Freitag, 29.Mai

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G.K.Chesterton * 1874
Kerstin Hensel * 1961
Dagmar Chidolue * 1944
haben heute Geburtstag
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Hugo Ball
Frühling

So hast du in Behutsamkeit
Mit Lauben und mit Ranken
Den Garten meiner Nacht umsäumt
Jetzt lächeln die Gedanken.

Nun singen mir im Gitterwerk
Die süßen Nachtigallen
Und wo ich immer lauschen mag
Will mir ein Lied einfallen.

Die Sonne strahlt in deinem Blick
Und geht in meinem unter.
So schenkst du mir den schönen Tag
Ein mildes Sternenwunder.

So hast du meinen dunklen Traum
Durchleuchtet aller Enden
Und wo ich immer schreiten mag,
Begegne ich deinen Händen.
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Im Stadthaus Ulm bis zum 25. Oktober 2020, täglich geöffnet, Eintritt frei
Die Welt, ein Raum mit Flügeln

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In diesem Jahr steht die Stadt Ulm ganz im Zeichen ihres Gleitflugpioniers Albrecht Ludwig Berblinger, der vor 250 Jahren hier geboren wurde. Ihm zu Ehren bietet das Stadthaus eine große Ausstellung. Das Besondere auch an dieser Ausstellung im Stadthaus ist: Sie ist täglich geöffnet und der Eintritt ist frei. Alle Ulmer Bürgerinnen und Bürger und die Gäste Ulms sind herzlich willkommen.

Als Albrecht Ludwig Berblinger, im Volksmund „der Schneider von Ulm“ genannt, am 31. Mai 1811 mit seinem Hängegleiter vor den Augen von Herzog, Prinzen und einer johlenden Menge Ulmer in die Donau stürzte, erntete er Spott. Heute aber ist klar, dass er ein Visionär war. Er wusste, dass die Welt ein Raum mit Flügeln ist!
Diese Welt haben im Stadthaus die Bühnenbildner Timo Dentler und Okarina Peter erschlossen. Eine Reihe von Stationen führt entlang von Pionierideen aus wissenschaftlicher Forschung und künstlerischen Visionen – aber Achtung! Legenden, Fakes und wahre Geschichten liegen eng beieinander. Sie sind erlebbar für jedermann und jede Frau, für Vorschulkinder, Jugendliche, Rentner, Nerds und Astrophysikerinnen.

Die Bandbreite an der Schnittstelle zwischen der Kraft der Fantasie und der Wissenschaft ist riesig. Die Welt ist ein Raum mit Flügeln.

Viele Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt haben etwas zu der Ausstellung beigetragen. Die Besucher begegnen aber auch den Gedanken eines Lufthansapiloten, der Weltsicht des Vaters der Rosetta Mission, den Erkenntnissen eines Quantenphysikers oder der Entwicklerin eines Mond- und Mars-Habitats.

Der Bühnenbildner Timo Dentler, 1971 in Ulm geboren, lebt in Berlin und arbeitet zusammen mit seiner Partnerin Okarina Peter an großen internationalen Theatern. Auch der für das Lichtdesign verantwortliche Wolfgang Göbbel, Jahrgang 1953, ist ein geborener Ulmer, der als Top-Beleuchter internationaler Festivals längst über die Grenzen seiner Stadt hinausgeflogen ist.

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1 Bradley Phillips „Rocket“ (Bearb. Dentler/Peter)
2 Reise durch die Erde Ausstellungsfoto: Nik Schölzel
3 Hämetunnel Ausstellungsfoto: Nik Schölzel
4 Windkanal Ausstellungsfoto: Nik Schölzel
5 ISS Ausstellungsfoto: Nik Schölzel
6 Spektakuläre Entdeckung: Berblingers Flagge auf dem Mond!
(Bearb. Dentler/Peter)
7 Geschlossenes Vakuumfallrohr durch die Erde, 12742 Kilometer lang. Durchflugdauer: 38,11 Minuten. Höchstgeschwindigkeit beim Erdmittelpunkt: 28.800 km/h. (Grafik: Nik Schölzel)

Dienstag, 25.September

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Heute haben
William Faulkner * 1897
Ernst von Salomon * 1902
Maj Sjöwall * 1935
Andrzej Stasiuk * 1960
Crlos Ruiz Zafón * 1964
Rebecca Gablé * 1964
Tanja Dückers * 1968
Geburtstag
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Max Dauthendey
Vorm Springbrunnenstrahl

Der Sommer brennt nicht mehr auf meine Haut,
Ich habe viel zu lang in die Ferne geschaut,
Daß mich das nächste Gartenbeet nicht mehr kennt,
Und mich der alte Buchsbaum schon Fremdling nennt.
Wie der Strahl des Springbrunnens sprang ich einmal
Hinein in den luftblauen Sommersaal.
Und fiel zurück und sprang von neuem auf gut Glück,
Wie ein springender Baum in der Bäume Zahl;
Und sprang doch nur täglich dasselbe Stück,
Wie der Springbrunnenstrahl, immer hoch und zurück.

