Mittwoch, 10.April


Heute haben
Alfred Kubin * 1877
Stefan Heym * 1913
Claudio Magris * 1939
Geburtstag
____________________________________

„Wenn du malen willst, male. Es ist besser als Klavier spielen. Es ist nicht so laut.“
Stefan Heym
_____________________________________

Unser Buchtipp:


Stefan Hertmans: „Die Suche nach der Gegenwart
Essays für eine Zeit der Übergänge
Aus dem Niederländischen von Ira Wilhelm
Diogenes Tapir € 26,00

Nachdem wir vor Kurzem den neuen Essay über die Hoffnung von Byun-Chul Han hier vorgestellt haben, möchte ich Ihnen heute das neue Buch von Stefan Hertmans ans Herz legen. Vor Jahren haben wir seinen biografischen Roman „Der Aufgang“ hier gebloggt. Ein Buch über ein Haus, in das Hertmans eingezogen ist und in dem eine Nazigröße gewohnt hat. Ein unglaublich toller Bericht und Überblick über Jahre des Terrors. Das Taschenbuch sollte eigentlich immer bei uns zu finden sein.
Jetzt also ein Band mit 20 Essays, die während des Lockdowns geschrieben und mit einem aktuellen Nachtrag versehen worden sind.
Stefan Hertmans betrachtet die großen Veränderungen, die umwälzenden Verschiebungen in unserer Gesellschaft, auf unserem Planet und beginnt mit dem Klimawandel, der alles, was wir tun und denken auf die Probe stellt, oder ad absurdum führt.
Alle Essays sind miteinander verknüpft. Wie könnte es auch anders sein, denn Identitäspolitik, die Schwächung von Demokratien, die weltweiten Migrationsströme hängen eng miteinander zusammen.
Er schreibt über die (Über)Macht der Männer, über die Wichtigkeit von gedrucktem Wort im Gegensatz zu den schnellen Klicks im Internet. Und über allem steht die Hoffnung. (s. Byun-Chul Han)
Kluge, aktuelle Essays, die so anregend sind, dass ich mir seine Literaturliste kopiert habe, da dort Bücher zu finden sind, die ich schon lange mal lesen wollte.

Leseprobe
________________________________________

Auf tagesschau.de gefunden
Max Bauer, ARD Rechtsredaktion

EMGR-Entscheidung (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte)
Klimaschutz – ein Menschenrecht

Mit dem EGMR-Urteil zugunsten der Aktivistinnen aus der Schweiz ist klar: Klimaschutz ist eine Menschenrechtsfrage und kann vor Gericht eingeklagt werden. Allerdings müssen Kläger auf bestimmte Weise vorgehen.
Es sind drei Klagen, über die heute in Straßburg entschieden wurde. Eine ist vom Verein der Schweizer Klimaseniorinnen – 2.000 Schweizerinnen, die darauf hinweisen, dass der Klimawandel besonders ältere Frauen belaste. Außerdem hatten Jugendliche und junge Erwachsene aus Portugal sowie ein Oberbürgermeister einer französischen Gemeinde am Atlantik geklagt.
Sie alle argumentierten ähnlich: Ihre Rechte aus der Europäischen Menschenrechtskonvention werden verletzt, wenn die Staaten nicht mehr gegen den Klimawandel tun. Bei Waldbränden und Überschwemmungen seien allein in ihren Heimatländern schon viele hundert Menschen ums Leben gekommen. Das Spektakuläre an der Klage der Portugiesen: Sie hatten 32 Staaten in Europa verklagt – direkt in Straßburg, ohne vorher in ihrem eigenen Land den Rechtsweg zu beschreiten, wie das sonst üblich ist. 
Ihre Klage hatte aber keinen Erfolg. Der Gerichtshof sagt, dass die Jugendlichen nicht beliebig viele Staaten verklagen können, die über ihr Leben in Portugal keine Herrschaftsgewalt hätten. Das wäre eine zu weitgehende Haftung von Staaten für die Folgen des Klimawandels in anderen Ländern. Und in Portugal selbst hätten die Jugendlichen sich erst an die Gerichte wenden müssen. …

Hier geht es zum kompletten Beitrag.
_________________________________

EU-Klimadienst Copernicus
Auch im März neuer Temperaturrekord gemessen

Der Trend hält an: Im zehnten Monat in Folge haben Forschende einen Temperaturrekord verzeichnet. 14,14 Grad betrug die durchschnittliche Lufttemperatur im März. Auch die Erwärmung der Weltmeere schreitet voran.
Der vergangene März war weltweit der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das geht aus Daten des EU-Klimadienstes Copernicus hervor. „Der März 2024 setzt die Reihe der Klimarekorde fort, die sowohl für die Luft- als auch für die Meeresoberflächentemperaturen gebrochen werden, mit dem zehnten Rekordmonat in Folge“, erklärte Copernicus-Vizedirektorin Samantha Burgess. …

tagesschau.de
______________________________

Klimaliste Ulm für die Gemeinderatswahl am 9.Juni 2024


Montag, 25.März

Heute haben
Flannery O’Connor
Wieslaw Mysliwski * 1932
Mohammed Choukri * 1935
Geburtstag
______________________________

Ernst Stadler (1883-1914)
Betörung

Nun bist du, Seele, wieder deinem Traum
Und deiner Sehnsucht selig hingegeben.
In holdem Feuer glühend fühlst du kaum,
Daß Schatten alle Bilder sind, die um dich leben.

