Montag, 17.Mai

Heute haben
Lenka Reinerova * 1916
Lars Gustafsson * 1936
Peter Hoeg * 1957
und Udo Lindenberg * 1946
Geburtstag
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Justinus Kerner

Wenn der Wald im Winde rauscht,
Blatt mit Blatt die Rede tauscht,
möcht ich gern die Blätter fragen:
Tönt ihr Wonnen? Tönt ihr Klagen?

Springt der Waldbach talentlang,
mit melodischem Gesang,
frag ich still in meinem Herzen:
Singt er Wonne? Singt er Schmerzen?
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Unser Tipp:


Shida Bazyar: „Drei Kameradinnen
Kiepenheuer&Witsch Verlag € 22,00

Viel mag ich über diesen Roman gar nicht schreiben, denn die Autorin legt so viele Fallstricke aus, dass ich oft nicht mehr wusste, welches Spiel sie mit mir treibt. Gleich zu Beginn, nach einem Zeitungsartikel als Prolog, stellt sie klar, dass sie haargenau alles aufschreiben will, was bis zu dieser bestimmten Nacht, in der ein Haus gebrannt hat und Menschen darin gestorben sind, passiert ist. ein Satz später verwirft sie ihre Aussage wieder.
Shida Bazyar hat vor fünf Jahren ihren Roman „Nachts wird es still in Teheran“ veröffentlicht und damit einen großen Erfolg gelandet. Es war u.a. das Buch, das die Stadt Stuttgart gelesen hat.
Zurück zu den drei Kameradinnen. Den Titel hat sie dem Roman „Drei Kameraden“ von Remarque entliehen, nur dass sie einen Roman mit drei Freundinnen schreiben wollten. Diese drei jungen Frauen sind mit ihren Familien nach Deutschland gekommen, geflüchtet, eingewandert und leben ihr Leben viel viele andere jungen Menschen. Sie gehen auf Partys, sie trinken, verlieben sich, reden, diskutieren, gehen zum Arbeiten oder Studieren. Und doch leben sie auch ein ganz anderes Leben in mitten von Ausländerhass, Rassismus, Sexismus und Gewalt von Rechten und Rechtsradikalen.
Shida Bazyar lässt die Erzählerin mit viel Witz, bissigem Humor aufschreiben, wie diese drei Frauen sich durch den Alltag kämpfen. Drei verschiedene Charaktere, wobei eine, die Erzählerin uns immer wieder direkt anspricht, anklagt, verhöhnt und uns in die Irre führt.
Ich könnte noch so viel über dieses sehr aktuelle Buch schreiben, das mir außerordentlich gut gefallen hat und in dem ich in alle Fallengruben geflogen bin, die Shida Bazyar ausgelegt hat.
Eine starke Lektüre, die radikal offen legt, was hier in Deutschland falsch läuft und das sich, durch seine freche, ironische Schreibe extrem gut liest.
Ja: Lesen.

https://www.swr.de/swr2/programm/14-dezember-shida-bazyar-auszug-aus-drei-kameradinnen-100.html

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Über 370.000 Kilometer sind bis jetzt in Ulm geradelt worden.
Das Team Jastram hat über 2.000 km erreicht und Alexandra führt mit über 390 km die Teamwertung an. Super. Noch eine Woche.

Samstag, 15.Mai

Heute haben
Arthur Schnitzler * 1862
Emily Dickinson * 1886
K.A.Porter * 1890
Michail Bulgakow * 1891
Max Frisch * 1911
Raymond Federman * 1928
Geburtstag
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Emily Dickinson
Hope

„Hope“ is the thing with feathers –
That perches in the soul –
And sings the tune without the words –
And never stops – at all –

And sweetest – in the Gale – is heard –
And sore must be the storm –
That could abash the little Bird
That kept so many warm –

I’ve heard it in the chillest land –
And on the strangest Sea –
Yet – never – in Extremity,
It asked a crumb – of me.
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Unser Bilderbuchtipp:


Anna Fiske: „Alle gehen in die Schule
Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger
Hanser Kinderbuch Verlag € 14,00
Bilderbuch ab 4 Jahren

Zur Schule gehen, ist seit Monaten gar nicht so einfach. Aber es wird auch wieder mehr Normalität geben. Was bleibt, ist auf jeden Fall das Besondere eines ersten Schultages und die Unsicherheit, was auf die SchulanfängerInnen zukommt.
Wie schon in ihrem Vorgängerbuch „Alle haben einen Po“, erklärt uns die norwegische Autorin und Bilderbuchmalerin Anna Fiske ein komplexes System sehr anschaulich und mit viel Humor. Hier wird der Schulstart leichtgemacht.
Was macht eigentlich ne Klassenlehrerin, wie ist das mit dem Stillsitzen im Unterricht und Toben in den Pausen? Was sind Pausenbrot und Hausaufgaben? Wie komme ich überhaupt in die Schule und wo mache ich Pipi? So eine Schule ist ganz schön groß und viele Kinder und Erwachsene schwirren herum.
Das sind nur ein paar Kleinigkeiten aus dem großformatigen Bilderbuch. Lassen Sie sich überraschen von der Vielzahl von Ideen und lustigen Details, die sich die Autorin ausgedacht hat.