Ich stehe noch immer am selben Teich,
Ringsum sommert dunkel das Blätterreich.
Viele Sommer streiften ab ihre grünen Häute;
Doch der Springbrunnen tanzt noch für die gaffenden Leute,
Und die gelben Fische schwimmen noch ihren Schatten nach
Und wedeln drunten in ihrem glashellen Gemach.
Mir ist, ich stehe seit meiner ersten Lebensstund‘
Hier am durchsichtigen Teich und sehe zum Grund,
Bald zur Höhe ins Kahle, und bald in die flache Wasserschale;
Indessen mein Blut verbraust, gleich dem scharfen Strahle,
Der aus der Erde saust und sich losreißt als ein schäumender Geist,
Und dem doch nie gelingt, daß er vom Platz fortspringt;
Der seinen Satz hinsingt mit neuem Munde, immer wieder heftig und kurz,
Und nichts der Höhe abringt, als jede Sekunde seinen eigenen Sturz.
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Susanne Link empfiehlt:

9783462051049

Michael Kumpfmüller:Tage mit Ora
Kiepenheuer & Witsch Verlag €  19,00

Ein Fünfzigjähriger, gut beringt unter den Augen und Ora ,10 Jahre jünger, lernen sich auf einer Hochzeit kennen und verstehen sich ganz gut. Als sie sagt, mit dir könnte ich verreisen, stimmt er zu und sie fliegen nach Seattle,um 10 Tage mit dem Auto gemeinsam die Orte des Songs „June on the West Coast“ abzufahren.
Reisen Sie mit den beiden – es lohnt sich.
Gute Dialoge,ungewöhnliche Orte und eine Reise,die unvergesslich bleibt.

Hier geht es zur Leseprobe.
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Das Verschwinden des Josef Mengele

Heute abend: Dienstag, 25. September 2018, 20 Uhr
Olivier Guez: „Das Verschwinden des Josef Mengele“

Stadthaus Ulm, Kulturbuchhandlung Jastram und DZOK Ulm

Lesung
Nüchtern und zugleich rasant erzählt Olivier Guez, wie es dazu kommen konnte, dass der Lagerarzt von Auschwitz, Josef Mengele, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dreißig Jahre lang unerkannt in Südamerika lebte.
Gedeckt von einem Netzwerk aus alten und neuen Nazis, konnten ihm weder der Mossad noch bundesdeutsche Ermittler etwas anhaben. Erst 1979 fand man seine Leiche an einem brasilianischen Strand.

Olivier Guez, 1974 in Straßburg geboren, ist Autor und Journalist. Er arbeitete unter anderem für Le Monde, die New York Times und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Für das Drehbuch von Der Staat gegen Fritz Bauer erhielt er zusammen mit Lars Kraume 2016 den Deutschen Filmpreis.
Mit „Disparition de Josef Mengele“ gewann Guez 2017 den Prix Renaudot. In Frankreich wurden 200.000 Exemplare des Buchs verkauft. Es ist in mehr als 25 Ländern erhältlich.

Der Autor lebt in Paris und ist im September 2018 in Deutschland auf Lesereise.

Im Stadthaus lesen Olivier Guez und Clemens Grote.

Eintritt: 5 € an der Abendkasse

Donnerstag, 4.Februar

Heute haben
Pierre Marivaux * 1688
Friedrich Glauser * 1896
Jacques Prévert * 1900
Alfred Andersch * 1914
Betty Friedan * 1921
Werner Schwab * 1958
Stewart O’Nan * 1961
Geburtstag
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Mit etwas Verspätung, setze ich den Februar-Gedichtband auf den Blog.
Ich habe den Eintrag vom letzten Jahr übernommen, damit wir uns an das Wetter von vor einem Jahr erinnern. Von Schnee ist im Moment nicht die Rede, obwohl gerade jetzt etwas Weißes vom Himmel fällt.

