Donnerstag, 17.September

Heute haben
Karl Wolfskehl * 1869
William Carlos Williams * 1883
Hugo Hartung * 1902
Frank O’Connor * 1903
Horst Krüger * 1919
Karin Reschke * 1940
Geburtstag
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Eduard Mörike

Die Sophisten und die Pfaffen
stritten sich mit viel Geschrei:
Was hat Gott zuerst erschaffen
wohl die H
enne, wohl das Ei?
Wäre das so schwer zu lösen?
Erstlich ward das Ei erdacht,
doch, weil noch kein Huhn gewesen,
Schatz, so hat’s der Has’ gebracht. ____________________________________________________________________

Karl Newson / Kate Hindley: „Ich bin fast genau wie du“
Aus dem Englischen von Ebi Naumann genial in deutsche Versform gebraucht
Thienemann Verlag € 13,00
Bilderbuch ab 3 Jahren

Endlich mal wieder ein großer Spaß, ein witziges, kluges Buch.
Die Helden in diesem Bilderbuch (immer ein Kind und ein Tier) sind ganz unterschiedlich: Manche sind groß, manche sind klein. Manche sind leise, andere laut. Aber es gibt Dinge, die sie alle gemeinsam haben: Alle spielen gern, machen ab und zu Unsinn und brauchen zum Einschlafen Geborgenheit und eine Gute-Nacht-Geschichte. 
Es geht mal laut zu und tief ins Wasser, es regnet und es ist kalt. Verstecken spielen vor einer schwarzweissen Tapete mit einem Zebra ist schwierig und eine Krokodilzahnärztin mit so vielen Zähnen ist schon beeindruckend. Am Ende aber sind wir doch alle gleich, trotz unserer Unterschiede.
Same same but different.
Besser als in diesem Bilderbuch kann es nicht ausgedrückt werden.

https://www.youtube.com/watch?v=8Din-6hL8Ys
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Freitag, 3.März

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Heute haben
Gudrun Pausewang * 1928
Josef Winkler * 1953
Nicholas Shakespeare * 1957
Isabel Abedi * 1967
Geburtstag.
Aber auch Jan Garbarek, Miriam Makeba, Antonio Vivaldi und Gesine Cresspahl, die von D.E. einen handgeschriebenen Brief bekommt.

„Du sollst nicht mich heiraten, du sollst mit mir leben. Von Sollen sprichst du; ich meinte Wünschen.“
aus: Uwe Johnson: Jahrestage
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Heute im Gedichtekalender:

Hermann Plagge
Vorstadtabend

An jedem Abend steigt die Riesenwelle
der Lichtflut auf und wirft die Blinkerkämme
rauschend gegen die nachtgefugten Dämme
der Dunkelheit und droht mit großer Helle.

Bisweilen flieht in das gedehnte Land
ein Stadtbahnzug, der atemlos sich rettet
und Baum an Baum mit seinem Licht verkettet,
und ferne schmal wird wie ein Ordensband.

Die Nacht wächst blau herauf an allen Enden.
Die Sterne frieren, hoch und dünn gestrählt,
Orion, gierig, mit den goldenen Händen

hascht nach dem Mond, der unten sich gequält
heraufwürgt aus der Weltstadt Riesenlenden
wie eine Frucht, groß, blank und abgeschält.
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Claudia Wiltschek empfiehlt:

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Davide Morosinotto: „Die Mississippi Bande
Übersetzt von Cornelia Panzacchi
Thienemann Verlag € 14.99
Jugendbuch ab 12 Jahren

Endlich mal wieder ein Buch mit dem wir die Jungs (die Mädels natürlich genauso)
begeistern können.

Im Jahr 1904 angeln unsere vier Helden (das sind: Te Trois (der dritte in der Familie),
Eddie, Tit und Julie) bei ihren verbotenen Ausflügen in die Sümpfe, statt des erhofften Fisches eine alte Dose. Sie überlegen, was sie mit den darin enthaltenen drei Dollar (damals eine Menge Geld) kaufen könnten und durchblättern den viel geliebten Verandhauskatalog der Firma Walker & Dawn. Es wird sich für Kauf einer Pistole entschieden, die natürlich nur auf Umwegen bestellt werden kann. Als das Paket tatsächlich endlich, nach langem ungeduldigen Warten, ankommt, ist die Enttäuschung groß: Nur eine alte kaputte Uhr liegt da im heiß ersehnten Päckchen.
Aber diese Uhr ist der Beginn eines tollen Abenteuers, denn diese Uhr scheint der Schlüssel zu einem schon länger ungelösten Kriminalfall zu sein. Das merken die Kinder aber erst spät, fast zu spät, nachdem sie sich auf eine abenteuerliche Reise aufgemacht haben, von der sie abwechselnd berichten.

