Donnerstag, 19.Mai

Besuch am frühen Morgen

Heute haben
Rahel Varnhagen von Ense * 1771
Fritz Rudolf Fries * 1935
Otto Jägersberg 1942
David GLattauer * 1960
Jodi Picoult * 1966
Geburtstag
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Heute auf dem Gedichte-Kalender:

Karl Bröger (1886-1944)
Aufschwung

Unter uns gähnt Nacht und Grauen
und ein Meer von totem Blut.
Brüder, laßt uns aufwärts schauen,
wo allein die Rettung ruht.

Droben schwingt in hoher Runde
Stern bei Sternen aus und ein,
Zeichen einem neuen Bunde
zwischen Mensch und Mensch zu sein.

Brüder, schaut, wie frisches Hoffen
leuchtend in das Dunkel bricht.
Morgen tritt, vom Glanz getroffen,
der versöhnte Mensch ins Licht.
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Unser Buchtipp:


Katja Petrowskaja: „Das Foto schaute mich an
Bibliothek Suhrkamp € 25,00

Katja Petrowskaja ist in Kiew geboren, lebt und arbeitet seit über 20 Jahren in Berlin. Die Kiewer Vororte Butscha und Irpin sind die Orte ihrer Kindheit und auch die letzten Sommer hat sie dort verbracht. In der FAZ schreibt sie seit 2015 Texte zu Fotos und jetzt erscheint eine Sammlung von 52 Kolumnen.
Es sind Fotos aus privaten Alben. Fotos, die sie in Ausstellungen gesehen hat, oder in diversen Tageszeitungen und wie man halt über Fotos stolpert. Wir finden das rauchvernebelte schwarze Gesicht eines Grubenarbeiters, ein syrisches Geflüchtetenpaar bei der Landung auf Lesbos („Venus ist wieder da“), ihre Mutter Jahre vor ihrer Geburt, Eisblumen in Davos und einen schwarzer Opernsänger 1953 in einem Park in Leningrad. Ein blinder Junge und eine Frau mit hochtoupierter Frisur inmitten von vielen anderen Frauen am Fließband in Bottrop.
Dazu denkt sie sich Geschichten aus, recherchiert aber auch akribisch, wo und wann das Foto entstanden ist und wer die Person darauf ist. Es entstehen kleine Prosastücke wie Perlen an einer Kette. Ein Stück Zeitgeschichte erzählt in einer minimalistischen Form.
Ein Foto zeigt sie selbst als Mädchen, wie sie mit der linken Hand ein Bild malt. Jetzt wird ihr klar, dass sie irgendwie anders ist, woher ihre Macken kommenund dass sie wohl umerzogen worden ist in der Sowjetunion. Bis sie am Ende entdeckt, dass das Foto spiegelverkehrt ausgedruckt worden ist. Also ist sie doch keiner der Engel über Berlin. Aber es hätte ja sein können. Ein bißchen von diesen Gedanken bleiben in ihr.

Leseprobe
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Heute in der Stadtbibliothek:

Buchpräsentation in der Stadtbibliothek Ulm
Donnerstag, 19.Mai, 19:30 Uhr

Christine Langer: „Ein Vogelruf trägt Fensterlicht“

Traumnuance
Das ist poetisches Denken, sagst du,
Dieses Befinden zwischen Bewegung und Stillstand,
Schließ die Augen, ich lese dich auf.


An der Schwelle
Lichtrisse schieben den Himmel vor sich her, bevor sie die Abend-
Glocken in die Baumwipfel hängen
Schwer wiegen sich die Schatten des Walds in den Wolken
Und spannen Laken über die Erde
Der Geruch feuchter Steine trägt Spuren wilder Tiere in mein Haus:
Ich habe die Stirn gelehnt an die offene Tür der Nacht

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tagesschau.de / Von Kathrin Hondl, ARD-Studio Genf:

Weltwetterorganisation zu Klimakrise
„Größte Gefahr in diesem Jahrhundert“

Höchststände bei Treibhausgasen und Meeresspiegel – Klimaforscher melden alarmierende Werte in mehreren Bereichen. Und eine Trendwende beim Klimawandel ist nicht in Sicht.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von einer „düsteren Litanei des Versagens der Menschheit“. Der neue Bericht der Weltwetterorganisation WMO hält fest: Auch 2021 gab es wieder klare Zeichen für den menschengemachten Klimawandel – neue Rekorde bei Treibhausgaskonzentrationen, dem Anstieg des Meeresspiegels, sowie Temperaturanstieg und Versauerung der Ozeane.
Extremwetter habe Menschenleben und Wohlstand zerstört und zu wirtschaftlichen Verlusten in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar geführt.
Weiteres Hitzerekordjahr wird kommen
Der neue Klimabericht bestätigt auch: Die vergangenen sieben Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Auszeichnungen. 2021 lag die globale Durchschnittstemperatur 1,11 Grad über dem vorindustriellen Niveau. 
Das Erreichen des 1,5 Grad-Ziels – also die Begrenzung der globalen Erhitzung auf 1,5 Grad – sei eine enorme Herausforderung, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem weiteren Hitzerekordjahr komme.

