Dienstag, 8.März

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Heute haben
Kenneth Grahame * 1859
Heinar Kipphardt * 1922
Walter Jens * 1923
Juri Rytcheu * 1930
Jeffrey Eugenides * 1960
Geburtstag.
Aber auch Anselm Kiefer und Sascha Waltz.
Heute ist Weltfrauentag.
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20018

Mario Vargas Llosa: „Sonntag
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot
Mit Illustrationen von Kat Menschik
Insel Bücherei € 16,00

Die Bücher in der Insel Bücherei sind immer wieder für eine Überraschung gut.
So auch hier mit der Erzählung „Sonntag“, die im etwas größeren Insel Bücherei Format gerade erschienen ist.
Der Text erschien 1959 und ist wirklich grossartig. Aber durch die Illustrationen von Kat Menschik wird sie zu einem kleinen Meisterwerk. Da ich nicht weiss, ob ich Abbildungen hier veröffentlichen darf, schauen Sie bitte in die Leseprobe. In der sind viele Illustrationen zu sehen. Unglaublich gut und stimmig.
Also gleich mal die Bitte, die Aufforderung vorne weg:
1. Selber lesen
2. Dann an alle Freunde verschenken

Es sind die späten fünfziger Jahre in Lima, Miguel liebt Flora, aber er fürchtet, dass sein Kumpel Rubén sie ihm ausspannen wird. Erist verzweifelt, weiss auch noch gar nicht, ob Flora wirklich mit ihm gehen will, oder vielleicht doch eher Rubén vorzieht, der alle Frauen bekommt. In der Stammkneipe trifft er die Jungs seiner Clique „Die Raubvögel“. Er schmeisst eine Runde Bier, Essen und in der aufgekratzten Stimmung fordert er Rubén zum Wetttrinken auf. Miguel hat gegen Rubén eigentlich keine Chance, aber sie trinken beide gleich viel, so dass eine endgültige Entscheidung gefällt werden soll. Die findet im Wasser, im Meer statt. Dort hat Miguel noch weniger Chancen, als vorher beim Biertrinken, als er sich ganz wacker geschlagen hat. Aber gegen den austrainierten Schwimmer  Rubén kann es nur schlecht für ihn ausgehen. Doch er spielt sich auf und geht sofort auf die Wette ein, obwohl Rubén meint, dass es doch zu kalt und das Meer zu aufgewühlt sei.
Die komplette Clique geht, läuft, springt zum Strand. Kalter Wind und Gischt kommt ihnen entgegen. Die beiden Jungs ziehen sich aus und Rubén springt elegant ins Wasser. Miguel folgt im etwas ungelenk und ist geschockt durch die Kälte des Wassers.
Das was nun folgt, das Wettschwimmen bis zur Boje und zurück, beschreibt der Nobelpreisträger Vargas LLosa so intensiv und genial und steigert sich von den ersten bis zur letzten Zeile. Dieser Kampf auf Leben und Tod hat es in sich.
Das Ende mag ich nicht verraten. Lesen Sie selbst und genießen Sie die Illustrationen von Kat Menschik.
Ich wiederhole mich gerne: Schauen Sie in die Leseprobe.

Leseprobe


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Werner Färbers Ungereimntheit der Woche
Das Murmeltier

Murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel.
 
Sieh doch nur: ein Murmeltier! 
Hörst du wie es murmelt hier?

Murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel, murmel. 

Ich seh und hör kein Murmeltier!
Schade, grade war’s noch hier!

 

Samstag

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Heute haben
Voltaire * 1694
Franz Hessel * 1880
Veza Canetti * 1897
Margriet de Moor * 1941
Geburtstag

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„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“
Voltaire
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Unseren Buchtipp fürs Wochenende hatten wir auf unserer letzten 1.Seite vorgestellt.
Hier auf dem Blog nochmals, zum in Ruhe nachlesen und weil es einfach ein wichtiges Buch ist, das von der Vergangenheit, bis in die aktuelle französische Gegenwart reicht.

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Marceline Loridan-Ivens:Und du bist nicht zurückgekommen
Insel Verlag  € 15,00
 
Dieser schmale Band im Insel Verlag erzählt eine seltsame und wahre Geschichte.  Siebzig Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters, ermordet in Auschwitz, erinnert sich die Autorin zum ersten Mal öffentlich und schreibt nach dieser langen Zeit einen Brief an den Vater, den sie ihr Leben lang vermisst hat. Selbst Deportierte und Überlebende von Birkenau,versucht sie, sich diesem Verlust, ihrem eigenen Vergessen, aber auch ihrem Schmerz anzunähern. Der Vater und die damals 15-jährige Autorin
Marceline werden gemeinsam abtransportiert, aber eben auf verschiedene Lager aufgeteilt. Sie erinnert sich an Gräuel, Hunger, Gewalt, Krankheit, Angst, an Apathie und Verzweiflung und an eine kleine von ihrem Vater handgeschriebene Botschaft, von einem Mitgefangenen überbracht. Aber sie erinnert sich nicht an den Inhalt der Botschaft. Diese Fehlstelle ihres Gedächtnisses wird zum Bild für alles Unaussprechliche ihres Kummers, für ihre Unfähigkeit, ein ,normales‘ Leben nach dem Holocaust zu führen.
Ein normales Leben kann sie auch deshalb schon nicht führen, da sie bei ihrer Rückkehr aus dem KZ von einem Onkel am Bahnhof abgeholt wird, der ihr sagt:: „Zeige deine Nummer nicht. Sie werden es nicht verstehen“. So bleibt sie fremd bei ihren eigenen Leuten, innerhalb ihrer Familie. Sie kritisiert jedoch auch den latenten Antisemitismus in Frankreich und die öffentliche Nichtbeachtung der vielen Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Ermordungen jüdischer Mitbürger.
 
Loridan-Ivens ist Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin, mit ihrem Mann hat sie zahlreiche Dokumentarfilme gedreht, u.a.Birkenau und Rosenfeld. Dieses Buch ist beeindruckend, zutiefst bewegend und wahr.


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Morgen gibt es die 11. Folge der Sonntagsskizzen von Detlef Surrey.
Noch einmal italienische Eindrücke aus Rom und Pitigliano.

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