Ich stellte mich breitbeinig hin, packte die Angelrute ganz fest und holte die Schnur ein. Ich machte mich auf eine langen Kampf gefasst, denn was so zog, konnte nur ein riesiger Wels sein, der größte Wels, der in diesem Teil des Bayou jemals gefangen worden war. Doch da irrte ich mich. Gleich beim ersten Ruck kamen Köder und Angelhacken los und am Haken hing kein Fisch, sondern eine schlammige, durchlöcherte Dose.
„Bäh! Es ist eine Tomatensuppendose, schmeiß sie weg!“, meinte Eddie.
„Dummkopf, wir können die Dose gut gebrauchen. Wir machen eine Laterne draus, für unsrer Hütte“, widersprach Julie.
Die beiden waren dabei, in einen richtigen Streit zu geraten, da murmelte Tit etwas, streckte die Hand aus und ergriff die Dose. Die Dose klirrte.
„Hey, zeig mal her!“, sagte ich.
Ich nahm Tit die Dose ab und kippte ihren Inhalt auf den Boden des Einbaums. Es kamen Wasser und Schlamm heraus. Und drei Münzen. Drei Dollarmünzen, die in dem Sonnenfleck auf dem Boden des Einbaums glänzten.
„Drei Dollar“!, flüsterte Eddie und beugte sich vor, um sie aufzuheben.

Toll sind auch die alten Bilder, die die Geschichte begleiten, die doch immer eine andere Wendung nimmt und die Kinder (deren Alter wir nie erfahren) von einer brenzligen Situation in die nächste geraten lässt.
Spannung und Spaß bis zur letzten Seite.

Leseprobe

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Foto: Tamara Casula

Davide Morosinotto wurde 1980 in Norditalien geboren. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte, die auf der Auswahlliste des renommierten italienischen Literaturpreises „Premio Campiello“ stand. Seitdem hat er über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, für die er zahlreiche Preise erhalten hat. Davide Morosinotto lebt als Autor, Journalist und Übersetzer in Bologna.

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Hier geht es zum Gewinnspiel

Montag

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Heute haben
Friedrich Arnold Brockhaus * 1772
Amos Oz * 1939
Graham Swift * 1949
Geburtstag

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Wie jede Woche, wollen wir auch heute mit Ungereimtheiten von Werner Färber starten:

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE
(Ungereimtheiten aus der Tierwelt)

SCHWALBE – ZU FRÜH CCLCXXVIII

Es fliegt im Mai eine Schwalbe
– man fragt sich im Grunde, warum –
so ungefähr um die halbe
Welt mit andern Schwalben herum.
In den Norden sieht man sie ziehen,
wo’s dann bei der Ankunft noch schneit.
Bald sieht man sie wieder fliehen –
denn noch ist der Sommer sehr weit.

UNGEREIMTHEIT DER WOCHE
(aus: WER MORDET SCHON IN ULM, UM ULM UND UM ULM HERUM –
11 mörderische Geschichten, 11 fiese Gedichte und 125 Freizeittipps s.u.)

GELEGENHEITSMAURER

Gar heftig ist des Paares Streit
darüber, ob der offene Kamin
wird stillgelegt für alle Zeit,
oder ob man noch nutze ihn.

Er möcht’ die Funktion erhalten,
um mit einem schönen Feuer
sich zu wärmen in der kalten
Zeit mit Holz, welches nicht teuer.

Sie jedoch will Dreck vermeiden,
den Staub und auch die viele Asche.
Also zanken sich die beiden,
bis er wütend greift die Flasche.

Warum hat sie, denkt er betreten,
im Gesicht noch immer rot,
den Standpunkt gar so fest vertreten?
Nun liegt sie vor ihm, mausetot.

Nach angemessenem Bedauern,
dass er sie tödlich hat verletzt,
will er den Kamin vermauern,
weil’s ihr so wichtig bis zuletzt.