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2.475 TeilnehmerInnen haben in den ersten beiden Wochen 327.993 Kilometer erradelt.
Mal schauen, was in der letzten Wochen noch zusammenkommt.
Die 16 Radelnde haben 1.764 Kilometer geschafft und somit liegt das Team Jastram auf Platz 39.
Für alle, die sich nicht angemeldet haben, aber fleißig mit dem Rad unterwegs sind, bitte nicht vergessen, uns die Kilometer durchzugeben (gerne per Mail), damit wir die dazutragen können.
Bitte mit Namen und Geburtsdatum. Ich mache das aber auch anonym, oder mit Kürzel.

Montag, 10.Mai

Gestern hatte Sophie Scholl ihren 100.Geburtstag.
Das Banner hängt am ehemaligen Wohnhaus der Familie Scholl am Ulmer Münsterplatz.
Davor die Stehlen zur Erinnerung an die Weiße Rose.
(Foto: Uwe)

Heute haben
Johann Peter Hebel * 1760
Friedrich Gerstäcker * 1816
Fritz von Unruh * 1885
Petra Hammesfahr * 19561
Ralf Rothmann * 1953
Geburtstag
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Johan Peter Hebel
Abendlied wenn man aus dem Wirtshaus geht

Jetzt schwingen wir den Hut.
Der Wein, der war so gut.
Der Kaiser trinkt Burgunder Wein,
Sein schönster Junker schenkt ihm ein,
Und schmeckt ihm doch nicht besser,
Nicht besser.
Der Wirt, der ist bezahlt,
Und keine Kreide malt
Den Namen an die Kammertür
Und hintendran die Schuldgebühr.
Der Gast darf wiederkommen,
Ja kommen.
Und wer sein Gläslein trinkt,
Ein lustig Liedlein singt
Im Frieden und mit Sittsamkeit
Und geht nach Haus zu rechter Zeit,
Der Gast darf wiederkehren,
Mit Ehren.
Des Wirts sein Töchterlein
Ist züchtig, schlank und fein,
Die Mutter hält’s in treuer Hut,
Und hat sie keins, das ist nicht gut,
Musst’ eins in Strassburg kaufen,
Ja kaufen.
Jetzt, Brüder, gute Nacht!
Der Mond am Himmel wacht;
Und wacht er nicht, so schläft er noch.
Wir finden Weg und Haustür doch
Und schlafen aus im Frieden,
Ja Frieden.
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Unser Tipp:


Judith Vanistendael: „Penelopes zwei Leben
Graphic Novel
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann
Reprodukt € 20,00

Penelope ist nicht die Frau von Odysseus, die jahrelang auf ihren Ehemann wartet und die Freier abwert. Sie ist hier in dieser Graphic Novel eine Ärztin, die im Bürgerkrieg in Syrien versucht Menschenleben zu retten. Gleich zu Beginn, zu sehen auf der Diaschau oben, versucht die das Leben eines Mädchens zu erhalten. Was ihr aber nicht geliegt. Im oberen Teil des Bildes bekommt ihre eigene Tochter daheim zum ersten Mal ihre Tage. Beides hat mit Blut zu tun und doch ist es himmelweit verschieden. Sie hat ihre Tochter vier Jahre nicht gesehen.
Judith Vanistendael hat in ihrer neuen Graphic Novel ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen und erzählt und zeichnet es sehr intim und direkt. Die Ärztin ist auch Mutter und Ehefrau und auf ihrem Heimatbesuch wird sie im Kopf begleitet von dem Mädchen, deren Leben sie nicht retten konnte. Gleichzeitig hat ihre Tochter ganz andere Probleme, wie zum Beispiel die Lateinprüfung in der nächsten Woche. Und Odysseus? Ja, ihr Ehemann ist ein einfühlsamer Lyriker und liebevoller Ehemann, der Leben der gemeinsamen Tochter in den richtigen Bahnen hält.
Leicht haben es alle Personen in diesem Buch nicht. Aber wie soll es auch sein in dieser verrückten Welt.
Judith Vanistendael erzählt diese Episode mit so einer Empathie und Liebenswürdigkeit, dass wir das Buch, trotz all der Traumata, genießen können und auch unseren Blick weiten für die Probleme mir den Menschen in nah und fern.
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Über 2.000 TeilnehmerInnen beim Ulmer Stadtradeln haben bis jetzt fast 200.000 geradelt.
Hammer.
Das „Team Jastram“ hat schon über 1.000 km erradelt. Super. Danke. Toll.