978-3-15-019112-5

Februar
Herusgegeben von Christine Schmidjell und Evelyne Polt-Heinzl,
wie alle anderen Monatsgedichte in dieser Reihe.
Reclam Verlag € 5,00

Wieder sind es fast 70 Gedichte, die hier in das Februar-Heftchen aufgenommen worden sind und wieder ist kein Goethe dabei. Die beiden Damen halten an ihrem Prinzip fest. Gut so! Goethe findet sich in vielen anderen Anthologien und zu allen Gelegenheiten. So kommen wir auch mal ohne ihn aus.

Ringelnatz dichtet sich schon in den Karneval:

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,
Berta, wir gehn zum Faschingsball,
Zu Karnevallerie Krawall,
Pot-Pickles, Mixed-Pourri und Drall.
Denn mancherlei im Leben
vielerlei!
Das man nicht sagt, läßt tanzen sich und gröhlen
Und köstlich ist ein unverbindlich Küssen.

In der Anthologie hat es auch Überschriften wie “Das wilde Treiben”, “Ballgeflüster”, “Frühlingserwartung” und “Vorfrühling”. Wir bleiben jedoch noch bei den Wintergedichten, bei den Schneemassen vor den Häusern und so wie ich gestern Schneeschippen durfte. Wir bleiben somit bei den Rubriken “Immer noch Winter” und “Stille Februartage”:

Christian Friedrich Hebbel
Winter-Landschaft

Unendlich dehnt sie sich, die weiße Fläche,
bis auf den letzten Hauch von Leben leer;
die muntern Pulse stocken längst, die Bäche,
es regt sich selbst der kalte Wind nicht mehr.

Der Rabe dort, im Berg von Schnee und Eise,
erstarrt und hungrig, gräbt sich tief hinab,
und gräbt er nicht heraus den Bissen Speise,
so gräbt er, glaub’ ich, sich hinein ins Grab.

Die Sonne, einmal noch durch Wolken blitzend,
wirft einen letzten Blick auf’s öde Land,
doch, gähnend auf dem Thron des Lebens sitzend,
trotzt ihr der Tod im weißen Festgewand.

Joseph von Eichendorff
Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

Richard Dehmel
Winterwärme

Mit brennenden Lippen,
unter eisblauem Himmel,
durch den glitzernden Morgen hin,
in meinem Garten,
hauch ich, kalte Sonne, dir ein Lied.

Alle Bäume scheinen zu blühen;
von den reifrauhen Zweigen
streift dein Frühwind
schimmernde Flöckchen nieder,
gleichsam Frühlingsblendwerk;
habe Dank!

An meiner Dachkante hängt
Eiszapfen neben Zapfen,
starr,
die fangen zu schmelzen an,
Tropfen auf Tropfen blitzt,
jeder dem andern unvergleichlich,
mir ins Herz.
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Stadthaus Ulm
17. Dezember 2015 bis 13. März 2016
Nadja Wollinsky: Am Rand
Fotografien aus Ulm, Neu-Ulm und Umgebung

„Ich würde nie etwas fotografieren, das ich hässlich finde.“
Diese Fotos soll man sich genau anschauen. Man soll sich Zeit für sie nehmen, denn hier kann es aufs ganz kleine Detail ankommen. „Im Idealfall“, sagt sie stattdessen, „funktionieren die Bilder auf drei Ebenen: Farbe, Form und Inhalt. Klappt leider nicht immer.“
In Ulm und Neu-Ulm entdeckt Nadja Wollinsky Randerscheinungen, doch bildet sie keine Tristesse ab. Ihre Settings sind meist menschenleer, doch nicht vereinsamt. Nicht selten erzählen die Bilder von einem Scheitern, doch immer sind sie tröstlich. Sie sind leise lustig, doch nie sich lustig machend. Sie sind subtil und niemals platt. Und ein Saurier vor einer Neu-Ulmer Bahntrasse-und-Parkhaus-Kulisse ist irgendwie „menschlich“.

Nadja Wollinsky, Jahrgang 1967, wurde Mitte der 90er Jahre am Stadtarchiv Ulm zur Fotografin ausgebildet und leitet seit 2006 die Bilddokumentation der Stadt Ulm. Dazwischen absolvierte sie ein Studium „Digitale Medien“ und war zuständig für Grafik und Fotografie in der Öffentlichkeitsarbeit der Hochschule Ulm.

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