So mörtelt er bald Stein auf Stein,
lässt dabei die Frau verschwinden.
Mit Sorgfalt mauert er sie ein.
Schließlich soll sie keiner finden.
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Bobbie Pyron: „Plötzlich Glückspilz“
Aus dem Amerikanischen von Gerda Bean
Thienemann Verlag € 12,99
als eBook € 9,99
Kinderbuch ab 10 Jahren

Beginnen wir doch gleich mit dem Motto des Buches, das von einem Ulmer stammt:

„Es gibt zwei Arten, sein Leben zu leben:
Entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder
so, als wäre alles eines.“
Albert Einstein

Ein Wunder ist es schon, was hier beschrieben wird.
Aber dazu komme ich gleich, denn der elfjährige Nate könnte ein Wunder gut gebrauchen. Er hat das Pech gepachtet. Es haftet ihm an und er wird es nicht mehr los. Mit vier Jahren verliert er seine Eltern bei einem Autounfall und lebt seitdem bei seinem fürsorglichen Großvater. Sie wohnen in einem winzigen Küstendorf in den USA und der Grossvater schlägt sich mehr schlecht als recht mit Fischfang durch. Manchmal nimmt er Angler mit raus und verdient somit ihren gemeinsamen Unterhalt. Nantes Hund wurde bei einem Wirbelsturm weggefegt und alles, was er sonst noch anpackt misslingt. Der Toaster produziert nur schwarze, verkohlte Brote. In der Schule ist der Aussenseiter, da niemand mit so einem Tollpatsch zutun haben will. Immer an seiner Seite die intelligente und anstrengend alleswissenende Gen(esis), die immer versucht ihn trotz seiner Missgeschickte zu Unternehmungen mitzunehmen. Sie ist u.a. eine große Kämpferin für die Seeschildkröten, die einmal im Jahr am Strand des Dorfes ihre Eier legen.
An einem sonnigen Tag gehen die beiden zum Minigolfspielen und Nate ist klar, dass es ein Desaster werden wird. Als dann auch noch Mitschüler auf einer anderen Bahn unterwegs sind, ist der Ofen komplett aus. Sie amüsieren sich herrlich, weil Nate alle Bälle versemmelt. An diesem wolkenlosen Tag knallt ein Blitz vom Himmel und trifft Nate, dessen Minigolfschläger als Blitzableiter dient. Er wacht im Krankenhaus auf, ist einigermaßen fit und hat den Griff des Schlägers in seine Haut eingebrannt. Ab diesem Moment wird aus Pech Glück und es gelingt ihm alles, was er unternimmt, was er anfasst. sogar der Toaster produziert perfekte Scheiben fürs Frühstück. Als er bei einem Baseballspiel einen fast unhaltbaren Ball fängt und kurz danach seinen ersten Homerun hinlegt, ist er der gefeierte Star der Klasse, der ganzen Schule.
Die Autorin Bobbie Pyron erzählt in einem sehr witzigen Ton die Geschichte dieses Wunderknaben, wobei hinter ihrer humorvollen Erzählweise eine große Portion Ernstaftigkeit steckt. Was passiert, wenn jemand plötzlich der Liebling der Schule wird, wo er doch vorher nur Gen hatte, die zwar oft nervt, aber trotzdem immer da ist? Wie verändere ich mich, wenn plötzlich alles zu Gold wird? So geht es auch Nate. Er wendet sich langsam von Gen ab und geht mit seinen Kumpels zum Baseballspielen. Gen bleibt zurück und hat nun noch weniger Unterstützung im Kampf für ihre Schildkröten. Bobbie Pyron lässt noch einen Blitz vom Himmel krachen und es zeigt sich, wer wirkliche Freunde sind und was wichtig im Leben ist. Heiter und humorvoll schauen wir hinter die Kulissen der kleinen Dorfgemeinschaft und können auch Schlüsse für unser Leben, für unsere Verhaltensweisen ziehen.
Ich denke, dass die Angabe „ab 10 Jahre“ prima passt und wer ein heiteres, ernsthaftes (nicht unbedingt sehr spannendes) Buch lesen will, ist hier wirklich bestens aufgehoben. Und: die Blitzeinschläge sind zwar sehr unwahrscheinlich, passen aber genau in diesen Rahmen.

Leseprobe
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Morgen, Dienstag 5.Mai stellen wir 19 Uhr wieder vier neue Romane vor.
Es liest, wie immer Clemens Grote
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Nachtrag zum Buchtipp: „Gone Girl“ von letzter Woche.
Darin kommt eine Bar vor, die Nick Dunne mit seiner Schwester führt.
Er nennt sie „The Bar„.
Am selben Tag, als ich den Eintrag geschrieben habe, wurde am Nachbarhaus folgende Aufschrift angebracht.

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Passt!

Mehr Fotos finden Sie unter:
Jastram.tumblr.com und Wiebuecherleben.tumblr.com
Viel Vergnügen.