Denn nächtelang war deine Kammer leer.
Nun grüßen dich, wie über Nacht die Zeichen
Des jungen Frühlings durch die Fenster her,
Die neuen Schauer, die durch deine Seele streichen.

Und weißt doch: niemals wird Erfüllung sein
Den Schwachen, die ihr Blut dem Traum verpfänden,
Und höhnend schlägt das Schicksal Krug und Wein
Den ewig Dürstenden aus hochgehobnen Händen.
_____________________________

Unser Buchtipp für die Manteltasche:


Doris Dörrie: „Die Reisgöttin und andere Mitbringsel
Diogenes Verlag Reihe Tapir € 24,00

Ihre Familie treibt sie in den Wahnsinn, wenn Doris Dörrie von ihren vielen Reisen jedesmal etwas mitbringt: eine Origami-Schnecke aus Japan, eine Ringer-Maske aus Mexiko, die Figur einer Reisgöttin aus Bali, Boxerstiefel aus New York oder Borotalco, ein Wundermittel gegen Flecken aus Italien.
Wir kennen den Moment im Urlaub ja auch, wenn wir fasziniert von einem Gegenstand, den erwerben und daheim entwickelt es sich zu einem unnützen Staubfänger.
Doris Dörrie lässt uns an ihren Miniaturen teilhaben, an diesen Momenten des Entdeckens und was sie jetzt immer noch mit diesen Mitbringseln verbindet.
Die Plastik-Kirschblüten aus Japan erzählen von Dreharbeiten und dem flüchtigen Augenblick der Schönheit. Dr. Bronners Magic Soap aus den USA erinnert an eine lebenslange Freundschaft. Die ramponierte Plüschkatze aus Istanbul gibt Zuversicht und Mut zum Durchhalten. Die Hasenkaraffe vom Flohmarkt im Allgäu gibt Anlass zu einer Liebeserklärung an herrlich unnützen Kitsch. Safran aus Spanien macht unweigerlich fröhlich, ob in der Paella oder im Risotto Milanese.
Die Texte stammen aus ihrer Kolumne „Aus meinem Handgepäck“ in der ZEIT. Drei Mitbringsel sind hier zum ersten Mal abgedruckt.

Zur neuen Reihe Diogenes Tapir sagt der Verleger Philipp Keel:

Warum haben Sie sich dafür entschieden, gerade zum jetzigen Zeitpunkt mit Diogenes Tapir eine neue Reihe zu starten?

Philipp Keel: »Mit Diogenes Tapir präsentieren wir Bücher für ein eigensinnigeres Leben, mit denen wir die Gegenwart durchstreifen und der Zukunft in die Augen schauen. Geschichten bringen uns auf andere Gedanken und lassen uns an etwas glauben, auch wenn die Welt gerade etwas hoffnungslos scheint. Die fünf Titel, die wir nun präsentieren, haben uns dazu angestiftet, eine Reihe zu starten, die anders tickt, unserer Stimmung guttut.«

Wie wichtig ist Ihnen der Tapir, der es sogar auf das Cover der neuen Vorschau geschafft hat?

Philipp Keel: »Der Tapir ist mit Kindheitserinnerungen verbunden. Mit Tante Agnes ging ich gerne in den Zoo. Wenn wir dort ankamen, hatte ich nur eines im Sinn, dem Weg nach der Kasse bis zur Treppe unter dem Reptilienhaus zu folgen. Mit jedem Schritt kam ich meiner außerirdischen Liebe etwas näher. Die dicke Holztür stand offen, es roch modrig, eine Glühbirne an der Decke schien auf das seltsame Tier mit seinem glänzenden Fell. Der Tapir stand auf einer Insel von frischem Heu, einsam auf seine Gäste schauend. Ich hätte ihn gerne befreit, aber ich wusste, dann würde ich ihn nie wiedersehen. Dass dieses Wesen einmal in unseren Verlag einziehen würde, hätte ich nicht gedacht. Tapire leben seit Millionen von Jahren auf der Erde. Sie sind geduldige Waldbewohner und geschickte Bergsteiger, vorsichtig und dennoch äußerst neugierig.«

Bei Diogenes Tapir erscheinen am 20. März fünf sehr unterschiedliche Titel. Was ist das verbindende Element?

Philipp Keel: »Alle Sachbücher und Romane in dieser Reihe lassen uns unsere eigenen Antworten finden, sie trösten und verzaubern, erzählen von Natur, der Geschichte der Menschheit, ihren Kulturen, von Gemeinschaft und Respekt. Es sind Bücher, die uns wach, aber auch gelassen machen.«
________________________________