und anderen Katastrophenrisiken entwickelt.

Dienstag, 12.Mai

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Heute haben
Werner Bräuning * 1934
und Eva Demski * 1944
Geburtstag
und Helene Weigel, Katherine Hepburn, Joseph Beuys.
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Thomas Dietrich
Der Single

Ach, das Spüren fremder Haut,
wohlig ist es mir vertraut
beim Umarmen, Wangenkuss,
Händeschütteln – ein Genuss!

Alles das ist uns Kultur,
zollt Respekt, und das nicht nur.
Denn so manchmal ohnehin
steckt ein Hauch Erotik drin.

Doch seit Wochen, nämlich acht,
bin darum ich ganz gebracht.
Denn’s Berühren mit den Pfoten
der Figüren ist verboten.

Ich bin Single, leb‘ alleine.
Und darob ich auch nicht weine.
Denn es waren wunderbare,
diese vielen schönen Jahre.

Doch in dieser neuen Zeit
spüre manchmal ich nun Neid
auf Familien und auf Paare,
die zusammen ich gewahre,

die sich fassen, lassen, küssen,
ohne Angst haben zu müssen.
Mir bleibt dann die Flucht zum Buch,
wo der Haptik meist genuch …
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9783407754752

Hans-Christian Schmidt / Ill.: Andres Német:
„Hunger! Käpt’n Piet hat Appetit“
Beltz&Gelberg Verlag € 13,95
Kleinformatiges Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren

Käpt’n Piet hat richtig großen Hunger! Der kleinen Schiffsmaus und dem einäugigen Papagei geht es genauso. Sie haben ein Loch im Bauch. Also nix wie rein in die Kombüse und schauen, was es alles gibt. Zuerst kommt das Brot aufs Brett. Dann etwas Fett und Gaudakäse. Aber was reimt sich auf Käse? Ja klar Majonaise. Danach Schinckenspeck und äh? Ein Ketchupfleck. Es folgenZuckermais und Himbeereis. Das Brot wird immer dicker und höher, weil auch noch Chicorée und Beuteltee draufkommen. Nach den Pastinaken kommt was vom Angelhaken. Nämlich ein Tiefseekraken und ein Wal und ein Zitteral. Aber das ist längst nicht alles. Als das belegte Brot dann meterhoch ist kommen noch Pfeffer und Gewürze drauf. Fertig!
Danach liegt Käpt’n Piet pappsatt und zufrieden in seiner Hängematte.

Aaaah, was für ein Spaß. Ein wahrer Leseschmaus für Alle!

Leseprobe

Donnerstag, 30.April

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Heute haben
Fritz von Herzmanovsky-Orlando * 1877
Jaroslav Hasek * 1883
Luise Rinser * 1911
Ulla Hahn * 1946
Geburtstag
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Thomas Dietrich
Maskenball

„Masken kommen vors Gesicht!“,
heißt die neue Bürgerpflicht.
Schützen so vor bösen Viren,
weshalb wir uns auch nicht zieren.

„Das ist neu und ungewohnt.“,
manch ein Bürger flugs betont.
„Und mit Brille macht´s Beschwerden,
wenn die Gläser neblig werden.“

Leute, hört jetzt auf zu stöhnen,
und tut einfach Euch gewöhnen.
Doch nur drinnen, rät der Richter.
Draußen zeigen wir Gesichter.

Klinisch grün muss es nicht sein.
Farbe bringt mehr Freude rein.
Bunt und lustig, schrill und laut,
sowas traget auf der Haut.

Phantasie und tolle Muster
machen auch das Hirn robuster.
Nehmt dem Trübsinn seine Kraft,
Heiterkeit mehr Mut uns schafft.

Darum greift zum schönen Tuch,
lest auch wieder mal ein Buch,
und trotz alldem bleibet heiter:
So nur geht das Leben weiter!

© Thomas Dietrich
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Dorthe Nors: „Die Sonne hat Gesellschaft“
Aus dem Dänischen von Frank Zuber
Kein & Aber Verlag € 20,00

„I would love people to be entertained, to love and to cry with these stories!“
Dorthe Nors

Dieses Zitat setzte ich 2015 (Jastram Blog Januar 2015) vor die Besprechung ihres letzten Erzählbandes. Fünf Jahre sind ins Land gezogen, im Moment ist so vieles anders – die Erzählungen von Dorthe Nors sind immer noch unglaublich gut.

„Es ist immer möglich, sich ein Stück weiter zurückzuziehen“,
steht diese Mal als Motto vor den Texten.
Gerade in den letzten Wochen haben wir im Buchladen gemerkt, wie wichtig vielen Menschen Bücher sind. Unsere Zeit wurde entschleunigt. Nicht freiwillig. Unsere abendlichen Aktivitäten wurde auf null heruntergefahren. Dieser oben erwähnte Rückzug traf voll unseren Alltag.
Dorthe Nors schreibt diesen Alltag, die Besonderheiten bestimmter Situationen auf. Wie ein „Handkantenschlag“ (so der Titel ihres letzten Buches) treffen uns diese kurzen Erzählungen, in der, in „Auf einem Hochstand“, ein Mann vor seiner Frau flieht, da er jeden Streit mit ihr verliert. Nass, verfroren und mit einem verletzten Fußgelenk sitzt er auf einem Hochstand, denk die ganze Zeit darüber nach, wie seine Frau sich Sorgen um ihn macht und wie Wölfe unter ihm lauern.
Mit „Es war nur eine Frage der Zeit“ beginnt die Erzählung und endet mit „Nebel ist aufgezogen, es wird eine kalte Nacht, und jemand hat Wölfe gesehen.“
Kleinste Episoden aus verschiedenen Biografien verpackt die Autorin zu messerscharfen Betrachtungen und komprimiert sie zu extrem guten Short Stories. In den USA erntet sie seit Jahren höchstes Lob, ihre Texte werden im New Yorker abgedruckt. Hier im deutschsprachigen Raum tut sie sich deutlich schwerer. Schade.