Der komplette Bericht auf tagesschau.de

Montag, 25.April


Heute haben
Clarin * 1852
Claude Mariac * 1914
Albert Uderzo * 1927
José A.Valente * 1929
Per Gunnar Evander * 1933
Elfriede Czurda * 1946
Geburtstag
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Martin Greif (1839-1911)
Die schöne Blumenverkäuferin

Am Marktplatz bei der Ecke
Da hab′ ich niemals Eil′,
Da sitzt ein schönes Mägdlein
Und bietet Blumen feil.

Im Frühjahr waren′s Veilchen,
Jetzt Maienglöcklein fein,
Im Sommer werden′s Rosen,
Im Herbste Nelken sein.

So nehm′ ich jeden Morgen
Ein frisches Sträußlein mit,
Doch wann es Winter worden —
O weh, dran dacht′ ich nit!
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Unser Buchtipp:


Jennifer Clement: „Auf der Zunge
Aus dem Amerikanischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Suhrkamp Verlag € 20,00

Die amerikanische Autorin, die in Mexiko Stadt wohnt, war, oder ist, Präsidentin des internationalen PEN-Clubs. In deutscher Übersetzung gibt es zwei Bücher von ihr, in denen, wie in all ihren Bücher, die noch nicht übersetzt worden sind, Frauen eine zentrale Rolle spielen. In „Gun Love“ (ein Lieblingsbuch von mir) wohnen Mutter und Tochter in einem PKW auf einem Trailerpark, in „Gebete für die Vermissten“ dreht es sich um verschwundene Mädchen in Mexiko.
In ihrem neuen Roman lässt sie eine Frau durch Manhattan streifen. Sie hat sich in ihrer Ehe von ihrem Partner erfernt, ist sprachlos geworden. Nun zieht durch ihr Viertel, entlang an den Brownstone Häusern und trifft auf verschiedene Männer, die wie aus dem Nichts (oder ihrer Phantasie) auftauchen. Die Kapitel werden nach den Männern benannt, wie z.B. der Dichter, der Astronaut, der Räuber, der Löwenbändiger, … . In diesen Gesprächen, in diesen Gedankengängen findet sie wieder zu ihrer Lebendigkeit zurück, in einer Stadt, in der das Geld regiert und das Menschliche verlorengegangen ist. Auf diesen langen Spaziergängen ertastet sie sich in eine mögliche Zukunft, jenseits der Sprachlosigkeit und Gefühlskälte.
Jennifer Clement hat hier ein aktuelles Thema aufgegriffen und in eine besondere, gewagte Konstruktion gepackt, die mal zärtlich und sanft, aber auch direkt, ehrlich und sehr persönlich ist.

Leseprobe

Donnerstag, 21.April

Heute haben
Charlotte Bronte * 1816
Peter Schneider * 1940
Geburtstag
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“I am no bird; and no net ensnares me: I am a free human being with an independent will.”
Charlotte Bronte aus „Jane Eyre“
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Unser Buchtipp:


Lale Gül: „Ich werde leben
Aus dem Niederländischen von Dania Schüürmann
Suhrkamp Verlag € 18,00

„Ich werde leben“ – so heißt der Debütroman der 25-jährigen Niederländerin Lale Gül. Sie schaffte es damit auf Anhieb an die Spitze der Bestsellerlisten und löste eine landesweite Debatte über Integration, Islamophobie und Parallelwelten aus. Von Islamisten erhielt sie Morddrohungen und musste zu ihrem eigenen Schutz vorübergehend untertauchen.
Lale Gül (Jahrgang 1997) wuchs in Amsterdam in einem ultrakonservativen musilimischen Milieu auf. Schon als Kind ging sie in die Koranschule mit ihren strengen Regeln, insbesondere für Frauen.
„Alles, was mir – oder Büsra – Spaß macht im Leben, Musik hören, ausgehen, an den Strand gehen, Beziehungen, Sex, Freunde, frei seine Meinung sagen, alles denken dürfen und alles bezweifeln – all das war verboten. Im Namen des Glaubens.“

Eine starke Lektüre über das Heranwachsen in einer Paralellwelt, wie wir es auch aus dem Buch „Unorthodox“ von Deborah Feldman kennen.

Leseprobe

Hier kommen Sie zur Sendung „Titel, Thesen, Tempramente„, die Lale Gül eingeladen hat und u.a. mit einem Video vorstellt.
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Programm heute abend, Donnerstag, 21. April, 20 Uhr

  • Mikołaj Laskowski Transnatural#2 für Streichquartett und Zuspielung
  • John Cage Aria, mit Fontana Mix für Stimme und Zuspielung
  • Clara Iannotta dead wasps in the jam-jar (iii) für Streichquartett und Sinuswellen
  • Laurie Schwartz Outtakes from the Dangerous Women Files: #1. the heroines (UA der Ulmer Version) für Stimme, Elektronik & Video
  • Luigi Nono La Fabbrica Illuminata für Stimme und Zuspielung
  • George Crumb Black Angels für Elektronisches Streichquartett

    Anna Clementi, Stimme / European Music Project / Joachim Glasstetter, Klangregie